Aufgabe 1.2–1.4 - Chemisches Gleichgewicht · Abitur Hessen Chemie GK 2021

Thema: Reaktionsgeschwindigkeit und chemisches Gleichgewicht · Aus der Prüfung GK (2021)

Aufgabenstellung

Methan im Kontext

Ein beträchtlicher Teil des in Deutschland erzeugten Stroms wird durch die Verbrennung von fossilen Brennstoffen wie Kohle und Erdgas (Hauptbestandteil: Methan, CH4\text{CH}_4) gewonnen. Das dabei entstehende Kohlenstoffdioxid trägt zur Klimaerwärmung bei. Wind- und Solarenergie sollen helfen, den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß zu verringern. Das Problem bei der Nutzung regenerativer Energien ist, dass an windigen oder sonnigen Tagen überschüssiger Strom produziert wird, der die Stromnetze überlasten kann. Dagegen kann an windstillen Tagen mit bewölktem Himmel nicht genug Strom produziert werden, um die Haushalte und die Industrie zu versorgen. Eine Lösungsmöglichkeit ist es, den zu viel produzierten Strom für die Synthese von chemischen Energiespeichern wie Wasserstoffgas oder Methangas zu nutzen.

Wasserstoffgas kann mit Hilfe von elektrischem Strom durch eine sogenannte Elektrolyse aus Wasser gewonnen werden. Dabei entsteht auch Sauerstoff. Der französische Chemiker Sabatier entdeckte bereits 1897, dass Kohlenstoffdioxid mit Wasserstoffgas in einer Gleichgewichtsreaktion zu gasförmigem Methan und Wasserdampf umgesetzt werden kann. Das entstandene Methan kann anschließend im vorhandenen Erdgasnetz gespeichert und verteilt werden.

Methan dient nicht nur der Energiegewinnung, sondern ist auch ein Grundstoff für verschiedene organische Synthesen, z. B. von Brommethan.

Material: Sabatier-Gleichgewicht

Hinweis: Einheit des Druckes: bar

1.2

Die Gleichgewichtskonstante KcK_c beschreibt die Lage eines chemischen Gleichgewichts. Formulieren Sie das Massenwirkungsgesetz für die von Sabatier entdeckte Reaktion und erläutern Sie die Lage des Gleichgewichts für den Fall, dass der Zahlenwert für KcK_c deutlich kleiner als 1 ist.

[4 BE]

1.3

Das Material liefert Informationen zum Sabatier-Gleichgewicht. Angegeben ist der prozentuale Anteil von Methan (CH4\text{CH}_4) im Gasgemisch bei verschiedenen Temperaturen und verschiedenen Drücken.

Beschreiben Sie die Kurvenverläufe im Material.

[3 BE]

Erklären Sie jeweils den Einfluss der folgenden Maßnahmen auf das Sabatier-Gleichgewicht:

[9 BE]

a)

Temperaturerhöhung bei konstantem Druck:

b)

Druckerhöhung bei gleichbleibender Temperatur:

c)

kontinuierliche Entfernung von Methan aus dem Reaktionsgemisch:

1.4

Im Rahmen der Energiewende und der Diskussion zum Klimawandel rückt die Reaktion von Sabatier zunehmend in den Fokus der Wissenschaft. Man bezeichnet sie in der Forschung auch als „Dream-Reaction“.

Beurteilen Sie die Anwendung der Sabatier-Reaktion im Rahmen der Energiewende und der Diskussion zum Klimawandel im Hinblick auf mindestens drei Aspekte.

[6 BE]

Aufgabenstellung: Aufgabe 1.2–1.4 - Chemisches Gleichgewicht · Abitur Hessen Chemie GK 2021

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

1.2 Formulieren Sie das Massenwirkungsgesetz für die von Sabatier entdeckte Reaktion und erläutern Sie die Lage des Gleichgewichts für den Fall, dass der Zahlenwert für Kc deutlich kleiner als 1 ist.

