Abitur Hessen Deutsch 2021 · GK

Abiturprüfung Deutsch in Hessen 2021, GK: 9 Aufgaben mit Lösungen. Themen: Interpretation lyrischer Texte und Interpretation dramatischer Texte. Kostenlos.

Themen der Prüfung: Interpretation lyrischer Texte · Interpretation dramatischer Texte · Pflichtlektüre: Vergleich und literarische Erörterung · Analyse pragmatischer Texte · Erörterung und Stellungnahme · Materialgestütztes Verfassen von Texten

Aufgabe Vorschlag A · Materialgestütztes Verfassen von Texten

Gender und Sprache

Eine überregionale Tageszeitung veröffentlicht regelmäßig Artikel über Entwicklungstendenzen der Gegenwartssprache. Verfassen Sie als Gastbeitrag zu dieser Reihe einen Kommentar, in dem Sie sich zur folgenden Frage begründet positionieren: „Sollte in den Gebrauch der deutschen Sprache aus Gründen der Gendergerechtigkeit regulierend eingegriffen werden?“

Nutzen Sie dazu die folgenden Materialien (M1–M8) und beziehen Sie unterrichtliches Wissen und eigene Erfahrungen ein.

Formulieren Sie eine geeignete Überschrift.

Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 1 · Interpretation dramatischer Texte

Material

Ödön von Horváth: Die Bergbahn (1927)

Moser, Reiter, Sliwinski, Simon ließen Oberle an einem Seile in den Abgrund, um den abgestürzten Schulz zu bergen.

Maurer auf einem Gratzacken 1; ruft durch Handtrichter: Huuu! – Huuu! [...]

Der Sturmstoß fegt vorüber.

5 Maurer klettert vom Zacken herab.

Xaver leise: Wie so an Unglück passiert –

Maurer ebenso: Schnell!! Der Reiter hat a Klammer braucht, und der Oberle sagt zum Schulz: hol ane her! und der arm Teufl springt dahin, ganz eifrig, und schreit glei, ganz entsetzli, und runter is er a scho über d’Wand. So vierzig Meter. Und bloß ausgrutscht –

10 Moser erregt; unterdrückt: Hörts! Stehts do net so rum! Der Oberle holt den scho rauf! Laufts um a Tragbahr 2 und telefonierts um an Dokter! Zu!

Hannes Da werd nimmer viel zum doktern sein.

Moser Meinst?

Hannes Ja. Der is hin. [...]

15 Stille.

Alle entblößen ihr Haupt.

Hannes fällt langsam in die Knie, betet: Vater unser, der Du bist im Himmel, geheiliget werde Dein Name –

Moser unterbricht ihn: Verflucht! Ka Litanei, ka Rosenkranz! Der da drobn is taub für uns arme Leut!

20 In weiter Ferne Donnerrollen.

Ja, donnern, des kann der! Und blitzn und stürmen! Schreckn und vernichtn! – Was gedeiht, ghört net uns. Was ghört dem armen Mann? Wenn die Sonn scheint, der Staub, wenns regnet, der Dreck! Und allweil Schweiß und Blut!

Ein leiser Wind hebt an, der allmählich zum Sturm wird.

25 Ingenieur erscheint; atemlos; aufgeregt: Was ist hier los? Warum steht man so herum? Wer gab das Notsignal?

Maurer I.

Ingenieur Was ist denn geschehen?

Oberle Still, Herr! Hier liegt a Toter.

30 Ingenieur Wieso? Wo? Wer?

Oberle Dort. Den Ihr gestern eingestellt habt, der Schulz.

Ingenieur Scheußlich!

Oberle Er is bloß gestolpert – über die Wand da. So vierzig Meter. Schweigen.

35 Ingenieur Verdammt! Tja, da kann keiner dafür. – Wollen wir ihn ehren, indem wir geloben, ihm, der in Erfüllung seiner Pflicht fiel, nachzueifern, weiterzuarbeiten. – Ich muß unbedingt darauf bestehen, daß die Arbeit sofort wieder aufgenommen wird. Den Leichnam lassen wir bis zum Abend hier liegen und nun –

Moser unterbricht ihn: Na, der werd zuerst nuntergtragn und aufbahrt. Nachher werd weitergschafft. Eher net!

40 Ingenieur Hoppla! Hier hat nur einer zu befehlen, und das bin ich! Pflicht kommt vor Gefühlsduselei.

Reiter Pflicht is, a Leich net liegn zu lassn, wie an verrecktn Hund.

Ingenieur Ich verbitte es mir, über Pflicht belehrt zu werden! Merken Sie sich das, Sie! Ich habe mir mein Ziel erkämpft und pflege meinem Willen Geltung zu verschaffen. Und seis mit schärfsten Mitteln!

45 Simon Bravo! Bravo!

Ingenieur Was soll das?

Schweigen.

Es wird weitergearbeitet. Mit Hochdruck und sofort. Los!

Keiner reagiert.

50 Schweigen.

Hört: sollte das Wetter umschlagen und wir hätten die Vorarbeiten noch nicht beendet, – das Werk, der Bau, die Bahn ist gefährdet!

Moser Sonst nix? Werd scho schad sein um die Scheißbahn! Sehr schad! Wer werd denn damit amüsiert? Die Aufputztn, Hergrichtn, Hurn und Wucherer! 3 Wer geht dran zu Grund?! Wir!

55 Simon Wir! Wir!

Ingenieur höhnisch, doch etwas unsicher: So?

Maurer Gfährdet ist bloß unser Lebn!

Ingenieur Hier gibt es Hetzer?

Reiter Und Ghetzte! 4

60 Moser Und was is denn scho, wenns überhaupt kane Bahnen gibt?! Kamst um dei Seelenheil? Stürzet die Welt ein?!

Ingenieur Unreifes Zeug, dummes!

Reiter Wenn Sie, Herr, so a gscheits Genie san, so denkens halt mal an uns! Bauns ka Bergbahn! Bauns uns Häuser statt Barackn!

65 Ingenieur Hier wird nicht geredet, hier wird gearbeitet! Ohne Kritik!

Oberle Habt Ihrs net donnern ghört, zuvor?

Ingenieur Quatsch! Quatsch! Ich kenne das Wetter! Das hält!

Hannes lacht.

Oberle Herr, i bin a alter Arbeiter und die Verantwortung –

70 Ingenieur unterbricht ihn: Nur keine Anmaßung! Die Verantwortung trage ich. Nur ich.

Es donnert.

Stille.

Hm. Jetzt dürfte sich manches geändert – Grinst nur, grinst! Ja, jetzt könnt ihr den aufbahren. Alles aufbahren! Auch euch selbst! Er will absteigen.

75 Maurer Halt! An Augenblick! Darf man fragn, obs stimmt, daß wir ghetzt werdn? Und daß es ganz gleich is, ob wir runterfalln, wenn nur des Kabel 5 herobn hängt, bevors Wetter umschlagt? Und daß wir, wanns umgschlagn hat, fortgtriebn werdn –

Ingenieur unterbricht ihn: Jetzt könnt ihr gehen!

Maurer Wohin?

80 Ingenieur Die Arbeit ist eingestellt. Alles ist eingestellt. Ihr seid entlassen.

Maurer Habts es ghört?! Habts es ghört?

Reiter Des hättns uns scho sagn können!

Sliwinski Solln!

Simon Müssn!

85 Maurer Lügner! Lügner!

Reiter Jetzt kriegst nirgends Arbeit! Jetzt nimmer!

