Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 2 · Abitur Hessen Erziehungswissenschaft LK 2021
Thema: Öffentliches Bildungssystem, Schule und Schulabsentismus · Aus der Prüfung LK (2021)
Aufgabenstellung
2 Das System öffentlicher Bildung und Erziehung
Material 3: Wie geht es den Kindern in der Schule?
[...] Wir haben die Kinder nach verschiedenen Aspekten des Schullebens und ihrer Zufriedenheit mit diesen gefragt. Am wohlsten fühlen sich die Kinder mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern, 50% wählen bei ihrer Antwort den zufriedensten von fünf Smileys. Ihre Zufriedenheit mit den Lehrerinnen und Lehrer bewerten 49% der Kinder und ihr Gefallen am Unterricht 46% sehr positiv.
Mit zunehmendem Alter nimmt die anfängliche Begeisterung der Kinder für die Schule ab: Der Anteil derjenigen, denen der Unterricht sehr gut gefällt, fällt von 61% bei den 6- bis 7-Jährigen auf 33% bei den 10- bis 11-Jährigen. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Zufriedenheit mit den Lehrern (64% und 37% „sehr zufrieden“). Deutlich stabiler bleibt der Anteil derjenigen, die sich mit den anderen Kindern sehr wohl fühlen (54% und 45%).
In allen drei bewerteten schulischen Bereichen sind die Mädchen zufriedener als die Jungen. Vor allem den Unterricht (51% zu 41% „sehr gut“) und die Lehrer (55% zu 45% „sehr zufrieden“) sehen sie positiver. Mit den anderen Kindern in der Klasse fühlen sich 52% der Mädchen und 48% der Jungen „sehr wohl“. Dass die Mädchen mit dem Unterricht und den Lehrern zufriedener sind, hängt sicherlich mit ihrer Selbsteinschätzung bezüglich ihrer Schulleistung zusammen: Die Mädchen denken eher von sich, eine „sehr gute“ oder „gute“ Schülerin zu sein als dies die Jungen in Bezug auf ihre Person tun.
Von allen 6- bis 11-Jährigen haben 3% „sehr oft“ und 15% „öfter“ Kopf- oder Bauchschmerzen. Je älter die Kinder sind, desto häufiger empfinden sie diese Stress-Symptome. Die Mädchen sind etwas häufiger betroffen als die Jungen. [...]
geändert nach: World Vision Deutschland e. V. (Hg.): Kinder in Deutschland 2018. 4. World Vision Kinderstudie, Weinheim, Basel 2018, S. 15 f.
2.1
Skizzieren Sie die wesentlichen Aussagen des Textes „Wie geht es den Kindern in der Schule?“ (Material 3). (15 BE)
2.2
Erklären Sie rechtliche Grundlagen sowie drei Ziele und drei Funktionen der hessischen Schulen. (25 BE)
2.3
Diskutieren Sie vor dem Hintergrund der Ergebnisse aus dem Text „Wie geht es den Kindern in der Schule?“ (Material 3), ob die verbindliche Einführung von Unterrichtsprinzipien (z. B. nach Hilbert Meyer – 10 Merkmale guten Unterrichts) förderliche Auswirkungen auf das Lernen und die Zufriedenheit der Lernenden zeigen könnte. (15 BE)

