Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 1 · Abitur Hessen Erdkunde LK 2021

Thema: Stadtentwicklung, Gentrifizierung und nachhaltige Stadt · Aus der Prüfung LK (2021)

Aufgabenstellung

Material 1

Herzschlag der Stadt: Der Hamburger Hafen und seine Zukunft (2018)

Mit einer Wertschöpfung von 12,6 Milliarden Euro und 155.000 angekoppelten Arbeitsplätzen ist der

Hafen das wirtschaftliche Herz der Hansestadt, gleichzeitig aber auch vieles mehr: Maritime Kulisse

für Film und Fernsehen, Attraktion für Touristen, Arbeitsplatz für Schauerleute und Festmacher 1 oder

Schauplatz von Musikfestivals. Was macht den Hamburger Hafen aus?

5 Hafenrundfahrten gehören zu Hamburg wie Fisch- und Franzbrötchen. An den Landungsbrücken, dem

touristischen Herzstück des Hafens, sammeln eine Vielzahl von Betreibern ihre Fahrgäste zu Törns

durch den Hafen mit seinen riesigen Containerterminals ein.

Auch als Filmkulisse ist der Hafen attraktiv. Dauergast sind die Polizisten-Schauspieler von „Notruf

Hafenkante“, die derzeit für die 14. Staffel der ZDF-Vorabendserie vor der Kamera stehen. […]

10 Mehr als 8.000 Seeschiffe erreichen jährlich den Hamburger Hafen, darunter mehr als 3.600 Contai-

nerschiffe sowie mehr als 2.700 Tanker und Massengutschiffe. Gut 1.000 dieser Schiffe sind mehr als

330 Meter lang und/oder mehr als 45 Meter breit – die Ozeanriesen unserer Tage. Mit einem Gesamt-

umschlag von zuletzt 136,5 Millionen Tonnen ist Hamburg der größte Hafen in Deutschland und der

drittgrößte in Europa nach Rotterdam und Antwerpen. 150 Container-Liniendienste verbinden

15 Hamburg mit 100 Ländern auf allen Kontinenten. […]

Mit rund 220 Anläufen von Kreuzfahrtschiffen und geschätzt rund 880.000 Passagieren erwartet der

Terminalbetreiber Cruise Gate Hamburg 2018 ein Rekordjahr. […]

Auf 157 Hektar ehemaligem Hafen- und Industrieareal ist direkt an der Elbe die schicke Hamburger

HafenCity entstanden, ein städtebauliches Vorzeigeprojekt. […]

20 Alljährlich ist das Elbjazz-Festival mit seinen Musikern zu Gast im Hafen und nutzt als Ambiente für

seine Bühnen den Industriecharme der Werft Blohm+Voss. Tausende Zuhörer lassen sich die Klänge

auf und über das Werftgelände nicht entgehen. […]

Was wäre der Hafen ohne die Reeperbahn: Schließlich waren die Reepschläger, die anno dazumal

Taue auf langen Bahnen fertigten, für die Schifffahrt unverzichtbar. Die Nähe der Hamburger

25 Reeperbahn nur wenige Fußminuten vom Hafenrand entfernt, ließ die Seeleute über Jahrhunderte in

das Amüsierviertel am Spielbudenplatz auf St. Pauli strömen. Schauspieler Hans Albers, Sänger

Freddy Quinn und „Großstadtrevier“-Star Jan Fedder sind untrennbar mit dem Viertel verbunden.

1 Schauerleute – alte Bezeichnung für Hafenarbeiter, deren Aufgabe im Stauen bzw. dem Be- und Entladen von Frachtschiffen besteht; Festmacher – Personen, die anlegenden Schiffen von Land aus oder unter Verwendung eines Festmacherbootes beim Festmachen behilflich sind.

Westfälische Rundschau: Herzschlag der Stadt: Der Hamburger Hafen und seine Zukunft, 11.07.2018, URL: https://www.wr.de/reise/herzschlag-der-stadt-der-hamburger-hafen-und-seine-zukunft-id214819221.html (abgerufen am 21.09.2020).

