Aufgabe Vorschlag B - Teil I · Abitur Hessen Altgriechisch LK 2022
Thema: Übersetzung: Homer (epischer Hexameter) · Aus der Prüfung LK (2022)
Aufgabenstellung
Material 1: Homer, Ilias 9, 374–400
Vorbemerkung
In großer Not schickt Agamemnon eine Bittgesandtschaft zu Achill, die ihm ein Versöhnungsangebot unterbreiten und reichlich materielle Genugtuung anbieten soll – einschließlich des Vorschlags, Agamemnons Schwiegersohn zu werden. Achill lehnt jedoch ab:
Οὐδέ τί οἱ βουλὰς συμφράσσομαι, οὐδὲ μὲν ἔργον·
2 ἐκ γὰρ δή μ’ ἀπάτησε καὶ ἤλιτεν· οὐδ’ ἂν ἔτ’ αὖτις
ἐξαπάφοιτ’ ἐπέεσσιν· ἅλις δέ οἱ· ἀλλὰ ἕκηλος
4 ἐρρέτω· ἐκ γάρ εὑ φρένας εἵλετο μητίετα Ζεύς.
ἐχθρὰ δέ μοι τοῦ δῶρα, τίω δέ μιν ἐν καρὸς αἴσῃ.
6 οὐδ’ εἴ μοι δεκάκις τε καὶ εἰκοσάκις τόσα δοίη,
ὅσσά τέ οἱ νῦν ἔστι, καὶ εἴ ποθεν ἄλλα γένοιτο, [...]
8 οὐδ’ εἴ μοι τόσα δοίη, ὅσα ψάμαθός τε κόνις τε,
οὐδέ κεν ὧς ἔτι θυμὸν ἐμὸν πείσει’ Ἀγαμέμνων,
10 πρίν γ’ ἀπὸ πᾶσαν ἐμοὶ δόμεναι θυμαλγέα λώβην.
κούρην δ’ οὐ γαμέω Ἀγαμέμνονος Ἀτρεΐδαο,
12 οὐδ’ εἰ χρυσείῃ Ἀφροδίτῃ κάλλος ἐρίζοι,
ἔργα δ’ Ἀθηναίῃ γλαυκώπιδι ἰσοφαρίζοι·
14 οὐδέ μιν ὧς γαμέω· ὃ δ’ Ἀχαιῶν ἄλλον ἑλέσθω,
ὅς τις οἷ τ’ ἐπέοικε καὶ ὃς βασιλεύτερός ἐστιν.
16 ἢν γὰρ δή με σαῶσι θεοὶ καὶ οἴκαδ’ ἵκωμαι,
Πηλεύς θήν μοι ἔπειτα γυναῖκά γε μάσσεται αὐτός.
18 πολλαὶ Ἀχαιΐδες εἰσὶν ἀν’ Ἑλλάδα τε Φθίην τε,
κοῦραι ἀριστήων, οἵ τε πτολίεθρα ῥύονται·
20 τάων, ἥν κ’ ἐθέλωμι, φíλην ποιήσομ’ ἄκοιτιν.
ἔνθα δέ μοι μάλα πολλὸν ἐπέσσυτο θυμὸς ἀγήνωρ
22 γήμαντα μνηστὴν ἄλοχον, ἐικυῖαν ἄκοιτιν,
κτήμασι τέρπεσθαι, τὰ γέρων ἐκτήσατο Πηλεύς.
Übersetzungshilfen
V. 1 · τι – hier: in irgendeiner Weise
οἱ = αὐτῷ ( gemeint ist Agamemnon)
συμφράσσομαι – 1. Sg. Ind. Fut. Med. von συμφράζομαι ( m. Dat. u. Akk.: mit jmdm. etw. besprechen)
μέν – hier: gewiss
V. 2 · ἐκ [...] ἀπάτησε = ἐξαπάτησε – 3. Sg. Ind. Aor. Akt. von ἐξαπατάω (betrügen)
ἤλιτεν – 3. Sg. Ind. Aor. Akt. von ἀλιταίνω (beleidigen, verletzen)
οὐδ’ [...] ἔτ’ – und/aber nicht mehr [...]
