Aufgabe 3 - Alternative Ernährungsformen und nach… · Abitur NRW Ernährungslehre LK · Haupttermin 2023

Thema: Alternative Ernährungsformen und nachhaltige Ernährung · Aus der Prüfung LK · Haupttermin (2023)

Aufgabenstellung

Thema: Planetary Health Diet (PHD) – Konzept und Herausforderung

M 1: Planetary Health Diet

Das Thema gesundheitsfördernde und nachhaltige Ernährung steht seit mehreren Jahren auf der Agenda verschiedener internationaler Institutionen. Eine Kommission, bestehend aus 37 Expertinnen und Experten der Fachbereiche Gesundheit, Landwirtschaft, Politik und Ökologie aus 16 Ländern, hat mit dem EAT-Lancet-Commission-Report den ersten Bericht vorgestellt, der eine universelle Referenzernährung – die „Planetary Health Diet“ – unter Angabe von Lebensmittelmengen benennt. Mit dieser sollen eine zukünftige Weltbevölkerung von 10 Milliarden Menschen im Jahr 2050 innerhalb der ökologischen Belastungsgrenzen der Erde (planetare Grenzen) versorgt sowie weltweit etwa 11 Millionen vorzeitige Todesfälle pro Jahr verhindert werden.

Folgende Indikatoren wurden zur ökologischen Einschätzung zugrunde gelegt:

Treibhausgasemissionen

Landnutzung

Frischwassernutzung

Phosphor- und Nitrateintrag

Biodiversität

Die Festlegung der globalen Referenzernährung wurde aus Literaturrecherchen abgeleitet. Es werden Spannen und feste Werte für die Verzehrempfehlungen angegeben, um eine flexible, globale Anwendung zu ermöglichen. Die globalen Empfehlungen der PHD in Mengenangaben und Lebensmittelauswahl müssen noch an die Esskulturen der Länder angepasst werden.

Die derzeitige Kritik an diesem Konzept entzündet sich an fehlender Transparenz und Anpassung der getroffenen Ableitungen:

Beispielhafte Berechnungen zeigen, dass sich beim Ausschöpfen der Spannen mit der maximal möglichen Verzehrmenge der jeweiligen Lebensmittelgruppe eine Energiezufuhr von mehr als 3850 kcal/Tag ergibt. Gleichzeitig scheint eine entsprechende Ernährung den Nährstoffbedarf einiger vulnerabler, d. h. aufgrund ihrer Konstitution – z. B. Alter oder Lebenssituation – anfälliger Personengruppen, nicht decken zu können.

Bei der Konkretisierung für die jeweiligen Länder sind neben der Esskultur lokal vorhandene Ressourcen wie Weideflächen, Wasservorräte und Niederschlagsmengen zu berücksichtigen, zumal der Nährstoffgehalt in Lebensmitteln stark von den jeweiligen Umwelt- und Produktionsbedingungen der Länder abhängt.

Unzureichend beachtet sei die Rolle von Nutztieren, z. B. in Bezug auf:

M 2: Vergleich einiger Empfehlungen der Planetary Health Diet mit Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und Ergebnissen der Nationalen Verzehrsstudie zur tatsächlichen Ernährungssituation in Deutschland

M 3: Befragung zur Bereitschaft von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu einem der PHD entsprechenden Ernährungsverhalten

Befragung von 215 Personen zwischen 16 und 29 Jahren mit einem Online-Fragebogen zur Bereitschaft zu Planetary Health Diet bezogenem Ernährungsverhalten (Zielverhalten)

M 4: Miete deinen eigenen Gemüsegarten (Präsentation eines Anbieters)

Bring dein Essen selbst auf den Teller! In einer schnelllebigen Zeit ermöglichen wir dir mit unseren Gemüsegärten zum Mieten ein entschleunigendes Naturerlebnis. Du musst weder Vorkenntnisse noch teures Gerät mitbringen und kannst von Frühjahr bis Herbst im eigenen Mietgarten pures Gartenglück genießen.

Dein eigener Garten: Erfreue dich an der Pflege und Ernte deines eigenen Stücks Land! Dein Garten ist rund um die Uhr geöffnet. Vom Tag der Übergabe im April/Mai bis zum Saisonende Ende Oktober/November bist du für ihn verantwortlich.

Professionelle Vorbereitung: Unsere landwirtschaftlichen Partner und wir übernehmen die Vorbereitung für dich: Düngung, schwere Bodenarbeiten, Austüfteln des Pflanzplans, Aussaat und Bepflanzung – bequemer geht's nicht!

Unterstützung mit Profi-Tipps: Dank Rundum-Service bist du nicht allein: Wir unterstützen dich die gesamte Saison mit all unserem Wissen – über unseren regelmäßigen Gärtnerbrief, in Lernvideos, am Telefon oder per E-Mail.

