Aufgabe NT 2 - Teilaufgabe 2 · Abitur NRW Sport LK · Nachtermin 2022
Thema: Motorisches Lernen und Vermittlung von Bewegungen · Aus der Prüfung LK · Nachtermin (2022)
Aufgabenstellung
M 1: Was ist Ultimate Frisbee?
Ultimate ist ein Laufspiel, bei dem sich zwei Teams mit jeweils sieben Spielern gegenüberstehen. Gespielt wird in Deutschland in der Regel auf einem Feld von der Länge und der halben Breite eines Fußballfeldes. An den langen Enden des Spielfeldes befinden sich wie beim American Football zwei 15 – 20 Meter tiefe Endzonen. Ziel des Spieles ist es, durch Zupassen, ohne mit der Scheibe in der Hand zu laufen, sie in der gegnerischen Endzone zu fangen und damit einen Punkt zu erzielen.
Die Person in Scheibenbesitz hat zehn Sekunden Zeit weiterzuspielen, für sie ist dabei nur ein Sternschritt erlaubt. Alle anderen Spieler dürfen sich frei bewegen. Landet ein Pass auf dem Boden, im Aus oder wird von der gegnerischen Mannschaft abgefangen, wechselt der Scheibenbesitz („Turnover“), und das andere Team greift sofort an. Je nach Turnier wird auf 13, 15 oder 17 Punkte oder auf eine vorher bestimmte Zeit gespielt. Nach jedem Punkt dürfen beliebig viele Spieler auswechseln.
Spielfeldskizze mit Maßen: Hauptfeld 64 m x 37 m, zwei Endzonen von je 18 m Tiefe
Der einzige selbstregulierte Teamsport der Welt
Was Ultimate zu einem besonderen Sport macht, ist die Selbstverwaltung der Spieler. Prinzipiell ist es ein körperloser Sport, das heißt Tackling wie beim Football ist nicht erlaubt. Natürlich kommt es trotzdem gelegentlich zu Karambolagen oder Fouls. Ein Schiedsrichter wird jedoch nicht benötigt, da der gefoulte Spieler einfach selbst "Foul" ruft. Dabei wird der Spielfluss eingefroren („Freeze“), alle Spieler müssen stehen bleiben. Wenn der unmittelbar beteiligte Gegenspieler das Foul anerkennt, behält der gefoulte Spieler die Scheibe, bestreitet sein Gegenspieler ein Foulspiel („Contest“), geht die Scheibe zum Werfer zurück und das Spiel geht von dort weiter. In jedem Fall wird das „Freeze“ durch einen „Check“ aufgehoben und die Scheibe damit wieder freigegeben.
Auch, ob eine Scheibe im Aus gefangen wurde oder ob ein „Travel“ wie beim Basketball stattfand, obliegt der Entscheidung der Spieler. Das fördert die Fairness und es funktioniert auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit. Zudem macht sich kein Spieler beliebt, wenn er wegen einer Kleinigkeit "Foul" ruft oder jedes echte Foul contestet. […]
Quelle: https://www.frisbeesportverband.de/verband/ultimate/was-ist-ultimate-frisbee/ (gekürzt; Zugriff: 06.01.2021)
M 2: Einführung in die Ultimate-Regeln: Zehn einfache Regeln
1. Spirit of the Game: Ultimate betont die Sportlichkeit, Anstand und Fairplay. Kämpferischer Einsatz wird zwar gefördert, darf aber niemals auf Kosten des Respekts vor dem Gegner, der Regeln und dem Spaß am Spielen gehen.
2. Spielfeld: Ein offizielles Spielfeld ist 100 m lang und 37 m breit. Davon ist das Hauptspielfeld 64 m lang, und die jeweiligen Endzonen 18 m tief. Je nach Spieleranzahl kann das Spielfeld verkleinert werden. Die Relationen der Spielfeldteile sollten ungefähr 3/5 Spielfeld und je 1/5 Endzone betragen.
3. Spielbeginn: Jeder Punkt beginnt mit der Aufstellung der beiden Mannschaften à je sieben Spieler an der Grundlinie (in der Halle fünf gegen fünf). Die verteidigende Mannschaft wirft die Scheibe zur angreifenden Mannschaft (Anwurf).
4. Bewegung der Scheibe: Die Scheibe darf in jede Richtung des Spielfeldes geworfen werden. Mit der Scheibe darf man nicht laufen. Der Werfer hat zehn Sekunden Zeit die Scheibe abzuwerfen. Der direkte Verteidiger des Werfers (Marker) zählt den Werfer laut im Sekundentakt an.