V. 3 · ἐξαπάφοιτ’ – 3. Sg. Opt. Aor. Med. von ἐξαπαφίσκω (täuschen), ergänze als Objekt: με
ἅλις δέ οἱ – das sei ihm genug
ἕκηλος, -ον – ruhig, ungestört
V. 4 · ἐρρέτω – 3. Sg. Imperativ Präs. Akt. von ἔρρω (ins Verderben rennen)
ἐκ [...] εἵλετο = ἐξείλετο – 3. Sg. Ind. Aor. Med. von ἐξαιρέω (wegnehmen)
εὑ = αὐτοῦ
μητίετα – ratsinnend ( Epitheton zu Zeus)
V. 5 · ἐχθρὰ δέ μοι – ergänze: ἐστίν
τοῦ = αὐτοῦ
τίω δέ μιν ἐν καρὸς αἴσῃ – ich achte ihn für gar nichts
V. 6 · δεκάκις – zehnmal
εἰκοσάκις – zwanzigmal
δοίη – 3. Sg. Opt. Aor. Akt. von δίδωμι (geben)
V. 7 · ποθέν – von irgendwoher
γίγνομαι – hier: hinzukommen
V. 8 · δοίη – siehe oben V. 6
ὅσα ψάμαθός τε κόνις τε – wie es Sand [am Meer] und Staub [auf den Straßen] gibt
V. 9 · οὐδέ [...] ὧς ἔτι – auch so nicht mehr [...] ( damit beginnt der Hauptsatz)
πείσει[ε] – 3. Sg. Opt. Aor. Akt. von πείθω (bereden, überreden)
V. 10 · πρίν γ’ ἀπὸ [...] δόμεναι – bis er [...] gebüßt hat
θυμαλγής, -ές – schmerzlich, kränkend
ἡ λώβη, -ης – die Schmähung, Kränkung
V. 11 · ἡ κούρη, -ης – die Tochter
γαμέω – heiraten
V. 12 · χρύσειος, -α, -ον – golden
τὸ κάλλος, -ους – die Schönheit
ἐρίζω m. Dat. und Akk. – mit jmdm. in Bezug auf etw. wetteifern, konkurrieren
V. 13 · γλαυκῶπις, -ιδος – helläugig ( Epitheton zu Athene)
ἰσοφαρίζω m. Dat. und Akk. – sich mit jmdm. in Bezug auf etw. gleichstellen
V. 14 · οὐδέ [...] ὧς – auch so nicht [...]
γαμέω – siehe oben V. 11
ὅ – dieser ( gemeint ist Agamemnon)
ἑλέσθω – 3. Sg. Imperativ Aor. Med. von αἱρέω ( hier: auswählen)
V. 15 · οἷ = αὐτῷ ( gemeint ist Agamemnon)
ἐπέοικε m. Dat. – 3. Sg. Ind. Perf. Akt. von ἐπέοικα (jmdm. gefallen)
βασιλεύτερος, -α, -ον – königlicher
V. 16 · ἢν = ἐάν
σαῶσι = σῴζωσι
ἵκωμαι – 1. Sg. Konj. Aor. Med. von ἱκνέομαι (kommen)
V. 17 · θήν – sicherlich
μάσσεται – 3. Sg. Ind. Fut. Med. von μαίομαι (aussuchen)
V. 18 · ἡ Ἀχαιΐς, -ΐδος – die Achaierin
ἀν’ m. Akk. = hier: in
ἡ Φθία, -ης – Phthia ( Stadt und Landschaft in Thessalien)
V. 19 · ἡ κούρη, -ης – siehe oben V. 11
ὁ ἀριστῆος, -έως – der Beste
τὸ πτολίεθρον, -ου – die Stadt
ῥύομαι – beschützen, bewahren
V. 20 · τάων, ἥν κ’ ἐθέλωμι, [...] – eine von diesen, welche auch immer ich will, [...]
ποιήσομ[αι] – 1. Sg. Ind. Fut. Med. von ποιέω ( m. dopp. Akk.: jmdn. zu etw. machen)
ἡ ἄκοιτις, -ιος – die Ehefrau
V. 21 · ἔνθα – hier: schon früher
πολλόν = πολλάκις
ἐπέσσυτο – 3. Sg. Ind. Impf. Med. von ἐπισεύομαι (darauf drängen)
ἀγήνωρ, -ορος – sehr/allzu mannhaft, kühn
V. 22 · γήμαντα μνηστὴν ἄλοχον, ἐικυῖαν ἄκοιτιν – nachdem ich eine eheliche Gattin, eine passende Lagergenossin, geheiratet hätte
V. 23 · τὰ = ἅ
ἐκτήσατο – 3. Sg. Ind. Aor. Med. von κτάομαι (erwerben)
Arbeitsübersetzung (nach Wolfgang Schadewaldt)
Nicht will ich Ratschläge mit ihm beraten noch gar ein Werk!
