Aufgabe Modul C - 2.2 · Abitur Hessen Chemietechnik LK 2021

Thema: Maßanalyse und statistische Auswertung · Aus der Prüfung LK (2021)

Aufgabenstellung

So wie sich Kohlensäure H2CO3\mathrm{H_2CO_3} aus Kohlendioxid ableitet, leitet sich Methansäure HCOOH\mathrm{HCOOH} aus Kohlenmonoxid ab. Methansäure ist eine schwache bis mittelstarke Säure (pKS=3,77\mathrm{pK_S} = 3{,}77).

Reinigungsmittel auf der Basis von Methansäure (M=46,03  g/molM = 46{,}03\;\mathrm{g/mol}) werden in der chemischen Industrie gerne als Kalklöser zur Behandlung von Rohrleitungen, Heizkesseln oder Wärmetauschern eingesetzt. Der Gehalt an Säure in einem solchen Entkalkungsmittel, das für die Anwendung verdünnt werden muss, liegt zwischen 73 %73\,\% und 78 %78\,\%. Dieser Massenanteil w(HCOOH)w(\mathrm{HCOOH}) kann mit einer Neutralisationstitration bestimmt werden. Dazu werden von einem Kanister mit Entkalkungsmittel 10  mL10\;\mathrm{mL} abgenommen, in einen Messkolben gegeben und auf 100  mL100\;\mathrm{mL} aufgefüllt. 10  mL10\;\mathrm{mL} davon werden mit Natronlauge-Maßlösung (c~(NaOH)=1,000  mol/L\tilde{c}(\mathrm{NaOH}) = 1{,}000\;\mathrm{mol/L}, t=0,9980t = 0{,}9980) potenziometrisch titriert. In Material 1 findet sich die entsprechende Titrationskurve. Der Äquivalenzpunkt liegt bei V(NaOH)=16,80  mLV(\mathrm{NaOH}) = 16{,}80\;\mathrm{mL}.

Material 1

Titrationskurve der Neutralisation eines Entkalkers mit Natronlauge

Material 2

Messergebnisse der Methansäure-Konzentrationen eines Reinigungsmittels

Messung · 1 · 2 · 3 · 4 · 5

β(HCOOH)\beta(\mathrm{HCOOH}) in gL\frac{\mathrm{g}}{\mathrm{L}} · 1,206 · 1,289 · 1,198 · 1,210 · 1,194

2.2 Reinigungsmittel auf der Basis von Methansäure (M=46,03 g/molM = 46{,}03\text{ g/mol}) werden in der chemischen Industrie gerne als Kalklöser zur Behandlung von Rohrleitungen, Heizkesseln oder Wärmetauschern eingesetzt. Der Gehalt an Säure in einem solchen Entkalkungsmittel, das für die Anwendung verdünnt werden muss, liegt zwischen 73 %73\,\% und 78 %78\,\%. Dieser Massenanteil w(HCOOH)w(\text{HCOOH}) kann mit einer Neutralisationstitration bestimmt werden. Dazu werden von einem Kanister mit Entkalkungsmittel 10 mL10\text{ mL} abgenommen, in einen Messkolben gegeben und auf 100 mL100\text{ mL} aufgefüllt. 10 mL10\text{ mL} davon werden mit Natronlauge-Maßlösung (c~(NaOH)=1,000 mol/L\tilde{c}(\text{NaOH}) = 1{,}000\text{ mol/L}, t=0,9980t = 0{,}9980) potenziometrisch titriert. In Material 1 findet sich die entsprechende Titrationskurve. Der Äquivalenzpunkt liegt bei V(NaOH)=16,80 mLV(\text{NaOH}) = 16{,}80\text{ mL}.

2.2.1

Bestätigen Sie anhand der Titrationskurve, dass es sich bei der Säure in dem Entkalkungsmittel um Methansäure handelt. [4 BE]

2.2.2

Diskutieren Sie für die Titrationskurve die Lage des Äquivalenzpunktes bei einem pH-Wert von 8,8 unter Verwendung von Reaktionsgleichungen. [5 BE]

2.2.3

Berechnen Sie den Massenanteil an Methansäure w(HCOOH)w(\text{HCOOH}) in dem untersuchten Entkalkungsmittel in %\%.

Hinweis: Wählen Sie für den Entkalker eine Dichte von ρ=1,000 g/mL\rho = 1{,}000\text{ g/mL}. [4 BE]

%

2.2.4

Die mehrfache Titration eines anderen Reinigungsmittels ergab die in Material 2 aufgeführten Methansäure-Konzentrationen.

Zeigen Sie mittels des Ausreißertests nach GRUBBS, dass es sich bei Messwert 2 um einen hochsignifikanten Ausreißer handelt, und geben Sie das statistisch korrekte Ergebnis für die Konzentration β(HCOOH)\beta(\text{HCOOH}) der Methansäure an. [6 BE]

Aufgabenstellung: Aufgabe Modul C - 2.2 · Abitur Hessen Chemietechnik LK 2021

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

2.2.1 Bestätigen Sie anhand der Titrationskurve, dass es sich bei der Säure in dem Entkalkungsmittel um Methansäure handelt.

Lösung: Der pH-Wert am Halb-Äquivalenzpunkt entspricht für eine schwache bis mittelstarke Säure wie Methansäure dem pKs\text{pK}_\text{s}-Wert. Bei der vorliegenden Kurve lässt sich für den Halb-Äquivalenzpunkt ein ungefährer pH-Wert von 3,8 ablesen, was dem pKs\text{pK}_\text{s}-Wert für Methansäure entspricht.

2.2.2 Diskutieren Sie für die Titrationskurve die Lage des Äquivalenzpunktes bei einem pH-Wert von 8,8 unter Verwendung von Reaktionsgleichungen.

Lösung: Der pH-Wert am Äquivalenzpunkt liegt mit 8,8 im Alkalischen. Hier ist die komplette Methansäure neutralisiert, d. h. es liegt das in Wasser gelöste Salz Natriumformiat vor. Dieses besteht aus den Ionen Na+\text{Na}^+ und HCOO−\text{HCOO}^-, die wiederum mit Wasser reagieren können: Na++2 H2O←NaOH+H3O+\text{Na}^+ + 2\,\text{H}_2\text{O} \xleftarrow{\hspace{1cm}} \text{NaOH} + \text{H}_3\text{O}^+ HCOO−+H2O→HCOOH+OH−\text{HCOO}^- + \text{H}_2\text{O} \xrightarrow{\hspace{1cm}} \text{HCOOH} + \text{OH}^- Methansäure hingegen ist eine schwache bis mittelstarke Säure, so dass das Gleichgewicht eher auf der Produktseite liegt. Somit liegen am Äquivalenzpunkt Hydroxidionen in der wässrigen Lösung vor (pH>7\text{pH} > 7).

2.2.3 Berechnen Sie den Massenanteil an Methansäure w(HCOOH) in dem untersuchten Entkalkungsmittel in %.

Lösung: 77,18 %

2.2.4 Prüfwert PG für Messwert 2 nach Grubbs

Lösung: 1,795

2.2.4 Statistisch korrektes Ergebnis für die Konzentration β(HCOOH) der Methansäure

Lösung: β(HCOOH) = (1,202 ± 0,007) g/L

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