Aufgabe 1 · Abitur NRW Evangelische Religion LK · Haupttermin 2023

Thema: Materialgestützter Debattenbeitrag (Aufgabenart III) · Aus der Prüfung LK · Haupttermin (2023)

Aufgabenstellung

Aufgabe 1

Situation: Sie besuchen als Schülerin bzw. Schüler das Städtische Gymnasium. Wie in der gesamten Region hat auch an Ihrer Schule der Anteil christlich geprägter Jugendlicher in den vergangenen Jahren merklich abgenommen, während immer mehr Schülerinnen und Schüler konfessionslos sind oder eine andere religiöse Prägung haben.

Angesichts dessen schlägt das Abiturvorbereitungskomitee vor, den bislang üblichen Entlassgottesdienst durch eine alternative Feier abzulösen. Über die Schülervertretung soll dazu ein Antrag in die Schulkonferenz eingebracht werden, in der Lehrkräfte, Schülerschaft und Eltern gemeinsam über solche Angelegenheiten beraten.

Als Kurssprecherin bzw. Kurssprecher des Religionsleistungskurses sollen Sie an der nächsten Schulkonferenz teilnehmen, auf der diese Frage erörtert wird: Soll es an unserer Schule weiterhin einen christlichen Gottesdienst zur Schulentlassung geben oder sollte er durch eine alternative Feier ersetzt werden? Bereiten Sie sich vor, indem Sie einen schriftlichen Debattenbeitrag verfassen, der eine evangelische Sichtweise auf diese Frage darlegt.

Schreibauftrag

Gestalten Sie auf der Basis Ihres Fachwissens diesen Debattenbeitrag, indem Sie

zu Beginn die Fragestellung und deren Relevanz darlegen,

die Positionen aus M 1 und M 2 herausarbeiten und sich mit ihnen unter Rückgriff auf Ihr Unterrichtswissen auseinandersetzen,

zwei gegenwärtige religionskritische Ansätze vergleichend darstellen und in Ihre Argumentation einbeziehen,

wenigstens drei der übrigen Materialien M 3 – M 7 zur Veranschaulichung und Argumentation heranziehen,

zur Frage begründet Stellung nehmen.

Materialgrundlage

M 1 Ingo Reuter: Schulentlassung. In: Arbeitsstelle Gottesdienst. Zeitschrift der Gemeinsamen Arbeitsstelle für gottesdienstliche Fragen der Evangelischen Kirche in Deutschland. 01/2006, S. 55 – 60

M 2 Ruth Zeifert: Warum hört mich keiner? In: DIE ZEIT Nr. 37/2019

M 3 Landeskirchenamt der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers (Hrsg.): „Warum beten wir eigentlich nicht zusammen?" Gottesdienste und religiöse Feiern im multireligiösen Schulkontext. Hannover 2007, S. 6 f.

M 4 Tanja Gojny: Schulgottesdienst in der Pluralität. Theoretische Grundlegung, konzeptionelle Bestimmungen und Handlungsorientierungen. Stuttgart 2021, S. 24 – 26

M 5 Shell-Jugendstudie 2019

M 6 Bild einer multireligiösen Abiturentlassfeier (gisela-gymnasium.de)

M 7 Rudolf Otto Wiemer: Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein. In: Ders.: Der Augenblick ist noch nicht vorüber. Ausgewählte Gedichte. Stuttgart 2001

M 1 – Ingo Reuter: Schulentlassung

[…] Schule als Lebensort von Schülerinnen und Schülern ist ein überaus unspiritueller, oftmals wohl uninspirierender Raum. Die meisten nehmen die Schule nicht als ihren Lebensmittelpunkt wahr, sehen diesen eher in Freizeit, ihrer Arbeit, die sie oftmals neben der Schule betreiben, in der Familie. Gleichwohl nimmt Schule einen erheblichen Zeitraum im Leben von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein. Oftmals ungeliebt und manchmal kritisiert, ist der Raum Schule doch gleichwohl ein relativ geschützter Raum, gleichsam ein Proberaum, eine Laborsituation, in der das Leben jenseits der Schule sich partiell en miniature abbildet – jedenfalls im besseren Fall. Bei aller echten Verzweiflung angesichts schulischen Leistungsdrucks und echter Langeweile wird gegen Ende der Schulaufbahn klar, dass dieser oft geschmähte Raum zumindest ein ambivalenter Raum war, denn er bot Möglichkeiten der Erprobung ohne allzu hohes Risiko. Das drohende Verlassen dieses Raums setzt natürlich ambivalente Reaktionen frei: Einerseits neue Freiheit und neue Optionen – andererseits der Zwang zur Wahl, sich nun entscheiden zu müssen, was man in Zukunft tun will. […]

