Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 2 · Abitur Hessen Gesundheitsökonomie GK 2021

Thema: Stationäre Versorgung und Krankenhausfinanzierung · Aus der Prüfung GK (2021)

Aufgabenstellung

2 Die stationäre Versorgung stellt neben der ambulanten Versorgung und dem Arzneimittelbereich einen wesentlichen Sektor im deutschen Gesundheitssystem dar. Auf den stationären Sektor entfallen fast exakt ein Drittel der Gesamtausgaben der Krankenkassen. Dies macht ihn zum Ziel gesundheitsökonomischer Überlegungen.

2.1

Stellen Sie die Leistungs- und Finanzierungsbeziehungen in der stationären Versorgung (Plankrankenhäuser) dar.

(8 BE)

2.2

Beschreiben Sie mit Hilfe von Material 2 die Entwicklung wichtiger Krankenhauskennzahlen und begründen Sie die Ursachen dieser Entwicklung.

(20 BE)

Material 2: Entwicklung wichtiger Krankenhauskennzahlen

geändert nach: Statistisches Bundesamt: Grunddaten der Krankenhäuser - Fachserie 12 Reihe 6.1.1 - 2018, 27.08.2020

2.3

Zuweilen werden Überlegungen über eine Änderung der Vergütungsform im stationären Bereich angestellt.

Begründen Sie, inwiefern die Vergütung von Einzelleistungen und die Vergütung mit tagesgleichen Pflegesätzen (Vergütung von Krankenhausleistungen mit einem pauschalen Geldbetrag pro im Krankenhaus verbrachtem Tag der Patientin/des Patienten) gegenüber der Vergütung mit Fallpauschalen (DRG) als vorteilhaft oder als nachteilig anzusehen sind.

(10 BE)

Aufgabenstellung: Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 2 · Abitur Hessen Gesundheitsökonomie GK 2021

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

2.1 Stellen Sie die Leistungs- und Finanzierungsbeziehungen in der stationären Versorgung (Plankrankenhäuser) dar.

Lösung: Darstellung der Leistungs- und Finanzierungsbeziehungen in der stationären Versorgung (Plankrankenhäuser): - Zahlung von Beiträgen durch die Versicherte/den Versicherten sowie deren Arbeitgeberin/dessen Arbeitgeber an eine Krankenkasse (gesetzliche Krankenversicherung inklusive Zusatzbeitrag, hälftig getragen), hierfür Gewährung von Versicherungsschutz und Aushändigung einer Versichertenkarte durch die Krankenkasse. - Zahlung von Steuern durch die Bürger an den Staat. - Duale Finanzierung der Plankrankenhäuser: * Finanzierung der Investitionskosten durch die öffentliche Hand (Bundesländer) aus Steuermitteln. * Finanzierung der laufenden Betriebskosten einschließlich der Instandhaltungskosten und der Wiederbeschaffungskosten von Gebrauchs- und Verbrauchsgütern im Wesentlichen über diagnoseorientierte Fallpauschalen (DRG) durch die Krankenkassen. - Auslösung des Leistungsprozesses in der Regel durch Einweisung der Patientin/des Patienten in ein Krankenhaus durch einen niedergelassenen Arzt (im Notfall auch ohne Einweisung möglich). - Erbringung von medizinischen (diagnostischen und kurativen), pflegerischen und sonstigen Leistungen (z. B. Hotelleistungen) durch das Krankenhaus.

2.2 Beschreiben Sie mit Hilfe von Material 2 die Entwicklung wichtiger Krankenhauskennzahlen und begründen Sie die Ursachen dieser Entwicklung.

