Aufgabe · Abitur NRW Deutsch LK · Nietzsche/Rilke 2022
Thema: Interpretation lyrischer Texte · Aus der Prüfung LK · Nietzsche/Rilke (2022)
Aufgabenstellung
1 Aufgabe
Aufgabenstellung
1.
Interpretieren Sie das Gedicht „Vereinsamt“ von Friedrich Nietzsche. ca. 60 %
2.
Vergleichen Sie die Gestaltung des Motivs der Einsamkeit in den Gedichten „Vereinsamt“ von Friedrich Nietzsche und „Einsamkeit“ von Rainer Maria Rilke. Berücksichtigen Sie dabei sowohl inhaltliche als auch sprachliche und formale Aspekte. ca. 40 %
Material
Friedrich Nietzsche (1844 – 1900): Vereinsamt (1884)
Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein –
Wohl dem, der jetzt noch – Heimat hat!
5 Nun stehst du starr,
Schaust rückwärts, ach! wie lange schon!
Was bist du Narr
Vor Winters in die Welt – entflohn?
Die Welt ein Tor
10 Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends halt.
Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Wanderschaft verflucht,
15 Dem Rauche gleich,
Der stets nach kältern Himmeln sucht.
Flieg, Vogel, schnarr
Dein Lied im Wüsten-Vogel-Ton! –
Versteck, du Narr,
20 Dein blutend Herz in Eis und Hohn!
Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein –
Weh dem, der keine Heimat hat!
Das Magazin für Litteratur, 63. Jg. (1894), Nr. 45, Sp. 1481.
Rechtschreibung und Zeichensetzung entsprechen der Textquelle.
Rainer Maria Rilke (1875 – 1926): Einsamkeit (1902)
Die Einsamkeit ist wie ein Regen.
Sie steigt vom Meer den Abenden entgegen;
von Ebenen, die fern sind und entlegen,
geht sie zum Himmel, der sie immer hat.
5 Und erst vom Himmel fällt sie auf die Stadt.
Regnet hernieder in den Zwitterstunden,
wenn sich nach Morgen wenden alle Gassen
und wenn die Leiber, welche nichts gefunden,
enttäuscht und traurig von einander lassen;
10 und wenn die Menschen, die einander hassen,
in einem Bett zusammen schlafen müssen:
dann geht die Einsamkeit mit den Flüssen...
Rilke, Rainer Maria: Werke. Kommentierte Ausgabe in vier Bänden. Bd. 1: Gedichte 1895 bis 1910. Hg. von Manfred Engel, Ulrich Fülleborn u. a. Frankfurt a. M. und Leipzig: Insel Verlag 1996, S. 280 f.
Rechtschreibung und Zeichensetzung entsprechen der Textquelle.

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
1. Interpretieren Sie das Gedicht „Vereinsamt“ von Friedrich Nietzsche.
Lösung: Individuelle, textnahe und kriteriengeleitete Gedichtinterpretation gemäß Erwartungshorizont.
2. Vergleichen Sie die Gestaltung des Motivs der Einsamkeit in den Gedichten „Vereinsamt“ von Friedrich Nietzsche und „Einsamkeit“ von Rainer Maria Rilke.
Lösung: Individueller, strukturierter und aspektorientierter Gedichtvergleich gemäß Erwartungshorizont.
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