5. Punktgewinn: Die angreifende Mannschaft erzielt einen Punkt, wenn ein Mitspieler die Scheibe in der Endzone des Gegners fängt. Die Mannschaft mit dem Punktgewinn bleibt auf dieser Seite, die andere Mannschaft muss die Spielfeldseite wechseln.
6. Scheibenwechsel: Wenn ein Pass vom Mitspieler nicht gefangen werden kann (Scheibe berührt den Boden, fliegt ins Aus oder der Gegner fängt sie ab), kommt die verteidigende Mannschaft sofort in Scheibenbesitz und greift nun an.
7. Auswechseln: Spieler dürfen nur nach einem Punkt oder nach einer Verletzung auswechseln.
8. Körperkontakt: Zwischen Spielern ist kein Körperkontakt erlaubt. Darauf haben alle Spieler zu achten. Das Behindern der Verteidigung durch einen angreifenden Spieler wie im Basketball ist ebenfalls verboten (genannt "Pick"). Jede Körperberührung ist im Prinzip ein Foul.
9. Foulspiel: Wenn ein Spieler einen Gegenspieler berührt, ist das ein Foul. Foul ruft der Spieler, der gefoult wurde. Wenn die Scheibe dem Angreifer dabei verloren geht, wird das Spiel unterbrochen und nach einem „Check“ fortgesetzt, als wäre das Foul nicht passiert. Ist der foulende Spieler mit dem Foulruf nicht einverstanden, dann geht die Scheibe zurück zum vorigen Werfer.
10. Eigenverantwortung: Es gibt keine externen Schiedsrichter. Jeder Spieler ist selbst dafür verantwortlich Fouls oder Linienverstöße (erster Bodenkontakt muss "in" sein, die Linie zählt zum Aus) anzuzeigen. Die Spieler regeln ihre Meinungsverschiedenheiten in fairer und vorgeschriebener Weise.
Quelle: https://www.frisbeesportverband.de/wp-content/uploads/2011/01/DFV-Ultimate-Regeleinfhrung.pdf (Zugriff: 06.01.2021)
M 3: Was besagt der Spirit of the Game im Ultimate Frisbee?
Der Spirit of the Game ist die oberste und wichtigste Regel im Frisbeesport. Sie ist vergleichbar zum Fairplay-Gedanken in anderen Sportarten, aber es wird vor allem beim Ultimate und Beach Ultimate ein weit größerer Wert daraufgelegt. Sie wird zusammengefasst im Vorwort zu den Spielregeln gemäß Flugscheiben-Weltverband (World Flying Disc Federation):
„Alle Spielenden sind dafür verantwortlich die Regeln zu handhaben und zu befolgen. Ultimate vertraut auf einen Spirit of the Game, der die Verantwortung für das Fairplay auf jede*n einzelne*n Spieler*in zuweist. Es wird davon ausgegangen, dass kein*e Spieler*in absichtlich die Regeln bricht; daher sind keine strengen Strafen für Verstöße vorgesehen, sondern stattdessen eine Methode, um das Spiel wieder aufzunehmen, die nachvollzieht, was am wahrscheinlichsten passiert wäre, hätte es die Unterbrechung nicht gegeben. Hochgradig wettbewerbsorientiertes Spiel wird gefördert, sollte jedoch niemals auf Kosten des gegenseitigen Respekts zwischen den Spielenden, des Befolgens der vereinbarten Regeln und der grundsätzlichen Freude am Spiel gehen.“
[…]
Die nachfolgenden Elemente werden als wesentlich für einen guten Spirit erachtet:
Kenntnis der Regeln
Das Vermeiden von Fouls und Körperkontakt
Eine faire und respektvolle Haltung
Eine positive Einstellung
Selbstkontrolle
Quelle: https://www.frisbeesportverband.de/ausbildung/spirit-of-the-game/ (gekürzt, Zugriff: 06.01.2021)
M 4: Wurftechniken Ultimate
Wir unterscheiden hier zwischen drei Standardwürfen, die beim Ultimate vorrangig zum Einsatz kommen. Natürlich gibt es noch eine Vielzahl anderer (Trick-)Würfe, deren Funktionalität im Mannschaftsspiel nicht so gegeben ist. Das Wesentliche an allen guten Würfen ist ein starker Spin der Scheibe; je stärker sich die Scheibe dreht, desto besser fliegt sie. Will man eine stabile Flugbahn erreichen, ist ein starker Impuls aus dem Handgelenk, der für die Rotation der Scheibe hauptverantwortlich ist, das Wichtigste.