Ingenieur Wer arbeiten will, der kann! Jetzt und immer!

Simon applaudiert.

Wird immer erregter. Hört! Ich habe alles verlassen, um mein Ziel zu erreichen! Ich habe in Baracken gehaust –

90 Moser Wir habn no nie anderswo ghaust!

Ingenieur – ich habe verzichtet, ich habe im Schatten geschuftet an dem Werk!

Sliwinski Im Schattn deiner Villa!

Ingenieur Ich habe keine Villa!

95 Simon Aber a Wohnung hast! Unds Fressn hast! Und an Mantl, wanns di friert! Ists wahr oder net?

Ingenieur Ich werde mir erlauben, eine Wohnung zu besitzen! Doch ich hätte auch hungernd und frierend an meinen Plänen gearbeitet – Er hält plötzlich verwirrt die Hand vor die Augen. Aber ich habe ohne den lieben Gott kalkuliert. Allerdings, ja, jetzt schlägt das Wetter um –

Maurer Also, weil Sie Herr sich verrechnet habn, drum stehn wir da, mittn im Winter! Ohne Dach, ohne Holz, ohne Brot!

100 Simon A jeder redt si aufs Wetter naus, aber kaner rechnet damit!

Hannes Die ganzn Plän san halt falsch.

Ingenieur Was?! Kritik? Kritik! Du Trottel! Ungebildetes Pack erlaubt sich –

Xaver unterbricht ihn: Ohne uns Pack, was war denn dei Werk?! Bloß a Plan! Papier! Papier!!

105 Stille.

Ingenieur geht langsam auf Xaver zu und hält dicht vor ihm; fixiert ihn; plötzlich schlägt er ihm vor die Brust, daß er zurücktaumelt.

Stille.

Ingenieur verliert die Nerven: Jetzt könnt ihr gehen! Verschwindet! Marsch!

110 Oberle Wohin!?

Ingenieur Was weiß ich?! Wohin ihr wollt! Wohin ihr könnt! Wohin ihr gehört! Zum Teufel!

Ödön von Horváth: Gesammelte Werke, Band 1, Frankfurt am Main 2. Aufl. 1972, S. 87–93.

Worterläuterungen

1 Gratzacken – Zacken eines Bergrückens

2 Tragbahre – Gestell zum Transport von Verletzten oder Toten

3 „Die Aufputztn, Hergrichtn, Hurn und Wucherer!“ – im Sinne von: die Reichen, Schönen, Huren und Wucherer

4 Ghetzte – Gehetzte

5 Kabel – hier Seil als Aufhängung für die Gondeln der Zugspitzbahn

Hinweise

Ödön von Horváth (1901–1938) ist ein aus Österreich-Ungarn stammender deutschsprachiger Schriftsteller, dessen Texte häufig eine sozialkritische Ausrichtung haben. Den Stoff für Horváths Bühnenstück „Die Bergbahn“ lieferte der Bau der Tiroler Zugspitzbahn, die 1926 eröffnet wurde und deren Bau zahlreiche Unfallopfer forderte. Die Zugspitzbahn war für ihre Zeit eine technische Meisterleistung und führte in fast 3000 Metern Höhe.

Die Rechtschreibung entspricht der Textvorlage.

1 Fassen Sie den Inhalt des Auszugs aus Ödön von Horváths Drama „Die Bergbahn“ zusammen und analysieren Sie die Szene. (Material)

(40 BE)

Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 2 · Pflichtlektüre: Vergleich und literarische Erörterung

Material

Ödön von Horváth: Die Bergbahn (1927)

Moser, Reiter, Sliwinski, Simon ließen Oberle an einem Seile in den Abgrund, um den abgestürzten Schulz zu bergen.

Maurer auf einem Gratzacken 1; ruft durch Handtrichter: Huuu! – Huuu! [...]

Der Sturmstoß fegt vorüber.

5 Maurer klettert vom Zacken herab.

Xaver leise: Wie so an Unglück passiert –

Maurer ebenso: Schnell!! Der Reiter hat a Klammer braucht, und der Oberle sagt zum Schulz: hol ane her! und der arm Teufl springt dahin, ganz eifrig, und schreit glei, ganz entsetzli, und runter is er a scho über d’Wand. So vierzig Meter. Und bloß ausgrutscht –

10 Moser erregt; unterdrückt: Hörts! Stehts do net so rum! Der Oberle holt den scho rauf! Laufts um a Tragbahr 2 und telefonierts um an Dokter! Zu!

Hannes Da werd nimmer viel zum doktern sein.

Moser Meinst?

Hannes Ja. Der is hin. [...]

15 Stille.

Alle entblößen ihr Haupt.

Hannes fällt langsam in die Knie, betet: Vater unser, der Du bist im Himmel, geheiliget werde Dein Name –

Moser unterbricht ihn: Verflucht! Ka Litanei, ka Rosenkranz! Der da drobn is taub für uns arme Leut!

20 In weiter Ferne Donnerrollen.

Ja, donnern, des kann der! Und blitzn und stürmen! Schreckn und vernichtn! – Was gedeiht, ghört net uns. Was ghört dem armen Mann? Wenn die Sonn scheint, der Staub, wenns regnet, der Dreck! Und allweil Schweiß und Blut!

Ein leiser Wind hebt an, der allmählich zum Sturm wird.

25 Ingenieur erscheint; atemlos; aufgeregt: Was ist hier los? Warum steht man so herum? Wer gab das Notsignal?

Maurer I.

Ingenieur Was ist denn geschehen?

Oberle Still, Herr! Hier liegt a Toter.

30 Ingenieur Wieso? Wo? Wer?

Oberle Dort. Den Ihr gestern eingestellt habt, der Schulz.

Ingenieur Scheußlich!

Oberle Er is bloß gestolpert – über die Wand da. So vierzig Meter. Schweigen.

35 Ingenieur Verdammt! Tja, da kann keiner dafür. – Wollen wir ihn ehren, indem wir geloben, ihm, der in Erfüllung seiner Pflicht fiel, nachzueifern, weiterzuarbeiten. – Ich muß unbedingt darauf bestehen, daß die Arbeit sofort wieder aufgenommen wird. Den Leichnam lassen wir bis zum Abend hier liegen und nun –

Moser unterbricht ihn: Na, der werd zuerst nuntergtragn und aufbahrt. Nachher werd weitergschafft. Eher net!

40 Ingenieur Hoppla! Hier hat nur einer zu befehlen, und das bin ich! Pflicht kommt vor Gefühlsduselei.

Reiter Pflicht is, a Leich net liegn zu lassn, wie an verrecktn Hund.

Ingenieur Ich verbitte es mir, über Pflicht belehrt zu werden! Merken Sie sich das, Sie! Ich habe mir mein Ziel erkämpft und pflege meinem Willen Geltung zu verschaffen. Und seis mit schärfsten Mitteln!

45 Simon Bravo! Bravo!

Ingenieur Was soll das?

Schweigen.

Es wird weitergearbeitet. Mit Hochdruck und sofort. Los!

Keiner reagiert.

50 Schweigen.

Hört: sollte das Wetter umschlagen und wir hätten die Vorarbeiten noch nicht beendet, – das Werk, der Bau, die Bahn ist gefährdet!

Moser Sonst nix? Werd scho schad sein um die Scheißbahn! Sehr schad! Wer werd denn damit amüsiert? Die Aufputztn, Hergrichtn, Hurn und Wucherer! 3 Wer geht dran zu Grund?! Wir!