Material 2

Größtes Hafenfest der Welt (2019)

Am 7. Mai 1189 stellte Kaiser Friedrich Barbarossa den Hamburgern einen Freibrief aus, der Schiffen

auf der Elbe bis an die Nordsee Zollfreiheit gewährte. Diese Geburtsstunde des Hamburger Hafens

jährt sich 2019 zum 830. Mal und wird vom 10. bis 12. Mai gefeiert. […]

Vor der einzigartigen Kulisse des laufenden Hafenbetriebs finden traditionelle Highlights, wie die

5 große Einlaufparade und die große Auslaufparade mit zahlreichen Schiffen und wunderschönen

Großseglern der Weltmeere und die beliebten Open-Ship-Aktionen, statt. […]

An Land sorgen mehr als 200 maritime, kulturelle und kulinarische Programmpunkte für abwechs-

lungsreiches Vergnügen bei Groß und Klein. Die „Bunte Hafenmeile“ bietet gastronomische Genüsse

und Unterhaltung vom Baumwall bis zu den Landungsbrücken. Kostenlose Konzerte und Live-Acts

10 auf den Bühnen mit nationalen und internationalen Stars verwandeln die Veranstaltungsfläche des

größten Hafenfestes der Welt in eine riesige Festivallandschaft. […]

Den traditionellen Auftakt des Hafengeburtstag Hamburg bildet der Internationale Ökumenische

Gottesdienst in der Hauptkirche St. Michaelis („Michel“). Ein weiterer stimmungsvoller Höhepunkt ist

das große AIDA Feuerwerk am späten Samstagabend, das den Nachthimmel über der Elbe in ein

15 funkelndes Farbenmeer verwandelt. […]

Es gibt viele gute Gründe, den Hamburger Hafen zu feiern: Er ist der mit Abstand bedeutendste Hafen

in Deutschland und einer der führenden Seegüterumschlagplätze der Welt. Er ist das Tor zu den

Märkten in Nord-, Mittel- und Osteuropa, Brücke zwischen Kontinent und Übersee sowie einer der

wichtigsten Überseehäfen für Containerverkehr. Ob HafenCity, Speicherstadt, Elbphilharmonie,

20 Fischmarkt oder die großen Musicaltheater, der Puls der Metropole schlägt an der Elbe.

Hansestadt Hamburg: Größtes Hafenfest der Welt, 2019, URL: https://www.hamburg.de/hafengeburtstag/4264552/ueberblick-hafengeburtstag/ (abgerufen am 19.04.2019).

Material 3

Containerumschlag des Hamburger Hafens 1990 bis 2019

Hafen Hamburg Marketing e.V., 2019, URL: https://www.hafen-hamburg.de/de/statistiken/containerumschlag (abgerufen am 21.09.2020).

Hinweis: TEU (Twenty Foot Equivalent Unit) – Standardcontainergröße

Material 4

Wichtigste Handelspartner im seeseitigen Containerverkehr des Hamburger Hafens 2018 und 2019

Hafen Hamburg Marketing e.V., 2019, URL: https://www.hafen-hamburg.de/de/statistiken/handelspartner (abgerufen am 21.09.2020).

Material 5

HafenCity Hamburg GmbH: Das Projekt HafenCity

Mit der Entwicklung eines neuen City-Raums entlang der Elbe setzt Hamburg mindestens europaweit

neue Maßstäbe: Auf einer Fläche von 157 ha entsteht eine lebendige Stadt mit maritimem Flair.

Anders als reine büro- und einzelhandelsdominierte City-Räume verbindet sie die verschiedenen

Nutzungen Arbeiten, Wohnen, Kultur, Freizeit, Tourismus und Einzelhandel miteinander. Was die

5 HafenCity ebenfalls von anderen großen Stadtentwicklungsvorhaben in Wasserlage unterscheidet, sind

ihre besonders zentrale Lage und der hohe Qualitätsanspruch, der sich u.a. in der feinkörnigen

Nutzungsmischung, dem Anspruch an Urbanität und ökologische Nachhaltigkeit, soziale Mischung

und Begegnungsfähigkeit sowie einem innovativen Entwicklungsprozess niederschlägt. […]

10 Die Zielsetzungen der HafenCity-Entwicklung sind sehr weitreichend. Es gilt, ein neues Stück Stadt

am Wasser städtebaulich-architektonisch, nutzungs- und identitätsbezogen, aber auch emotional neu

zu definieren. Dass die HafenCity fast ausschließlich aus Neubauten besteht, hat verschiedene Gründe:

Zunächst erfordert der Hochwasserschutz eine völlig neue Stadtebene mit neuer Infrastruktur. Darüber

hinaus war das Areal früher […] überwiegend mit eingeschossigen Schuppen bebaut […]. Insgesamt

15 werden daher mehr als 2,4 Mio. m² Bruttogrundfläche neu gebaut. Es entstehen über 7.500 Wohn-

ungen für mehr als 15.000 Einwohner. Dienstleistungsflächen (nicht nur Büroflächen) mit bis zu

45.000 Arbeitsplätzen, Bildungseinrichtungen, Gastronomie, Einzelhandels-, Kultur- und

Freizeitangebote sowie Parks, Plätze und Promenaden – für rund 80.000 Besucher täglich, die nach

der Gesamtfertigstellung prognostiziert werden.