Backhand:
Wurfbeschreibung: Beim Backhand steht man seitlich, so dass die Schulterverbindungsachse in die Wurfrichtung zeigt. Die Scheibe wird mit einer pendelartigen Armbewegung am Körper vorbeigeführt und im letzten Moment der Wurfbewegung kommt ein Schnepper aus dem Handgelenk (Rotation der Scheibe). Gerader Backhand: Der Arm bewegt sich etwa in Brusthöhe von hinten nach vorne. Die Scheibe wird mit einer kleinen Neigung nach unten weggelassen. Während des Flugs kommt sie automatisch zu einer waagerechten Lage.
Sidearm:
Wurfbeschreibung: Bei diesem Wurf steht man im Gegensatz zum Backhand frontal, d. h. der Oberkörper schaut in Wurfrichtung. Der Wurf selbst ist eine peitschenartige Bewegung des Arms, im speziellen des Unterarms und des Handgelenks (ähnlich einer Ohrfeige). Am Anfang ist darauf zu achten, dass der Oberkörper seitlich über den Wurfarm gebeugt ist, um einem Linksabsturz (bei Rechtshändern) der Scheibe entgegenzuwirken. Außerdem muss noch mehr auf den Impuls aus dem Handgelenk geachtet werden, um einen guten Wurf machen zu können. Gerader Sidearm: Der Arm bewegt sich etwa in Taillenhöhe von hinten nach vorne. Die Scheibe wird mit einer kleinen Neigung nach unten weggelassen. Während des Flugs kommt sie automatisch zu einer waagerechten Lage.
Upsidedown:
Wurfbeschreibung: Dieser Wurf wird seitlich über dem Kopf abgeworfen und wird verwendet, um gegnerische Spieler zu überwerfen. Die Wurfbewegung ist fast die Gleiche wie bei einem Schlagballwurf, außer dass der Oberkörper leicht seitlich in Richtung Standbein (linkes Bein bei Rechtshändern) gebeugt wird. Ganz wesentlich ist wiederum der Impuls aus dem Handgelenk am Schluss der Wurfbewegung.
Quelle: http://www.fssport.de/texte/FrisbeeSchule.pdf (Zugriff: 06.01.2021)
M 5: Frisbee: Flugscheiben für alle
[…]
Gerade weil vor allem die Technik und nicht die Kraft entscheidend ist, um die Scheibe weit segeln zu lassen, eignet sich das Frisbee für alle Schulstufen als ideales und einfaches Sportgerät, sei es zum Aufwärmen oder zum Spielen. Um im Spiel erfolgreich zu agieren, sind nebst der Schnelligkeit vor allem Fang- und Wurftechnik sowie taktische Überlegungen wichtig.
Daher spielen die körperlichen Voraussetzungen eine untergeordnete Rolle und so wird ein Miteinander von Jungen und Mädchen möglich. Zudem beginnen alle Schülerinnen und Schüler, im Gegensatz zu klassischen Mannschaftssportarten wie Volleyball oder Fußball, bei dieser «neuen» Sportart auf dem gleichen Ausgangsniveau. Dies fördert ein ausgeglichenes Spiel zwischen den Geschlechtern sowie zwischen Sportsportlern und solchen, die es nicht sind.
Bevor die Scheibe ins Spiel geworfen werden kann, müssen lediglich eine ebene Fläche wie ein Rasen, Parkplatz oder Hallenboden, einige Markierungskegel und natürlich Frisbees vorhanden sein.
[…]
Quelle: https://www.mobilesport.ch/assets/lbwp-cdn/mobilesport/files/2013/09/praxis_2008_39_frisbee_d.pdf (Titel verändert, gekürzt; Zugriff: 06.01.2021)
2. Stellen Sie das Stufenmodell des motorischen Lernens nach Meinel/Schnabel dar und erläutern Sie die einzelnen Lernstufen jeweils am Beispiel eines der drei Standardwürfe, die in der Sportart Ultimate hauptsächlich verwendet werden (M 4).
[24 Punkte]

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
2. Stellen Sie das Stufenmodell des motorischen Lernens nach Meinel/Schnabel dar und erläutern Sie die einzelnen Lernstufen jeweils am Beispiel eines der drei Standardwürfe, die in der Sportart Ultimate hauptsächlich verwendet werden (M 4).
Lösung: Ausarbeitung nach dem Erwartungshorizont zu Meinel/Schnabel und den drei Standardwürfen.
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