Aufgabe 3 · Abitur NRW Chemie GK · Nickel als Hoffnungsträger für die 2026

Thema: Redoxreaktionen und galvanische Zellen · Aus der Prüfung GK · Nickel als Hoffnungsträger für die Energiewende (2026)

Aufgabenstellung

2 Material

Material 1: Galvanische Zellen im Laborexperiment

In nebenstehender Abbildung ist ein möglicher Versuchsaufbau zur Messung der Zellspannung dreier galvanischer Zellen (Primärelemente) skizziert. Verwendet wird eine in drei separate Kammern geteilte Petrischale, wobei jede Kammer mit der angegebenen Metallsalz-Lösung (c=1 molLc = 1\,\mathrm{\frac{mol}{L}}) befüllt ist.

In die Metallsalz-Lösung taucht das zugehörige Metallblech. Ein Spannungsmessgerät wird über Klemmen und Kabelverbindungen an die zu verschaltenden Halbzellen angeschlossen. Ebenfalls variabel wird ein mit Kaliumnitrat-Lösung getränkter Faden als Salzbrücke zwischen die gewählten Halbzellen eingesetzt.

Es herrschen die folgenden Messbedingungen: T=298,15 KT = 298{,}15\,\mathrm{K} und p=101,325 kPap = 101{,}325\,\mathrm{kPa}.

Material 2: Nickel-Natriumchlorid-Zelle [1], [2]

Die Nickel-Natriumchlorid-Zelle (siehe Abb. 2) ist ein Akkumulator (Sekundärelement) auf Basis der Redoxpaare Ni2+∣Ni\mathrm{Ni^{2+} \mid Ni} und Na+∣Na\mathrm{Na^+ \mid Na}. Der Grundaufbau dieser Zelle ist schon länger bekannt. Eine innovative Neuentwicklung ist mit einem Festelektrolyten aus poröser Keramik gelungen. Der Festelektrolyt zeigt die Besonderheit, nur für Natrium-Ionen durchlässig zu sein, dies allerdings erst bei einer Temperatur um 300 ∘C300\,\mathrm{^\circ C}. Die Zelle wird daher bei dieser Temperatur betrieben und ist eine sogenannte Hochtemperatur-Zelle. Man gab ihr den Namen CERENERGY® (abgeleitet von engl. ceramics und energy).

Der Elektrolyt liegt bei der Betriebstemperatur als Feststoff vor (Festelektrolyt). Er fungiert zugleich als Trennphase für die beiden Elektrodenbereiche der Zelle: die in Natriumchlorid-Salzschmelze eingebetteten Nickel-Partikel und das geschmolzene Natrium. Mittig in der Salzschmelze ist ein Nickel-Stab. Das Natrium steht in direktem Kontakt zum Edelstahl-Gehäuse der Zelle. Über den Nickel-Stab und den Anschluss am Edelstahl-Gehäuse erfolgt das Laden und Entladen. (Anmerkung: Dem Natriumchlorid ist ein zusätzlicher Stoff beigesetzt, der ermöglicht, dass bei 300 ∘C300\,\mathrm{^\circ C} alles Salz geschmolzen vorliegt.)

Der Festelektrolyt weist auch nach vielen Ladezyklen keine Veränderungen auf, die Zelle ist laut Herstellerangabe wartungsfrei und kann am Ende ihrer 15-jährigen Laufzeit dem Recyclingprozess von Nickel zugeführt werden. Allerdings muss sie zwingend vor Stoß, Reibung und eindringendem Wasser bewahrt werden. Es kommt zur Explosionsgefahr infolge der Reaktion des Natriums mit Wasser. Dabei entsteht u. a. Wasserstoff. Ist die Zelle jedoch auf Zimmertemperatur (20 ∘C20\,\mathrm{^\circ C}) abgekühlt, soll sie sicherheitstechnisch unbedenklich sein.

Material 3: CERENERGY® am Kraftwerk „Schwarze Pumpe“ [3]

Der Einsatz der Nickel-Natriumchlorid-Zelle ist nicht auf den Bereich der Elektromobilität ausgerichtet, sondern für stationäre Energiespeicher. Dazu werden 240 Zellen zu einem CERENERGY®-Batteriemodul kombiniert. Die Zusammenschaltung vieler derartiger Module nennt man Speicherkraftwerk.