55 Simon Wir! Wir!

Ingenieur höhnisch, doch etwas unsicher: So?

Maurer Gfährdet ist bloß unser Lebn!

Ingenieur Hier gibt es Hetzer?

Reiter Und Ghetzte! 4

60 Moser Und was is denn scho, wenns überhaupt kane Bahnen gibt?! Kamst um dei Seelenheil? Stürzet die Welt ein?!

Ingenieur Unreifes Zeug, dummes!

Reiter Wenn Sie, Herr, so a gscheits Genie san, so denkens halt mal an uns! Bauns ka Bergbahn! Bauns uns Häuser statt Barackn!

65 Ingenieur Hier wird nicht geredet, hier wird gearbeitet! Ohne Kritik!

Oberle Habt Ihrs net donnern ghört, zuvor?

Ingenieur Quatsch! Quatsch! Ich kenne das Wetter! Das hält!

Hannes lacht.

Oberle Herr, i bin a alter Arbeiter und die Verantwortung –

70 Ingenieur unterbricht ihn: Nur keine Anmaßung! Die Verantwortung trage ich. Nur ich.

Es donnert.

Stille.

Hm. Jetzt dürfte sich manches geändert – Grinst nur, grinst! Ja, jetzt könnt ihr den aufbahren. Alles aufbahren! Auch euch selbst! Er will absteigen.

75 Maurer Halt! An Augenblick! Darf man fragn, obs stimmt, daß wir ghetzt werdn? Und daß es ganz gleich is, ob wir runterfalln, wenn nur des Kabel 5 herobn hängt, bevors Wetter umschlagt? Und daß wir, wanns umgschlagn hat, fortgtriebn werdn –

Ingenieur unterbricht ihn: Jetzt könnt ihr gehen!

Maurer Wohin?

80 Ingenieur Die Arbeit ist eingestellt. Alles ist eingestellt. Ihr seid entlassen.

Maurer Habts es ghört?! Habts es ghört?

Reiter Des hättns uns scho sagn können!

Sliwinski Solln!

Simon Müssn!

85 Maurer Lügner! Lügner!

Reiter Jetzt kriegst nirgends Arbeit! Jetzt nimmer!

Ingenieur Wer arbeiten will, der kann! Jetzt und immer!

Simon applaudiert.

Wird immer erregter. Hört! Ich habe alles verlassen, um mein Ziel zu erreichen! Ich habe in Baracken gehaust –

90 Moser Wir habn no nie anderswo ghaust!

Ingenieur – ich habe verzichtet, ich habe im Schatten geschuftet an dem Werk!

Sliwinski Im Schattn deiner Villa!

Ingenieur Ich habe keine Villa!

95 Simon Aber a Wohnung hast! Unds Fressn hast! Und an Mantl, wanns di friert! Ists wahr oder net?

Ingenieur Ich werde mir erlauben, eine Wohnung zu besitzen! Doch ich hätte auch hungernd und frierend an meinen Plänen gearbeitet – Er hält plötzlich verwirrt die Hand vor die Augen. Aber ich habe ohne den lieben Gott kalkuliert. Allerdings, ja, jetzt schlägt das Wetter um –

Maurer Also, weil Sie Herr sich verrechnet habn, drum stehn wir da, mittn im Winter! Ohne Dach, ohne Holz, ohne Brot!

100 Simon A jeder redt si aufs Wetter naus, aber kaner rechnet damit!

Hannes Die ganzn Plän san halt falsch.

Ingenieur Was?! Kritik? Kritik! Du Trottel! Ungebildetes Pack erlaubt sich –

Xaver unterbricht ihn: Ohne uns Pack, was war denn dei Werk?! Bloß a Plan! Papier! Papier!!

105 Stille.

Ingenieur geht langsam auf Xaver zu und hält dicht vor ihm; fixiert ihn; plötzlich schlägt er ihm vor die Brust, daß er zurücktaumelt.

Stille.

Ingenieur verliert die Nerven: Jetzt könnt ihr gehen! Verschwindet! Marsch!

110 Oberle Wohin!?

Ingenieur Was weiß ich?! Wohin ihr wollt! Wohin ihr könnt! Wohin ihr gehört! Zum Teufel!

Ödön von Horváth: Gesammelte Werke, Band 1, Frankfurt am Main 2. Aufl. 1972, S. 87–93.

Worterläuterungen

1 Gratzacken – Zacken eines Bergrückens

2 Tragbahre – Gestell zum Transport von Verletzten oder Toten

3 „Die Aufputztn, Hergrichtn, Hurn und Wucherer!“ – im Sinne von: die Reichen, Schönen, Huren und Wucherer

4 Ghetzte – Gehetzte

5 Kabel – hier Seil als Aufhängung für die Gondeln der Zugspitzbahn

Hinweise

Ödön von Horváth (1901–1938) ist ein aus Österreich-Ungarn stammender deutschsprachiger Schriftsteller, dessen Texte häufig eine sozialkritische Ausrichtung haben. Den Stoff für Horváths Bühnenstück „Die Bergbahn“ lieferte der Bau der Tiroler Zugspitzbahn, die 1926 eröffnet wurde und deren Bau zahlreiche Unfallopfer forderte. Die Zugspitzbahn war für ihre Zeit eine technische Meisterleistung und führte in fast 3000 Metern Höhe.

Die Rechtschreibung entspricht der Textvorlage.

2 Vergleichen Sie den Dramenauszug aus „Die Bergbahn“ (Material) mit Büchners sozialem Drama „Woyzeck“ unter besonderer Berücksichtigung der gesellschaftlichen Verhältnisse.

(35 BE)

Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 3 · Erörterung und Stellungnahme

3

„Das moderne Theater muß nicht danach beurteilt werden, wieweit es die Gewohnheiten des Publikums befriedigt, sondern danach, wie weit es sie verändert.“

(Bertolt Brecht, 1898–1956)

Beurteilen Sie, wie das Theater heute dieser Forderung Brechts gerecht werden kann.

(25 BE)

Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 1 · Analyse pragmatischer Texte

Material

Jan Roß: Macht mich Bildung zum besseren Menschen? (2020)

Während meiner Zeit als Korrespondent in Indien bin ich zahllosen Bettlern begegnet. Manchmal habe ich ihnen ein bisschen Geld gegeben, manchmal ärgerte ich mich über sie, weil ich sie zudringlich fand. Aber an den allermeisten bin ich vorbeigegangen. Das passiert natürlich auch in Deutschland, in jeder großstädtischen Fußgängerzone. Doch in einem Land wie Indien, wo die Armut trotz aller wirtschaftlichen Entwicklung immer noch allgegenwärtig ist, fällt einem die eigene Fähigkeit zur Achtlosigkeit, zur Wahrnehmungsverweigerung besonders drastisch auf. Man blickt von den Armen nicht einmal mehr weg, man sieht einfach durch sie hindurch.

Zufälligerweise las ich zur selben Zeit, in der ich mich in Indien einlebte, ein dickes, altes europäisches Buch, einen Klassiker: den Roman Bleakhouse des englischen Erzählers Charles Dickens 1 aus dem Jahr 1853. Eine spannende Geschichte aus dem nebelverhangenen viktorianischen London. Halb Krimi, halb Sozialkritik, voller unvergesslicher Charaktere.

