Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 2 · Abitur Hessen Gesundheitsökonomie GK 2021

Thema: Ambulante Versorgung und neue Versorgungsformen · Aus der Prüfung GK (2021)

Aufgabenstellung

Im deutschen Gesundheitssystem gewinnen sogenannte „neue“ Versorgungsformen zunehmend an Bedeutung.

2.1

Stellen Sie die Kooperationsform des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) dar.

(5 BE)

2.2

Beschreiben Sie die Diagramme in Material 2 sowie in Material 3 und analysieren Sie diese im Hinblick auf die dargestellten Entwicklungen und deren Ursachen.

Hinweis: Berücksichtigen Sie bei Ihrer Analyse, dass im angegebenen Zeitraum die Zahl der Ärztinnen und Ärzte im ambulanten System stetig gestiegen ist und die Zahl der Einzelpraxen rückläufig war.

(22 BE)

Material 2

Material 3

2.3

Krankenhaus-MVZ werden oftmals nicht von einzelnen Krankenhäusern betrieben, sondern von Konzernen, zu denen mehrere Krankenhäuser und MVZ gehören. Vor diesem Hintergrund wird gewarnt, dass Konzerne mit ihren MVZ die ambulante Versorgung ökonomisieren.

Begründen Sie diese Sichtweise und mögliche Folgen einer solchen Entwicklung.

(8 BE)

2.4

Neben den Medizinischen Versorgungszentren gehören auch Disease-Management-Programme (DMP) zu den „neuen“ Versorgungsformen.

Beschreiben Sie die Versorgungsform Disease-Management-Programm und begründen Sie mögliche Vorteile und Nachteile, die sich für die teilnehmenden Patientinnen und Patienten sowie die Krankenkassen ergeben.

(17 BE)

Aufgabenstellung: Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 2 · Abitur Hessen Gesundheitsökonomie GK 2021

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

2.1 Stellen Sie die Kooperationsform des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) dar.

Lösung: Ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) ist eine fachübergreifende oder arztgruppengleiche, ärztlich geleitete Einrichtung, in der Ärzte als Angestellte oder Vertragsärzte (Freiberufler) tätig sein können. Zusätzlich können auch nicht-ärztliche Leistungserbringer beteiligt sein. Ein MVZ kann nur von bestimmten Akteuren, z. B. zugelassenen Ärzten und Krankenhäusern, gegründet werden. Dem MVZ müssen mindestens zwei Fachärzte gleicher oder unterschiedlicher Fachrichtungen mit voller vertragsärztlicher Zulassung angehören. Die Abrechnung der Behandlung mit der Kassenärztlichen Vereinigung erfolgt für alle Leistungserbringer des MVZ gemeinsam und es existiert ein gemeinsames Regelleistungsvolumen. Die Nutzung von Personal, Räumen und Geräten innerhalb des MVZ kann gemeinschaftlich erfolgen.

2.2 Beschreiben Sie die Diagramme in Material 2 sowie in Material 3 und analysieren Sie diese im Hinblick auf die dargestellten Entwicklungen und deren Ursachen.

Lösung: Beschreibung: - Material 2: Gesamtzahl der MVZ und Anzahl der MVZ mit Träger Krankenhaus von 2004 bis 2018. Beide Zahlen steigen stark und stetig an (Gesamtzahl: 70 auf 3.173, Krankenhaus-MVZ: 10 auf 1.387; ab 2016 besonders starker Anstieg der Gesamtzahl). - Material 3: Verteilung von Vertragsärzten und angestellten Ärzten in allen MVZ (2004–2018). Vertragsärzte steigen zunächst von 107 (2004) auf 1.334 (2009), schwanken danach zwischen 1.341 und 1.441 und steigen ab 2015 moderat auf 1.639 (2018). Angestellte Ärzte steigen stark und kontinuierlich mit hohen Zuwachsraten von 144 (2004) auf 18.101 (2018). Analyse: 1. Trend zum MVZ als Kooperationsform: Geringeres Investitionsrisiko; Kostensenkung durch Synergieeffekte (Geräte- und Personalauslastung, Mengenrabatte); breiteres Leistungsangebot sichert Marktposition; fachliche Kooperation und Wissensaustausch; bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf; Möglichkeit der Anstellung. 2. Zunahme von Krankenhäusern als Träger: Ausweitung des Angebots auf den ambulanten Markt zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit; gezielte Lenkung von Patientenströmen zur Steigerung der stationären Auslastung; betriebswirtschaftliche Synergien. 3. Starker Anstieg angestellter Ärzte: Geregelte Arbeitszeiten und Teilzeitmöglichkeiten; fehlendes Investitionsrisiko und fixes Gehalt (weniger wirtschaftlicher Druck); Entlastung von Verwaltung und Organisation ermöglicht Fokus auf medizinische Kerntätigkeit.