Über 20 Gemüsesorten: Dein Garten in den Standardgrößen (Kleiner Garten oder Familiengarten) ist mit mindestens 20 verschiedenen Gemüsesorten vorbereitet – im Wunschbeet hast du Platz für eigene Ideen. In den Reihen wachsen Klassiker wie z. B. Möhren, Zwiebeln, Salate, Kohlsorten, Bohnen oder Zucchini.

Wasser und Geräte vor Ort: Im Mietgartenpreis ist die Nutzung von Wasser und einem Standard-Sortiment an Gartengeräten inbegriffen.

M 5: Grundsätze und Dimensionen für eine nachhaltige Ernährung

Bevorzugung

pflanzlicher Lebensmittel

ökologisch erzeugter Lebensmittel

regionaler und saisonaler Erzeugnisse

gering verarbeiteter Lebensmittel

fair gehandelter Lebensmittel

von ressourcenschonendem Haushalten

genussvoller und bekömmlicher Speisen

1.

Fassen Sie zusammen, welche Ziele mit der Planetary Health Diet verfolgt werden (M 1). Charakterisieren Sie hinsichtlich der Lebensmittelauswahl das Konzept der Planetary Health Diet im Vergleich zur vollwertigen Ernährung nach den Empfehlungen der DGE (M 2) und erläutern Sie die Kritik, die an der Planetary Health Diet geäußert wird (M 1). [18 Punkte]

2.

Prüfen Sie, in welchem Maße die tatsächliche Ernährung in Deutschland den Vorgaben der Planetary Health Diet entspricht (M 2 und M 3), und leiten Sie daraus vier Maßnahmen ab, mit denen sich die Ernährungsweise in Deutschland verändern ließe. [24 Punkte]

3.

Stellen Sie das Konzept „Mietgarten“ mithilfe von M 4 dar, bewerten Sie es unter Bezug auf die Grundsätze und Dimensionen nachhaltiger Ernährung (M 5) und beurteilen Sie, welchen Beitrag es zur Umsetzung der Planetary Health Diet leisten kann. [14 Punkte]

4.

Erörtern Sie unter Einbeziehung des gesamten Materials, inwiefern sich die Planetary Health Diet dafür eignet, sowohl die Ernährungssituation des Einzelnen als auch die weltweite Ernährungslage zu verbessern. [10 Punkte]

Aufgabenstellung: Aufgabe 3 - Alternative Ernährungsformen und nach… · Abitur NRW Ernährungslehre LK · Haupttermin 2023

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

1. Fassen Sie zusammen, welche Ziele mit der Planetary Health Diet verfolgt werden (M 1). Charakterisieren Sie hinsichtlich der Lebensmittelauswahl das Konzept der Planetary Health Diet im Vergleich zur vollwertigen Ernährung nach den Empfehlungen der DGE (M 2) und erläutern Sie die Kritik, die an der Planetary Health Diet geäußert wird (M 1).

Lösung: Ausführliche Darstellung der Ziele der PHD (globale Referenzernährung, Versorgung von 10 Mrd. Menschen innerhalb planetarer Grenzen, Vermeidung von 11 Mio. vorzeitigen Todesfällen), Charakterisierung im Vergleich zur DGE-Vollwertkost sowie Erläuterung der Kritikpunkte (hohe Kalorien bei Maxima, vulnerable Gruppen, unzureichende Berücksichtigung von regionalen Gegebenheiten und Nutztieren).

2. Prüfen Sie, in welchem Maße die tatsächliche Ernährung in Deutschland den Vorgaben der Planetary Health Diet entspricht (M 2 und M 3), und leiten Sie daraus vier Maßnahmen ab, mit denen sich die Ernährungsweise in Deutschland verändern ließe.

Lösung: Gegenüberstellung der Verzehrsdaten (NVS II) mit den PHD-Empfehlungen, Auswertung der Befragung zu Bereitschaft und Barrieren (M 3) sowie Ableitung von vier fundierten Maßnahmen zur Veränderung der Ernährungsweise.

3. Stellen Sie das Konzept „Mietgarten“ mithilfe von M 4 dar, bewerten Sie es unter Bezug auf die Grundsätze und Dimensionen nachhaltiger Ernährung (M 5) und beurteilen Sie, welchen Beitrag es zur Umsetzung der Planetary Health Diet leisten kann.

Lösung: Darstellung des Mietgarten-Konzepts (M 4), differenzierte Bewertung anhand der 7 Grundsätze und der Dimensionen (Gesundheit, Umwelt, Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft) sowie Beurteilung des individuellen vs. globalen Beitrags zur PHD.

4. Erörtern Sie unter Einbeziehung des gesamten Materials, inwiefern sich die Planetary Health Diet dafür eignet, sowohl die Ernährungssituation des Einzelnen als auch die weltweite Ernährungslage zu verbessern.

Lösung: Ausgewogene Erörterung der Eignung der PHD auf individueller und globaler Ebene unter Einbezug von ökologischen Notwendigkeiten, gesundheitlichen Chancen, kulturellen Anpassungen und Verbraucherakzeptanz.

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