Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 2 · Abitur Hessen Ernährungsökonomie GK 2021
Thema: Abschluss von Kaufverträgen und Verbraucherschutz · Aus der Prüfung GK (2021)
Aufgabenstellung
Aufgabe 2
Für den Urlaub bestellt Anja am 10.06.2019 im Internet bei dem Campingzubehör-Versand Binger ein Zelt. Den Rechnungsbetrag von 99 € bezahlt sie umgehend nach Erhalt der Ware.
2.1
Erklären Sie zwei Möglichkeiten des Zustandekommens eines Kaufvertrags und beschreiben Sie die Vertragsfreiheit mit deren Ausnahmen. (10 BE)
2.2
Skizzieren Sie die Bedingungen für einen Fernabsatzvertrag und zeigen Sie die Risiken für die Verbraucherin und den Verbraucher. (7 BE)
2.3
Anja erhält das Zelt am 17.06.2019. Zu Testzwecken baut Anja das Zelt einmal auf. Als ihre Freundin plötzlich erkrankt, sagt sie den Campingurlaub ab und schickt das Zelt 10 Tage nach Erhalt zum Internetversand Binger zurück.
Beurteilen Sie die Rechtslage. (12 BE)
2.4
Der Internethändler Binger erhält Anjas Paket. Da die Originalverpackung aufgebrochen ist, beruft er sich auf einen Auszug seiner Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) und fordert von Anja Entschädigung.
Material 3: Auszug aus den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Campingzubehörversands Binger
Verlangt ein Käufer die Auflösung des Vertrages innerhalb von 14 Tagen nach Vertragsabschluss, nehmen wir eine Entschädigungsgebühr in Höhe von 25% des Kaufpreises, wenn die Ware während dieser Zeit ausgepackt und genutzt wurde.
2.4.1
Beschreiben Sie den Zweck der AGB und geben Sie die Bedingungen wieder, die erfüllt sein müssen, damit die AGB Vertragsbestandteil werden. (8 BE)
2.4.2
Erörtern Sie mithilfe des BGB die Klausel aus den AGB des Internethändlers Binger (Material 3) und die daraus resultierenden Folgen für Anja. (8 BE)
2.5
Der Händlerbund hat im Rahmen einer Initiative Online Händler aus der Europäischen Union nach ihren Erfahrungen mit Retouren befragt. Die Ergebnisse zeigen, wie Verbraucher mit ihrem Recht auf Widerruf umgehen. Leiten Sie mithilfe von Material 4 die Auswirkungen des Widerrufsrechts auf die Händler her. (7 BE)
Material 4: Auszug aus der Retouren-Studie 2016 des Händlerbunds – TOP 10 – BRENNPUNKTE IM WIDERRUFSRECHT
RECHTSUNSICHERHEIT: Unkenntnis über die Rechtslage zum Widerrufsrecht. Diese schlägt sich in der verfristeten Ausübung des Widerrufs, fehlenden ausdrücklichen Widerrufserklärung sowie der Unkenntnis über Ausschluss- und Erlöschensgründe nieder.
NEGATIVBEWERTUNGEN: Vor allem gegenüber Ebay- und Amazon-Händlern werden negative Bewertungen oft als Druckmittel angewandt.
PFLICHTBEWUSSTSEIN: Kunden werden als beleidigend und erpresserisch wahrgenommen. Sie kennen ihre Rechte als Käufer, jedoch nicht ihre Pflichten.
VERHÄLTNISMÄSSIGKEIT: Auswahlbestellungen oder unüberlegte Orders verursachen bei Online-Händlern unnötige Kosten und Aufwand.
BETRUGSVERSUCHE: Kunden tauschen die erhaltene Ware durch andere minderwertige oder beschädigte Produkte aus und senden diese als vermeintliche Retouren zurück.
ABGRENZUNGSPROBLEME: Keine Abgrenzungen zwischen Widerruf und Gewährleistung. Käufer versuchen die Übernahme der Rücksendekosten auf den Händler abzuwälzen, indem sie angeben, dass die bestellte Ware angeblich mangelhaft oder defekt sei.
RÜCKSENDEKOSTEN: Waren werden entgegen der Vertragsbedingungen unfrei zurückgesandt.
NUTZUNGSBEDINGUNGEN: Von gesetzlichen Vorschriften abweichende Regelungen, die von Online-Marktplätzen wie Ebay oder Amazon festgelegt werden, sorgen für Unklarheit.
ZUORDNUNGSPROBLEME: Kommentarlose Rücksendungen führen zu Problemen der Zuordnung von Rücksendungen und bereiten Online-Händlern Probleme bei der Bearbeitung.
B2B-HANDEL: Das Verbraucherrecht für den Widerruf wird allzu häufig auf den gewerblichen Handel ausgeweitet.
Quelle: https://www.haendlerbund.de, Retouren-Studie 2016 (abgerufen am 4.6.2018).

