Aufgabe 2: Elektronenbeugung · Abitur NRW Physik LK · Nachtermin 2022

Thema: Quantenobjekte · Aus der Prüfung LK · Nachtermin (2022)

Aufgabenstellung

Aufgabenstellung: Aufgabe: Elektronenbeugung

Durch das Experiment zur Elektronenbeugung lässt sich eine Welleneigenschaft von Elektronen belegen.

Teilaufgabe 1: Materiewellen

a)

Geben Sie zwei Eigenschaften von Elektronen an, die den Teilchencharakter von Elektronen zeigen.

1923 veröffentlichte der französische Physiker Louis De Broglie seine Gedanken über die Wellentheorie von Teilchen. Er fasste Teilchen in Bewegung jeweils als eine Materiewelle auf und ordnete ihnen eine Wellenlänge zu, sodass es ihnen möglich ist, Welleneigenschaften zu zeigen.

De Broglie ordnete den Materiewellen die Wellenlänge λ=hp\lambda = \frac{h}{p} zu, wobei hh das Planck'sche Wirkungsquantum und pp der Impuls der Teilchen ist.

b)

Zeigen Sie, dass Elektronen der Geschwindigkeit v=4,19⋅107 msv = 4{,}19 \cdot 10^7\,\frac{\mathrm{m}}{\mathrm{s}} eine Materiewellenlänge λ\lambda von ungefähr 17 pm17\,\text{pm} besitzen.

c)

Leiten Sie aus der Gleichung E=h⋅fE = h \cdot f für die Energie von Photonen der Frequenz ff die Gleichung p=hλp = \frac{h}{\lambda} für den Photonenimpuls pp her. Nutzen Sie dazu die relativistische Beziehung E=m⋅c2E = m \cdot c^2 zwischen Energie EE, Masse mm und Lichtgeschwindigkeit cc.

Teilaufgabe 2: Elektronenbeugung

Teilaufgabe 1b) hat gezeigt, dass die Materiewellenlänge von Elektronen vergleichsweise sehr klein sein kann. Aus diesem Grund benötigt man Gitter mit sehr kleinen Gitterkonstanten, um die Materiewellenlänge der Elektronen experimentell bestimmen zu können. Deshalb verwendet man beispielsweise Kristalle. Die konstruktive Interferenz der Materiewellen kann hierbei mit dem Prinzip der Bragg-Reflexion beschrieben werden (siehe Abbildung 1).

a)

• Erläutern Sie anhand von Abbildung 1, wie bei der Bragg-Reflexion konstruktive Interferenz von Materiewellen zustande kommt.

• Leiten Sie anhand von Abbildung 1 die Bragg-Gleichung 2⋅d⋅sin⁡ϑ=n⋅λ2 \cdot d \cdot \sin\vartheta = n \cdot \lambda her. Hierbei bezeichnet dd den Netzebenenabstand, ϑ\vartheta den Glanzwinkel und nn die Ordnung des Maximums.

Abbildung 2 zeigt die Geometrie einer Anordnung, bei der die Elektronen nach der Bragg-Reflexion auf einem Leuchtschirm nachgewiesen werden können.

b)

Begründen Sie anhand von Abbildung 2, dass sich der Winkel ϑ\vartheta zwischen Elektronenstrahl und Kristall (Glanzwinkel) mit folgender Gleichung berechnen lässt: sin⁡2ϑ=rD\sin 2\vartheta = \frac{r}{D} Dabei bezeichnet rr den Radius des Beugungsrings auf dem Beobachtungsschirm und DD den Abstand zwischen Kristall und Beobachtungsschirm.

c)

Erläutern Sie, auf welche Weise sich mit der Bragg-Gleichung und der Gleichung aus b) die Materiewellenlänge λ\lambda der Elektronen bestimmen lässt.