Lösung: Massenwirkungsgesetz: Kc=c(CH4)⋅c2(H2O)c(CO2)⋅c4(H2)K_c = \frac{c(\text{CH}_4) \cdot c^2(\text{H}_2\text{O})}{c(\text{CO}_2) \cdot c^4(\text{H}_2)} Erläuterung der Lage des Gleichgewichts: Der KcK_c-Wert hat einen Wert kleiner als 1. Daher ist das Produkt der Konzentrationen der Produkte kleiner als das Produkt der Konzentrationen der Edukte. Das chemische Gleichgewicht liegt also auf Eduktseite.

1.3 Beschreiben Sie die Kurvenverläufe im Material.

Lösung: Dargestellt ist jeweils die Ausbeute von Methan (CH4\text{CH}_4) in Prozent bei verschiedenen Drücken in Abhängigkeit von der Temperatur (im Bereich von 400 °C bis 1000 °C). Dabei ergeben sich prinzipiell ähnliche Kurvenverläufe. Alle Kurven fallen mit zunehmender Temperatur mehr oder weniger stark ab, d. h. die Ausbeute von Methan sinkt jeweils mit zunehmender Temperatur. Je höher der Druck (bei gleichbleibender Temperatur), desto größer ist die Ausbeute von Methan.

1.3 a) Erklären Sie den Einfluss einer Temperaturerhöhung bei konstantem Druck auf das Sabatier-Gleichgewicht:

Lösung: Bei einer Temperaturerhöhung bei konstantem Druck sinkt gemäß Material die Ausbeute an Methan. Das Gleichgewicht verschiebt sich auf die Eduktseite, d. h. die Reaktion von Methan und Wasser ist endotherm. Nach dem Prinzip des kleinsten Zwangs fördert eine Temperaturerhöhung die wärmeverbrauchende Rückreaktion.

1.3 b) Erklären Sie den Einfluss einer Druckerhöhung bei gleichbleibender Temperatur auf das Sabatier-Gleichgewicht:

Lösung: Bei einer Druckerhöhung bei gleichbleibender Temperatur erhöht sich gemäß Material die Ausbeute an Methan. Das Gleichgewicht verschiebt sich auf die Produktseite, da im Sabatier-Gleichgewicht aus 5 mol gasförmiger Edukte 3 mol gasförmiger Produkte entstehen. Nach dem Prinzip des kleinsten Zwangs fördert eine Druckerhöhung die Reaktion, bei der weniger gasförmige Teilchen entstehen.

1.3 c) Erklären Sie den Einfluss einer kontinuierlichen Entfernung von Methan aus dem Reaktionsgemisch auf das Sabatier-Gleichgewicht:

Lösung: Bei einer kontinuierlichen Entfernung von Methan aus dem Reaktionsgemisch erhöht sich die Ausbeute an Methan. Die kontinuierliche Entfernung von Methan entspricht einer Konzentrationserniedrigung und stört bzw. verhindert die Einstellung eines chemischen Gleichgewichts. Nach dem Prinzip des kleinsten Zwangs fördert die kontinuierliche Entfernung von Methan die Reaktion zur Bildung von (weiterem) Methan.

1.4 Beurteilen Sie die Anwendung der Sabatier-Reaktion im Rahmen der Energiewende und der Diskussion zum Klimawandel im Hinblick auf mindestens drei Aspekte.

Lösung: Bei der Bearbeitung dieser Aufgabe können unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden. Folgende Aspekte können unter anderem genannt werden: - negativer Beitrag von Kohlenstoffdioxid aus fossilen Brennstoffen zur Klimaerwärmung - stoffliche Verwertung des unerwünschten Treibhausgases Kohlenstoffdioxid in der Sabatier-Reaktion - Speicherung und Transport der Energie in Form von Methan unabhängig vom Stromnetz - Beitrag zur Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffen und damit zur Förderung der Energiewende - Strombedarf für die Elektrolyse; Herkunft des Stroms aus erneuerbaren Energien ist nicht gewährleistet Hinweis: Die drei in der Beurteilung aufzuführenden Aspekte müssen klare Bezüge zum Klimawandel und zur Energiewende erkennen lassen.

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