2.3 Begründen Sie diese Sichtweise und mögliche Folgen einer solchen Entwicklung.

Lösung: Begründung der Ökonomisierung und mögliche Folgen: - Gewinnorientierung: Krankenhauskonzerne verfolgen Gewinnerzielungsabsichten. Bei der MVZ-Führung drohen Konflikte zwischen medizinischen Notwendigkeiten und wirtschaftlichen Interessen. - Mengenausweitung: Zur Gewinnmaximierung könnten vermehrt lukrative, medizinisch nicht zwingend erforderliche Behandlungen durchgeführt werden, was zu Ausgabensteigerungen im Gesundheitssystem führt. - Behandlungsqualität: Einsparungs- und Kostensenkungstendenzen können die Behandlungsqualität gefährden. - Zentralisierung und Marktmacht: Zunehmende Zentralisierung schränkt den Wettbewerb und die freie Arztwahl für Patienten ein; Patientenströme können gezielt zwischen ambulantem und konzerneigenem stationären Sektor gesteuert werden.

2.4 Beschreiben Sie die Versorgungsform Disease-Management-Programm und begründen Sie mögliche Vorteile und Nachteile, die sich für die teilnehmenden Patientinnen und Patienten sowie die Krankenkassen ergeben.

Lösung: Beschreibung DMP: Strukturierte Behandlungsprogramme für chronisch Kranke mit dem Ziel einer besseren, koordinierten Versorgung. Behandlungsschritte werden zwischen allen Beteiligten abgestimmt. Patienten wirken aktiv mit (Schulungen, Zielvereinbarungen). Teilnahme ist freiwillig, erfordert aber Einschreibung bei der Krankenkasse. Der koordinierende Arzt dokumentiert den Verlauf und orientiert Diagnostik sowie Therapie an Kriterien der evidenzbasierten Medizin (EbM). Vorteile für Patienten: - Höhere Behandlungsqualität und Vermeidung von Folge- und Begleiterkrankungen durch abgestimmte Therapie (weniger Arzt-/Klinikbesuche, weniger Medikamente, Vermeidung von Doppeluntersuchungen). - Behandlung nach wissenschaftlichen Leitlinien. - Stärkung des Gesundheitsbewusstseins und der Eigenverantwortung durch Schulung und Einbindung. - Gewissenhafte Dokumentation sichert Behandlungsqualität. - Ggf. finanzielle Boni durch Krankenkassen sowie kürzere Wartezeiten bei Fachärzten. Nachteil für Patienten: - Erhöhter Zeitaufwand (Schulungen, engmaschige Kontrolltermine, Dokumentation). Vorteile für Krankenkassen: - Langfristige Kosteneinsparungen durch vermiedene Komplikationen und Doppeluntersuchungen. - Höhere Zuweisungen aus dem Risikostrukturausgleich (RSA) des Gesundheitsfonds für eingeschriebene Versicherte. - Wettbewerbsvorteile und Versichertenbindung durch attraktives Programmangebot. Nachteile für Krankenkassen: - Höhere Ausgaben für Schulungen, Materialien und Bonuszahlungen. - Laufende Kosten für Qualitätsprüfung, Evaluation und Verwaltung der Programme.

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