Teilaufgabe 3: Bestimmung der Materiewellenlänge in der Elektronenbeugungsröhre

Die folgende Abbildung 3 zeigt schematisch den Aufbau und ein Foto der Elektronenbeugungsröhre mit der Spannungsversorgung.

a)

Beschreiben Sie anhand von Abbildung 3, wie die Elektronenbeugungsröhre im Versuch aufgebaut ist.

b)

Die Elektronen werden mithilfe der Beschleunigungsspannung UBU_B beschleunigt. Zeigen Sie, dass sich die Geschwindigkeit vv der Elektronen ohne Berücksichtigung relativistischer Effekte durch v=2⋅em⋅UBv = \sqrt{2 \cdot \frac{e}{m} \cdot U_B} bestimmen lässt. Dabei sind ee die Ladung und mm die Masse des Elektrons.

c)

Berechnen Sie die Geschwindigkeit vv von Elektronen nach klassischer Rechnung, wenn sie durch eine Spannung von UB=5,00 kVU_B = 5{,}00\,\text{kV} beschleunigt wurden.

In Abbildung 4 sind zwei Negativ-Aufnahmen von Interferenzringen auf dem Fluoreszenzschirm gezeigt, die bei unterschiedlichen Beschleunigungsspannungen UBU_B aufgenommen wurden. Das weiÑe Raster und das weiÑe Viereck in den Aufnahmen entsteht durch Aufkleber auf der Elektronenbeugungsröhre von auÑen.

d)

• Beschreiben Sie die in Abbildung 4 dargestellten Interferenzbilder.

• Beschreiben Sie, wie man experimentell zeigen kann, dass die Interferenzringe durch einen Elektronenstrahl und nicht durch Röntgenstrahlung erzeugt werden.

In Abbildung 4 erkennt man, dass das Interferenzbild der Elektronen bei der Elektronenbeugungsröhre ringförmig ist. Entscheidend dafür ist die Tatsache, dass man eine Folie aus Graphitpulver (polykristallin) verwendet, also sehr viele unterschiedlich ausgerichtete Kristalle (Kristallite). Abbildung 5 verdeutlicht dies.

• Erläutern Sie anhand von Abbildung 5, wie die Ringe auf dem Beobachtungsschirm entstehen.

• Entscheiden Sie, ob die Beschleunigungsspannung UBU_B der Elektronen in Abbildung 4 (b) größer oder kleiner ist als der Wert 5,00 kV5{,}00\,\text{kV} in Abbildung 4 (a).

Bei der Bestimmung der Materiewellenlänge muss man berücksichtigen, dass es bei Graphitpulver wegen der Kristallstruktur zwei unterschiedliche Netzebenenabstände gibt. Bei Graphit betragen diese d1=213 pmd_1 = 213\,\text{pm} und d2=123 pmd_2 = 123\,\text{pm}. Bei der verwendeten Anordnung beträgt der Abstand des Leuchtschirms von der Graphitfolie D=12,7 cmD = 12{,}7\,\text{cm}. Die eingestellte Beschleunigungsspannung beträgt UB=5,00 kVU_B = 5{,}00\,\text{kV}. Beide Interferenzringe in Abbildung 6 sind der Ordnung n=1n = 1 zuzuordnen.

e)

• Begründen Sie, welcher Interferenzring zu welchem Netzebenenabstand d1=213 pmd_1 = 213\,\text{pm} bzw. d2=123 pmd_2 = 123\,\text{pm} gehört.

• Bestimmen Sie anhand von Abbildung 6 die Materiewellenlänge λ\lambda der eingesetzten Elektronen.

• Berechnen Sie die relative Abweichung Ihrer bestimmten Materiewellenlänge λ\lambda vom Wert, den die De-Broglie-Gleichung λ=hp=17 pm\lambda = \frac{h}{p} = 17\,\text{pm} liefert.

• Berechnen Sie die Radien der zwei Interferenzringe zur Ordnung n=2n = 2.

%

Teilaufgabe 4: Interferenz von Materie am Doppelspalt

Heute ist man in der Lage, nicht nur mit Elektronen Interferenzbilder zu erzeugen. Abbildung 7 zeigt den zeitlichen Aufbau eines Interferenzmusters aus einzeln nachgewiesenen Heliumatomen am Doppelspalt.

a)

Beschreiben Sie, wie sich die Beobachtungen in Abbildung 7 mit der Zeit verändern.

b)

Erläutern Sie anhand von Abbildung 7, weshalb weder ein reines Teilchenmodell noch ein reines Wellenmodell das Verhalten der Heliumatome am Doppelspalt richtig beschreiben.

