Aufgabe 2 · Abitur NRW Physik LK · Feuchtigkeitsmessung von Getreide E 2026

Thema: Elektrisches Feld und Kondensator · Aus der Prüfung LK · Feuchtigkeitsmessung von Getreide EN (2) (2026)

Aufgabenstellung

Material 2: Kornfeuchte

Als Kornfeuchte FF wird der prozentuale Anteil des Wassers bezeichnet, der sich in einem Getreidekorn befindet.

Bevor Getreide für längere Zeit gelagert wird, muss es ausreichend getrocknet sein, sodass die Kornfeuchte unter 14,5 %14{,}5\,\% beträgt.

Bei nicht ausreichender Trocknung des Getreides können durch Schimmelbildung und Fäulnisprozesse schädliche Substanzen für Mensch und Tier entstehen. Die Trocknung kann hohe Energiekosten erzeugen.

Material 3: Anordnung zur kapazitiven Messung der Kornfeuchte

Die Kornfeuchte FF soll mithilfe einer Kondensatorentladung ermittelt werden.

Dazu wird ein dünnwandiges Kunststoffgefäß vollständig mit Getreide ausgefüllt. An zwei gegenüberliegenden Flächen sind außerhalb zwei Metallplatten P1\text{P}_1 und P2\text{P}_2 befestigt, wie in der Abbildung 2 gezeigt. Dieses System bildet einen Plattenkondensator.

Plattenfläche · A=8,0⋅10−3 m2A = 8{,}0 \cdot 10^{-3}\text{ m}^2

Plattenabstand · d=10 mmd = 10\text{ mm}

Der Plattenkondensator wird auf eine Spannung U0U_0 aufgeladen und dann über einen Widerstand R=10 MΩR = 10\text{ M}\Omega entladen. Die Entladezeit tEt_\text{E} vom Beginn des Entladevorgangs bis zum Zeitpunkt, in dem am Plattenkondensator die Spannung 13U0\frac{1}{3} U_0 anliegt, ist ein Maß für die Kornfeuchte.

Bedienungsanleitung für die Befüllung der Messanordnung

Das Einfüllen der Getreidekörner in das dünnwandige Kunststoffgefäß zwischen den Platten des Plattenkondensators in Abbildung 2 muss stets in gleicher Weise erfolgen. Durch leichtes Klopfen des befüllten Gefäßes auf einer Unterlage verteilen sich die Körner gleichmäßiger und rutschen nach. Größere Lufteinschlüsse können so vermieden werden. Schließlich wird der durch das Nachfüllen von Getreidekörnern entstandene Berg am oberen Gefäßrand sauber abgestreift.

Zusammenhang zwischen Kornfeuchte und Kapazität

Der Zusammenhang zwischen der Kornfeuchte und der Kapazität des Plattenkondensators ist vereinfacht in Abbildung 3 dargestellt.

Bei einer ordnungsgemäßen Befüllung mit extrem trockenem Getreide beträgt die Dielektrizitätszahl εr=2,3\varepsilon_\text{r} = 2{,}3. Das Getreide besitzt in diesem Fall eine Kornfeuchte von 8 %8\,\%.

Mit extrem feuchtem Getreide ergibt sich eine Dielektrizitätszahl εr=10\varepsilon_\text{r} = 10 und die Kornfeuchte beträgt 40 %40\,\%.

Der Einfluss des Kunststoffs als Dielektrikum wird vernachlässigt.

Messunsicherheit

Vereinfachend soll für alle Kapazitätsermittlungen von einer relativen Messunsicherheit von 5 %5\,\% ausgegangen werden. Dies bedeutet, dass die wahren Werte für die Kapazität um 5 %5\,\% von den ermittelten Werten nach oben oder unten abweichen können.