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
2.1 Skizzieren Sie die wesentlichen Aussagen des Textes „Wie geht es den Kindern in der Schule?“ (Material 3).
Lösung: Wesentliche Aussagen von Material 3 (4. World Vision Kinderstudie 2018): - Die größte Zufriedenheit besteht im Umgang mit Mitschülerinnen und Mitschülern (50 % vergeben den höchsten Wert), gefolgt von der Zufriedenheit mit Lehrkräften (49 %) und Unterricht (46 %). - Mit zunehmendem Alter sinkt die Zufriedenheit mit Lehrkräften (von 64 % bei 6–7-Jährigen auf 37 % bei 10–11-Jährigen) und das Gefallen am Unterricht drastisch (von 61 % auf 33 %). Das Wohlbefinden unter Gleichaltrigen bleibt deutlich stabiler (54 % bzw. 45 %). - Mädchen sind in allen drei Bereichen zufriedener als Jungen (Unterricht: 51 % zu 41 %; Lehrkräfte: 55 % zu 45 %), was auf eine positivere Selbsteinschätzung ihrer schulischen Leistungen zurückgeführt wird. - Stresssymptome (Kopf- und Bauchschmerzen) betreffen 18 % der Kinder (3 % sehr oft, 15 % öfter) und nehmen mit dem Alter zu; Mädchen sind etwas häufiger betroffen.
2.2 Erklären Sie rechtliche Grundlagen sowie drei Ziele und drei Funktionen der hessischen Schulen.
Lösung: Rechtliche Grundlagen: - Schulen unterstehen der staatlichen Aufsicht nach Art. 7 GG (Kulturhoheit der Länder). - Auf Landesebene bildet das Hessische Schulgesetz (HSchG) die gesetzliche Grundlage, konkretisiert durch verbindliche Lehrpläne und Verordnungen. Drei Ziele des Hessischen Schulgesetzes (z. B.): 1. Befähigung, christliche und humanistische Traditionen zu erfahren, nach ethischen Grundsätzen zu handeln und religiöse/kulturelle Werte zu achten. 2. Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen nach Grundsätzen von Achtung, Toleranz, Gerechtigkeit und Solidarität. 3. Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie Anerkennung der Leistungen von Frauen. (Weitere: vorurteilsfreie Begegnung mit anderen Kulturen; Vorbereitung auf Privat-, Berufs- und Freizeitleben). Drei Funktionen von Schule (z. B. nach Fend): 1. Sozialisationsfunktion: Vermittlung von sozialem Verhalten und gesellschaftlicher Handlungsfähigkeit. 2. Qualifikationsfunktion: Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten für Lebensbewältigung und Arbeitswelt. 3. Selektions- bzw. Allokationsfunktion: Zuweisung von Bildungsgängen und gesellschaftlichen Positionen über Abschlüsse/Leistungsbeurteilung. (Weitere: Personalisationsfunktion, Legitimationsfunktion).
2.3 Diskutieren Sie vor dem Hintergrund der Ergebnisse aus dem Text „Wie geht es den Kindern in der Schule?“ (Material 3), ob die verbindliche Einführung von Unterrichtsprinzipien (z. B. nach Hilbert Meyer – 10 Merkmale guten Unterrichts) förderliche Auswirkungen auf das Lernen und die Zufriedenheit der Lernenden zeigen könnte.
Lösung: Mögliche Argumentationslinien zur Diskussion: - Anknüpfung an Material 3: Mit zunehmendem Alter sinkt die Begeisterung am Unterricht und die Zufriedenheit mit Lehrkräften, während Stresssymptome zunehmen. - Positive Auswirkungen durch Merkmale guten Unterrichts nach Hilbert Meyer: * Lernförderliches Klima: Wertschätzung, angstfreies Lernen und gegenseitiger Respekt wirken Stresssymptomen entgegen und verbessern das Wohlbefinden. * Inhaltliche Klarheit: Verständliche Aufgabenstellungen, Plausibilität, lernförderliche Fehlerkultur und Ergebnissicherung steigern die Selbstwirksamkeit und Motivation. * Transparente Leistungserwartungen: Klare Rückmeldungen und nachvollziehbare Kriterien bauen Prüfungsängste ab. - Ergänzend (z. B. Hattie-Studie): Die Lehrkraft als engagierter „activator“ und eine lebendige Feedback-Kultur sind entscheidend für Lernerfolg und Zufriedenheit. - Kritische Abwägung / Fazit: Verbindliche Vorgaben bieten Orientierung, garantieren allein jedoch noch keine gelungene Umsetzung. Zudem erfordert dies wirksame Evaluationen und Unterstützung, damit Lehrer nicht bloß bürokratisch kontrolliert werden.
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