Aufgabe 1 · Abitur NRW Physik LK · Röntgenfluoreszenz in der Kriminali 2026

Thema: Atomhülle und Spektren · Aus der Prüfung LK · Röntgenfluoreszenz in der Kriminalistik (2026)

Aufgabenstellung

Röntgenfluoreszenz in der Kriminalistik

In der Kriminalistik ist man daran interessiert, den Tathergang eines Verbrechens zu rekonstruieren. Zum Nachweis des Schusswaffengebrauchs bei einem Verbrechen kommt die Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA) zum Einsatz.

Material 1: Röntgenspektrum

Die folgende Abbildung 1 zeigt als durchgezogene Linie das ungefilterte Spektrum einer Röntgenröhre, die bei dem RFA-Verfahren zum Einsatz kommt. Als gestrichelte Linie ist das gleiche Spektrum, jedoch mit Filter, abgebildet.

Material 2: Informationen zum RFA-Verfahren

Bei dem RFA-Verfahren wird eine Probe mit der gefilterten Röntgenstrahlung bestrahlt (gepunktetes Spektrum aus Abbildung 1). Die bestrahlte Probe emittiert dann Fluoreszenzstrahlung, ein Teil der gefilterten Röntgenstrahlung wird an der Probe reflektiert. Abbildung 2 zeigt den Aufbau bei dem Verfahren schematisch.

Die folgende Abbildung 3 zeigt den Prozess der Röntgenfluoreszenz schematisch. Ein Röntgenphoton, das die Anode der Röntgenröhre verlässt, ionisiert ein Atom der Probe. Das Atom geht anschließend unter Aussendung von mindestens einem Fluoreszenzphoton in den Grundzustand über.

Das bei der Ionisation frei werdende Elektron hat die kinetische Energie Ekin,e=E−EBE_{\text{kin},e} = E - E_\text{B}. Dabei bezeichnen EE die Energie des Röntgenphotons und EBE_\text{B} die Bindungsenergie des Elektrons vor der Ionisation.

Material 3: Spektrum der Fluoreszenzstrahlung

Wenn mit einer Waffe des vermuteten Schusswaffentyps auf einen Gegenstand geschossen wird, dann sammeln sich in der unmittelbaren Umgebung des Einschusslochs die Elemente Titan (Ti), Kupfer (Cu) und Zink (Zn) an. Die folgende Abbildung 4 zeigt ein mit dem RFA-Verfahren aufgenommenes Spektrum des angeschossenen Gegenstandes direkt in der Umgebung des Einschusslochs. Die Linien (C) und (E) konnten im Rahmen der Analyse bereits dem Element Kupfer zugeordnet werden.

Die Bindungsenergien der Elemente Ti, Cu und Zn sind in der folgenden Tabelle aufgelistet:

Tab. 1: Bindungsenergien verschiedener Elemente Element · Bindungsenergie 1

in keV · Bindungsenergie 2

in keV · Bindungsenergie 3

in keV

Ti · 4,96 · 0,56 · 0,06

Cu · 8,98 · 1,10 · 0,12

Zn · 9,66 · 1,20 · 0,14

Material 4: Berechnung einer charakteristischen Wellenlänge

Bei der Kα\text{K}_\alpha-Linie eines Elements handelt es sich um den energieärmsten Übergang in den Grundzustand. Eine Gesetzmäßigkeit, mit der näherungsweise die Wellenlänge der emittierten Strahlung bei Übergängen zwischen den Energieniveaus mit den Hauptquantenzahlen 1 und nn berechnet werden kann, ist:

1λn→1=RH⋅(Z−1)2⋅(1−1n2)\frac{1}{\lambda_{n \rightarrow 1}} = R_\text{H} \cdot (Z - 1)^2 \cdot \left(1 - \frac{1}{n^2}\right) Dabei sind RHR_\text{H} die Rydberg-Konstante und ZZ die Ordnungszahl des Elements, das die Strahlung emittiert.

Material 5: Beschreibung eines Verbrechens und Informationen zum RFA-Verfahren in Luft

Beschreibung eines Verbrechens: Bei einem konkreten Verbrechen hat die Polizei erst einige Tage nach der Tat einen Gegenstand mit einem Einschussloch gefunden. Durch Regen wurde der Bereich um das Einschussloch ausgespült und Ablagerungen, die durch den Schusswaffengebrauch entstanden sind, sind zum Teil weggeschwemmt. Es soll nun nachgewiesen werden, dass bei dem Verbrechen ebenfalls der in Material 3 betrachtete Waffentyp zum Einsatz gekommen ist. Dazu müssen die drei Elemente Ti, Cu und Zn identifiziert werden können.