Diese Situation des Übergangs in eine nun offenere, freiere, aber auch ungleich risikoreichere […] Zukunft macht die Schulabschlussfeier zu einem der zentralen Passageriten von Menschen heute. Eine Ehe kann mehrfach geschlossen und geschieden werden – seine Schule verlässt man nur einmal. […]

Ein Gottesdienst ist eine spirituelle Veranstaltung. Er ist dieses allerdings nicht per se, sondern nur dann, wenn ihn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer als eine solche erleben. Der Abiturabschlussgottesdienst richtet sich an die Abiturienten, aber auch an deren Familienmitglieder. Im Mittelpunkt stehen beim Abiturgottesdienst die Abiturientinnen und Abiturienten – wie beim Traugottesdienst das Hochzeitspaar. Zu fragen ist also, wie der Gottesdienst ein spirituelles Ereignis für die Anwesenden werden kann. Die Antwort überlässt man am besten den Abiturienten selbst. Zum einen, weil es höchst fraglich und unsicher ist, was heute je als authentische Spiritualität junger Menschen zu verstehen ist. Zum anderen setzt Gottesdienst als darstellendes Handeln […] stets einen eigenständigen Subjektbezug im Sinne individueller Aneignung voraus, der nicht einfach vorzugeben ist. […]

In jedem Fall ist trotz (oder wegen?) bestmöglichen Religionsunterrichts davon auszugehen, dass die Schülerinnen und Schüler ein Konglomerat unterschiedlicher religiöser Vorstellungen einbringen. Hierbei mischen sich sehr klassische Vorstellungen mit Eigenkonstrukten unterschiedlichster Art. Davon wird der Gottesdienst nicht unberührt bleiben. Und er darf es auch nicht. […]

Das Problem verschärft sich angesichts der Tatsache, dass an vielen Schulen ein Gemisch unterschiedlicher Religionen existiert. Muslime und Juden finden sich neben evangelischen, katholischen und orthodoxen Christen. Auch nicht jeder Bekenntnislose ist automatisch unreligiös. Erstaunlich ist die Bereitschaft zur Teilnahme am Abiturgottesdienst bei einer nicht geringen Anzahl muslimischer Schülerinnen und Schüler ohne Rücksicht auf die eigene Tradition. Offenkundig steht der Kasus deutlich stärker im Vordergrund als die religiöse Tradition. […]

Im Mittelpunkt steht die gemeinsame Feier des (gemeinsam) Erreichten. Jenseits einer trivialen Säkularisierungsthese haben gerade Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen egal welcher Religion ein oft kritisches Verhältnis zur eigenen religiösen Tradition, ohne dass ein religiöses, spirituelles Bedürfnis dadurch verschwunden wäre. Dies ist für den Abiturgottesdienst und seine Vorbereitung bedeutsam. Im Dialog über unterschiedliche Vorstellungen wird einerseits religiöse Gemeinschaft auch jenseits überholter Grenzen möglich. Andererseits kann gerade der Diskussionsprozess dazu führen, sich auch bei der eigenen Tradition rückzuversichern und so etwas über das zu lernen, wo man eigentlich herkommt. So kommt man erfahrungsgemäß zu gemeinsamen Äußerungsformen, die von allen getragen werden und verantwortet sind – sowohl vor sich selbst als auch in Rücksicht auf die eigenen und anderen Traditionen.

Ingo Reuter ist evangelischer Theologe.

M 2 – Ruth Zeifert: Warum hört mich keiner?