Eine der Romanfiguren ist der Straßenkehrer Jo, noch ein halbes Kind, so schmächtig, verschüchtert und elend, dass er nicht einmal einen Nachnamen angeben kann, wenn er gefragt wird, und gewissermaßen nur aus zwei Buchstaben besteht. Das Verrückte ist nun: An diesem literarischen Betteljungen konnte ich, im Unterschied zu den lebenden Bettlern draußen in der Stadt, nicht vorbeisehen. Er ist aus der Geschichte nicht wegzudenken, Dickens hat ihn mit dutzenderlei Fäden in die Handlung hineingenäht. Wer Bleakhouse liest, muss sich auch mit Jo befassen. Ich konnte den Band natürlich zuschlagen und weglegen, aber solange ich meinen Kopf in das Buch steckte, war Jo da. Ich musste seinen gestammelten, sprachlich unkorrekten Sätzen mit Geduld zuhören. Ich musste mitansehen, wie er von der Polizei als unerwünschter Obdachloser von Ort zu Ort gescheucht wird, wie er vor Gericht nicht als Zeuge erscheinen darf, wie er schließlich an den Pocken stirbt, die in den Londoner Slums ausgebrütet werden. Ich konnte das alles nicht ausblenden: Augen, die zum Lesen geöffnet sind, lassen sich für die Vorstellungskraft nicht schließen. Mein Lektüreerlebnis war gespenstisch, aber auch ein Wunder: Ein fiktiver Charakter aus einem mehr als 150 Jahre alten Buch war für mich wirklicher als die tatsächlichen Leute vor meiner Haustür. Oder, anders und optimistischer gesagt: Ein Kunstwerk, ein klassischer Roman – ein Bildungsgut –, zwang mich unerbittlicher, die Realität der Armut zur Kenntnis zu nehmen, als die Realität selbst es vermochte.

Macht uns Bildung zu besseren Menschen? Was für eine ungewohnte Frage das ist – altmodisch, idealistisch, naiv, beinahe peinlich. Das ist nicht die Art, wie wir normalerweise über dieses Thema reden. Bildung steht offiziell hoch im Kurs, als Fundament der modernen Wissensgesellschaft; die Diskussion geht dann gleich in die Details: acht oder neun Jahre Gymnasium, mehr Digitalisierung oder mehr Latein. Aber ist das alles? An Bildung richten sich Erwartungen, Sehnsüchte, die durch keine Kultusbürokratie und kein Reformexpertentum zu befriedigen sind. Wenn sie mehr sein soll als Information oder Training, mehr als bloß Karrierevehikel oder Statusmerkmal, sondern eine Lebensbegleiterin, dann landet man irgendwann bei dieser Frage: Macht uns Bildung zu besseren Menschen?

Und die erste schnelle, selbstverständliche, fast aus dem Rückenmark schießende Antwort lautet: Nein. Wir alle kennen belesene, kunstsinnige und intellektuell brillante Wichtigtuer, Egoisten oder Zyniker. […] Wir kennen den „Bildungsdünkel“: ein klassenmäßiges bürgerliches Ausschluss-Kriterium, um „die da unten“ und „die da draußen“ von der besseren Gesellschaft fernzuhalten. Der Anspruch auf Bildung ist oft von der Giftwolke der Arroganz umgeben, wenn nicht von angemaßtem Herrenmenschentum. Umgekehrt gibt es eine Menge Leute, die den Namen „Shakespeare“ zwar nicht einmal buchstabieren können – denen aber seelisch und charakterlich nicht das Mindeste fehlt. Ein gebildeter und ein guter Mensch zu sein, also Geistesbildung und Herzensbildung – die beiden Eigenschaften haben offenbar nur sehr bedingt miteinander zu tun. […]

Und trotzdem ist das nicht die ganze Wahrheit. Dass Bildung moralische Kraft besitzt, ist keine komplette Illusion oder ideologische Phrase. […]

In der Horizonterweiterung steckt […] die Ethik der Bildung. Bildung tritt dem Vergessen entgegen und hält die Vergangenheit gegenwärtig. Sie konfrontiert uns mit dem Fremden und anderen, mit Ideen, auf die wir selbst nicht gekommen wären, und mit Weltbildern, die uns irritieren. Das gilt nicht nur für die Literatur – obwohl sie vielleicht eine gewisse Sonderrolle spielt, als kulturelle Erbin des Erzählens, jener Urform, in der die Menschheit ihre Neuigkeiten austauscht und weitergibt. […] Bei der Frage, welche Medien bildungstauglich sind, soll man nicht kleinlich sein.

Entscheidend ist: Geisteswerke schicken uns auf intellektuelle Abenteuer und machen uns mit außerordentlichen Frauen und Männern bekannt […]. Sie brechen den Käfig unserer Routine und Beschränktheit auf, sie erweitern unser Einfühlungsvermögen und unsere moralische Fantasie. Bildung ist das Gegenprogramm zu einer Mentalität, die satt und träge um sich selbst kreist. Zum geistigen und seelischen Daumenlutschertum. Zum Narzissmus 2.

In der Welt der Bildung funktioniert dieser bequeme Rückzug auf das, was naheliegt und uns in den Kram passt, dagegen nicht. Nicht nur, weil sie uns unbehagliche Situationen zumutet. Das ganze Prinzip und System Bildung beruht, wenn man so will, auf der Relativierung unserer Vorlieben und unserer Selbstgenügsamkeit, es steht in entschiedenem Gegensatz zu der Vorstellung, dass wir das Maß aller Dinge seien. […] [D]as Grundgesetz des Bildungsuniversums lautet, dass man nie der Erste und nie der Einzige ist, dass die Welt nicht bei null und nicht mit mir selbst anfängt, dass man etwas vorfindet, an dem man sich abarbeiten muss. Das hilft schon ein bisschen gegen Selbstüberschätzung.

Diese Konfrontation mit dem Unverlangten, mit dem, was wir uns selbst nicht ausgesucht hätten, ist eines der wichtigsten Bildungserlebnisse. Für den Zeitgenossen des 21. Jahrhunderts sind die Figuren der literarischen Klassiker oder vergangener Epochen weit weg. Man könne sich mit ihnen nicht identifizieren, heißt es, man finde sich in ihnen nicht wieder. […]

Wer […] von vornherein immer und überall nur sich und seine Welt „wiederfinden“ und sich mit allem „identifizieren“ will, bleibt nicht bloß intellektuell beschränkt. Der schlimmste Feind – der wahre Gegenspieler – des gebildeten Menschen ist nicht der Barbar: Es ist der Spießer, der alles auf sich bezieht, alles schon zu wissen meint und selbstzufrieden in seinem Denken und Dasein ruht.

„Bildungsrelevant“ ist daher nicht einfach das Interessante und Wichtige – sondern vor allem das, was uns infrage stellt. […] Bildung zieht uns den Schnuller der Egozentrik 3 aus dem Mund.

DIE ZEIT Nr. 4/2020, 16. Januar 2020, URL: https://www.zeit.de/2020/04/bildung-einfuehlungsvermoegen-empathie-gesellschaft?utm_referrer=https%3A%2F%2Fstartpage.com%2F (abgerufen am 21.01.2020).

Hinweise

Jan Roß (* 1965), deutscher Journalist und Autor, seit 1998 Redakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“

Die Rechtschreibung entspricht der Textvorlage.