In einem Messgerät zur Bestimmung der Kornfeuchte wird das Messprinzip aus dem Experiment in Aufgabe 1 angewandt. Der Begriff Kornfeuchte wird im Material 2 näher erklärt.

a)

Erläutern Sie unter Einbeziehung des Materials 3, dass durch die Messung der Entladezeit tEt_\text{E} des Kondensators indirekt die Kornfeuchte des Getreides im Bereich zwischen 8 %8\,\% und 40 %40\,\% ermittelt werden kann. [2 BE]

b)

Es wurde eine Entladezeit tE=604 μst_\text{E} = 604\,\mu\text{s} gemessen. Ermitteln Sie das Kornfeuchteintervall, das sich unter Berücksichtigung der Messunsicherheit der Kapazitätsermittlung (M 3) ergibt. [8 BE]

[

;

] pF

[

;

] %

c)

Erklären Sie unter Verwendung des Materials 3, dass sich bei einer Vervielfachung der Fläche des Plattenkondensators mit dem Faktor kk die Steigung in der grafischen Darstellung (Abb. 3, M 3) mit dem Faktor 1k\frac{1}{k} verändert.

Erklären Sie damit, dass eine derartige Plattenvergrößerung keine Auswirkung auf das ermittelte Kornfeuchteintervall hat. Alle anderen Bedingungen sollen dabei gleich bleiben. [4 BE]

Aufgabenstellung: Aufgabe 2 · Abitur NRW Physik LK · Feuchtigkeitsmessung von Getreide E 2026

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

a) Erläutern Sie unter Einbeziehung des Materials 3, dass durch die Messung der Entladezeit tEt_\text{E} des Kondensators indirekt die Kornfeuchte des Getreides im Bereich zwischen 8 %8\,\% und 40 %40\,\% ermittelt werden kann.

Lösung: Aus der gemessenen Entladezeit tEt_\text{E} wird bei bekanntem Widerstand RR die Kapazität des Kondensators berechnet: C=tER⋅ln⁡(3)C = \frac{t_\text{E}}{R \cdot \ln(3)}. Für die berechnete Kapazität CC wird unter Verwendung des Diagramms in Abbildung 3 des Materials 3 der zugehörige Wert der Kornfeuchte abgelesen.

b) Berechnete Kapazität CC für tE=604 μst_\text{E} = 604\,\mu\text{s}:

Lösung: 5555 pF / 5,5⋅10−115{,}5\cdot 10^{-11} F

b) Untere Grenze der Kapazität CminC_\text{min} (in pF):

Lösung: 52 / 52,25

b) Obere Grenze der Kapazität CmaxC_\text{max} (in pF):

Lösung: 58 / 57,75

b) Untere Grenze des Kornfeuchteintervalls FminF_\text{min} (in %):

Lösung: 29

b) Obere Grenze des Kornfeuchteintervalls FmaxF_\text{max} (in %):

Lösung: 33

c) Erklären Sie unter Verwendung des Materials 3, dass sich bei einer Vervielfachung der Fläche des Plattenkondensators mit dem Faktor kk die Steigung in der grafischen Darstellung mit dem Faktor 1k\frac{1}{k} verändert und dass dies keine Auswirkung auf das ermittelte Kornfeuchteintervall hat.

Lösung: Bei Vervielfachung der Fläche mit dem Faktor kk vervielfacht sich wegen C=ε0⋅εrAdC = \varepsilon_0 \cdot \varepsilon_r \frac{A}{d} auch die Kapazität des Kondensators mit diesem Faktor. Damit verringert sich die Steigung von mm auf m∗=Fnass−Ftrockenk⋅(C2−C1)m^* = \frac{F_\text{nass} - F_\text{trocken}}{k \cdot (C_2 - C_1)}, weil sich bei mit dem Faktor kk vervielfachten Kapazitäten C1C_1 und C2C_2 auch ihre Differenz mit dem Faktor kk vervielfacht, während Fnass−FtrockenF_\text{nass} - F_\text{trocken} unverändert bleibt. Die Steigung der Geraden ist damit indirekt proportional zu dem Flächenvergrößerungsfaktor kk. Bei gleicher relativer Messunsicherheit von 5 %5\,\% verbreitert sich das Kapazitätsintervall ΔC\Delta C ebenfalls mit dem Faktor kk. Mit ΔF=m⋅ΔC\Delta F = m \cdot \Delta C ergibt sich damit für eine Flächenvergrößerung mit dem Faktor kk: ΔF∗=mk⋅ΔC⋅k\Delta F^* = \frac{m}{k} \cdot \Delta C \cdot k. Das Kornfeuchteintervall bleibt damit unverändert.

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