[…] Ich bin mit einem jüdischen und einem christlichen Elternteil in Hessen aufgewachsen. In der Grundschule besuchte ich den evangelischen Religionsunterricht, in der Freizeit schleppte mich meine Mutter in die jüdische Gemeinde, trotz allen Genörgels von uns Kindern und trotz aller Bombendrohungen von unbekannten Spinnern, die dort immer wieder eingingen. Heute verstehe ich mich als Agnostikerin, mein Mann sieht sich als Atheist. Wir sind Religionen gegenüber interessiert, aber skeptisch eingestellt. Dementsprechend wollen wir unsere Kinder erziehen.

Das ging so lange gut, bis meine Tochter eingeschult wurde. Die Schulzeit startete mit einem Gottesdienst […]. Ich fragte mich: Muss mein Kind da hin? […] Tatsächlich stellte sich heraus: Der Gottesdienstbesuch war freiwillig. Von der Schule hatte es aber niemand für nötig gehalten, den Eltern das mitzuteilen. Es wurde einfach davon ausgegangen, dass alle in die Kirche kommen, ganz gleich, was sie von dieser Kirche halten. So ähnlich sollte es in den Jahren darauf weitergehen.

Statt den christlichen Religionsunterricht zu besuchen, konnte Rahel das Fach Ethik belegen. Aber wenige Wochen nach Schuljahresbeginn wurden wir darüber informiert, dass es fortan in regelmäßigen Abständen Schulgottesdienste geben werde, die die Kinder besuchen sollten. Ich war überrascht, mein Mann war erbost […]. Ich schrieb der Klassenlehrerin eine E-Mail und teilte ihr mit, dass ich es bedenklich finde, in einer staatlichen Schule während des Unterrichts einen Gott anzubeten. Es kam keine Antwort.

Nach einem Gespräch mit der Rektorin der Schule zeigte sich: Wer nicht in den Gottesdienst geht, bleibt in der Schule und wird mit Aufgabenblättern beschäftigt.

Man könnte nun sagen: Gut, dann bleiben diese Kinder eben in der Schule, halb so wild. Tatsächlich merkten wir schnell, dass es so leicht nicht ist. Wenn fast alle Kinder in die Kirche gehen, fühlen sich diejenigen, die in der Schule bleiben müssen, nämlich miserabel. Auch meine Tochter wollte unbedingt in den Gottesdienst. Sie flehte uns an, gehen zu dürfen. […]

Als Eltern hatten mein Mann und ich damit ein Problem. Wir haben eine Vorstellung von Werten und Weltbildern, die wir unseren Kindern mitgeben wollen. Plötzlich hatten wir das Gefühl, dass sich Staat und Kirche da ganz gehörig einmischten. Und das, ohne dass uns eine Wahl gelassen worden wäre. […]

Wir fühlten uns mit unserem Problem allein, obwohl viele davon betroffen waren. Da war die muslimische Großmutter, die ich vor der Kirche traf, als ich meine Tochter absetzte; auch sie wollte nicht, dass ihre Enkeltochter in die Messe geht. Da waren muslimische Eltern, die ihre Kinder in die Kirche schickten, obwohl ihnen nicht wohl dabei war. Sie wussten gar nicht, dass der Gottesdienst keine Pflicht ist. Und auch atheistisch eingestellte Eltern hatten das Gefühl, dass ihre Kinder in der Schule christlich indoktriniert werden. Irgendwann fand ich heraus, dass von den 400 Kindern der Schule 70 nicht in den Gottesdienst gingen. […]

Vielleicht denken Sie jetzt: Soll sie ihre Tochter halt in die Kirche gehen lassen, was kann schon passieren? Lassen Sie sich überraschen. […]

Vor jedem Schulgottesdienst, vor jeder christlichen Aktivität gab es Ärger, egal ob Bibelwoche oder Sternsinger. Mein Mann versuchte alles, um meine Tochter von ihrem religiösen Trip zu holen, auf den die Schule sie geschickt hatte. Er probierte es mit Argumenten. Am Abendbrottisch erklärte er Rahel, warum es aus seiner Sicht keinen Gott gibt, er hielt ein Plädoyer für die Naturwissenschaft, legte als Historiker dar, welches Unheil die Kirche in ihrer langen Geschichte angerichtet hat. Irgendwann versuchte er es mit Humor und scherzte: Er bete ausschließlich das „Spaghettimonster" an! […]

