Aufgabe 1 · Abitur NRW Evangelische Religion GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2023
Thema: Materialgestützter Debattenbeitrag (Aufgabenart III) · Aus der Prüfung GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg (2023)
Aufgabenstellung
Aufgabe 1 (Gestaltungsaufgabe)
Situation:
Sie sind Schülerin bzw. Schüler am Martin-Luther-Gymnasium, einer Schule in Trägerschaft der Evangelischen Kirche. Ihre Schule pflegt seit vielen Jahren eine Schulpartnerschaft mit einer US-amerikanischen Schule in San Francisco, zu der auch ein regelmäßiger Schüleraustausch gehört. Vor dem Hintergrund der Klimakrise wird dieser Austausch, der per Flugzeug erfolgen muss, allerdings zunehmend kontrovers diskutiert. Bei der nächsten Schülerratssitzung soll eine Grundsatzdiskussion dazu erfolgen mit dem Ziel, ein klares Votum der SV zu ermitteln: Soll der Schüleraustausch mit der Schule in San Francisco per Flugreise weitergeführt oder beendet werden? Als Kurssprecherin bzw. Kurssprecher des Grundkurses Q2 Evangelische Religionslehre sind Sie gebeten, zur Vorbereitung der Schülerratssitzung einen schriftlichen Debattenbeitrag zu erstellen, der mit Blick auf das evangelische Profil des Gymnasiums eine christliche Sichtweise auf diese Frage entwickelt.
Schreibauftrag:
Gestalten Sie unter Rückgriff auf Ihr Fachwissen diesen Debattenbeitrag, indem Sie
einleitend die Fragestellung und deren Relevanz darlegen,
die Positionen aus M 1 und M 2 herausarbeiten und sich mit ihnen unter Einbezug Ihres Unterrichtswissens auseinandersetzen,
das Verhältnis von Freiheit und Verantwortung, das sich aus einem christlichen Menschenbild ergibt, in Grundzügen entfalten und in Ihre Argumentation einbinden,
zur Veranschaulichung und Argumentation mindestens zwei der übrigen Materialien M 3 – M 7 heranziehen,
zur Frage begründet Stellung nehmen.
Materialgrundlage
M 1 – Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland: Umkehr zum Leben. Nachhaltige Entwicklung im Zeichen des Klimawandels. Eine Denkschrift (2009)
Als evangelische Kirche sind wir davon überzeugt, dass zur Abmilderung der Folgen des Klimawandels und für die Erhaltung der Lebensgrundlagen für künftige Generationen ein einschneidender Mentalitätswandel in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nötig ist. Eine solche Wende zu einer nachhaltigen Wirtschafts- und Lebensweise verlangt nach einer Umkehr, die die Bibel „Metanoia" nennt, eine radikale und umfassende Umkehr.
Wir bekennen, dass wir mit dem in den Industriestaaten vorherrschenden Lebensstil und einem allein auf Wachstum setzenden Wirtschaftssystem dieser Verantwortung gegenüber Gottes Schöpfung nicht gerecht geworden sind. Unser Lebensstil und unsere Wirtschaftsweise tragen dazu bei, dass die Ressourcen der Schöpfung in unverantwortlicher Weise ausgebeutet und Menschen ihrer Lebensgrundlagen und ihrer Lebenschancen beraubt werden.
Damit machen wir uns schuldig vor Gott, seiner Schöpfung und unseren Mitmenschen. Der erste Schritt zur Umkehr muss deshalb sein, dass wir uns unser Versagen eingestehen und es nicht länger leugnen, schönreden oder die Probleme auf Nebenschauplätze verschieben.
Dieses Eingeständnis kann eine befreiende Wirkung haben, weil wir darauf vertrauen, dass Gott uns gnädig ist und dass er uns die Kraft geben kann, wirklich umzukehren und neu anzufangen. Die Gnade Gottes und seine verändernde Macht offenbart sich in einzigartiger Weise im Leben und Sterben seines Sohnes Jesus Christus. In Christus hat Gott die Mächte der Sünde und des Todes überwunden, deshalb müssen wir nicht in unserer Schuld verfangen bleiben. Der Glaube an Jesus Christus, in dem Gott uns trotz aller Sünde […] bedingungslose Liebe gezeigt hat, befreit zu einem neuen und dankbaren Leben, das der Gerechtigkeit und der Bewahrung der Schöpfung dient. […]
Wir brauchen eine stärkere Akzeptanz einer Ethik der Genügsamkeit, ja sogar eine Bereitschaft zum „Weniger", zum Verzicht. Darin äußert sich auch eine Verschiebung der Werte von rein materiellem Wohlstand zu einem anderen Wohlstand wie z. B. Zeitwohlstand oder Reichtum an sozialen Beziehungen. In allen diesen Aktionen ist auch eine ideologische und praktische Abkehr vom Denken in den Kategorien des Wachstums zu sehen, das viele Jahre der Motor der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland war und z. T. immer noch ist. Umweltbewusstes Wachstum sollte heute die Devise sein. Die Christen müssen vom Evangelium her überzeugend darlegen und vorleben, dass das Leben sich nicht im Streben nach „immer mehr" erschöpft. Je mehr ihnen dies gelingt, umso mehr werden sie auch verändernd in die Gesellschaft hineinwirken.
