Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 3 · Abitur Hessen Erdkunde LK 2021
Thema: Rohstoffe: Erschließung, Abbau und Strategien gegen Knappheit · Aus der Prüfung LK (2021)
Aufgabenstellung
Material 1
Strukturdaten Peru 2018
Einwohnerzahl · 31.989.256
Fläche in km² · 1.285.220
Städtische Bevölkerung in % · 77,9
Lebenserwartung in Jahren · 76,5
Bevölkerung zwischen 0 und 14 Jahren in % der Gesamtbevölkerung · 25,8
Bevölkerung über 65 Jahren in % · 8,1
Bevölkerungswachstum in % · 1,7
Säuglingssterblichkeit (von 1.000) · 15
Alphabetisierung Erwachsene in % · 94,1
Anteil Bevölkerung unter der Armutsgrenze (3,2 US-Dollar/Tag) in % der Gesamtbevölkerung · 11
Anteil der Bevölkerung unterhalb der nationalen Armutsgrenze in % · 20,5
Zugang zu sicheren sanitären Einrichtungen in % aller Personen (2017) · 42,8
Zugang zu sauberem Trinkwasser in % aller Personen (2017) · 50,4
BIP pro Kopf in US-Dollar · 6.470
Reales BIP-Wachstum in % · 4,0
Bruttowertschöpfung nach Sektoren in % des BIP (2018) · Primärer Sektor · 7,5
Sekundärer Sektor · 34,2
Tertiärer Sektor · 58,3
HDI-Rang von 189 Staaten (Wert 0–1,00) · 82 (0,76)
Gini-Koeffizient Einkommen
(Wert 0 bedeutet absolute Gleichheit / Wert 1 bedeutet absolute Ungleichheit) · 0,428
Arbeitslosenquote in % · 6,7
Erwerbstätigkeit nach Sektoren in % (2017) · Primärer Sektor · 25,8
Sekundärer Sektor · 17,4
Tertiärer Sektor · 56,8
Export in Mrd. US-Dollar (2017) · 44,92
Hauptexportgüter in % des Gesamtexports · Rohstoffe (außer Brennstoffe) · 39,1
Nahrungsmittel · 19,1
NE-Metalle · 7,7
Petrochemie · 6,3
Chem. Erzeugnisse · 2,7
Textilien/Bekleidung · 2,7
Gas · 2,2
Sonstige · 20,2
Hauptexportländer in % des Gesamtexports · China · 27,6
USA · 26,7
Indien · 5,2
Südkorea · 5,1
Import in Mrd. US-Dollar · 38,65
Hauptimportgüter in % des Gesamtimports · chem. Erzeugnisse · 15,0
Maschinen · 10,0
Nahrungsmittel · 9,5
Petrochemie · 8,6
Kfz und -Teile · 8,4
Elektronik · 8,4
Erdöl · 6,6
Textilien/Bekleidung · 4,4
Eisen und Stahl · 4,4
Elektrotechnik · 3,6
Sonstige · 21,1
Hauptimportländer in % des Gesamtexports · China · 23,3
USA · 21,3
Brasilien · 5,6
Mexiko · 4,5
Ecuador · 4,5
Tourismuseinnahmen in Mrd. US-Dollar · 4.894
Rang im Korruptionswahrnehmungsindex · 35/105
Hinweis: NE-Metalle: Als Nichteisenmetalle werden alle Metalle außer Eisen bezeichnet sowie Metall-Legierungen, in denen Eisen nicht als Hauptelement enthalten ist.
Material 2
Produktion metallischer Rohstoffe in Peru 2017
Produktion · Einheit · 2017 · Weltweites Ranking
Kupfer · Mio. Tonnen · 2,445 · 2
Gold · Tonnen · 151,96 · 6
Zink · Mio. Tonnen · 1,473 · 2
Silber · Tonnen · 4,418 · 2
Blei · Tonnen · 306,784 · 3
Eisen · Mio. Tonnen · 8,806 · /
Zinn · Tonnen · 17,790 · 4
Molybdän · Tonnen · 28,141 · 4
URL: https://peru.ahk.de/dienstleistungen/bergbau-peru (abgerufen am 04.02.2020).
Hinweis: Molybdän wird als Nebenprodukt bei der Kupferherstellung gewonnen und nur zu ca. 30% direkt aus Molybdänerzen. Molybdän wird hauptsächlich in Legierungen verwendet (z.B. in säurebeständigen Edelstählen). Nach: URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Molybdän (abgerufen am 19.10.2019).
