Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 1 (1.1-1.4) · Abitur Hessen Wirtschaftslehre LK 2022

Thema: Verbrauchsfunktionen, Produktionsfunktion und Kostenverläufe · Aus der Prüfung LK (2022)

Aufgabenstellung

Flitz AG

Die Flitz AG ist ein bekannter Zweiradhersteller, der seit 1985 Zweiräder konstruiert und produziert. Der Gründer Fritz Litz hat zunächst Mountainbikes in Serienfertigung hergestellt. Seit 2010 konstruiert die Flitz AG auch Elektro-Fahrräder. Zurzeit bietet sie Trekkingbikes und sportliche Crossbikes mit leistungsstarken Akkus an. Die Crossbikes wurden 2019 auf dem Markt eingeführt.

Mit der Entwicklung von Elektromotorrädern will die Flitz AG einen neuen, schnell wachsenden Markt erobern. Nach einer zweijährigen Entwicklungsphase konnte im Januar 2021 das erste Modell gefertigt und verkauft werden. Der neue E-Scooter mit einem 3,5 kW Motor ist vor allem für den Stadtverkehr konstruiert worden. Er zeichnet sich durch eine schnelle Beschleunigung und ein agiles Fahrverhalten aus.

Das klassische Mountainbike (MB), das E-Trekkingbike (E-Trek), das E-Crossbike (E-Cross) und der E-Scooter (ES-50) bilden damit das derzeitige Produktionsprogramm der Flitz AG. Durch modernste Fertigungstechniken lassen sich das E-Crossbike und der E-Scooter individuell an Kundenwünsche anpassen. Das E-Trekkingbike und das klassische Mountainbike hingegen sind standardisierte Modelle, die seit 2012 in Fließbandfertigung auf einer Produktionsstraße mit standardisierten Teilen in einer separaten Fertigungshalle gebaut werden. Bei hohen Absatzzahlen konnte damit in den letzten Jahren mit geringen Stückkosten produziert werden, was sich bei beiden Modellen in einer hohen Gewinnmarge niederschlug.

Wegen der stark gestiegenen Nachfrage am E-Bike-Markt überlegt die Flitz AG weiter zu expandieren. Außerdem liegt der Flitz AG eine Anfrage eines Sharingunternehmens (Fahrzeugvermietung) vor, das daran interessiert ist, den E-Scooter in seine Flotte aufzunehmen.

1.1

Geben Sie aus den Situationsdaten heraus die monetären Verbrauchsfunktionen (Kostenfunktionen) für die genannten Produktionsfaktoren an und ermitteln Sie die variable Kostenfunktion pro Stück in Abhängigkeit von der Intensität (aggregierte monetäre Verbrauchsfunktion / Mengen-Kosten-Leistungsfunktion).

Hinweis: Sollten Sie zu keinem Ergebnis kommen, verwenden Sie, falls für weitere Aufgabenstellungen notwendig, die Funktion: MKL=0,4d2−20d+400MKL = 0,4d^2 - 20d + 400.

1.2

Berechnen Sie die kostengünstigste Intensität und die damit verbundenen variablen Stückkosten sowie die variablen Gesamtkosten pro Tag bei Regelarbeitszeit und erläutern Sie Ihre Ergebnisse.

1.3

Beschreiben Sie vier unterschiedliche Anpassungsmöglichkeiten der HU-Kunststoff AG auf unterschiedlichen Auftragssituationen. Bestimmen Sie auch rechnerisch, wie sich durch die verschiedenen Anpassungsmöglichkeiten die variablen Gesamtkosten pro Tag verändern.

1.4

Begründen Sie die in der Produktionsfunktion Typ B zugrunde liegende limitationale Beziehung von Produktionsfaktoren im Rahmen der industriellen Produktion.