M 2 – Niels Boeing: Verzicht rettet die Welt nicht (ZEIT ONLINE, 12.05.2019)
Ich fordere keinen bedingungslosen Freispruch für Flugreisen. Von Hamburg nach Frankfurt zu fliegen ist unsinnig, wenn man im Vergleich mit der Bahn für eine Dreiviertelstunde Zeitgewinn 1400-mal so viel CO2 ausstößt. Fragwürdig ist auch, ob man jedes zweite oder dritte Wochenende quer durch die EU fliegen muss, um für 48 Stunden zu shoppen oder Party zu machen.
In der Debatte Fliegen versus Klimawandel geht es aber nicht mehr um derartige Differenzierungen. In ihr haben sich Begriffe festgesetzt, die moralisch, teilweise schon religiös geprägt sind. Da ist von „Klimafrevel" oder „Klimasünde" die Rede. Zu Beginn der diesjährigen katholischen Fastenzeit am 6. März verbreitete sich in den Medien die Idee, bis Ostern aufs Fliegen zu verzichten. „Wenn Klimafasten dafür ein Anfang ist, dann begrüßt Greenpeace das ausdrücklich", zitierte etwa das Handelsblatt einen Greenpeace-Experten. Wenn die Debatte so geführt wird, dann läuft etwas schief, würde ich da gerne einwerfen. […]
Fliegen verbindet gerade auch Menschen und Kulturen. […] Wichtig erscheint mir eine Debatte darüber, was uns das Fliegen als kulturelle Errungenschaft wert ist. Und wenn uns etwas, vielleicht sogar viel wert wäre: Was müsste dann passieren, um die Luftfahrt klimaverträglicher zu machen? Am Ende gar klimaneutral?
Die Luftfahrt hat über Jahrzehnte die Effizienz ihrer Maschinen immer weiter gesteigert. […]
Derzeit sind klimaoptimierte Flugrouten und Wasserstoff-Triebwerke noch Zukunftsvisionen, weitere Studien sind nötig […]. Eine zunehmend nichtfossile Luftfahrt ist aber kein Ding der Unmöglichkeit. Wir sollten alle Hebel in Bewegung setzen – und zwar nicht mit individuellen Verzichtsentscheidungen, sondern als politisch handelnde Subjekte –, dass sie Wirklichkeit wird. Dass der Traum vom Fliegen nicht zerplatzt. Und wir nicht hart auf dem Boden einer engstirnigen Welt aufschlagen, deren Landstriche wieder allein um ihren eigenen Nabel kreisen und in der wir vergessen haben, was für eine vielfältige Menschheit auf diesem Planeten zu entdecken ist.
M 3 – Arthur Sullivan: Der Klimawandel und das Fliegen (Deutsche Welle, 27.01.2020)
Nach Schätzungen der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) steigt die Zahl der Flugpassagiere 2016 weltweit auf 3,7 Milliarden, und jedes Jahr seit 2009 war ein Rekordjahr.
Die „Internationale Luftverkehrsvereinigung" (IATA) erwartet, dass sich diese Zahl bis 2035 auf etwa 7,2 Milliarden fast verdoppeln wird. Wie die Flugzeuge selbst, steigen die Zahlen ständig in die Höhe. Und wenn man bedenkt, welchen Schaden das Fliegen anrichtet, gibt das zu denken.
Vielen Schätzungen zufolge liegt der Anteil der Luftfahrt an den globalen CO2-Emissionen bei etwas mehr als 2 Prozent. Auch die Branche selbst erkennt diese Zahl weitgehend an.
Aber sie ist irreführend, sagt Stefan Gössling. Er ist Professor an den Universitäten Lund und Linné und Ko-Herausgeber des Buchs „Climate Change and Aviation: Issues, Challenges and Solutions". „Das ist nur die halbe Wahrheit."
Andere Luftfahrtemissionen wie Stickoxid, Wasserdampf, Feinstaub, Kondensstreifen und Veränderungen in Zirruswolken haben einen zusätzlichen Erwärmungseffekt. Bezogen auf den Einzelnen gibt es keine andere menschliche Aktivität, die in so kurzer Zeit so hohe Emissionen verursacht wie die Luftfahrt.