HafenCity Hamburg GmbH, ohne Jahr, URL: https://www.hafencity.com/de/ueberblick/das-projekt-hafencity.html (abgerufen am 21.09.2020).

Material 6

Ort der Stille (2016)

Ja, es gibt ein paar Restaurants, die gut funktionieren. Das „Hafenhunger“ zum Beispiel oder das

„Kaiser Perle“, das allerdings nur bei gutem Wetter im Sommer geöffnet hat, Bistros wie das „Carls“

oder „Lieblingsplatz“. Die Pizza-Lounge „H’ugo’s“ dagegen hat kürzlich nach nur einem halben Jahr

ihre Konzession wieder abgegeben. Und außer Restaurants? Die Suche nach Bars oder gar einer

5 Eckkneipe ist schon deutlich schwieriger. Und hat schon mal jemand von einer legendären Party in der

HafenCity gehört? Gibt es einen Kiosk, der nach 20 Uhr noch geöffnet hat? Einen Biergarten, einen

Park, in dem man im Sommer einfach auf der Wiese sitzen kann, in dem vielleicht mal Musik gespielt

wird? Gibt es mittlerweile irgendwo ein gutes Graffiti? Nein, all das gibt es eben nicht.

Denn die HafenCity ist über zehn Jahre nach dem Einzug der ersten Bewohner immer noch nicht

10 besonders belebt. Vor allem abends, wenn die Touristen weg sind, wenn sich die Büros leeren, ist es

häufig gruselig still auf den Straßen zwischen Sandtorkai und HafenCity Universität. […]

„Richtig Leben wird es aber erst dann geben, wenn tatsächlich alle Bewohner, alle Beschäftigten und

Besucher da sind“, sagt Bruns-Berentelg [Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity GmbH].

Aktuell, so Bruns-Berentelg, wohnen erst 2.600 Menschen in der HafenCity und nur 12.000 arbeiten

15 dort. Viele Büroflächen stehen noch leer, viele Projekte sind noch in der Vorbereitung oder in der

Bauphase. […] „Wir glauben alle an die HafenCity“, sagt Frederik Braun [Gründer des Miniatur

Wunderlandes]: „Wenn man aber ehrlich ist, fehlt noch ein wenig Herz und ein paar Ecken und

Kanten. Wir sind angetreten, das zu ändern.“

Bastian Henrichs: Ort der Stille, 12.06.2016, URL: https://www.welt.de/print/wams/hamburg/article156151203/Ort-der-Stille.html (abgerufen am 21.09.2020).

Material 7

Nachhaltige Entwicklungsziele der UN – Ziel 11: Nachhaltige Städte und Siedlungen

Zielvorgaben

Bis 2030 den Zugang zu angemessenem, sicherem und bezahlbarem Wohnraum und zur Grundversorgung für alle sicherstellen und Slums sanieren.

Bis 2030 den Zugang zu sicheren, bezahlbaren, zugänglichen und nachhaltigen Verkehrssystemen für alle ermöglichen und die Sicherheit im Straßenverkehr verbessern, insbesondere durch den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, mit besonderem Augenmerk auf den Bedürfnissen von Menschen in prekären Situationen, Frauen, Kindern, Menschen mit Behinderungen und älteren Menschen.

Bis 2030 die Verstädterung inklusiver und nachhaltiger gestalten und die Kapazitäten für eine partizipatorische, integrierte und nachhaltige Siedlungsplanung und -steuerung in allen Ländern verstärken.

Die Anstrengungen zum Schutz und zur Wahrung des Weltkultur- und -naturerbes verstärken.

Bis 2030 die Zahl der durch Katastrophen, einschließlich Wasserkatastrophen, bedingten Todesfälle und der davon betroffenen Menschen deutlich reduzieren und die dadurch verursachten unmittelbaren wirtschaftlichen Verluste im Verhältnis zum globalen Bruttoinlandsprodukt wesentlich verringern, mit Schwerpunkt auf dem Schutz der Armen und von Menschen in prekären Situationen.