Aufgabenstellung: Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 1 (1.1-1.4) · Abitur Hessen Wirtschaftslehre LK 2022

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

1.1 Monetäre Verbrauchsfunktion Granulat k₁

Lösung: k₁ = 9,75

1.1 Monetäre Verbrauchsfunktion Arbeitsschritt 1 k₂(d)

Lösung: k₂ = 0,2d² - 15d + 310

1.1 Monetäre Verbrauchsfunktion Arbeitsschritt 2 k₃(d)

Lösung: k₃ = 0,3d² - 5d + 25

1.1 Aggregierte Mengen-Kosten-Leistungsfunktion MKL(d)

Lösung: MKL = 0,5d² - 20d + 344,75

1.2 Kostengünstigste Intensität d_opt

Lösung: 20 Stück/Std.

1.2 Variable Stückkosten beim Optimum k_opt

Lösung: 144,75 €/Stück / 144,75 Euro

1.2 Variable Gesamtkosten pro Tag bei Regelarbeitszeit

Lösung: 23160 Euro

1.2 Erläuterung der Ergebnisse

Lösung: Bei einer Intensität von 20 Stück pro Stunde entstehen in der Herstellung der Gehäuse die niedrigsten variablen Stückkosten in Höhe von 144,75 Euro pro Stück. Werden in der Regelarbeitszeit von 8 Stunden 20 Einheiten pro Stunde hergestellt, verursacht dies Kosten in Höhe von 23.160,00 Euro pro Tag.

1.3 Vier unterschiedliche Anpassungsmöglichkeiten und rechnerische Bestimmung

Lösung: Zeitliche Anpassung: Erweiterung der Maschinenlaufzeit auf bis zu 10 Stunden (oder Reduzierung). Keine Änderung der variablen Stückkosten bei Optimalintensität, aber Änderung der Gesamtkosten: Variable Gesamtkosten bei max. zeitlicher Anpassung: 20⋅144,75⋅10=28.950,00 Euro20 \cdot 144{,}75 \cdot 10 = 28.950{,}00\text{ Euro}. Intensitätsmäßige Anpassung: Erhöhung der Intensität auf max. 32 Gehäuse/Std. (oder Reduzierung). Steigerung der variablen Stückkosten und Gesamtkosten bei Regelarbeitszeit (8 Std.): MKL(32)=0,5⋅322−20⋅32+344,75=216,75 Euro\text{MKL}(32) = 0{,}5 \cdot 32^2 - 20 \cdot 32 + 344{,}75 = 216{,}75\text{ Euro}. Variable Gesamtkosten: 32⋅216,75⋅8=55.488,00 Euro32 \cdot 216{,}75 \cdot 8 = 55.488{,}00\text{ Euro}. Quantitative Anpassung: Erhöhung oder Verringerung des Bestands baugleicher Maschinen. Stückkosten bleiben unverändert. Bei Verdopplung des Bestands verdoppeln sich die variablen Gesamtkosten von 23.160,00 Euro23.160{,}00\text{ Euro} auf 46.320,00 Euro46.320{,}00\text{ Euro}. Selektiv-qualitative Anpassung: Variabler Einsatz von nicht baugleichen Maschinen unterschiedlicher Qualität. Keine genaue Aussage über Stück- und Gesamtkosten ohne Maschinendaten möglich. *(Alternativ: Zeitlich-intensitätsmäßige Anpassung, z. B. d=32 Stu¨ck/Std.d = 32\text{ Stück/Std.}, 9 Std. ⇒32⋅216,75⋅9=62.424,00 Euro\Rightarrow 32 \cdot 216{,}75 \cdot 9 = 62.424{,}00\text{ Euro})*

1.4 Begründung der limitationalen Beziehung von Produktionsfaktoren

Lösung: In industriellen Zusammenhängen beeinflussen sich Einsätze von Produktionsfaktoren häufig. Eine Erhöhung oder Verminderung des einen Produktionsfaktors zieht oft auch eine Erhöhung oder Verminderung eines anderen Produktionsfaktors nach sich. So erhöht sich z. B. die Ausbringungsmenge nicht, wenn ein Industriebetrieb weitere Maschinen anschafft, aber kein zusätzliches Personal einstellt. Der Produktionsfaktor Arbeit muss in der Regel mit dem Produktionsfaktor Betriebsmittel mitwachsen.

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