1 Charles Dickens (1812–1870) – englischer Schriftsteller, der mit seinen Werken insbesondere Kritik an sozialen Missständen übte

2 Narzissmus – Selbstbezogenheit, Selbstliebe

3 Egozentrik – Einstellung oder Verhaltensweise, die die eigene Person als Zentrum allen Geschehens betrachtet; Unfähigkeit, sich in die Rolle eines anderen hineinzuversetzen

1

Geben Sie Jan Roß’ Auffassung von Bildung im vorliegenden Essay wieder und analysieren Sie die sprachlich-formale Gestaltung des Textes. (Material)

(30 BE)

Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 2 · Pflichtlektüre: Vergleich und literarische Erörterung

Material

Jan Roß: Macht mich Bildung zum besseren Menschen? (2020)

Während meiner Zeit als Korrespondent in Indien bin ich zahllosen Bettlern begegnet. Manchmal habe ich ihnen ein bisschen Geld gegeben, manchmal ärgerte ich mich über sie, weil ich sie zudringlich fand. Aber an den allermeisten bin ich vorbeigegangen. Das passiert natürlich auch in Deutschland, in jeder großstädtischen Fußgängerzone. Doch in einem Land wie Indien, wo die Armut trotz aller wirtschaftlichen Entwicklung immer noch allgegenwärtig ist, fällt einem die eigene Fähigkeit zur Achtlosigkeit, zur Wahrnehmungsverweigerung besonders drastisch auf. Man blickt von den Armen nicht einmal mehr weg, man sieht einfach durch sie hindurch.

Zufälligerweise las ich zur selben Zeit, in der ich mich in Indien einlebte, ein dickes, altes europäisches Buch, einen Klassiker: den Roman Bleakhouse des englischen Erzählers Charles Dickens 1 aus dem Jahr 1853. Eine spannende Geschichte aus dem nebelverhangenen viktorianischen London. Halb Krimi, halb Sozialkritik, voller unvergesslicher Charaktere.

Eine der Romanfiguren ist der Straßenkehrer Jo, noch ein halbes Kind, so schmächtig, verschüchtert und elend, dass er nicht einmal einen Nachnamen angeben kann, wenn er gefragt wird, und gewissermaßen nur aus zwei Buchstaben besteht. Das Verrückte ist nun: An diesem literarischen Betteljungen konnte ich, im Unterschied zu den lebenden Bettlern draußen in der Stadt, nicht vorbeisehen. Er ist aus der Geschichte nicht wegzudenken, Dickens hat ihn mit dutzenderlei Fäden in die Handlung hineingenäht. Wer Bleakhouse liest, muss sich auch mit Jo befassen. Ich konnte den Band natürlich zuschlagen und weglegen, aber solange ich meinen Kopf in das Buch steckte, war Jo da. Ich musste seinen gestammelten, sprachlich unkorrekten Sätzen mit Geduld zuhören. Ich musste mitansehen, wie er von der Polizei als unerwünschter Obdachloser von Ort zu Ort gescheucht wird, wie er vor Gericht nicht als Zeuge erscheinen darf, wie er schließlich an den Pocken stirbt, die in den Londoner Slums ausgebrütet werden. Ich konnte das alles nicht ausblenden: Augen, die zum Lesen geöffnet sind, lassen sich für die Vorstellungskraft nicht schließen. Mein Lektüreerlebnis war gespenstisch, aber auch ein Wunder: Ein fiktiver Charakter aus einem mehr als 150 Jahre alten Buch war für mich wirklicher als die tatsächlichen Leute vor meiner Haustür. Oder, anders und optimistischer gesagt: Ein Kunstwerk, ein klassischer Roman – ein Bildungsgut –, zwang mich unerbittlicher, die Realität der Armut zur Kenntnis zu nehmen, als die Realität selbst es vermochte.

Macht uns Bildung zu besseren Menschen? Was für eine ungewohnte Frage das ist – altmodisch, idealistisch, naiv, beinahe peinlich. Das ist nicht die Art, wie wir normalerweise über dieses Thema reden. Bildung steht offiziell hoch im Kurs, als Fundament der modernen Wissensgesellschaft; die Diskussion geht dann gleich in die Details: acht oder neun Jahre Gymnasium, mehr Digitalisierung oder mehr Latein. Aber ist das alles? An Bildung richten sich Erwartungen, Sehnsüchte, die durch keine Kultusbürokratie und kein Reformexpertentum zu befriedigen sind. Wenn sie mehr sein soll als Information oder Training, mehr als bloß Karrierevehikel oder Statusmerkmal, sondern eine Lebensbegleiterin, dann landet man irgendwann bei dieser Frage: Macht uns Bildung zu besseren Menschen?

Und die erste schnelle, selbstverständliche, fast aus dem Rückenmark schießende Antwort lautet: Nein. Wir alle kennen belesene, kunstsinnige und intellektuell brillante Wichtigtuer, Egoisten oder Zyniker. […] Wir kennen den „Bildungsdünkel“: ein klassenmäßiges bürgerliches Ausschluss-Kriterium, um „die da unten“ und „die da draußen“ von der besseren Gesellschaft fernzuhalten. Der Anspruch auf Bildung ist oft von der Giftwolke der Arroganz umgeben, wenn nicht von angemaßtem Herrenmenschentum. Umgekehrt gibt es eine Menge Leute, die den Namen „Shakespeare“ zwar nicht einmal buchstabieren können – denen aber seelisch und charakterlich nicht das Mindeste fehlt. Ein gebildeter und ein guter Mensch zu sein, also Geistesbildung und Herzensbildung – die beiden Eigenschaften haben offenbar nur sehr bedingt miteinander zu tun. […]

Und trotzdem ist das nicht die ganze Wahrheit. Dass Bildung moralische Kraft besitzt, ist keine komplette Illusion oder ideologische Phrase. […]

In der Horizonterweiterung steckt […] die Ethik der Bildung. Bildung tritt dem Vergessen entgegen und hält die Vergangenheit gegenwärtig. Sie konfrontiert uns mit dem Fremden und anderen, mit Ideen, auf die wir selbst nicht gekommen wären, und mit Weltbildern, die uns irritieren. Das gilt nicht nur für die Literatur – obwohl sie vielleicht eine gewisse Sonderrolle spielt, als kulturelle Erbin des Erzählens, jener Urform, in der die Menschheit ihre Neuigkeiten austauscht und weitergibt. […] Bei der Frage, welche Medien bildungstauglich sind, soll man nicht kleinlich sein.

Entscheidend ist: Geisteswerke schicken uns auf intellektuelle Abenteuer und machen uns mit außerordentlichen Frauen und Männern bekannt […]. Sie brechen den Käfig unserer Routine und Beschränktheit auf, sie erweitern unser Einfühlungsvermögen und unsere moralische Fantasie. Bildung ist das Gegenprogramm zu einer Mentalität, die satt und träge um sich selbst kreist. Zum geistigen und seelischen Daumenlutschertum. Zum Narzissmus 2.

In der Welt der Bildung funktioniert dieser bequeme Rückzug auf das, was naheliegt und uns in den Kram passt, dagegen nicht. Nicht nur, weil sie uns unbehagliche Situationen zumutet. Das ganze Prinzip und System Bildung beruht, wenn man so will, auf der Relativierung unserer Vorlieben und unserer Selbstgenügsamkeit, es steht in entschiedenem Gegensatz zu der Vorstellung, dass wir das Maß aller Dinge seien. […] [D]as Grundgesetz des Bildungsuniversums lautet, dass man nie der Erste und nie der Einzige ist, dass die Welt nicht bei null und nicht mit mir selbst anfängt, dass man etwas vorfindet, an dem man sich abarbeiten muss. Das hilft schon ein bisschen gegen Selbstüberschätzung.

