Aufgabe 1 - 4 · Abitur NRW Kunst GK · Haupttermin 2021
Thema: Künstlerische Verfahren und Positionen erläutern · Aus der Prüfung GK · Haupttermin (2021)
Aufgabenstellung
Materialgrundlage
Bildmaterial
Abbildung: Thomas Struth: „Familie Richter I“, Köln 2002, Chromogenic Print 1, 135 × 193,4 cm
1 Die Bezeichnung „Chromogenic Print“, auch kurz „C-Print“ oder „Type-C Print“ genannt, steht für Farbabzüge auf Fotopapier, welche im rein analog fotografischen Verfahren erstellt werden.
Textmaterial
Zitat von Thomas Struth
„Man kann nicht einfach nur sagen, dass Fotografien eine Fiktion sind oder dass sie nur etwas verfälschen. Die Spuren gesellschaftlicher und psychologischer Strukturen sind ja lesbar.“
Quelle: Kruszynski, Anette u. a. (Hrsg.): Thomas Struth: Fotografien 1978 – 2010. Katalog anlässlich der gleichnamigen Ausstellung, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 2011, München: Schirmer-Mosel 2010, S. 195
Zusatzinformationen
a)
zur abgebildeten Familie Richter sowie zum abgebildeten Umraum:
Dargestellt sind der Künstler Gerhard Richter (geb. 1932), seine Frau, die Künstlerin Sabine Moritz (geb. 1969), und die beiden gemeinsamen Kinder Moritz (geb. 1995) und Ella Maria (geb. 1996).
Die Familie hält sich in ihrer Wohnung in Köln auf. Die beiden im Hintergrund des Raums sichtbaren Bilder sind Ölgemälde von Gerhard Richter, der gezeigte Blumenstrauß besteht aus weißen Lilien.
b)
zur Serie der Familienporträts von Thomas Struth:
Die Familienporträts Struths folgen immer ähnlichen Grundbedingungen: Die Initiative geht in der Regel vom Künstler aus; der Künstler porträtiert in der Regel Familien, die er kennt; zusammen mit dem Fotografen entscheidet die Familie über den Aufnahmeort; wobei der Ort immer die häusliche Umgebung der dargestellten Personen sein sollte. Der Künstler positioniert die Kamera, wählt Brennweite und Bildausschnitt. Er begnügt sich mit dem im Raum vorhandenen Licht bzw. nutzt das Tageslicht. Bekleidung, Aufstellung und Körperhaltung legen die Familienmitglieder fest. Sie werden vom Künstler gebeten, direkt in die Plattenkamera zu blicken, die den Fotografen verdeckt, und sich – wegen der langen Belichtungszeit – über einen längeren Augenblick nicht zu bewegen. Die Foto-Session, bei der mitunter zwanzig bis dreißig Platten belichtet werden, dauert in der Regel einen halben Tag. Danach wird gemeinsam eine Bildauswahl getroffen, wobei nur ein bis zwei Aufnahmen zur Vergrößerung und Veröffentlichung gelangen. Struth hält seit 1978 ihm bekannte Familien in unterschiedlichen Ländern in großformatigen Fotoporträts fest. 2008 fasst er seine bis dahin entstandenen Familienporträts unter dem Titel „Familienleben“ im Rahmen eines Ausstellungs- und Buchprojekts zusammen.
(Autorentexte auf Grundlage nachfolgend genannter Quellen:
Kruszynski, Anette u. a. (Hrsg.): Thomas Struth: Fotografien 1978 – 2010. Katalog anlässlich der gleichnamigen Ausstellung, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 2011, München: Schirmer-Mosel 2010
Conrath-Scholl, Gabriele; Berg, Stephan (Hrsg.): Mit anderen Augen. Das Porträt in der zeitgenössischen Fotografie. Ausstellungskatalog (Köln, Bonn, Nürnberg), Köln: Snoeck Verlag 2016
Weski, Thomas; Wilmes, Ulrich (Hrsg.): Thomas Struth – Figure Ground. Katalog anlässlich der gleichnamigen Ausstellung, Haus der Kunst München 2017, München: Schirmer-Mosel Verlag 2017
https://www.wr.de/kultur/klang-der-menschen-und-des-raums-id1864037.html (Zugriff: 28.02.2020)
https://www.wz.de/kultur/kunst/fotografie-die-erzaehlten-familienbilder_aid-31398687 (Zugriff: 28.02.2020))
4. Erläutern Sie die Aussage von Thomas Struth, indem Sie sich auf das vorliegende Werk beziehen. Nehmen Sie zum Schluss begründet Stellung zu dieser Aussage.
(10 Punkte)

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
4. Erläutern Sie die Aussage von Thomas Struth, indem Sie sich auf das vorliegende Werk beziehen. Nehmen Sie zum Schluss begründet Stellung zu dieser Aussage.
Lösung: Erläuterung des Zitats und Stellungnahme: - Erläuterung des Zitats bezogen auf das Werk (4 Pkt.): Struth wendet sich gegen die einseitige Reduktion von Fotografie auf bloße Fiktion oder Fälschung. Auch wenn die Szene arrangiert und zeitlich gedehnt ist, transportiert die Aufnahme reale soziale Konventionen, Rollenverteilungen und psychologische Verhältnisse innerhalb der Familie. - Begründete Stellungnahme (6 Pkt.): Urteil zur Ambiguität von Schein und Sein in der Porträtfotografie; Differenzierung zwischen inszenatorischer Konstruktion und der Abbildung realer gesellschaftlicher Strukturen, die im Bildgefüge ablesbar bleiben. - Weiteres Kriterium (1 Pkt.): Zusätzlicher reflektierter Aspekt.
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