Material 3
Gold – gefragter Rohstoff
Gold wird für die verschiedensten Verwendungszwecke genutzt. Gleichwohl haben sich einige Schlüsselbranchen als Hauptverbraucher herauskristallisiert.
Die jüngste Nutzerbranche ist die Industrie. Insbesondere die Elektroindustrie verwendet Gold auf Platinen, Computerchips und vielen anderen Bauteilen. Obwohl das Edelmetall sehr kostspielig ist, wird es aufgrund seiner Korrosionsbeständigkeit, der guten Kontaktgabe und der einfachen Verarbeitung eingesetzt. So lassen sich beispielsweise 10 Gramm Gold zu einem dünnen Faden ausdehnen, der über eine Länge von 33 Kilometern verfügt und zur Kontaktierung von Computerchips eingesetzt wird.
Die Elektroindustrie verwendet ca. 10 Prozent des jährlichen Goldverbrauchs in ihren Produktionsabläufen.
URL: https://www.gold.de/gold-geschichte/#goldfoerderlaender (abgerufen am 09.04.2020).
Material 4
Gold-Verwendung weltweit (2017)
Hartmut Heidenreich: Steckbrief Gold, Kampagne „Bergwerk Peru – Reichtum geht, Armut bleibt“, 2017, URL: http://www.kampagne-bergwerk-peru.de/wp-content/uploads/Factsheet-Gold-2017_Web.pdf (abgerufen am 09.04.2020).
Material 5
Das Raubbau-Syndrom
Diercke Modellregister, Braunschweig 2014, S. 12.
Material 6
Kleinbergbau
In vielen Entwicklungs- und Schwellenländern werden mineralische Rohstoffe neben dem industriellen Bergbau auch im Kleinbergbau gefördert. Mit einfachen Mitteln und unter geringem Einsatz von Maschinen werden mineralische Rohstoffe aus Lagerstätten abgebaut, die für den industriellen Bergbau ungeeignet sind. Die Aufbereitung ist häufig ineffizient und geschieht unter Verwendung umweltschädlicher und giftiger Chemikalien. Kleinbergleute verfügen selten über einen Arbeitsvertrag oder Schürflizenzen, sind also nicht formalisiert. Sie arbeiten häufig selbstorganisiert oder unter der Kontrolle lokaler Patrone, aber auch illegal. Der Rohstoffabbau geschieht meist unter prekären Arbeitsbedingungen, ohne Beachtung von Arbeits-, Kinder- oder Frauenrechten. Nicht selten verdienen Kleinbergleute nur wenige Euro am Tag, während die Gewinne an Zwischenhändler und lokale Patrone gehen. Die Ursachen dieser Probleme sind schwache staatliche Institutionen, ungenügende gesetzliche Rahmenbedingungen sowie die fehlende Regulierung des Sektors.
Der Kleinbergbausektor birgt jedoch gleichzeitig große Entwicklungspotenziale. Weltweit sind schätzungsweise 15 bis 30 Millionen Menschen in mehr als 30 Ländern im Kleinbergbau beschäftigt. Unter Berücksichtigung von zu versorgenden Familienangehörigen und nachgelagerter Lieferketten sind nach Schätzungen der Weltbank global 80 bis 100 Millionen Menschen existenziell vom Kleinbergbau abhängig. Damit trägt der Kleinbergbau als wichtige Einkommensquelle maßgeblich zur Existenzsicherung der lokalen Bevölkerung bei.
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Kleinbergbau, ohne Jahr, URL: https://www.bmz.de/rue/de/konzepte_themen/aspekte/kleinbergbau/index.html (abgerufen am 09.04.2020).
Material 7
Hildegard Willer: Das glänzende Schweizer Gold kommt vom dreckigsten Ort der Welt (2018)
Juliaca gilt als die Schmuggel-Hauptstadt Perus und, seit vor 18 Jahren der Gold-Boom ausgebrochen ist, auch als Hotspot der Goldschürfer und Goldhändler. […]
Peru ist der sechstgrößte Goldproduzent der Welt. Entsprechend wichtig ist der Goldbergbau für Perus Wirtschaft. Die Goldminen werden hier in groß, mittel, klein und artisanal [Kleinbergbau, bei dem die bergmännischen Arbeiten nur manuell getätigt werden] eingeteilt. Die großen und mittleren Minen sind meist in den Händen ausländischer Unternehmen und werden industriell im Tagebau betrieben. Die ausländischen Investoren werden vom peruanischen Staat bevorzugt. Die kleineren Minen dagegen sind in der Hand einst armer Bauern, die aufgelassene Minen oder Grundstücke besetzt haben und zuerst mit Schaufel und Hacke, seit den hohen Goldpreisen auch mit großen Maschinen nach Gold schürfen oder buddeln. Den kleinen Goldbergbau gibt es sowohl im Tagebau […] oder unter Tage.