Informationen zum RFA-Verfahren in Luft: In einer Handreichung zum RFA-Verfahren findet man die folgende Information: „Röntgenstrahlung der Wellenlängen λ>0,2 nm\lambda > 0{,}2\text{ nm} wird durch die umgebende Luft merklich absorbiert. Die Absorption steigt mit zunehmender Wellenlänge der Strahlung sehr stark an.“

1 Für das RFA-Verfahren wird Röntgenstrahlung benötigt. Abbildung 1 (M 1) zeigt Röntgenspektren. Für Aufgabe 1 ist nur die durchgezogene Linie (ohne Filter) relevant.

a)

Beschreiben Sie die physikalischen Prozesse auf atomarer Ebene, die zur Entstehung des Röntgenspektrums (ohne Filter) in Abbildung 1 (M 1) führen. [5 BE]

b)

Erklären Sie die jeweilige Wirkung der Spannungen UHU_\text{H} und UBU_\text{B} in Abbildung 2 (M 2) auf die Erzeugung der Röntgenstrahlung. Geben Sie den Wert der Spannung UBU_\text{B} an, mit der das Spektrum in Abbildung 1 (M 1) aufgenommen wurde. [6 BE]

c)

Vergleichen Sie mit Hilfe der Informationen aus Material 2 die den beiden folgenden Prozessen zugrundeliegenden Wechselwirkungen auf atomarer Ebene:

A) Die Entstehung des charakteristischen Röntgenspektrums.

B) Die Entstehung der Fluoreszenzstrahlung. [4 BE]

Aufgabenstellung: Aufgabe 1 · Abitur NRW Physik LK · Röntgenfluoreszenz in der Kriminali 2026

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

a) Beschreiben Sie die physikalischen Prozesse auf atomarer Ebene, die zur Entstehung des Röntgenspektrums (ohne Filter) in Abbildung 1 (M 1) führen.

Lösung: Die von der Röntgenröhre emittierte Röntgenstrahlung besteht aus der kontinuierlichen Bremsstrahlung und der diskreten charakteristischen Strahlung. Bei der Bremsstrahlung werden schnelle Elektronen durch Anodenatome abgebremst und abgelenkt. Bei diesen Beschleunigungsprozessen wird Energie in Form von Photonen emittiert. Ionisiert hingegen ein beschleunigtes Elektron ein Atom der Anode, so verlässt ein Hüllelektron dieses Anodenatom und es wird ein Platz in der Atomhülle des Anodenatoms frei. Dieser freie Platz wird von einem Hüllelektron einer höheren Energieniveaustufe besetzt. Bei diesem Übergang wird elementspezifische Energie in Form eines Photons frei (charakteristische Röntgenstrahlung).

b) Erklären Sie die jeweilige Wirkung der Spannungen UHU_\text{H} und UBU_\text{B} in Abbildung 2 (M 2) auf die Erzeugung der Röntgenstrahlung.

Lösung: Die Spannung UHU_\text{H} sorgt für einen elektrischen Strom in der Glühkathode der Röntgenröhre und damit für eine Aufheizung dieser. In der Folge treten Elektronen aus der Glühkathode aus. Diese Elektronen werden durch die Spannung UBU_\text{B} in Richtung Anode beschleunigt.

b) Geben Sie den Wert der Spannung UBU_\text{B} an, mit der das Spektrum in Abbildung 1 (M 1) aufgenommen wurde.

Lösung: 37,5 kV37{,}5\text{ kV} / 37500 V37500\text{ V}

c) Vergleichen Sie mit Hilfe der Informationen aus Material 2 die den beiden folgenden Prozessen zugrundeliegenden Wechselwirkungen auf atomarer Ebene: A) Die Entstehung des charakteristischen Röntgenspektrums. B) Die Entstehung der Fluoreszenzstrahlung.

Lösung: Die Fluoreszenzstrahlung entsteht, ebenso wie die charakteristische Röntgenstrahlung, durch Photonenemission eines zuvor ionisierten Atoms. Während die Ionisation bei der Röntgenröhre durch ein Elektron erfolgt, ist bei der Röntgenfluoreszenz die Wechselwirkung zwischen einem Röntgenphoton und einem Atom dafür verantwortlich.

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