Mich irritierte das alles sehr. Einem Kind eine Religion einzuimpfen sollte nicht die Rolle des Lehrers sein; wenn überhaupt, dürfen das die Eltern. Die stehen aber schnell ziemlich machtlos da, wenn die Schule einfach die Initiative ergreift. […]

Dabei war alles, was ich wollte, den nicht christlich erzogenen Kindern eine Alternative zum Kirchenbesuch anbieten zu können. Ich wollte keine Revolution, sondern etwas Selbstverständliches – und scheiterte dennoch. Dabei merkte ich, wie schnell man an den Rand gedrängt wird, wenn man auch nur etwas anders ist. Mein Mann und ich sind gut situierte Akademiker, wir sind Teil dessen, was Politiker die „Mitte der Gesellschaft" nennen. Wie müssen sich da erst Migranten fühlen, die einer anderen Religion angehören?

„Du gehörst dazu", singen sie in unserer Grundschule ständig. Aber so ist es nicht. Wenn eine Schule Nichtgläubige in die Kirche zwingen will, gehört eben nur dazu, wer auch mitkommt.

Ruth Zeifert ist Soziologin und Autorin.

M 3 – Landeskirchenamt der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers: „Warum beten wir eigentlich nicht zusammen?"

Zusammenfassende Thesen

[…]

5. Gute Schulen benötigen Räume für Erfahrungen, in denen auch eine Kultur des Feierns und Gedenkens ihren Platz hat. Schulgottesdienste und religiöse Feiern bieten dazu einen wichtigen Beitrag, sie helfen zur Sinnstiftung und Gemeinschaftsbildung. […]

6. In dieser Arbeitshilfe werden für die Schule zwei Typen vorgestellt: Der Gottesdienst mit liturgischer Gastfreundschaft: ein christlicher Gottesdienst mit klarem christlichem Profil, der bewusst Gäste aus anderen Religionen einlädt und auf sie eingeht. Die multireligiöse Feier, bei der Menschen aus unterschiedlichen Religionen ohne Vermischung ihrer Religion nebeneinander beten. Das Gebet der je anderen nehmen die Beteiligten jeweils respektvoll wahr. […]

7. Von der multireligiösen Feier zu unterscheiden ist die interreligiöse Feier, bei der Menschen aus unterschiedlichen Religionen gemeinsam mit denselben Worten beten. Da die Identität der einzelnen Religionen hier nicht respektiert wird, und die Religionen praktisch vermischt werden, wird diese Form aus theologischen und pädagogischen Gründen abgelehnt.

8. Die liturgische Gestaltung setzt immer eine theologische Klärung über das Verhältnis der Religionen zueinander voraus. Es ist nötig, sich über die eigene Position Rechenschaft zu geben. Traditionell werden drei Modelle vertreten: Für das exklusive Modell sind allein im christlichen Glauben Heil und gültige Gotteserkenntnis möglich. Das inklusive Modell sieht die Fülle des Heils und der Offenbarung in Christus, rechnet aber bei anderen Religionen mit einer gewissen Gotteserkenntnis und der Möglichkeit der Teilhabe am Heil. Das pluralistische Modell sieht in den Religionen unterschiedliche, aber gleichwertige Wege der Erkenntnis des einen Gottes.

M 4 – Tanja Gojny: Schulgottesdienst

Geht man der Frage nach den Herausforderungen von Pluralität und möglichen Entwicklungsperspektiven für Schulgottesdienste genauer nach, müssen dabei im deutschen Kontext neben evangelischen und katholischen Christinnen und Christen nicht nur über vier Millionen Muslime, sondern vor allem auch die zahlenmäßig noch weitaus bedeutendere Gruppe der sog. Konfessionslosen berücksichtigt werden – immerhin 24 Millionen Menschen. Dies ist nicht zuletzt auch deswegen so wichtig, weil angesichts nachlassender Bindekraft der christlichen Religion davon auszugehen ist, dass der Anteil der Konfessionslosen weiter steigen wird. Auch gilt es zu berücksichtigen, dass die gesamtgesellschaftliche Situation zwar von religiöser wie weltanschaulicher Pluralität geprägt ist, man aber nicht davon ausgehen kann, dass Schülerinnen und Schüler jeweils tatsächlich Erfahrungen mit Angehörigen sehr vieler unterschiedlicher Konfessionen, Religionen oder Weltanschauungen gemacht haben. […]

