Aufgabe 2 · Abitur NRW Physik LK · Feuchtigkeitsmessung von Getreide E 2026
Thema: Elektrisches Feld und Kondensator · Aus der Prüfung LK · Feuchtigkeitsmessung von Getreide EN (2) (2026)
Aufgabenstellung
Material 2: Kornfeuchte
Als Kornfeuchte wird der prozentuale Anteil des Wassers bezeichnet, der sich in einem Getreidekorn befindet.
Bevor Getreide für längere Zeit gelagert wird, muss es ausreichend getrocknet sein, sodass die Kornfeuchte unter beträgt.
Bei nicht ausreichender Trocknung des Getreides können durch Schimmelbildung und Fäulnisprozesse schädliche Substanzen für Mensch und Tier entstehen. Die Trocknung kann hohe Energiekosten erzeugen.
Material 3: Anordnung zur kapazitiven Messung der Kornfeuchte
Die Kornfeuchte soll mithilfe einer Kondensatorentladung ermittelt werden.
Dazu wird ein dünnwandiges Kunststoffgefäß vollständig mit Getreide ausgefüllt. An zwei gegenüberliegenden Flächen sind außerhalb zwei Metallplatten und befestigt, wie in der Abbildung 2 gezeigt. Dieses System bildet einen Plattenkondensator.
Plattenfläche ·
Plattenabstand ·
Der Plattenkondensator wird auf eine Spannung aufgeladen und dann über einen Widerstand entladen. Die Entladezeit vom Beginn des Entladevorgangs bis zum Zeitpunkt, in dem am Plattenkondensator die Spannung anliegt, ist ein Maß für die Kornfeuchte.
Bedienungsanleitung für die Befüllung der Messanordnung
Das Einfüllen der Getreidekörner in das dünnwandige Kunststoffgefäß zwischen den Platten des Plattenkondensators in Abbildung 2 muss stets in gleicher Weise erfolgen. Durch leichtes Klopfen des befüllten Gefäßes auf einer Unterlage verteilen sich die Körner gleichmäßiger und rutschen nach. Größere Lufteinschlüsse können so vermieden werden. Schließlich wird der durch das Nachfüllen von Getreidekörnern entstandene Berg am oberen Gefäßrand sauber abgestreift.
Zusammenhang zwischen Kornfeuchte und Kapazität
Der Zusammenhang zwischen der Kornfeuchte und der Kapazität des Plattenkondensators ist vereinfacht in Abbildung 3 dargestellt.
Bei einer ordnungsgemäßen Befüllung mit extrem trockenem Getreide beträgt die Dielektrizitätszahl . Das Getreide besitzt in diesem Fall eine Kornfeuchte von .
Mit extrem feuchtem Getreide ergibt sich eine Dielektrizitätszahl und die Kornfeuchte beträgt .
Der Einfluss des Kunststoffs als Dielektrikum wird vernachlässigt.
Messunsicherheit
Vereinfachend soll für alle Kapazitätsermittlungen von einer relativen Messunsicherheit von ausgegangen werden. Dies bedeutet, dass die wahren Werte für die Kapazität um von den ermittelten Werten nach oben oder unten abweichen können.
In einem Messgerät zur Bestimmung der Kornfeuchte wird das Messprinzip aus dem Experiment in Aufgabe 1 angewandt. Der Begriff Kornfeuchte wird im Material 2 näher erklärt.
a)
Erläutern Sie unter Einbeziehung des Materials 3, dass durch die Messung der Entladezeit des Kondensators indirekt die Kornfeuchte des Getreides im Bereich zwischen und ermittelt werden kann. [2 BE]
b)
Es wurde eine Entladezeit gemessen. Ermitteln Sie das Kornfeuchteintervall, das sich unter Berücksichtigung der Messunsicherheit der Kapazitätsermittlung (M 3) ergibt. [8 BE]
[
;
] pF
[
;
] %
c)
Erklären Sie unter Verwendung des Materials 3, dass sich bei einer Vervielfachung der Fläche des Plattenkondensators mit dem Faktor die Steigung in der grafischen Darstellung (Abb. 3, M 3) mit dem Faktor verändert.
Erklären Sie damit, dass eine derartige Plattenvergrößerung keine Auswirkung auf das ermittelte Kornfeuchteintervall hat. Alle anderen Bedingungen sollen dabei gleich bleiben. [4 BE]

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
a) Erläutern Sie unter Einbeziehung des Materials 3, dass durch die Messung der Entladezeit des Kondensators indirekt die Kornfeuchte des Getreides im Bereich zwischen und ermittelt werden kann.
Lösung: Aus der gemessenen Entladezeit wird bei bekanntem Widerstand die Kapazität des Kondensators berechnet: . Für die berechnete Kapazität wird unter Verwendung des Diagramms in Abbildung 3 des Materials 3 der zugehörige Wert der Kornfeuchte abgelesen.
b) Berechnete Kapazität für :
Lösung: pF / F
b) Untere Grenze der Kapazität (in pF):
Lösung: 52 / 52,25
b) Obere Grenze der Kapazität (in pF):
Lösung: 58 / 57,75
b) Untere Grenze des Kornfeuchteintervalls (in %):
Lösung: 29
b) Obere Grenze des Kornfeuchteintervalls (in %):
Lösung: 33
c) Erklären Sie unter Verwendung des Materials 3, dass sich bei einer Vervielfachung der Fläche des Plattenkondensators mit dem Faktor die Steigung in der grafischen Darstellung mit dem Faktor verändert und dass dies keine Auswirkung auf das ermittelte Kornfeuchteintervall hat.
Lösung: Bei Vervielfachung der Fläche mit dem Faktor vervielfacht sich wegen auch die Kapazität des Kondensators mit diesem Faktor. Damit verringert sich die Steigung von auf , weil sich bei mit dem Faktor vervielfachten Kapazitäten und auch ihre Differenz mit dem Faktor vervielfacht, während unverändert bleibt. Die Steigung der Geraden ist damit indirekt proportional zu dem Flächenvergrößerungsfaktor . Bei gleicher relativer Messunsicherheit von verbreitert sich das Kapazitätsintervall ebenfalls mit dem Faktor . Mit ergibt sich damit für eine Flächenvergrößerung mit dem Faktor : . Das Kornfeuchteintervall bleibt damit unverändert.
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