Im Gegensatz zum großen Goldbergbau haben die kleinen Bergleute oft keine Genehmigungen, arbeiten im rechtsfreien Raum und zahlen keine Steuern. Die Umwelt verschmutzen und verschandeln alle, große wie kleine.
Da rund 150.000 Peruaner direkt und 650.000 indirekt vom Kleinbergbau leben und dieser mindestens 20 Prozent der nationalen Goldproduktion ausmacht, möchte der peruanische Staat die kleinen Bergleute in einem sogenannten Formalisierungsprozess zu legalen Minenbetreibern machen. […]
Die Männer arbeiten im sogenannten Cachorreo-System: Anstatt eines festen Lohns dürfen sie nach 25 Tagen Arbeit für den Minenbesitzer einen oder zwei Tage für ihren eigenen Gewinn schürfen. Die Aussicht auf die große Goldader motiviert mehr als jeder feste Lohn mit Sozialversicherung.
Quecksilberdampf lässt sich auf Dächern und Ebenen nieder, die nahe Lagune Lunar de Oro ist längst eine Quecksilberleiche. Die Bauern unten am Ramis-Fluss klagen, dass ihre Tiere durch das verschmutzte Wasser sterben. Auch die Fische im nahen Titicaca-See weisen viele Schwermetalle auf. Wahrscheinlich wegen der Goldschürferei in Rinconada und Ananea.
Staatliche Stellen gibt es in La Rinconada so gut wie nicht. Welcher Polizist, Lehrer oder Arzt möchte schon hier leben? Wenn sich doch einer hochtraut, dann dauert es nicht lange, und er geht selber in die Mine und verdient damit ein Vielfaches seines kleinen Lehrer- oder Polizistengehaltes.
Aus der Rinconada, beherrscht von Menschenhandel, Mord, Vergewaltigungen und Umweltvergiftung, […] kommt ein guter Teil des Goldes, das Peru in die Schweiz exportiert. Dort wird es in einer der vier großen Raffinerien zu Feingold weiterverarbeitet.
[…] „Niemand hier in Puno kann die legale Herkunft von Gold garantieren, es sei denn, es kommt aus einer zertifizierten Mine“, sagt der junge Staatsanwalt Federico Chavarrí. Mit einem Kollegen und fünf Polizisten ist er für alle Umweltdelikte in der Region Puno zuständig. 200 Fälle illegalen Goldbergbaus hat er momentan auf dem Schreibtisch.
Als illegal gilt das Goldschürfen dann, wenn es zum Beispiel in einem Naturschutz- oder Wasserschutzgebiet betrieben wird, oder wenn sich der Schürfer nicht im staatlichen Formalisierungsregister einschreibt.
Allerdings, und da ist der Haken: Wer sich ins Register einschreibt, darf weiterarbeiten wie bisher. Er verpflichtet sich nur, bis 2020 alle staatlichen Vorgaben geregelt zu haben. […] Informelle Goldschürfer dürfen ihr Gold legal verkaufen […].
Die regionale Bergbaubehörde mit ihren 15 Angestellten hat viel zu wenig Kapazitäten, um zu kontrollieren, ob die angegebenen Konzessionen wirklich stimmen und ob das Quecksilber wirklich sachgemäß verwendet wurde. 5.530 Bergleute aus Puno haben sich als „informell“ ins staatliche Register eingeschrieben. 10.000 bis 15.000, darunter auch viele „Cachorreros“ aus La Rinconada, so schätzt Chavarrí, arbeiten gänzlich illegal.
[…] Ob denn der illegal-informelle Goldabbau in Puno wenigstens die Entwicklung der Region voranbringe, wenn er schon die Umwelt zerstört, frage ich. Staatsanwalt Chavarrí schüttelt heftig den Kopf: „Die Goldwirtschaft verzerrt alle Preise. Wir, die wir nicht so viel verdienen, müssen auf einmal das Doppelte an Miete bezahlen.“
[Mein Taxifahrer] ist anderer Meinung. Er fährt mich zurück zum Flughafen von Juliaca, das Auto hüpft von einem Erdloch zum anderen, die Straßen sind noch nicht geteert. Regenwasser staut sich in großen Lachen, die Kanalisation funktioniert nicht. „Natürlich ist das Gold gut für uns, ohne den Goldbergbau hätten wir ja gar keinen Umsatz“, meint mein […] Taxifahrer.