Lösung: Beschreibung der Kennzahlenentwicklung (Material 2): - Indexdarstellung (2009 = 100 %): * Belegungstage: gingen zwischen 2009 und 2018 leicht um etwa 1 bis 1,5 % zurück (bis 2016 weitgehend konstant/ohne größere Schwankungen). * Anzahl der Krankenhäuser: stetiger Rückgang um ca. 8 %. * Verweildauer: stärkster stetiger Rückgang um fast 10 %. * Fallzahl: als einzige Kennzahl gestiegen; starker Anstieg von 2009 bis 2016 um etwa 10 %, 2017 und 2018 leichter Rückgang um ca. 1 %. Begründung der Ursachen: - Sinkende Verweildauer: * Wirtschaftlicher Anreiz des DRG-Fallpauschalensystems: Erlös pro Fall ist unabhängig von der tatsächlichen Liegedauer; je früher die Entlassung erfolgt, desto geringer sind die Behandlungskosten und desto höher der Deckungsbeitrag/Gewinn. * Medizinischer Fortschritt: schonendere Operationsverfahren, schnellere Mobilisation und Heilung. * Bessere vor- und nachstationäre ambulante Versorgung sowie Verlagerung von Leistungen in den ambulanten Bereich. * Zunehmende Privatisierung und Kostendruck: private Träger forcieren Effizienz und Kostensenkungspotenziale. - Steigende Fallzahlen: * Demographischer Wandel (mehr ältere, multimorbide Patientinnen/Patienten mit Bedarf an stationärer Versorgung). * Angebotsinduzierte Nachfrage / Ausweitung lukrativer Eingriffe (z. B. Hüft- und Knieendoprothetik), um Erlöse zu steigern. * Fragmentierung von Behandlungen (Zerlegung längerer Aufenthalte in mehrere getrennte stationäre Behandlungsfälle zur mehrfachen Abrechnung). - Relativ konstante Belegungstage: Resultieren rechnerisch direkt aus dem Zusammenspiel von steigender Fallzahl bei gleichzeitig sinkender Verweildauer. - Sinkende Krankenhausanzahl: * Fusionen, Zusammenschlüsse und Spezialisierungen zur Erzielung von Synergieeffekten (bessere Auslastung, zentraler Einkauf/Mengenrabatte, Kostendegression). * Schließung defizitärer Einrichtungen aufgrund von wirtschaftlichem Wettbewerbs- und Kostendruck.

2.3 Begründen Sie, inwiefern die Vergütung von Einzelleistungen und die Vergütung mit tagesgleichen Pflegesätzen gegenüber der Vergütung mit Fallpauschalen (DRG) als vorteilhaft oder als nachteilig anzusehen sind.

Lösung: Vergleich der Vergütungsformen: 1. Einzelleistungsvergütung: - Vorteile / Chancen gegenüber DRG: * Es besteht kein direkter wirtschaftlicher Anreiz zur Leistungsreduzierung oder zur verfrühten Entlassung („blutige Entlassung“); geringere Gefahr negativer Auswirkungen auf die Behandlungsqualität im Vergleich zu Pauschalen. - Nachteile / Risiken gegenüber DRG: * Gefahr der Mengenausweitung und Überversorgung, da jede zusätzliche Einzelleistung vergütet wird. * Führt zu einer Tendenz zur Erhöhung der Gesamtkosten für das Gesundheitssystem. * Gefahr von Fehlabrechnungen: Upcoding (höherwertige Abrechnung) und Abrechnung nicht erbrachter Einzelleistungen. 2. Vergütung mit tagesgleichen Pflegesätzen: - Vorteile / Chancen gegenüber DRG: * Verwaltungsmäßig relativ einfach und unbürokratisch abzuwickeln; aufwendige Kodierung und Fallpauschalenkataloge entfallen. - Nachteile / Risiken gegenüber DRG: * Starker Anreiz zur Verlängerung der Verweildauer (Liegedauerstreckung), da jeder zusätzliche Tag Erlöse bringt, was zu einer Kostensteigerung im Gesamtsystem führt. * Ähnlich wie bei Fallpauschalen besteht zugleich ein Anreiz zur Reduzierung der tatsächlich erbrachten medizinisch-pflegerischen Einzelleistungen pro Tag, da der Pflegesatz unabhängig vom konkreten Aufwand gezahlt wird (Gefahr negativer Einflüsse auf die Qualität).

Die ausführliche Erklärung Schritt für Schritt (mit KI) gibt es mit Premium. Premium

Löse sie direkt hier: automatische Korrektur, Hinweise und Lösung Schritt für Schritt.

‹ Aufgabe Vorschlag C - 2 · GK 2022

Mehr Aufgaben zu Stationäre Versorgung und Krankenhausfinanzierung