Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 2 · Abitur Hessen Katholische Religion GK 2021
Thema: Jesus Christus: Reich-Gottes-Botschaft, Kreuz, Auferstehung und Nachfolge · Aus der Prüfung GK (2021)
Aufgabenstellung
Material
Johanna Haberer: Christlicher Glaube in der Auseinandersetzung mit der digitalen Welt (2015)
Die Visionen der digitalen Welt sind getragen von einem grenzenlosen Optimismus. [...] Aus der
Vision der Teilhabe am Wissen und Denken der Menschen untereinander [...] ist eine Realität der
digitalen Marktmonopole und Kontrolleure geworden, die kaum verhohlen mit religiös geprägten
Begrifflichkeiten und messianischen Ansprüchen agieren. [...]
5 Wenn der Executive Chairman 1 von Google, Eric Schmidt, beispielsweise verspricht, mit dieser
unsichtbaren Technologie alle Probleme der Welt zu lösen, dann klingt das nach den säkularen
Heilsversprechen der westlichen Kultur, deren Leitstern die Machbarkeit ist. Schmidt [...] prophezeit,
dass diese Netztechnik, die sich heute noch in einer Menge mobiler Endgerätschaften manifestiert, in
absehbarer Zeit unsichtbar immer um uns und in uns sein wird, ein Teil von uns – so wie sich die
10 biblischen Schriften den Geist Gottes vorstellen.
Im Psalm 139 wird Gott in der ganzen Ambivalenz seiner Allgegenwart beschrieben, wenn es heißt:
Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es... Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine
Wege... Wohin soll ich gehen vor deinem Geist und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?
(Ps 139, 2.3.7)
15 Von dieser Vorstellung einer alles überwachenden Gegenwart ist das legendäre Zitat des Google-
Chairmans nicht weit: „Wir wissen, wo du bist. Wir wissen, wo du warst. Wir wissen mehr oder
weniger, worüber du nachdenkst.“ Nur: Wohin soll ein vernetzter Bürger fliehen?
Eric Schmidt verspricht, dass wir, die Nutzer, zu jeder Zeit und an jedem Ort Zugriff auf alle
verfügbaren Daten haben werden, dass wir – auch das ein Begriff aus der Sprachwelt der
20 theologischen Gotteslehre – „ubiquitär“ werden: allgegenwärtig. [...]
Die Propheten der digitalen Technologie wissen auch, dass unser Leben durchschaubar wird und wir
per Algorithmus ausrechenbar werden wie Laborratten. Denn die digitale Vernetzung, diese
„allwissende“ und „allgegenwärtige“ Instanz, dokumentiert permanent, was ich träume, denke und tue.
Sie wird mich in Zukunft nicht nur kontrollieren, sie wird mich auch beschützen – vor mir selbst und
25 vor anderen. Sie wird uns in nicht allzu ferner Zeit noch viel mehr abnehmen als heute schon. Sie wird
für mich mein Auto fahren, weil sie das besser kann als ich, sie wird mich auf auffällige
Gesundheitsdaten aufmerksam machen und mich ins Bett schicken, wenn sie meint, ich bräuchte
Schlaf. Sie wird für mich einkaufen, Wäsche waschen und Frühstück bereiten. Und: Sie wird alles,
was ich womöglich brauche, womit ich mich gerade beschäftige oder was mir gefallen könnte,
30 ununterbrochen für mich im Netz aufspüren und mir anbieten. [...]
„Perfektion“ oder auf Deutsch „Vollkommenheit“ – auch das ein Begriff aus der religiösen
Kleiderkammer für eine Gott zugerechnete Eigenschaft – ist das Ziel dieser Internetkonzerne, die
gerade daran arbeiten, alle möglichen Fragen der Welt vorauszusehen und zu beantworten. [...]
Auch der Gestus Gnade findet sich im digitalen Paradies: das Versprechen, dass es in der Netzwelt
35 alles umsonst gibt. Ein Unternehmen, eine Internetmarke, wendet sich mir zu, um mir nichts als Gutes
zu tun. Ich muss mich nur einloggen und bin augenblicklich Teil einer anderen Welt, in der ich nichts
bezahlen muss, in der es Ideen und Gedanken und Informationen, Bibliotheken und Musik, Film und
Fernsehen, kurz: die geistige Expressivität der ganzen Welt einfach umsonst gibt. [...]
Wie das Erste Testament 2 das Bild von der Allgegenwart Gottes im Psalm malt, der jede Biografie in
40 das Buch des Lebens geschrieben hat, so speichern die Netzkonzerne alle meine Lebensäußerungen in
ein sich stets vergrößerndes Computergedächtnis und beherrschen so die Einzelheiten meiner
Biografie wie Gott im Jüngsten Gericht. [...]
Und wenn man dem Netzkritiker Jaron Lanier Glauben schenken darf, dann verbindet die Community
der digitalen Forscher mit dieser Technologie nicht nur die Vision von Allmacht, Allgegenwart und
45 Allwissenheit [...], sie inszeniert auch den Traum einer digitalen Unsterblichkeit.
Johanna Haberer: Digitale Theologie. Gott und die Medienrevolution der Gegenwart, München 2015, S. 118–128.
1 Executive Chairman: (engl.) Vorstandsvorsitzender
2 das Erste Testament: das Alte Testament
Hinweis
Johanna Haberer (geb. 1956): evangelische Theologin, Journalistin und Professorin für Christliche Publizistik in Nürnberg
2
Stellen Sie die Heilsversprechen der Reich-Gottes-Verkündigung Jesu und das darin aufscheinende Gottesbild dar und vergleichen Sie diese mit den Heilsversprechen der digitalen Technologie und den dahinter stehenden Mächten. (45 BE)

Lösung
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Stellen Sie die Heilsversprechen der Reich-Gottes-Verkündigung Jesu und das darin aufscheinende Gottesbild dar und vergleichen Sie diese mit den Heilsversprechen der digitalen Technologie und den dahinter stehenden Mächten.
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