Aufgabenstellung: Aufgabe 2: Elektronenbeugung · Abitur NRW Physik LK · Nachtermin 2022

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

1 a) Geben Sie zwei Eigenschaften von Elektronen an, die den Teilchencharakter von Elektronen zeigen.

Lösung: Elektrische Ladung ee / Ruhemasse mem_e / Elektronenradius

1 b) Zeigen Sie, dass Elektronen der Geschwindigkeit v=4,19⋅107 m/sv = 4{,}19 \cdot 10^7\,\mathrm{m/s} eine Materiewellenlänge λ\lambda von ungefähr 17 pm17\,\text{pm} besitzen.

Lösung: λ=hp=hm⋅v=6,63⋅10−34 J s9,11⋅10−31 kg⋅41,9⋅106 ms=17,4⋅10−12 m=17,4 pm\lambda = \frac{h}{p} = \frac{h}{m \cdot v} = \frac{6{,}63 \cdot 10^{-34}\,\mathrm{J\,s}}{9{,}11 \cdot 10^{-31}\,\mathrm{kg} \cdot 41{,}9 \cdot 10^6\,\frac{\mathrm{m}}{\mathrm{s}}} = 17{,}4 \cdot 10^{-12}\,\mathrm{m} = 17{,}4\,\mathrm{pm}

1 c) Leiten Sie aus der Gleichung E=h⋅fE = h \cdot f für die Energie von Photonen der Frequenz ff die Gleichung p=hλp = \frac{h}{\lambda} für den Photonenimpuls pp her. Nutzen Sie dazu die relativistische Beziehung E=m⋅c2E = m \cdot c^2.

Lösung: h⋅cλ=m⋅c2  ⟺  m⋅c=hλ=ph \cdot \frac{c}{\lambda} = m \cdot c^2 \iff m \cdot c = \frac{h}{\lambda} = p

2 a) Erläutern Sie anhand von Abbildung 1, wie bei der Bragg-Reflexion konstruktive Interferenz von Materiewellen zustande kommt, und leiten Sie die Bragg-Gleichung her.

Lösung: Konstruktive Interferenz für Δs=n⋅λ\Delta s = n \cdot \lambda mit Δs=2⋅BC‾=2⋅d⋅sin⁡ϑ  ⟹  2⋅d⋅sin⁡ϑ=n⋅λ\Delta s = 2 \cdot \overline{BC} = 2 \cdot d \cdot \sin\vartheta \implies 2 \cdot d \cdot \sin\vartheta = n \cdot \lambda

2 b) Begründen Sie anhand von Abbildung 2, dass sich der Glanzwinkel mit sin⁡2ϑ=rD\sin 2\vartheta = \frac{r}{D} berechnen lässt.

Lösung: Im rechtwinkligen Dreieck mit Gegenkathete rr, Hypotenuse DD und Winkel 2ϑ2\vartheta gilt: sin⁡2ϑ=rD\sin 2\vartheta = \frac{r}{D}.

2 c) Erläutern Sie, auf welche Weise sich mit der Bragg-Gleichung und der Gleichung aus b) die Materiewellenlänge λ\lambda der Elektronen bestimmen lässt.

Lösung: Mithilfe von ϑ=12arcsin⁡rD\vartheta = \frac{1}{2} \arcsin\frac{r}{D} wird aus dem gemessenen Radius rr der Glanzwinkel ϑ\vartheta bestimmt und anschlieÑend in λ=2dsin⁡ϑn\lambda = \frac{2 d \sin\vartheta}{n} eingesetzt.

3 a) Beschreiben Sie anhand von Abbildung 3, wie die Elektronenbeugungsröhre im Versuch aufgebaut ist.

Lösung: Evakuierte Röhre mit Heizkathode K, Anode A, dünner polykristalliner Graphitfolie und Fluoreszenzschirm.

3 b) Zeigen Sie, dass sich die Geschwindigkeit vv der Elektronen durch v=2⋅em⋅UBv = \sqrt{2 \cdot \frac{e}{m} \cdot U_B} bestimmen lässt.