Ferner muss bedacht werden, dass die Gruppen der Katholiken, Protestanten, Muslime und Konfessionslosen wie auch der Angehörigen anderer Religionen ihrerseits von einem hohen Maß an Pluralität geprägt sind […]. Nicht zuletzt darf auch nicht übersehen werden, dass sich in Deutschland selbst innerhalb der großen christlichen Konfessionen eine Vielfalt an Religionskulturen zeigt, die nicht zuletzt durch soziokulturelle Faktoren geprägt ist – die „Region, das Geschlecht, der Lebensstil und der Bildungsgrad nehmen erheblichen Einfluss auf die Ausgestaltung von Kirchenmitgliedschaft – auch unter Schüler/innen. Diese soziokulturelle, innere Pluralität dürfte in der Regel wirkmächtiger sein als die äußere religiöse Pluralität." […]

Religiöses Schulleben wird z. T. auch als Fremdkörper an öffentlichen Schulen empfunden und grundsätzlich angefragt, etwa von Eltern, aber auch von Schulleitungen. Dass in der Regel keine lautstarke Kritik an einer bestehenden Schulgottesdienstpraxis geäußert wird, bedeutet nicht, dass nicht innerhalb des Kollegiums, den Mitgliedern der Schulleitung sowie der Schüler- und Elternschaft höchst unterschiedliche Vorstellungen darüber existieren, ob es überhaupt Angebote religiösen Schullebens geben soll und falls ja, wie diese aussehen sollen. Diesen Vorstellungen liegen häufig unterschiedliche Toleranzverständnisse zugrunde, unterschiedliche Vorstellungen darüber, welche Bedeutung Religion in Staat und Öffentlichkeit zugebilligt werden sollte, sowie nicht zuletzt unterschiedliche Theorien bzw. Theologien darüber, wie sich partikulare Religionen zueinander verhalten. […]

Tanja Gojny ist evangelische Theologin.

M 5 – Shell-Jugendstudie 2019: Bedeutung von Religion, Glaube und Kirche

Sowohl für katholische als auch evangelische Jugendliche hat der Glaube in den letzten knapp 20 Jahren erheblich an Bedeutung verloren: Nur für 39 % der katholischen und 24 % der evangelischen Jugendlichen ist der Gottesglaube wichtig. Anders ist dies bei muslimischen Jugendlichen: Für 73 % von ihnen ist der Gottesglaube wichtig. Ähnliche konfessionelle Muster zeigen sich bei der konkreten Religionsausübung: Nur 18 % der katholischen, 13 % der evangelischen, aber 60 % der muslimischen Jugendlichen beten mindestens einmal pro Woche.

Anteil der Jugendlichen, für die der Glaube an Gott wichtig ist, im Jahr 2002

Anteil der Jugendlichen, für die der Glaube an Gott wichtig ist, im Jahr 2019

M 7 – Rudolf Otto Wiemer: Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein

Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel.

Sie gehen leise, sie müssen nicht schrein, die Engel.

Oft sind sie alt und häßlich und klein, die Engel.

Sie haben kein Schwert, kein weißes Gewand, die Engel.

5 Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand,

oder er wohnt neben dir, Wand an Wand, der Engel.

Dem Hungernden hat er das Brot gebracht, der Engel.

Dem Kranken hat er das Bett gemacht,

und hört, wenn du ihn rufst, in der Nacht, der Engel.

10 Er steht im Weg und er sagt: Nein, der Engel,

groß wie ein Pfahl und hart wie ein Stein –

Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel.

Rudolf Otto Wiemer (1905 – 1998) war Schriftsteller und Pädagoge.

Aufgabenstellung: Aufgabe 1 · Abitur NRW Evangelische Religion LK · Haupttermin 2023

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