Bis 2030 die von den Städten ausgehende Umweltbelastung pro Kopf senken, unter anderem mit besonderer Aufmerksamkeit auf der Luftqualität und der kommunalen und sonstigen Abfallbehandlung.

Bis 2030 den allgemeinen Zugang zu sicheren, inklusiven und zugänglichen Grünflächen und öffentlichen Räumen gewährleisten, insbesondere für Frauen und Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen.

Bundesvereinigung Nachhaltigkeit e.V., ohne Jahr, URL: https://nachhaltigkeit.bvng.org/die-globalen-ziele-fuer-nachhaltige-entwicklung/sdg-ziel-11-nachhaltige-staedte-und-siedlungen/ (abgerufen am 23.05.2020).

1

Beschreiben und erläutern Sie vor dem Hintergrund der vier Raumkonzepte der Geographie die Relevanz des Hamburger Hafens und der HafenCity als Wirtschaftsstandort und neuer Wohnraum Hamburgs. (Material 1–6, Atlas)

(35 BE)

Aufgabenstellung: Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 1 · Abitur Hessen Erdkunde LK 2021

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

1 Beschreiben und erläutern Sie vor dem Hintergrund der vier Raumkonzepte der Geographie die Relevanz des Hamburger Hafens und der HafenCity als Wirtschaftsstandort und neuer Wohnraum Hamburgs. (Material 1–6, Atlas)

Lösung: Ausarbeitung zur Relevanz des Hamburger Hafens und der HafenCity strukturiert nach den vier geographischen Raumkonzepten: 1. Raum als Realraum (Containerraum): - Der Hafen ist mit einer Wertschöpfung von 12,6 Mrd. Euro und 155.000 angekoppelten Arbeitsplätzen der wichtigste Wirtschaftsfaktor in Hamburg. - Mehr als 8.000 Seeschiffe legen jährlich an, darunter über 3.600 Containerschiffe und mehr als 2.700 Tanker und Massengutschiffe. - Größter Hafen Deutschlands und drittgrößter Europas mit 136,5 Mio. Tonnen Gesamtumschlag. - Containerumschlag stieg von 1990 bis 2007 um mehr als 400 % auf fast 10 Mio. TEU; nach Rückgang 2009 Einpendeln bei 8,5 bis 9 Mio. TEU ab 2011. - Neben Umschlaganlagen weitere Industrie- und Logistikanlagen (Raffinerien, Metallerzeugung, Schiff-/Fahrzeugbau). - HafenCity: 157 ha ehemaliges Hafen-/Industrieareal; geplant sind 7.500 Wohnungen für > 15.000 Einwohner sowie Dienstleistungsflächen für bis zu 45.000 Arbeitsplätze (bisher 2.600 Bewohner und 12.000 Beschäftigte). 2. Raum als Beziehungsraum (Raum als System): - 150 Container-Liniendienste verbinden Hamburg mit 100 Ländern weltweit. - China als wichtigster Handelspartner (> 2,5 Mio. TEU), gefolgt von Singapur, Russland und Schweden. - Hafen als nationaler und internationaler Besuchermagnet (Hafengeburtstag, Großveranstaltungen). - Kreuzfahrttourismus: ca. 220 Schiffsanläufe und ca. 880.000 Passagiere jährlich. 3. Raum als wahrgenommener Raum (Sinneswahrnehmung): - Beschäftigte: Wahrnehmung als klassischer Arbeitsort und Existenzgrundlage über Generationen. - Touristen: Positiv konnotierter Sehnsuchtsort („Tor zur Welt“, „Freiheit“, maritime Romantik). - Bewohner der HafenCity: Wahrnehmung als modernes, angesagtes Quartier, aber teils Diskrepanz zur Realität (abends oft ruhig, Leerstände, Mangel an Nahversorgung/Gastronomie). 4. Raum als Konstruktion: - Nutzung durch Stadtmarketing und Medien (Hafengeburtstag, Filmkulisse, Elbjazz-Festival, Nähe zur Reeperbahn). - Stilisierung als „Tor zur Welt“. - HafenCity wird als lebendiges Stadtquartier mit maritimem Flair und Nutzungsmischung (Wohnen, Arbeiten, Kultur, Freizeit) inszeniert.

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