Lösung: Epot=e⋅UB=12mv2=Ekin  ⟺  v2=2⋅em⋅UB  ⟺  v=2⋅em⋅UBE_{\mathrm{pot}} = e \cdot U_B = \frac{1}{2} m v^2 = E_{\mathrm{kin}} \iff v^2 = 2 \cdot \frac{e}{m} \cdot U_B \iff v = \sqrt{2 \cdot \frac{e}{m} \cdot U_B}

3 c) Berechnen Sie die Geschwindigkeit vv von Elektronen nach klassischer Rechnung, wenn sie durch eine Spannung von UB=5,00 kVU_B = 5{,}00\,\text{kV} beschleunigt wurden.

Lösung: 41,9⋅10641{,}9\cdot 10^6 m/s / 41,9⋅10341{,}9\cdot 10^3 km/s

3 d1) Beschreiben Sie die in Abbildung 4 dargestellten Interferenzbilder.

Lösung: Zwei konzentrische Interferenzringe; in Abb. 4(a) haben die Ringe einen gröÑeren Radius als in Abb. 4(b).

3 d2) Beschreiben Sie, wie man experimentell zeigen kann, dass die Interferenzringe durch einen Elektronenstrahl und nicht durch Röntgenstrahlung erzeugt werden.

Lösung: Annäherung eines Magneten an die Röhre: Das Muster wird durch die Lorentzkraft abgelenkt.

3 d3) Erläutern Sie anhand von Abbildung 5, wie die Ringe auf dem Beobachtungsschirm entstehen.

Lösung: Die Kristallite der Graphitfolie sind statistisch in alle Raumrichtungen orientiert; konstruktive Interferenz fÿhrt zu Kegelmänteln und somit zu Ringen.

3 d4) Entscheiden Sie, ob die Beschleunigungsspannung UBU_B der Elektronen in Abbildung 4 (b) größer oder kleiner ist als der Wert 5,00 kV5{,}00\,\text{kV} in Abbildung 4 (a).

Lösung: In Abb. 4 (b) ist die Beschleunigungsspannung UBU_B gröÑer als 5,00 kV5{,}00\,\text{kV}.

3 e1) Begründen Sie, welcher Interferenzring zu welchem Netzebenenabstand d1=213 pmd_1 = 213\,\text{pm} bzw. d2=123 pmd_2 = 123\,\text{pm} gehört.

Lösung: Der innere Ring gehört zu d1=213 pmd_1 = 213\,\text{pm}, der äuÑere Ring zu d2=123 pmd_2 = 123\,\text{pm}.

3 e2) Bestimmen Sie anhand von Abbildung 6 die Materiewellenlänge λ\lambda der eingesetzten Elektronen.

Lösung: 1818 pm / 0,0180{,}018 nm / 1,8⋅10−111{,}8\cdot 10^{-11} m

3 e3) Berechnen Sie die relative Abweichung Ihrer bestimmten Materiewellenlänge λ\lambda vom Wert, den die De-Broglie-Gleichung λ=hp=17 pm\lambda = \frac{h}{p} = 17\,\text{pm} liefert.

Lösung: 6 / 5,9

3 e4) Berechnen Sie den Radius des Interferenzrings zur Ordnung n=2n = 2 für d1=213 pmd_1 = 213\,\text{pm}.

Lösung: 2,12{,}1 cm / 2121 mm / 0,0210{,}021 m

3 e4) Berechnen Sie den Radius des Interferenzrings zur Ordnung n=2n = 2 für d2=123 pmd_2 = 123\,\text{pm}.

Lösung: 3,53{,}5 cm / 3535 mm / 0,0350{,}035 m

4 a) Beschreiben Sie, wie sich die Beobachtungen in Abbildung 7 mit der Zeit verändern.

Lösung: Zunächst zufällig verteilte Punkte einzelner Heliumatome; mit der Zeit bilden sich Minima und Maxima eines Interferenzmusters heraus.

4 b) Erläutern Sie anhand von Abbildung 7, weshalb weder ein reines Teilchenmodell noch ein reines Wellenmodell das Verhalten der Heliumatome am Doppelspalt richtig beschreiben.

Lösung: Lokalisierte Detektion einzelner Punkte belegt Teilchencharakter; statistische Verteilung mit Interferenzstreifen belegt Wellencharakter.

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