Ein Prototyp eines solchen Speicherkraftwerks entsteht zurzeit auf dem Kraftwerksgelände des Braunkohlekraftwerks „Schwarze Pumpe“ in Brandenburg. Bislang wurde hier Kohlenstoff (Kohle) einhergehend mit enormen Emissionen an Kohlenstoffdioxid verbrannt und die dabei freigesetzte Wärme über Wasserdampf und Turbinentechnik in elektrische Energie umgewandelt. Zukünftig soll die Verbrennung von Kohle heruntergefahren und die Energieversorgung u. a. auf Windenergie umgestellt werden, wobei Batteriemodule als Zwischenspeicher für sogenannte „Stromspitzen“ dienen. Die CERENERGY®-Anlage ist für eine Energiemenge von 100 Megawatt-Stunden pro Jahr konzipiert (100 MWh=3,6⋅108 kJ100\,\mathrm{MWh} = 3{,}6\cdot 10^8\,\mathrm{kJ}).

Material 4: Größen zur Berechnung [4]

Bei der Bildung von einem Mol Kohlenstoffdioxid (M(CO2)=44,0 gmolM(\mathrm{CO_2}) = 44{,}0\,\mathrm{\frac{g}{mol}}) aus den Elementen tritt eine Änderung der Enthalpie von ΔH=−393,510 kJ\Delta H = -393{,}510\,\mathrm{kJ} auf (T=298,15 KT = 298{,}15\,\mathrm{K} und p=101,325 kPap = 101{,}325\,\mathrm{kPa}).

3 Begründen Sie die Notwendigkeit, dass beim Betrieb der Nickel-Natriumchlorid-Zelle mit geschmolzenem statt mit festem Natriumchlorid gearbeitet wird (M 2).

Beschreiben Sie den Einfluss des Ladezustandes auf den in der Nickel-Natriumchlorid-Zelle enthaltenen Gefahrstoff Natrium (M 2).

Beurteilen Sie anhand von zwei Aspekten, ob die Nickel-Natriumchlorid-Zelle als unbedenklich gilt, sofern sie auf Zimmertemperatur abgekühlt ist (M 2).

a)

b)

c)

Aufgabenstellung: Aufgabe 3 · Abitur NRW Chemie GK · Nickel als Hoffnungsträger für die 2026

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

Begründen Sie die Notwendigkeit, dass beim Betrieb der Nickel-Natriumchlorid-Zelle mit geschmolzenem statt mit festem Natriumchlorid gearbeitet wird (M 2).

Lösung: • Die Wanderung der Natrium-Ionen ist Voraussetzung für den inneren Ladungsausgleich in der Zelle. • Im festen Zustand bildet Natriumchlorid ein Ionengitter, in dem die Natrium-Ionen ortsfest und nicht frei beweglich sind. • Erst in der Salzschmelze ist die Beweglichkeit der Natrium-Ionen gewährleistet.

Beschreiben Sie den Einfluss des Ladezustandes auf den in der Nickel-Natriumchlorid-Zelle enthaltenen Gefahrstoff Natrium (M 2).

Lösung: • Der Vorrat an elementarem Natrium sinkt während des Entladens und wird beim Laden regeneriert. • Im entladenen Zustand ist die Zelle nahezu natriumfrei (nur noch ein Restbestand vorhanden).

Beurteilen Sie anhand von zwei Aspekten, ob die Nickel-Natriumchlorid-Zelle als unbedenklich gilt, sofern sie auf Zimmertemperatur abgekühlt ist (M 2).

Lösung: • Aspekt 1 (Funktionsfähigkeit/Stromfluss): Bei Zimmertemperatur ist die Zelle außer Betrieb, da die Ionenleitfähigkeit des Festelektrolyten sowie der Schmelze nicht gegeben ist; es fließt kein Strom, wodurch das elektrische Gefährdungspotenzial gering ist. • Aspekt 2 (Reaktivität/Explosionsgefahr): Natrium als Gefahrstoff ist selbst im entladenen und abgekühlten Zustand (im Überschuss) vorhanden. Bei einer mechanischen Beschädigung der Zelle und Eindringen von Wasser besteht weiterhin Explosionsgefahr infolge der Bildung von Wasserstoff. • Sachurteil: Das Gefährdungspotenzial ist bei Zimmertemperatur und im entladenen Zustand zwar gering, die Zelle ist jedoch nicht völlig unbedenklich.

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