Hildegard Willer: Das glänzende Schweizer Gold kommt vom dreckigsten Ort der Welt, 22.03.2018, URL: https://tageswoche.ch/form/reportage/das-glaenzende-schweizer-gold-kommt-vom-dreckigsten-ort-der-welt/ (abgerufen am 09.04.2020).
Material 8
Roxana Isabel Duerr: Edelmetalle: Im Regenwald hinterlassen die Goldgräber toxische Wüsten (2016)
Neben dem Giftausstoß schädigt der unkontrollierte Goldabbau die Umwelt auch durch großflächige Grabungen. […]
Auch in Peru, wo der gesamte Bergbausektor in den frühen 90er Jahren einen Boom erlebte, kam es – vor allem im Amazonasgebiet – zu einem regelrechten Goldrausch. Laut der NGO Amazon Aid landen noch immer jedes Jahr bis zu 40 Tonnen Quecksilber im Amazonas. In den Flussniederungen in Südostperu halten sich Betreiber und Goldwäscher noch nicht einmal an die im Land geltenden Mindeststandards für den Einsatz giftiger Substanzen. Auch scheren sich die Schürfer nicht darum, ob sie mit ihren Grabungen gerade ein Stück Regenwald unwiederbringlich zerstören. Zurück bleiben nur toxische Wüsten. Da sich das an den Oberläufen der Flüsse abspielt, wird das gesamte Amazonassystem beeinflusst. Mehr als 50.000 Hektar Regenwald wurden so in den letzten Jahren zerstört.
Wie schlimm die Folgen der Goldgewinnung für Mensch und Natur tatsächlich sind, hängt auch von der Art der Goldverarbeitung und vor allem vom Quecksilbereinsatz ab. „Gutes Gold“, sagt Christof Schenck, Biologe und Geschäftsführer der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, „wird legal und unter strengen Umwelt- und Sozialstandards gewonnen und schafft zudem Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für Landschaftseinflüsse.“ In Südamerika gibt es inzwischen die ersten Goldproduktionsstätten, die mit dem Fairtrade-Gütesiegel ausgezeichnet wurden. Dafür müssen sie eine Reihe von Kriterien erfüllen, zu denen geregelte Arbeitsbedingungen und Versicherungsschutz sowie die Einhaltung von Umweltauflagen gehören. Allerdings erlaubt Fairtrade unter Beachtung bestimmter Vergabebedingungen und Anwendungsbeschränkungen auch einen reduzierten Einsatz von Quecksilber und Zyanid.
[…] Experten sind sich einig, dass Alternativen zum gängigen Produktionsmodell möglich sind. „Es gibt in der Tat für Mensch und Natur unbedenklichere Herstellungsmethoden, wie beispielsweise das Goldwaschen ohne Chemikalien, das auf rein mechanischen Prozessen beruht“ […]. Allerdings müsste das Verfahren genauestens geplant und stetig vor Ort kontrolliert werden, da für diese Prozesse etwa nur eine bestimmte Art Golderz verarbeitet werden könne. Derartige Alternativen sind jedoch dringend notwendig, denn: „Die größten Gold- und Mineralienvorräte der Welt werden bereits von großen Bergbaufirmen ausgebeutet – und die restlichen Vorkommen liegen in Naturschutzgebieten und auf den Gebieten indigener Völker“ […]. Im Grunde aber wäre es das Beste, gleich bei der treibenden Kraft dahinter anzusetzen: „Wir sollten endlich aufhören, in der Erde zu schaben, und stattdessen lernen, Gier und Konsum besser ins Gleichgewicht zu bringen.“
Es ist ein Elfenbeinturmwunsch. Die junge Goldwäscherin Amanda Santos und ihre achtköpfige Familie am unteren Ende der Lieferkette sehen keine Alternative: „Unser tägliches Überleben hängt vom Gold ab.“
Roxana Isabel Duerr: Tödliche Gier nach Gold, 07.11.2016, URL: https://www.sueddeutsche.de/wissen/edelmetalle-toedliche-gier-nach-gold-1.3231437-3 (abgerufen am 09.04.2020).
3
Nehmen Sie unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeitsdimensionen Stellung zur Frage, inwieweit der Kleinbergbau in Peru als Entwicklungschance dienen kann. (Material 1–8)
(25 BE)

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
3 Nehmen Sie unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeitsdimensionen Stellung zur Frage, inwieweit der Kleinbergbau in Peru als Entwicklungschance dienen kann. (Material 1–8)
Lösung: Individuelle, kriteriengeleitete und schlüssige Stellungnahme auf Basis der Nachhaltigkeitsdimensionen (Ökonomie, Ökologie, Soziales, Politik/Institutionen).
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