Aufgabe - Stoffklassen, Bindung und Struktur-Eige… · Abitur NRW Chemie GK · Methansäure – eine typische Alkansä 2026
Thema: Stoffklassen, Bindung und Struktur-Eigenschafts-Beziehungen · Aus der Prüfung GK · Methansäure – eine typische Alkansäure? (2026)
Aufgabenstellung
Methansäure – eine typische Alkansäure?
Methansäure besteht aus einfach gebauten Molekülen und bildet das erste Glied in der homologen Reihe der Alkansäuren. Stoffe einer homologen Reihe ähneln sich in ihren Eigenschaften aufgrund gemeinsamer Strukturmerkmale in den Molekülen.
Material 1: Strukturformeln und Reaktionsverhalten ausgewählter Alkansäuren [1], [2]
Die ersten drei Vertreter der homologen Reihe der Alkansäuren haben folgende Molekülstrukturen.
Die Moleküle der drei Säuren reagieren mit Wasser-Molekülen in ähnlicher Weise.
Im Gegensatz zu anderen Alkansäuren ist Methansäure leicht zu Kohlenstoffdioxid und Wasser zu oxidieren.
Material 2: Experimentelle Untersuchung des Reaktionsverhaltens von Alkansäuren [3]
Geräte:
3 Reagenzgläser
3–5 Tropfpipetten
4 Messzylinder (10 mL)
Wasserbad ()
Chemikalien:
Silber(I)-nitrat-Lösung ()
Ammoniak-Lösung ()
Methansäure-Lösung ()
Ethansäure-Lösung ()
Propansäure-Lösung ()
Durchführung:
In ein Reagenzglas werden 5 mL Silber(I)-nitrat-Lösung gegeben. In diese Lösung wird vorsichtig so viel Ammoniak-Lösung tropfenweise hinzugefügt, bis sich der entstehende Niederschlag gerade wieder auflöst. Danach werden 3 mL Methansäure-Lösung hinzugegeben und es wird vorsichtig geschüttelt. Anschließend stellt man das Reagenzglas in ein Wasserbad. Der Versuch wird mit Ethansäure- und Propansäure-Lösung wiederholt.
Material 3: Die Tollensprobe [4]
Ein Versuch wie in Material 2 wurde erstmals 1881 durch den Chemiker Bernhard Tollens beschrieben und wird daher auch als Tollensprobe bezeichnet. Die Tollensprobe ist ein Nachweis für reduzierend wirkende funktionelle Gruppen. Dabei gehen auch Hydroxid-Ionen in die Reaktion ein. Das dafür notwendige basische Milieu wird durch Hinzufügen von Ammoniak-Lösung hergestellt.
Der Nachweis gilt als positiv, wenn sich durch Bildung von feinverteiltem Silber die Lösung dunkel verfärbt oder sich an der Innenwand des Reaktionsgefäßes Silber abscheidet, was zur Bildung eines spiegelnden Belages führt.
1 Begründung, EPA-Modell und Bindungswinkel
1.1
Begründen Sie auf der Teilchenebene die Zugehörigkeit von Methansäure, Ethansäure und Propansäure zur homologen Reihe der Alkansäuren (M 1).
1.2
Beschreiben Sie die Grundannahme des EPA-Modells zur Erklärung der räumlichen Gestalt von Molekülen.
1.3
Erklären Sie die von 120° abweichenden Bindungswinkel am Kohlenstoff-Atom eines Methansäure-Moleküls mithilfe des EPA-Modells (M 1).
3 Experimentelle Untersuchung und Tollensprobe
Führen Sie das in Material 2 beschriebene Experiment durch.
3.1
Geben Sie Ihre Beobachtungen an.
3.2
Deuten Sie diese hinsichtlich einer positiven bzw. negativen Tollensprobe.
3.3
Formulieren Sie für eine positive Tollensprobe die entsprechende Reaktionsgleichung.
3.4
Begründen Sie, dass es sich dabei um eine Redoxreaktion handelt (M 3).
4 Diskussion der Behauptung
4
Diskutieren Sie die Behauptung, Methansäure sei keine typische Alkansäure, anhand von jeweils einem Pro- und einem Contra-Argument (M 1 – M 3).

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
Begründen Sie auf der Teilchenebene die Zugehörigkeit von Methansäure, Ethansäure und Propansäure zur homologen Reihe der Alkansäuren (M 1).
Lösung: Alle drei Moleküle enthalten das typische Strukturmerkmal der Alkansäure-Moleküle, die Carboxygruppe. In der Abfolge Methan-, Ethan-, Propansäure verlängert sich der Alkylrest jeweils durch eine CH2-Gruppe.
Beschreiben Sie die Grundannahme des EPA-Modells zur Erklärung der räumlichen Gestalt von Molekülen.
Lösung: Alle Elektronenpaare der Valenzschale nehmen durch Abstoßungskräfte untereinander den größtmöglichen Abstand im Raum ein.
Erklären Sie die von 120° abweichenden Bindungswinkel am Kohlenstoff-Atom eines Methansäure-Moleküls mithilfe des EPA-Modells (M 1).
Lösung: Doppelbindungen und freie Elektronenpaare benötigen mehr Raum, daher sind die Bindungswinkel H–C=O und O=C–O größer als 120°. Aus dem höheren Raumbedarf der C,O-Doppelbindung resultiert ein kleinerer (gestauchter) Bindungswinkel H–C–O von 111°.
Geben Sie Ihre Beobachtungen an.
Lösung: In der Lösung mit Methansäure bildet sich innerhalb kurzer Zeit ein feinverteilter dunkler Niederschlag (bzw. ein Silberspiegel), in den Lösungen mit Ethan- und Propansäure ist keine Veränderung festzustellen.
Deuten Sie diese hinsichtlich einer positiven bzw. negativen Tollensprobe.
Lösung: Die Tollensprobe fällt mit Methansäure positiv aus, mit Ethan- und Propansäure dagegen negativ.
Formulieren Sie für eine positive Tollensprobe die entsprechende Reaktionsgleichung.
Lösung:
Begründen Sie, dass es sich dabei um eine Redoxreaktion handelt (M 3).
Lösung: Eine Redoxreaktion ist eine Elektronenübertragungsreaktion. Es findet ein Elektronenübergang von Methansäure-Molekülen zu Silber(I)-Ionen statt (Oxidation von Methansäure, Reduktion der Silber-Ionen zu elementarem Silber).
Diskutieren Sie die Behauptung, Methansäure sei keine typische Alkansäure, anhand von jeweils einem Pro- und einem Contra-Argument (M 1 – M 3).
Lösung: Pro-Argument: Methansäure-Moleküle enthalten im Gegensatz zu anderen Alkansäure-Molekülen formal gesehen auch eine Aldehydgruppe, dadurch besitzt Methansäure als einzige Alkansäure reduzierende Eigenschaften (positive Tollensprobe). Contra-Argument: Methansäure-Moleküle enthalten wie andere Alkansäure-Moleküle eine Carboxygruppe, dadurch reagiert sie in für Alkansäuren typischer Weise (z. B. Protolyse mit Wasser unter Bildung von Oxonium-Ionen). Fazit: Methansäure ist strukturell und bezüglich typischer Säurereaktionen eine Alkansäure, nimmt jedoch aufgrund ihrer reduzierenden Wirkung eine Sonderstellung ein.
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