Diese Konfrontation mit dem Unverlangten, mit dem, was wir uns selbst nicht ausgesucht hätten, ist eines der wichtigsten Bildungserlebnisse. Für den Zeitgenossen des 21. Jahrhunderts sind die Figuren der literarischen Klassiker oder vergangener Epochen weit weg. Man könne sich mit ihnen nicht identifizieren, heißt es, man finde sich in ihnen nicht wieder. […]

Wer […] von vornherein immer und überall nur sich und seine Welt „wiederfinden“ und sich mit allem „identifizieren“ will, bleibt nicht bloß intellektuell beschränkt. Der schlimmste Feind – der wahre Gegenspieler – des gebildeten Menschen ist nicht der Barbar: Es ist der Spießer, der alles auf sich bezieht, alles schon zu wissen meint und selbstzufrieden in seinem Denken und Dasein ruht.

„Bildungsrelevant“ ist daher nicht einfach das Interessante und Wichtige – sondern vor allem das, was uns infrage stellt. […] Bildung zieht uns den Schnuller der Egozentrik 3 aus dem Mund.

DIE ZEIT Nr. 4/2020, 16. Januar 2020, URL: https://www.zeit.de/2020/04/bildung-einfuehlungsvermoegen-empathie-gesellschaft?utm_referrer=https%3A%2F%2Fstartpage.com%2F (abgerufen am 21.01.2020).

Hinweise

Jan Roß (* 1965), deutscher Journalist und Autor, seit 1998 Redakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“

Die Rechtschreibung entspricht der Textvorlage.

1 Charles Dickens (1812–1870) – englischer Schriftsteller, der mit seinen Werken insbesondere Kritik an sozialen Missständen übte

2 Narzissmus – Selbstbezogenheit, Selbstliebe

3 Egozentrik – Einstellung oder Verhaltensweise, die die eigene Person als Zentrum allen Geschehens betrachtet; Unfähigkeit, sich in die Rolle eines anderen hineinzuversetzen

2

Erläutern Sie, ausgehend von Roß’ Text, welche Rolle Bildung für die Figuren Wagner, Faust und Margarete aus Goethes Drama „Faust I“ spielt.

(45 BE)

Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 3 · Erörterung und Stellungnahme

Material

Jan Roß: Macht mich Bildung zum besseren Menschen? (2020)

Während meiner Zeit als Korrespondent in Indien bin ich zahllosen Bettlern begegnet. Manchmal habe ich ihnen ein bisschen Geld gegeben, manchmal ärgerte ich mich über sie, weil ich sie zudringlich fand. Aber an den allermeisten bin ich vorbeigegangen. Das passiert natürlich auch in Deutschland, in jeder großstädtischen Fußgängerzone. Doch in einem Land wie Indien, wo die Armut trotz aller wirtschaftlichen Entwicklung immer noch allgegenwärtig ist, fällt einem die eigene Fähigkeit zur Achtlosigkeit, zur Wahrnehmungsverweigerung besonders drastisch auf. Man blickt von den Armen nicht einmal mehr weg, man sieht einfach durch sie hindurch.

Zufälligerweise las ich zur selben Zeit, in der ich mich in Indien einlebte, ein dickes, altes europäisches Buch, einen Klassiker: den Roman Bleakhouse des englischen Erzählers Charles Dickens 1 aus dem Jahr 1853. Eine spannende Geschichte aus dem nebelverhangenen viktorianischen London. Halb Krimi, halb Sozialkritik, voller unvergesslicher Charaktere.

Eine der Romanfiguren ist der Straßenkehrer Jo, noch ein halbes Kind, so schmächtig, verschüchtert und elend, dass er nicht einmal einen Nachnamen angeben kann, wenn er gefragt wird, und gewissermaßen nur aus zwei Buchstaben besteht. Das Verrückte ist nun: An diesem literarischen Betteljungen konnte ich, im Unterschied zu den lebenden Bettlern draußen in der Stadt, nicht vorbeisehen. Er ist aus der Geschichte nicht wegzudenken, Dickens hat ihn mit dutzenderlei Fäden in die Handlung hineingenäht. Wer Bleakhouse liest, muss sich auch mit Jo befassen. Ich konnte den Band natürlich zuschlagen und weglegen, aber solange ich meinen Kopf in das Buch steckte, war Jo da. Ich musste seinen gestammelten, sprachlich unkorrekten Sätzen mit Geduld zuhören. Ich musste mitansehen, wie er von der Polizei als unerwünschter Obdachloser von Ort zu Ort gescheucht wird, wie er vor Gericht nicht als Zeuge erscheinen darf, wie er schließlich an den Pocken stirbt, die in den Londoner Slums ausgebrütet werden. Ich konnte das alles nicht ausblenden: Augen, die zum Lesen geöffnet sind, lassen sich für die Vorstellungskraft nicht schließen. Mein Lektüreerlebnis war gespenstisch, aber auch ein Wunder: Ein fiktiver Charakter aus einem mehr als 150 Jahre alten Buch war für mich wirklicher als die tatsächlichen Leute vor meiner Haustür. Oder, anders und optimistischer gesagt: Ein Kunstwerk, ein klassischer Roman – ein Bildungsgut –, zwang mich unerbittlicher, die Realität der Armut zur Kenntnis zu nehmen, als die Realität selbst es vermochte.

Macht uns Bildung zu besseren Menschen? Was für eine ungewohnte Frage das ist – altmodisch, idealistisch, naiv, beinahe peinlich. Das ist nicht die Art, wie wir normalerweise über dieses Thema reden. Bildung steht offiziell hoch im Kurs, als Fundament der modernen Wissensgesellschaft; die Diskussion geht dann gleich in die Details: acht oder neun Jahre Gymnasium, mehr Digitalisierung oder mehr Latein. Aber ist das alles? An Bildung richten sich Erwartungen, Sehnsüchte, die durch keine Kultusbürokratie und kein Reformexpertentum zu befriedigen sind. Wenn sie mehr sein soll als Information oder Training, mehr als bloß Karrierevehikel oder Statusmerkmal, sondern eine Lebensbegleiterin, dann landet man irgendwann bei dieser Frage: Macht uns Bildung zu besseren Menschen?

Und die erste schnelle, selbstverständliche, fast aus dem Rückenmark schießende Antwort lautet: Nein. Wir alle kennen belesene, kunstsinnige und intellektuell brillante Wichtigtuer, Egoisten oder Zyniker. […] Wir kennen den „Bildungsdünkel“: ein klassenmäßiges bürgerliches Ausschluss-Kriterium, um „die da unten“ und „die da draußen“ von der besseren Gesellschaft fernzuhalten. Der Anspruch auf Bildung ist oft von der Giftwolke der Arroganz umgeben, wenn nicht von angemaßtem Herrenmenschentum. Umgekehrt gibt es eine Menge Leute, die den Namen „Shakespeare“ zwar nicht einmal buchstabieren können – denen aber seelisch und charakterlich nicht das Mindeste fehlt. Ein gebildeter und ein guter Mensch zu sein, also Geistesbildung und Herzensbildung – die beiden Eigenschaften haben offenbar nur sehr bedingt miteinander zu tun. […]

Und trotzdem ist das nicht die ganze Wahrheit. Dass Bildung moralische Kraft besitzt, ist keine komplette Illusion oder ideologische Phrase. […]

In der Horizonterweiterung steckt […] die Ethik der Bildung. Bildung tritt dem Vergessen entgegen und hält die Vergangenheit gegenwärtig. Sie konfrontiert uns mit dem Fremden und anderen, mit Ideen, auf die wir selbst nicht gekommen wären, und mit Weltbildern, die uns irritieren. Das gilt nicht nur für die Literatur – obwohl sie vielleicht eine gewisse Sonderrolle spielt, als kulturelle Erbin des Erzählens, jener Urform, in der die Menschheit ihre Neuigkeiten austauscht und weitergibt. […] Bei der Frage, welche Medien bildungstauglich sind, soll man nicht kleinlich sein.

