Aufgabe 2 - Säure-Base-Reaktionen und pH-Wert · Abitur NRW Chemie GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2021

Thema: Säure-Base-Reaktionen und pH-Wert · Aus der Prüfung GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg (2021)

Aufgabenstellung

Fachspezifische Vorgaben:

Obwohl von Blausäure (Cyanwasserstoff, HCN\text{HCN}) eine erhebliche Gefahr ausgeht, dient sie als bedeutender Ausgangsstoff der organischen Chemie. In reinem Zustand ist Blausäure eine wasserklare, sehr flüchtige Flüssigkeit. Ihre Dämpfe riechen nach Bittermandeln. Blausäure ist giftig, die Aufnahme von Blausäure kann schon bei kleinen Mengen tödlich sein. Salze der Blausäure heißen Cyanide.

Herstellung

Damit beim Transport von Blausäure keine Gefahr entsteht, stellt man sie in der Regel direkt dort her, wo sie weiterverwendet wird:

Hierbei kommt neben anderen Verfahren das Andrussow-Verfahren zum Einsatz, bei dem ein Gemisch aus Ammoniak (NH3\text{NH}_3), Methan (CH4\text{CH}_4) und Sauerstoff aus der Luft bei rund 1200 ∘C1200\text{ }^\circ\text{C} unter Verwendung eines Platinnetzes als Katalysator umgesetzt wird. Bei diesem Verfahren entstehen die gewünschte Blausäure und Wasser.

Eine weitere Möglichkeit ist, die Blausäure in situ (also direkt im Reaktor) herzustellen. Hierzu lässt man Ammoniumchlorid (NH4Cl\text{NH}_4\text{Cl}) und Natriumcyanid (NaCN\text{NaCN}) miteinander reagieren, es entstehen Blausäure, Ammoniak und Natriumchlorid.

Bestimmung der Massenkonzentration

Wegen der starken Giftigkeit von Blausäure muss man ihren Gehalt überall dort bestimmen, wo sie vorkommen kann. Schon Cyanid-Ionen-Konzentrationen ab 1 mg/L1\text{ mg/L} gelten für Fische als kritisch.

Zur Untersuchung eines Abwassers auf seinen Blausäuregehalt wurde eine 50 mL50\text{ mL} Probe entnommen und mit Natronlauge, c(NaOH)=0,01 mol/Lc(\text{NaOH}) = 0{,}01\text{ mol/L} titriert. Der Äquivalenzpunkt der Titration lag im alkalischen Bereich und man erhielt einen Verbrauch von V(NaOH)=9,8 mLV(\text{NaOH}) = 9{,}8\text{ mL}.

Entsorgung

Lösungen, die Cyanid-Ionen enthalten, dürfen auf keinen Fall mit Säuren in Berührung kommen. Zur Entsorgung Cyanid-Ionen-haltiger Lösungen werden diese auf pH=11\text{pH} = 11 eingestellt und mit Kupfersulfat als Katalysator versetzt. Danach tropft man unter dem Abzug 30-prozentige Wasserstoffperoxid-Lösung (H2O2\text{H}_2\text{O}_2) hinzu und lässt diese Lösung mindestens zwei Stunden stehen. Cyanid-Ionen werden dabei zu Cyanat-Ionen (OCN−\text{OCN}^-) oxidiert. Diese hydrolysieren dann langsam zu Ammoniak-Molekülen und Hydrogencarbonat-Ionen (HCO3−\text{HCO}_3^-).

Zusatzinformationen:

Blausäure (HCN\text{HCN}): · pKS-Wert: 9,40\text{p}K_\text{S}\text{-Wert: } 9{,}40 · M(HCN)=27,03 g/molM(\text{HCN}) = 27{,}03\text{ g/mol}

Kohlensäure (H2CO3\text{H}_2\text{CO}_3): · pKS-Wert: 6,36 (erste Protolysestufe)\text{p}K_\text{S}\text{-Wert: } 6{,}36\text{ (erste Protolysestufe)}

Ammonium-Ionen (NH4+\text{NH}_4^+): · pKS-Wert: 9,25\text{p}K_\text{S}\text{-Wert: } 9{,}25

Elektronegativitäten (Pauling):

EN(C)=2,55\text{EN}(\text{C}) = 2{,}55

EN(N)=3,04\text{EN}(\text{N}) = 3{,}04

EN(H)=2,2\text{EN}(\text{H}) = 2{,}2

Massenkonzentration:

β(Stoff)=m(Stoff)V\beta(\text{Stoff}) = \frac{m(\text{Stoff})}{V}

Aufgabenstellung (Teilaufgaben 2 und 3)

2.