Denn er hat mich betrogen und an mir übel getan, und niemals wieder soll er mich täuschen mit Worten. Das mag ihm genügen! Sondern in Ruhe fahre er hin! Denn die Sinne hat ihm benommen der ratsinnende Zeus.
Verhasst sind mir seine Gaben, und ich achte ihn für gar nichts!
Und wollte er mir auch zehnmal und zwanzigmal so viel geben, so viel er jetzt hat, und wenn von irgendwo anderes hinzukäme, [...]
Und wollte er mir so viel geben, wie da Sand und Staub ist:
Auch so würde er nicht mehr meinen Mut bereden, Agamemnon, bis er mir nicht die ganze gebüßt hat, die herzkränkende Beschimpfung!
Eine Tochter aber heirate ich nicht von Agamemnon, dem Atreus-Sohn, und wenn sie mit der goldenen Aphrodite an Schönheit stritte und es an Werken Athenaia, der helläugigen, gleichtäte:
Auch so nehme ich sie nicht! Mag er sich von den Achiern einen anderen auswählen, wer immer ihm zusagt und wer königlicher ist!
Denn wenn mich die Götter bewahren und ich nach Hause gelange, wird mir Peleus dann gewiss eine Frau aussuchen, er selber.
Viele Achaierinnen sind da in Hellas und Phthia, Töchter von Vornehmsten, welche Städte beschirmen; von denen mache ich, welche ich will, zu meiner Gattin!
Schon früher trieb mich gar vielfach der mannhafte Mut an, eine eheliche Gattin zu freien, eine angemessene Lagergenossin, und mich der Güter zu erfreuen, die der Greis erworben hat, Peleus.
I Übersetzung
Übersetzen Sie den Text (Material 1) in angemessenes Deutsch.

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
Übersetzen Sie den Text (Material 1) in angemessenes Deutsch.
Lösung: Weder werde ich mit ihm Pläne besprechen noch irgendein Werk. Denn wahrlich, er hat mich betrogen und gekränkt; und er dürfte mich wohl nicht noch einmal mit Worten täuschen. Es sei ihm nun genug; sondern er soll ruhig ins Verderben rennen; denn der ratsinnende Zeus hat ihm den Verstand geraubt. Verhasst aber sind mir seine Geschenke, und ich achte ihn für gar nichts. Und wenn er mir auch zehnmal und zwanzigmal so viel gäbe, wie viel er jetzt hat, und wenn von irgendwoher noch anderes hinzukäme, [...] und wenn er mir so viel gäbe, wie es Sand [am Meer] und Staub [auf den Straßen] gibt, auch so dürfte Agamemnon meinen Sinn nicht mehr bereden, bis er jede schmerzliche Kränkung gebüßt hat. Eine Tochter aber des Agamemnon, des Sohnes des Atreus, werde ich nicht heiraten, auch wenn sie mit der goldenen Aphrodite an Schönheit wetteiferte und sich mit Werken der helläugigen Athene gleichstellte; auch so werde ich sie nicht heiraten; er aber soll sich einen anderen der Achaier auswählen, der ihm gefällt und der königlicher ist. Denn wenn mich fürwahr die Götter retten und ich nach Hause komme, wird mir Peleus sicherlich danach selbst eine Frau aussuchen. Viele Achaierinnen gibt es in Hellas und Phthia, Töchter der Besten, die Städte beschützen; von diesen, welche auch immer ich will, werde ich mir zur lieben Ehefrau machen. Schon früher drängte mein allzu mannhafter Sinn sehr oft darauf, nachdem ich eine eheliche Gattin, eine passende Lagergenossin, geheiratet hätte, mich an den Gütern zu erfreuen, die der alte Peleus erwarb.
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