Aufgabe 3 · Abitur NRW Chemie LK · Elektrolytische Herstellung von Rei 2026

Thema: Redoxreaktionen und galvanische Zellen · Aus der Prüfung LK · Elektrolytische Herstellung von Reinstsilber (2026)

Aufgabenstellung

2 Material

Material 1: Elektrolyse einer verdünnten Lösung von Silber(I)-nitrat [1]

Eine neutrale wässrige Lösung von Silber(I)-nitrat (AgNO3\text{AgNO}_3) kann mithilfe von Inert-Elektroden, die nur als Leiter für den elektrischen Strom dienen und an den eigentlichen Reaktionen nicht beteiligt sind, elektrolysiert werden (Abb. 1). Die Nitrat-Ionen sind an den dargestellten Vorgängen ebenfalls nicht beteiligt.

Material 2: Elektrolytische Raffination von Silber nach dem Moebius-Verfahren [2], [3]

Anfang der 1880er Jahre entwickelte Bernhard Moebius ein Verfahren zur Herstellung von hochreinem Silber (Reinstsilber, bis zu 99,99 % Silbergehalt). In Europa wird Reinstsilber noch heute vorwiegend nach diesem Verfahren hergestellt.

Ausgehend von in der Natur vorkommenden Silbererzen wird über verschiedene Prozesse metallisches Rohsilber hergestellt. Dieses Rohsilber ist aber noch durch geringe Anteile (bis zu 5 %) anderer Metalle, wie z. B. Kupfer, Palladium oder Gold, als Legierungsbestandteile verunreinigt.

Zur Herstellung von Reinstsilber wird das beschriebene Rohsilber mittels Elektrolyse gereinigt (in Abbildung 2 dargestellt). Im Verlauf dieser Elektrolyse wird die Silber(I)-nitrat-Lösung durch entstehende Metall-Ionen verunreinigt. Zusätzlich sind Ablagerungen von Feststoffen (Anodenschlamm) am Boden zu beobachten.

Bei den vorherrschenden Reaktionsbedingungen gilt für die elektrochemischen Potenziale der konjugierten Redoxpaare:

E(Au3+∣Au)>E(Ag+∣Ag)≈E(Pd2+∣Pd)>E(Cu2+∣Cu)E(\text{Au}^{3+} \mid \text{Au}) > E(\text{Ag}^+ \mid \text{Ag}) \approx E(\text{Pd}^{2+} \mid \text{Pd}) > E(\text{Cu}^{2+} \mid \text{Cu})

Untersuchungen des so gewonnenen Reinstsilbers zeigen, dass es geringe Anteile an Palladium enthält. Eine mögliche Ursache dafür ist die Entstehung von Palladium an der Edelstahlelektrode.

In der Theorie werden zur Vermeidung dieser Verunreinigung u. a. folgende zwei Maßnahmen diskutiert:

Maßnahme 1:

Erhöhung der Silber(I)-Ionen-Konzentration in der Elektrolyt-Lösung

Maßnahme 2:

Zugabe eines Stoffes, damit ein Großteil der in der Elektrolyt-Lösung enthaltenen Palladium(II)-Ionen durch eine Fällungsreaktion der Elektrolyt-Lösung entzogen werden.

Material 3: Grundlage der historischen Definition der Einheit „Ampere“ [4]

Grundlage der historischen Definition der Einheit „ein Ampere“ war die Masse des aus einer wässrigen Silber(I)-nitrat-Lösung mittels Elektrolyse in einer Sekunde abgeschiedenen Silbers.

3.1

Erklären Sie mithilfe des Prinzips von Le Chatelier die Veränderung des elektrochemischen Potenzials E(Ag+∣Ag)E(\mathrm{Ag}^+|\mathrm{Ag}) durch die Maßnahme 1 (M 2).

3.2

Erklären Sie unter Einbeziehung der Nernst-Gleichung die Veränderung des elektrochemischen Potenzials E(Pd2+∣Pd)E(\mathrm{Pd}^{2+}|\mathrm{Pd}) durch die Maßnahme 2 (M 2).

3.3

Beurteilen Sie beide theoretischen Maßnahmen unter dem Aspekt der Vermeidung der Palladium-Entstehung an der Kathode (M 2).

Hinweis: Betrachten Sie dabei ausschließlich die Vorgänge an der Kathode.

Ihre Argumentation wurde erfasst. Vergleichen Sie Ihre Antworten mit den offiziellen Lösungsschritten.

Aufgabenstellung: Aufgabe 3 · Abitur NRW Chemie LK · Elektrolytische Herstellung von Rei 2026

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

Erklären Sie mithilfe des Prinzips von Le Chatelier die Veränderung des elektrochemischen Potenzials E(Ag+|Ag) durch die Maßnahme 1 (M 2).

Lösung: Durch die Erhöhung von c(Ag+)c(\mathrm{Ag}^+) wird das Gleichgewicht Ag++e−⇌Ag\mathrm{Ag}^+ + \mathrm{e}^- \rightleftharpoons \mathrm{Ag} gestört. Gemäß dem Prinzip von Le Chatelier weicht das System dem Zwang aus, indem die Hinreaktion (Reduktion zu Ag) verstärkt abläuft. Dadurch steigt das elektrochemische Potenzial E(Ag+∣Ag)E(\mathrm{Ag}^+|\mathrm{Ag}).

Erklären Sie unter Einbeziehung der Nernst-Gleichung die Veränderung des elektrochemischen Potenzials E(Pd2+|Pd) durch die Maßnahme 2 (M 2).

Lösung: Durch die Fällungsreaktion sinkt die Konzentration c(Pd2+)c(\mathrm{Pd}^{2+}). Nach der Nernst-Gleichung: E(Pd2+∣Pd)=E∘(Pd2+∣Pd)+0,059 Vz⋅lg⁡(c(Pd2+)c∘)E(\mathrm{Pd}^{2+}|\mathrm{Pd}) = E^\circ(\mathrm{Pd}^{2+}|\mathrm{Pd}) + \frac{0{,}059\,\mathrm{V}}{z} \cdot \lg\left(\frac{c(\mathrm{Pd}^{2+})}{c^\circ}\right) wird der logarithmische Term kleiner. Folglich sinkt das Potenzial E(Pd2+∣Pd)E(\mathrm{Pd}^{2+}|\mathrm{Pd}).

Beurteilen Sie beide theoretischen Maßnahmen unter dem Aspekt der Vermeidung der Palladium-Entstehung an der Kathode (M 2).

Lösung: Aus beiden Maßnahmen resultiert ein Potenzialunterschied mit E(Ag+∣Ag)>E(Pd2+∣Pd)E(\mathrm{Ag}^+|\mathrm{Ag}) > E(\mathrm{Pd}^{2+}|\mathrm{Pd}). An der Kathode wird das Redoxpaar mit dem positiveren Potenzial bevorzugt reduziert, also werden bevorzugt Silber-Atome gebildet, während Pd2+\mathrm{Pd}^{2+}-Ionen in Lösung bleiben. Beide Maßnahmen sind somit theoretisch geeignet.

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