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
2.1 Erklären Sie zwei Möglichkeiten des Zustandekommens eines Kaufvertrags und beschreiben Sie die Vertragsfreiheit mit deren Ausnahmen.
Lösung: Ein Vertrag ist ein zwei- oder mehrseitiges Rechtsgeschäft, das durch mindestens zwei einander entsprechenden Willenserklärungen zustande kommt (Angebot und Annahme). Beispiel 1: Der Käufer bestellt Ware im Internet (Angebot), der Verkäufer nimmt durch Auftragsbestätigung oder Lieferung an. Beispiel 2: Der Verkäufer unterbreitet ein verbindliches Angebot auf Anfrage, der Käufer nimmt durch Bestellung an. Vertragsfreiheit: Freiheit zu entscheiden, ob, mit wem und mit welchem Inhalt ein Vertrag abgeschlossen wird (Abschluss- und Gestaltungsfreiheit). Ausnahmen: gesetz- und sittenwidrige Verträge sowie Kontrahierungszwang (z. B. ÖPNV). Zudem herrscht Formfreiheit mit gesetzlichen Ausnahmen (Schriftform, notarielle Beurkundung).
2.2 Skizzieren Sie die Bedingungen für einen Fernabsatzvertrag und zeigen Sie die Risiken für die Verbraucherin und den Verbraucher.
Lösung: Bedingungen: Vertrag zwischen Unternehmer und Verbraucher über die Lieferung von Waren/Dienstleistungen unter ausschließlicher Nutzung von Fernkommunikationsmitteln (Internet, Telefon, Brief etc.). Risiken: Keine persönliche Begegnung und Beratung; Ware kann vor Kauf weder in Augenschein genommen noch getestet werden; Lieferverzögerungen oder Transportschäden.
2.3 Beurteilen Sie die Rechtslage.
Lösung: Anja hat als Verbraucherin bei einem Fernabsatzvertrag ein 14-tägiges Widerrufsrecht ohne Angabe von Gründen (§ 355 BGB). Die Frist beginnt frühestens mit Warenerhalt (17.06.2019) und wurde mit 10 Tagen eingehalten. Der Testaufbau zur Prüfung der Ware ist zulässig. Das bloße Zurücksenden reicht jedoch nicht aus; Anja muss den Widerruf ausdrücklich erklären (§ 355 Abs. 1 Satz 2 BGB). Kosten der Rücksendung trägt der Kunde nur bei entsprechender vorheriger Belehrung (§ 357 Abs. 6 BGB).
2.4.1 Beschreiben Sie den Zweck der AGB und geben Sie die Bedingungen wieder, die erfüllt sein müssen, damit die AGB Vertragsbestandteil werden.
Lösung: Zweck: Schaffung einheitlicher, gleichbleibender und für den Verwender günstiger Vertragsbedingungen für eine Vielzahl von Verträgen; Rationalisierung des Geschäftsverkehrs (Zeit- und Kostenersparnis). Bedingungen zur Einbeziehung: Ausdrücklicher Hinweis bei Vertragsschluss (oder deutlicher Aushang); Möglichkeit der zumutbaren Kenntnisnahme für den Kunden; Einverständnis des Kunden; Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen (Verständlichkeit, keine überraschenden Klauseln).
2.4.2 Erörtern Sie mithilfe des BGB die Klausel aus den AGB des Internethändlers Binger (Material 3) und die daraus resultierenden Folgen für Anja.
Lösung: Die Klausel ist nach § 309 Nr. 6 BGB unzulässig und unwirksam (Verbot einer Vertragsstrafe bei Rücktritt/Widerruf). Zudem ist die Gebühr von 25% unverhältnismäßig hoch (Sittenwidrigkeit/Wucher gem. § 138 Abs. 2 BGB). Das Auspacken und der Testaufbau dienten der Prüfung. Folge: Die Klausel ist unwirksam; Anja muss keine Entschädigung für die geöffnete Verpackung zahlen und hat Anspruch auf Rückerstattung des vollen Kaufpreises von 99 €.
2.5 Leiten Sie mithilfe von Material 4 die Auswirkungen des Widerrufsrechts auf die Händler her.
Lösung: Auswirkungen auf Online-Händler: - Hoher Zeit- und Kostenaufwand durch Retourenbearbeitung und Auswahlbestellungen, teils in keinem Verhältnis zum Umsatz. - Kostenbelastung durch unberechtigte Rücksendungen (unfreie Pakete, Abwälzung von Rücksendekosten). - Missbrauch und Betrugsversuche (Austausch gegen minderwertige oder beschädigte Ware). - Drohungen mit Negativbewertungen als Druckmittel und daraus resultierende Rufschädigung. - Zuordnungsprobleme bei kommentarlosen Rücksendungen.
Die ausführliche Erklärung Schritt für Schritt (mit KI) gibt es mit Premium. Premium
Löse sie direkt hier: automatische Korrektur, Hinweise und Lösung Schritt für Schritt.
‹ Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 1.1 · GK 2022 · Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 2.3.1 - Kaufvertrag · GK 2021 ›