Entscheidend ist: Geisteswerke schicken uns auf intellektuelle Abenteuer und machen uns mit außerordentlichen Frauen und Männern bekannt […]. Sie brechen den Käfig unserer Routine und Beschränktheit auf, sie erweitern unser Einfühlungsvermögen und unsere moralische Fantasie. Bildung ist das Gegenprogramm zu einer Mentalität, die satt und träge um sich selbst kreist. Zum geistigen und seelischen Daumenlutschertum. Zum Narzissmus 2.

In der Welt der Bildung funktioniert dieser bequeme Rückzug auf das, was naheliegt und uns in den Kram passt, dagegen nicht. Nicht nur, weil sie uns unbehagliche Situationen zumutet. Das ganze Prinzip und System Bildung beruht, wenn man so will, auf der Relativierung unserer Vorlieben und unserer Selbstgenügsamkeit, es steht in entschiedenem Gegensatz zu der Vorstellung, dass wir das Maß aller Dinge seien. […] [D]as Grundgesetz des Bildungsuniversums lautet, dass man nie der Erste und nie der Einzige ist, dass die Welt nicht bei null und nicht mit mir selbst anfängt, dass man etwas vorfindet, an dem man sich abarbeiten muss. Das hilft schon ein bisschen gegen Selbstüberschätzung.

Diese Konfrontation mit dem Unverlangten, mit dem, was wir uns selbst nicht ausgesucht hätten, ist eines der wichtigsten Bildungserlebnisse. Für den Zeitgenossen des 21. Jahrhunderts sind die Figuren der literarischen Klassiker oder vergangener Epochen weit weg. Man könne sich mit ihnen nicht identifizieren, heißt es, man finde sich in ihnen nicht wieder. […]

Wer […] von vornherein immer und überall nur sich und seine Welt „wiederfinden“ und sich mit allem „identifizieren“ will, bleibt nicht bloß intellektuell beschränkt. Der schlimmste Feind – der wahre Gegenspieler – des gebildeten Menschen ist nicht der Barbar: Es ist der Spießer, der alles auf sich bezieht, alles schon zu wissen meint und selbstzufrieden in seinem Denken und Dasein ruht.

„Bildungsrelevant“ ist daher nicht einfach das Interessante und Wichtige – sondern vor allem das, was uns infrage stellt. […] Bildung zieht uns den Schnuller der Egozentrik 3 aus dem Mund.

DIE ZEIT Nr. 4/2020, 16. Januar 2020, URL: https://www.zeit.de/2020/04/bildung-einfuehlungsvermoegen-empathie-gesellschaft?utm_referrer=https%3A%2F%2Fstartpage.com%2F (abgerufen am 21.01.2020).

Hinweise

Jan Roß (* 1965), deutscher Journalist und Autor, seit 1998 Redakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“

Die Rechtschreibung entspricht der Textvorlage.

1 Charles Dickens (1812–1870) – englischer Schriftsteller, der mit seinen Werken insbesondere Kritik an sozialen Missständen übte

2 Narzissmus – Selbstbezogenheit, Selbstliebe

3 Egozentrik – Einstellung oder Verhaltensweise, die die eigene Person als Zentrum allen Geschehens betrachtet; Unfähigkeit, sich in die Rolle eines anderen hineinzuversetzen

3

„Bei der Frage, welche Medien bildungstauglich sind, soll man nicht kleinlich sein.“ (Material)

Diskutieren Sie, inwiefern Literatur und andere Medien heute noch eine bildende Funktion im Sinne von Roß haben können.

(25 BE)

Aufgabe Vorschlag D - Aufgaben 1 und 2 · Interpretation lyrischer Texte

Material 1

Ernst Wilhelm Lotz: Die Nächte explodieren in den Städten… (1913)

Die Nächte explodieren in den Städten,

Wir sind zerfetzt vom wilden, heißen Licht,

Und unsre Nerven flattern, irre Fäden,

Im Pflasterwind, der aus den Rädern bricht.

5 In Kaffeehäusern brannten jähe Stimmen

Auf unsre Stirn und heizten jung das Blut,

Wir flammten schon. Und suchen leise zu verglimmen,

Weil wir noch furchtsam sind vor eigner Glut.

Wir schweben müßig durch die Tageszeiten,

10 An hellen Ecken sprechen wir die Mädchen an.

Wir fühlen noch zu viel die greisen Köstlichkeiten

Der Liebe, die man leicht bezahlen kann.

Wir haben uns dem Tage übergeben

Und treiben arglos spielend vor dem Wind,

15 Wir sind sehr sicher, dorthin zu entschweben,

Wo man uns braucht, wenn wir geworden sind.

Ernst Wilhelm Lotz: Gedichte, Prosa, Briefe, hg. v. Jürgen von Esenwein, München 1994, S. 66.

Hinweis

Ernst Wilhelm Lotz (1890–1914) gehörte zu den expressionistischen Dichtern, die sich direkt bei Kriegsausbruch im August 1914 freiwillig zum Kriegsdienst meldeten. Kurze Zeit später fiel er im Alter von 24 Jahren.

Material 2

Marteria, Yasha und Miss Platnum: Lila Wolken (2012)

[Yasha]

Dreißig Grad, ich kühl mein’ Kopf

Am Fensterglas auf dem Zeitlupenknopf

Wir leben immer schneller, feiern zu hart

5 Wir treffen die Freunde und vergessen unser’n Tag

Woll’n kein Stress, kein Druck, nehmen zu, noch ’n Schluck

Vom Gin Tonic, guck in diesen Himmel, wie aus Hollywood

Rot knallt in das Blau, vergoldet deine Stadt

Und über uns ziehen lila Wolken in die Nacht

[Yasha]

10 Wir bleiben wach, die Wolken wieder lila sind

Wir bleiben wach, die Wolken wieder lila sind

(Oh oh) die Wolken wieder lila sind

Wir bleiben wach, die Wolken wieder lila sind

15 Guck, da oben steht ein neuer Stern (yeah)

Kannst du ihn sehen bei unser’m Feuerwerk? (oh)

Wir reißen uns von allen Fäden ab (yeah)

Lass sie schlafen, komm, wir heben ab

[Marteria]

Jung und ignorant, stehen auf’m Dach

20 Teilen die Welt auf und bau’n ein’ Palast

Aus Plänen und Träum’n, jeden Tag neu

Seh’n Geld gegen Probleme, wir nehm’n, was wir woll’n

Woll’n mehr sein, mehr sein als nur ein Moment

25 Yeah, komm mir nicht mit großen Namen, die du kennst

Wir trinken auf Verlierer, lassen Pappbecher vergolden

Feiern hart, fallen weich auf die lila Wolken

[Yasha]

Wir bleiben wach, die Wolken wieder lila sind

30 Wir bleiben wach, die Wolken wieder lila sind

(Oh oh) die Wolken wieder lila sind

Wir bleiben wach, die Wolken wieder lila sind

Guck, da oben steht ein neuer Stern (yeah)

