Aufgabe 3 · Abitur NRW Physik LK · Eletroneninterferenz EN 2025

Thema: Quantenobjekte · Aus der Prüfung LK · Eletroneninterferenz EN (2025)

Aufgabenstellung

Material 3: Elektronenbeugung am Doppelspalt von A. Tonomura

Im American Journal of Physics 57, 117 (1989) berichtet A. Tonomura von einem Experiment, bei dem Elektronen mit einer Beschleunigungsspannung von 50 kV50\text{ kV} beschleunigt und auf eine wie ein Doppelspalt wirkende Anordnung gesendet wurden. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung des Experimentes von C. Jönsson, in der die Anzahl der Elektronen im Elektronenstrahl so weit reduziert wurde, dass sich mit großer Wahrscheinlichkeit zu jedem Zeitpunkt nur noch ein einziges Elektron zwischen Quelle und Schirm befindet. Die elektrische Stromstärke des Elektronenstrahls betrug lediglich 1,6⋅10−16 A1{,}6\cdot 10^{-16}\text{ A}.

Material 4: Zitat von Richard Feynman zum Doppelspaltexperiment

„Wir möchten einen sehr wichtigen Unterschied zwischen der klassischen Mechanik und der Quantenmechanik hervorheben. [...] Wir haben dabei stillschweigend vorausgesetzt, dass es in unserem experimentellen Aufbau (und selbst in dem bestmöglichen) unmöglich sein würde, genau vorherzusagen, was passiert. Wir können nur die Wahrscheinlichkeit vorhersagen! [...] Wir wissen nicht, wie man vorhersagen könnte, was unter vorgegebenen Umständen passieren würde, und wir glauben heute, dass es unmöglich ist und dass das Einzige, was vorhergesagt werden kann, die Wahrscheinlichkeit verschiedener Ereignisse ist.“

3 Das in Material 3 beschriebene Experiment von A. Tonomura ist eine Weiterentwicklung des Doppelspaltexperimentes mit Elektronen.

a

Beurteilen Sie mithilfe einer Rechnung, ob sich tatsächlich „zu jedem Zeitpunkt nur ein einziges“ Elektron in der Messapparatur befindet.

Hinweise:

Im Rahmen dieser Aufgabe soll auf eine relativistische Berechnung verzichtet werden.

Es befinden sich mit großer Wahrscheinlichkeit zu keinem Zeitpunkt zwei oder mehr Elektronen in der Apparatur, wenn der mittlere Abstand aufeinanderfolgender Elektronen im Strahl hinreichend groß ist.

b

Interpretieren Sie die gezeigten Messergebnisse in M 3 hinsichtlich der Fragestellung, inwiefern diese die Wellen- bzw. Teilcheneigenschaften der Elektronen zeigen. Gehen Sie dabei auch darauf ein, dass sich zu fast jedem Zeitpunkt nur ein einzelnes Elektron in der Apparatur befindet.

c

Erläutern Sie Feynmans Aussage zur Quantentheorie, dass es unmöglich ist, Ereignisse genau vorherzusagen (M 4), am Beispiel des Experimentes von Tonomura (M 3).

Aufgabenstellung: Aufgabe 3 · Abitur NRW Physik LK · Eletroneninterferenz EN 2025

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

3 a) Beurteilen Sie mithilfe einer Rechnung, ob sich tatsächlich „zu jedem Zeitpunkt nur ein einziges“ Elektron in der Messapparatur befindet.

Lösung: Ja, die Aussage trifft mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit zu. Der mittlere Abstand zwischen zwei Elektronen beträgt ca. 130 km130\text{ km} (Flugzeit ca. 1,15⋅10−8 s1{,}15\cdot 10^{-8}\text{ s} bei einem zeitlichen Abstand von ca. 10−3 s10^{-3}\text{ s}), was um ein Vielfaches größer ist als die Abmessung der Apparatur (1,5 m1{,}5\text{ m}).

3 b) Interpretieren Sie die gezeigten Messergebnisse in M 3 hinsichtlich der Fragestellung, inwiefern diese die Wellen- bzw. Teilcheneigenschaften der Elektronen zeigen. Gehen Sie dabei auch darauf ein, dass sich zu fast jedem Zeitpunkt nur ein einzelnes Elektron in der Apparatur befindet.

Lösung: Teilcheneigenschaft: Jedes Elektron erzeugt beim Auftreffen einen scharf lokalisierten Lichtpunkt auf dem Schirm. Welleneigenschaft: Bei großer Teilchenzahl bildet die Gesamtheit der Punkte ein Interferenzmuster (Aufenthaltswahrscheinlichkeit gemäß Materiewelle). Selbstinterferenz: Da sich stets nur ein Elektron in der Apparatur befindet, interferiert jedes Elektron mit sich selbst (Überlagerung der beiden klassischen Wege).

3 c) Erläutern Sie Feynmans Aussage zur Quantentheorie, dass es unmöglich ist, Ereignisse genau vorherzusagen (M 4), am Beispiel des Experimentes von Tonomura (M 3).

Lösung: Feynmans Aussage besagt, dass der genaue Auftreffort eines einzelnen Elektrons prinzipiell unbestimmt und nicht exakt vorhersagbar ist (objektiver Zufall), selbst im bestmöglichen idealen Experiment. Die Quantenmechanik erlaubt lediglich die exakte Berechnung von Wahrscheinlichkeitsverteilungen für das Auftreffen vieler Elektronen.

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