„Der Beitrag der Branche zur Erderwärmung ist mindestens doppelt so groß, wie der des CO2 für sich alleine genommen", sagt Gössling […]. Er schätzt den gesamten Beitrag zum Klimawandel auf mindestens 5 Prozent.
M 4 – Klima-Kollekte. Kirchlicher Kompensationsfonds: Berechnen und kompensieren Sie Ihre unvermeidlichen Emissionen!
Die Klima-Kollekte unterstützt Sie, klimafreundlich zu handeln und so die Schöpfung zu bewahren. Die Klima-Kollekte ist ein CO2-Kompensationsfonds christlicher Kirchen, über den jeder Mensch, jede Organisation und jede Gemeinde unvermeidliche Emissionen aus Strom- und Wärmeenergie, Reisen sowie Papier- und Druckerzeugnissen kompensieren kann. Die Ausgleichszahlungen werden gezielt in Projekte in Ländern des globalen Südens investiert und mindern Armut vor Ort, indem sie Frauen stärken, Gesundheit schützen und Perspektiven ermöglichen – zudem verringern sie den CO2-Ausstoß und schützen so das Klima. Der Ausgleich von CO2-Emissionen geschieht dabei durch Klimaschutzprojekte kirchlicher Organisationen oder ihrer Partner:innen.
M 5 – Rita Gianelli: Verzichten ist effektiver als zahlen (reformiert., 27.09.2019)
Greta Thunberg hat vielen aus der Seele gesprochen mit ihrem Protest gegen die Klimaerwärmung. Tatsächlich hat es auch in den Köpfen vieler Menschen etwas bewirkt. Insbesondere bei den Politikern und Politikerinnen, die sich das Thema – erst recht vor den Wahlen – auf die Fahne geschrieben haben. Auch die Kirchen versuchen mitzuhalten, jetzt mit einem Kompensationsfonds namens Klima-Kollekte.
Gut gemeint, aber im Grunde überlassen wir damit einmal mehr das Handeln den anderen. Statt wirklich zu verzichten, zahlen wir für unsere Klimasünden. […]
Was die Welt braucht, sind keine Ablasszahlungen. Die Effizienz der mit der Klimakollekte finanzierten Projekte darf man in Frage stellen, weil sie oft auf Jahrzehnte angelegt sind. Doch die Zeit ist zu knapp […]. Greta Thunberg hat etwas in Bewegung gebracht. Statt Kompensationsbeiträge zu zahlen, wäre eine gezielte Konsumwahl wirklich effektiv.
M 6 – Gerhard Mester: Karikatur (2009)
M 7 – Eckart Bücken: Gott gab uns Atem, damit wir leben (Evangelisches Gesangbuch, Lied 432)
1. Gott gab uns Atem, damit wir leben. / Er gab uns Augen, dass wir uns sehn. / Gott hat uns diese Erde gegeben, / dass wir auf ihr die Zeit bestehn. / Gott hat uns diese Erde gegeben, / dass wir auf ihr die Zeit bestehn.
2. Gott gab uns Ohren, damit wir hören. / Er gab uns Worte, dass wir verstehn. / Gott will nicht diese Erde zerstören. / Er schuf sie gut, er schuf sie schön. / Gott will nicht diese Erde zerstören. / Er schuf sie gut, er schuf sie schön.
3. Gott gab uns Hände, damit wir handeln. / Er gab uns Füße, dass wir fest stehn. / Gott will mit uns die Erde verwandeln. / Wir können neu ins Leben gehn. / Gott will mit uns die Erde verwandeln. / Wir können neu ins Leben gehn.

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
Gestalten Sie unter Rückgriff auf Ihr Fachwissen diesen Debattenbeitrag...
Lösung: Ein vollständiger Debattenbeitrag entfaltet die Fragestellung situiert (Schülerratssitzung, Votum der SV), stellt die Positionen aus M1 und M2 differenziert dar, setzt sich damit unter Bezug auf Unterrichtswissen auseinander, entfaltet das Verhältnis von Freiheit und Verantwortung aus christlichem Menschenbild, bezieht mindestens zwei weitere Materialien (M3–M7) argumentativ ein und schließt mit einer begründeten, schlüssigen eigenen Stellungnahme (fortführen oder einstellen).
Die ausführliche Erklärung Schritt für Schritt (mit KI) gibt es mit Premium. Premium
Löse sie direkt hier: automatische Korrektur, Hinweise und Lösung Schritt für Schritt.
‹ Aufgabe 1 · GK · Haupttermin 2023 · Aufgabe 1 · LK · Haupttermin 2023 ›