Geben Sie für die großtechnische Gewinnung von Blausäure bei etwa 1200 °C aus Ammoniak, Methan und Sauerstoff die Reaktionsgleichung an. Untersuchen Sie mithilfe dieser Gleichung und der Oxidationszahlen, ob diese Synthese eine Redoxreaktion darstellt. Begründen Sie anhand einer Reaktionsgleichung, dass die in-situ-Erzeugung von Blausäure eine Säure-Base-Reaktion ist. [20 Punkte]

3.

Erläutern Sie anhand einer Reaktionsgleichung, dass bereits Kohlensäure genügt, um aus Lösungen mit Cyanid-Ionen Blausäure freizusetzen. Erläutern Sie ferner, wie Lösungen mit Cyanid-Ionen mithilfe von Wasserstoffperoxid entsorgt werden, auch unter Verwendung von Reaktionsgleichungen. [16 Punkte]

Aufgabenstellung: Aufgabe 2 - Säure-Base-Reaktionen und pH-Wert · Abitur NRW Chemie GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2021

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

2.1) Reaktionsgleichung für die großtechnische Gewinnung von Blausäure bei etwa 1200 °C aus Ammoniak, Methan und Sauerstoff

Lösung: 2 CH4+2 NH3+3 O2→2 HCN+6 H2O2\,\text{CH}_4 + 2\,\text{NH}_3 + 3\,\text{O}_2 \rightarrow 2\,\text{HCN} + 6\,\text{H}_2\text{O}

2.2) Untersuchung mithilfe der Reaktionsgleichung und der Oxidationszahlen, ob die Synthese eine Redoxreaktion darstellt

Lösung: Die an der Reaktion beteiligten Kohlenstoff-Atome der Methanmoleküle werden oxidiert, die Oxidationszahl steigt jeweils von -IV auf +II. Die Sauerstoff-Atome der beteiligten Sauerstoffmoleküle werden reduziert, die Oxidationszahl sinkt jeweils von 0 auf -II. Insgesamt liegt somit bei der industriellen Herstellung der Blausäure eine Redoxreaktion vor.

2.3a) Reaktionsgleichung der in-situ-Erzeugung von Blausäure

Lösung: NH4Cl+NaCN⇌NH3+HCN+NaCl\text{NH}_4\text{Cl} + \text{NaCN} \rightleftharpoons \text{NH}_3 + \text{HCN} + \text{NaCl} / NH4++CN−⇌NH3+HCN\text{NH}_4^+ + \text{CN}^- \rightleftharpoons \text{NH}_3 + \text{HCN}

2.3b) Begründung, dass die in-situ-Erzeugung eine Säure-Base-Reaktion ist

Lösung: Das Ammonium-Ion ist hierbei die Säure, die mit der Base Ammoniak (NH3\text{NH}_3) korrespondiert. Beim Cyanid-Ion handelt es sich demnach um die Base, die mit der Säure HCN\text{HCN} korrespondiert.

3.1a) Erläuterung, dass bereits Kohlensäure genügt, um aus Lösungen mit Cyanid-Ionen Blausäure freizusetzen

Lösung: Der Vergleich der pKSpK_S-Werte ergibt, dass Blausäure (pKS=9,40pK_S = 9{,}40) eine schwächere Säure als Kohlensäure (pKS=6,36pK_S = 6{,}36) ist. Bei der Reaktion des Salzes einer schwachen Säure mit einer stärkeren Säure entstehen die schwächere Säure und das Salz der stärkeren Säure (das chemische Gleichgewicht liegt weitgehend auf der rechten Seite).

3.1b) Reaktionsgleichung für die Freisetzung von Blausäure durch Kohlensäure

Lösung: CN−+H2CO3⇌HCN+HCO3−\text{CN}^- + \text{H}_2\text{CO}_3 \rightleftharpoons \text{HCN} + \text{HCO}_3^-

3.2) Erläuterung der Entsorgung von Lösungen mit Cyanid-Ionen mithilfe von Wasserstoffperoxid, auch unter Verwendung von Reaktionsgleichungen

Lösung: Bei der Reaktion von Cyanid-Ionen mit Wasserstoffperoxid entstehen weniger gefährliche Stoffe: CN−+H2O2→OCN−+H2O\text{CN}^- + \text{H}_2\text{O}_2 \rightarrow \text{OCN}^- + \text{H}_2\text{O} OCN−+2 H2O→NH3+HCO3−\text{OCN}^- + 2\,\text{H}_2\text{O} \rightarrow \text{NH}_3 + \text{HCO}_3^-

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