Kannst du ihn sehen bei unser’m Feuerwerk? (oh)

35 Wir reißen uns von allen Fäden ab (yeah)

Lass sie schlafen, komm, wir heben ab

[Miss Platnum]

Kannst du auch nicht schlafen

Wachst du auf, dann hör gut zu

Lass uns gemeinsam warten

40 Ich fühl’ mich genau wie du

Wir seh’n wie die Sonne

Aufgeht, yeah, yeah

Wir seh’n wie die Sonne

Aufgeht, yeah, yeah

45 Wir seh’n wie die Sonne

Aufgeht, yeah, yeah

Wir seh’n wie die Sonne

Aufgeht, yeah, yeah

[Yasha & Miss Platnum]

Wir bleiben wach, die Wolken wieder lila sind

50 Wir bleiben wach, die Wolken wieder lila sind

(Oh oh) die Wolken wieder lila sind

Wir bleiben wach, die Wolken wieder lila sind

Guck, da oben steht ein neuer Stern (yeah)

55 Kannst du ihn sehen bei unser’m Feuerwerk? (oh)

Wir reißen uns von allen Fäden ab (yeah)

Lass sie schlafen, komm, wir heben ab

URL: https://www.songtexte.com/songtext/marteria-miss-platnum-and-yasha/lila-wolken-bb845d6.html (abgerufen am 03.03.2021).

Hinweis

„Lila Wolken“ ist ein kommerziell sehr erfolgreiches Lied plus Video des deutschen Rappers Marteria (*1982) in Zusammenarbeit mit den Musikern Yasha (*1981) und Miss Platnum (*1980).

Aufgaben

1

Interpretieren Sie das Gedicht „Die Nächte explodieren in den Städten…“ von Ernst Wilhelm Lotz unter Berücksichtigung inhaltlicher, sprachlich-formaler und epochenspezifischer Aspekte. (Material 1) [40 BE]

2

Vergleichen Sie das Gedicht von Lotz (Material 1) mit dem Songtext „Lila Wolken“ von Marteria, Yasha und Miss Platnum (Material 2) im Hinblick auf das Lebensgefühl, das zum Ausdruck kommt. Berücksichtigen Sie dabei auch die sprachliche Gestaltung beider Texte. [40 BE]

Aufgabe Vorschlag D - Aufgabe 3 · Erörterung und Stellungnahme

Material 1

Ernst Wilhelm Lotz: Die Nächte explodieren in den Städten… (1913)

Die Nächte explodieren in den Städten,

Wir sind zerfetzt vom wilden, heißen Licht,

Und unsre Nerven flattern, irre Fäden,

Im Pflasterwind, der aus den Rädern bricht.

5 In Kaffeehäusern brannten jähe Stimmen

Auf unsre Stirn und heizten jung das Blut,

Wir flammten schon. Und suchen leise zu verglimmen,

Weil wir noch furchtsam sind vor eigner Glut.

Wir schweben müßig durch die Tageszeiten,

10 An hellen Ecken sprechen wir die Mädchen an.

Wir fühlen noch zu viel die greisen Köstlichkeiten

Der Liebe, die man leicht bezahlen kann.

Wir haben uns dem Tage übergeben

Und treiben arglos spielend vor dem Wind,

15 Wir sind sehr sicher, dorthin zu entschweben,

Wo man uns braucht, wenn wir geworden sind.

Ernst Wilhelm Lotz: Gedichte, Prosa, Briefe, hg. v. Jürgen von Esenwein, München 1994, S. 66.

Hinweis

Ernst Wilhelm Lotz (1890–1914) gehörte zu den expressionistischen Dichtern, die sich direkt bei Kriegsausbruch im August 1914 freiwillig zum Kriegsdienst meldeten. Kurze Zeit später fiel er im Alter von 24 Jahren.

Material 2

Marteria, Yasha und Miss Platnum: Lila Wolken (2012)

[Yasha]

Dreißig Grad, ich kühl mein’ Kopf

Am Fensterglas auf dem Zeitlupenknopf

Wir leben immer schneller, feiern zu hart

5 Wir treffen die Freunde und vergessen unser’n Tag

Woll’n kein Stress, kein Druck, nehmen zu, noch ’n Schluck

Vom Gin Tonic, guck in diesen Himmel, wie aus Hollywood

Rot knallt in das Blau, vergoldet deine Stadt

Und über uns ziehen lila Wolken in die Nacht

[Yasha]

10 Wir bleiben wach, die Wolken wieder lila sind

Wir bleiben wach, die Wolken wieder lila sind

(Oh oh) die Wolken wieder lila sind

Wir bleiben wach, die Wolken wieder lila sind

15 Guck, da oben steht ein neuer Stern (yeah)

Kannst du ihn sehen bei unser’m Feuerwerk? (oh)

Wir reißen uns von allen Fäden ab (yeah)

Lass sie schlafen, komm, wir heben ab

[Marteria]

Jung und ignorant, stehen auf’m Dach

20 Teilen die Welt auf und bau’n ein’ Palast

Aus Plänen und Träum’n, jeden Tag neu

Seh’n Geld gegen Probleme, wir nehm’n, was wir woll’n

Woll’n mehr sein, mehr sein als nur ein Moment

25 Yeah, komm mir nicht mit großen Namen, die du kennst

Wir trinken auf Verlierer, lassen Pappbecher vergolden

Feiern hart, fallen weich auf die lila Wolken

[Yasha]

Wir bleiben wach, die Wolken wieder lila sind

30 Wir bleiben wach, die Wolken wieder lila sind

(Oh oh) die Wolken wieder lila sind

Wir bleiben wach, die Wolken wieder lila sind

Guck, da oben steht ein neuer Stern (yeah)

Kannst du ihn sehen bei unser’m Feuerwerk? (oh)

35 Wir reißen uns von allen Fäden ab (yeah)

Lass sie schlafen, komm, wir heben ab

[Miss Platnum]

Kannst du auch nicht schlafen

Wachst du auf, dann hör gut zu

Lass uns gemeinsam warten

40 Ich fühl’ mich genau wie du

Wir seh’n wie die Sonne

Aufgeht, yeah, yeah

Wir seh’n wie die Sonne

Aufgeht, yeah, yeah

45 Wir seh’n wie die Sonne

Aufgeht, yeah, yeah

Wir seh’n wie die Sonne

Aufgeht, yeah, yeah

[Yasha & Miss Platnum]

Wir bleiben wach, die Wolken wieder lila sind

50 Wir bleiben wach, die Wolken wieder lila sind

(Oh oh) die Wolken wieder lila sind

Wir bleiben wach, die Wolken wieder lila sind

Guck, da oben steht ein neuer Stern (yeah)

55 Kannst du ihn sehen bei unser’m Feuerwerk? (oh)

Wir reißen uns von allen Fäden ab (yeah)

Lass sie schlafen, komm, wir heben ab

URL: https://www.songtexte.com/songtext/marteria-miss-platnum-and-yasha/lila-wolken-bb845d6.html (abgerufen am 03.03.2021).

Hinweis

„Lila Wolken“ ist ein kommerziell sehr erfolgreiches Lied plus Video des deutschen Rappers Marteria (*1982) in Zusammenarbeit mit den Musikern Yasha (*1981) und Miss Platnum (*1980).

Aufgabe 3

Beurteilen Sie, inwieweit populäre Musik und deren Texte im 21. Jahrhundert eine Rolle als Ausdrucksform des Lebensgefühls der jungen Generation einnehmen. [20 BE]

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