Aufgabe Vorschlag B - Reaktionsgeschwindigkeit und chemis… · Abitur Hessen Chemie GK 2022

Thema: Reaktionsgeschwindigkeit und chemisches Gleichgewicht · Aus der Prüfung GK (2022)

Aufgabenstellung

Chemie rund um Chlor

Chlor ist auch heute noch eine außerordentlich wichtige Verbindung in der chemischen Industrie. Es handelt sich um ein grün-gelbes giftiges Gas mit stechendem Geruch. Früher wurde elementares Chlor großtechnisch nach dem Deacon-Verfahren hergestellt. Das Deacon-Verfahren zählt zu den bekanntesten historischen Prozessen der chemischen Industrie. Es wurde von dem englischen Chemiker Henry Deacon im Jahre 1868 zum Patent angemeldet. Dabei wird das Gas Chlorwasserstoff mit Sauerstoff zu Chlor und Wasser umgesetzt. Dieser Prozess findet bei etwa 450 °C am Katalysator statt. Die Reaktion führt zu einem chemischen Gleichgewicht.

In organischen Verbindungen ist Chlor häufig als Substituent enthalten. Diese Chlorkohlenwasserstoffe können eine Vielzahl von Reaktionen eingehen und sind aufgrund ihrer Reaktivität vielfach verwendete Ausgangsstoffe bei chemischen Synthesen, wie zum Beispiel der Kunststoffherstellung. Der Kunststoff Polyvinylidenchlorid (Kurzzeichen PVDC) wird aus 1,1-Dichlorethen mithilfe eines Peroxids (R-O-O-R) als Radikalstarter hergestellt. 1,1-Dichlorethen lässt sich wiederum unter bestimmten Reaktionsbedingungen aus 1,1,2-Trichlorethan herstellen, dabei entsteht als weiteres Produkt Chlorwasserstoff.

Durch die Reaktion von gasförmigem Chlorwasserstoff mit gasförmigem Ammoniak kann Ammoniumchlorid hergestellt werden. Ammoniumchlorid, auch Salmiaksalz genannt, wird aufgrund seines scharf-salzigen Geschmacks u. a. für die Herstellung von Lakritzwaren verwendet.

Material 1

Deacon-Verfahren: Gleichgewichtskonzentrationen

Verbindung

Konzentration im Gleichgewicht in molL\frac{\text{mol}}{\text{L}}

Chlor (g)

0,04

Chlorwasserstoff (g)

0,015

Sauerstoff (g)

0,06

Wasser (g)

0,04

Material 2

Deacon-Verfahren:

Gleichgewichtsumsatz von Chlorwasserstoff mit Sauerstoff bei Normaldruck

Hinweis: Der „Umsatz HCl in %“ gibt den prozentualen Verbrauch an Chlorwasserstoff in Bezug auf die Ausgangsmenge an.

Material 3

Tabelle der pKS\text{pK}_\text{S}-Werte von Propansäure, 2-Chlorpropansäure und 3-Chlorpropansäure

Verbindung

pKS\text{pK}_\text{S}-Wert

Verbindung A

2,8

Verbindung B

4,1

Verbindung C

4,88

Aufgaben

2.1

Formulieren Sie für die Reaktion von Chlorwasserstoff mit Sauerstoff zu Chlor und Wasser im Deacon-Verfahren die Reaktionsgleichung und das darauf basierende Massenwirkungsgesetz. Berechnen Sie mithilfe der in Material 1 angegebenen Daten die Gleichgewichtskonstante KCK_C.

(7 BE)

2.2

Material 2 liefert weitere Informationen zum Deacon-Verfahren.

Beschreiben Sie den Kurvenverlauf in Material 2.

Erklären Sie jeweils den Einfluss der folgenden Maßnahmen auf das Gleichgewicht im Deacon-Verfahren:

a) Druckerhöhung bei einer konstanten Temperatur größer als 100 ∘C100\ ^\circ\text{C}

b) Temperaturerhöhung bei konstantem Druck

Begründen Sie die Änderung des Zahlenwertes für KCK_C bei einer Temperaturerniedrigung.

(9 BE)

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Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

2.1 Formulieren Sie für die Reaktion von Chlorwasserstoff mit Sauerstoff zu Chlor und Wasser im Deacon-Verfahren die Reaktionsgleichung

Lösung: 4 HCl+O2⇌2 Cl2+2 H2O4\ \text{HCl} + \text{O}_2 \rightleftharpoons 2\ \text{Cl}_2 + 2\ \text{H}_2\text{O}

2.1 Formulieren Sie das darauf basierende Massenwirkungsgesetz

Lösung: KC=c2(Cl2)⋅c2(H2O)c4(HCl)⋅c(O2)K_C = \frac{c^2(\text{Cl}_2) \cdot c^2(\text{H}_2\text{O})}{c^4(\text{HCl}) \cdot c(\text{O}_2)}

2.1 Berechnen Sie mithilfe der in Material 1 angegebenen Daten die Gleichgewichtskonstante KCK_C

Lösung: 842,8842{,}8 L/mol

2.2 Beschreiben Sie den Kurvenverlauf in Material 2. Erklären Sie jeweils den Einfluss der Maßnahmen auf das Gleichgewicht im Deacon-Verfahren (Druckerhöhung, Temperaturerhöhung) und begründen Sie die Änderung des Zahlenwertes für KCK_C bei einer Temperaturerniedrigung

Lösung: Beschreibung des Kurvenverlaufs: Dargestellt ist der Umsatz von Chlorwasserstoff (HCl) in Prozent in Abhängigkeit von der Temperatur. Die Kurve fällt mit steigender Temperatur, d. h. der Umsatz an Chlorwasserstoff sinkt mit steigender Temperatur. Einfluss einer Druckerhöhung: Bei einer Druckerhöhung bei gleicher Temperatur erhöht sich die Ausbeute an Chlor. Das Gleichgewicht verschiebt sich auf die Produktseite, da im Deacon-Gleichgewicht aus 5 mol gasförmiger Edukte 4 mol gasförmiger Produkte entstehen. Nach dem Prinzip des kleinsten Zwangs fördert eine Druckerhöhung die Reaktion, bei der weniger gasförmige Teilchen entstehen. Einfluss einer Temperaturerhöhung: Bei einer Temperaturerhöhung bei konstantem Druck sinkt nach Material 2 der Umsatz an Chlorwasserstoff und damit die Ausbeute an Chlor. Das Gleichgewicht verschiebt sich auf die Eduktseite, d. h. die Reaktion von Chlorwasserstoff und Sauerstoff ist exotherm. Nach dem Prinzip des kleinsten Zwangs fördert eine Temperaturerhöhung die endotherme Rückreaktion. Begründung für Kc: Da bei einer Temperaturerniedrigung der Umsatz an Chlorwasserstoff und damit die Ausbeute an den Produkten Chlor und Wasser steigt, wird der Zahlenwert der Konstante Kc größer werden.

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