Aufgabe 1 - Teilaufgabe 4 · Abitur NRW Chemie LK · Nachtermin 2023
Thema: Energetik chemischer Reaktionen · Aus der Prüfung LK · Nachtermin (2023)
Aufgabenstellung
Fachspezifische Vorgaben:
Deutschland plant, den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre künftig zu verringern. Hierfür sollen unter anderem fossile Energieträger durch geeignete Alternativen abgelöst werden.
Im Bereich der Kraftstoffe gelten u. a. grüner Wasserstoff und daraus hergestellte synthetische Kraftstoffe als vielversprechende Forschungsfelder; sie lassen sich mit etablierten Technologien wie Verbrennermotor oder Brennstoffzelle verwenden.
Wasserstoffgas wird als grüner Wasserstoff bezeichnet, wenn es ausschließlich mithilfe überschüssigen Stroms aus regenerativen Quellen, z. B. Photovoltaik oder Windkraft, elektrolytisch erzeugt wurde. Auch Methanol gilt als grün, wenn sein Herstellungsverfahren keine oder nur geringe Treibhausgasemissionen verursacht.
Beim Vergleich alternativer Energieträger mit herkömmlichem Kraftstoff spielen neben der Energieeffizienz auch Umweltverträglichkeit und Gefahrenpotential synthetischer Kraftstoffe eine Rolle. Dabei sind z. B. ebenso Herstellung und Handhabung zu berücksichtigen.
Material 1: Modellexperiment zur Herstellung von Wasserstoff mittels Elektrolyse
Zwei Elektroden aus Graphit werden in Natronlauge, , als Elektrolyt getaucht. Die Elektrolyse erfolgt bei einer konstanten Stromstärke von . Nach einer Stunde misst man an der Kathode ein Gasvolumen von .
Das Modellexperiment soll mit Salzsäure als Elektrolyt wiederholt werden.
Material 2: Synthetische Kraftstoffe – Grünes Methanol und Dimethylcarbonat
Aus grünem Wasserstoff können flüssige, lager- und transportfähige Kraftstoffe, wie z. B. Methanol oder Dimethylcarbonat, synthetisiert werden. Die Herstellung von Methanol sowie von Dimethylcarbonat kann durch nachfolgenden mehrschrittigen technischen Prozess erfolgen:
(1) Herstellung von Wasserstoff () mithilfe elektrischer Energie durch alkalische oder saure Elektrolyse von Wasser,
(2) Reaktion von Wasserstoff mit Kohlenstoffdioxid () aus der Luft zu Kohlenstoffmonoxid () und Wasser,
(3) Umsetzung des Kohlenstoffmonoxids mit Wasserstoff unter hohem Druck an einem Katalysator zu Methanol ().
Aus grünem Methanol kann im Anschluss durch Reaktion mit Phosgen () unter Abspaltung von Chlorwasserstoff () die Synthese von Dimethylcarbonat erfolgen.
Material 3: Untersuchung der Verbrennungsprodukte von Methanol
a) 50 mL Methanol werden in einem Porzellantiegel verbrannt. Eine Rußbildung ist nicht zu beobachten. Hält man ein kühles Becherglas über die Flamme, so kondensieren kleine farblose Tröpfchen am Glas.
b) Der Nachweis für Kohlenstoffdioxid ist positiv.
Material 4: Grünes Methanol in Brennstoffzellen
Methanol kann in einer Direkt-Methanol-Brennstoffzelle (DMFC) elektrochemisch genutzt werden. Diese Direkt-Methanol-Brennstoffzelle besteht aus Elektrodenräumen, die durch eine Polymermembran getrennt sind. Auf der Anodenseite (Minuspol) werden Methanol und Wasser katalytisch zu gasförmigem Kohlenstoffdioxid umgesetzt. Zum Ladungsausgleich können Ionen die Polymermembran durchwandern. Auf der Kathodenseite (Pluspol) strömt Luft gegen die Elektrode. Die Sauerstoff-Moleküle aus der Luft reagieren hier mit Oxonium-Ionen zu Wasser-Molekülen.
In der Praxis wird bei der DMFC eine Zellspannung von ca. 0,6 V erreicht. Die Energieeffizienz (Wirkungsgrad) beträgt bei der Direkt-Methanol-Brennstoffzelle ca. 12 %. Im Vergleich hierzu erzielt ein Lithium-Ionen-Akkumulator in Verbindung mit einem Elektromotor eine Energieeffizienz von ca. 80 %.
Zusatzinformationen:
Molares Volumen (bei ; ):
Faraday-Konstante:
Faradaysches Gesetz:
Tabelle 1: Standardpotentiale bei ; und Stoff · Teilgleichung · Standardpotential ()
Natrium · ·
Wasserstoff () · ·
Wasserstoff () · ·
Methanol () · ·
Sauerstoff () · ·
Sauerstoff () · ·
Chlor · ·
Tabelle 2: Überspannungen verschiedener Gase an Graphit (für Stromdichte ) Stoff · Überspannung an Graphit ()
Wasserstoff ·
Chlor ·
Sauerstoff ·
Aufgabe 1
4. Vergleichen Sie Wasserstoff, Methanol und Dimethylcarbonat im Hinblick auf den Umgang mit den Stoffen und ihre energetische Tauglichkeit als alternative Kraftstoffe. Diskutieren Sie anhand von Methanol und Dimethylcarbonat die Erzeugung und den Einsatz synthetischer Kraftstoffe unter drei ökologischen Gesichtspunkten. [12 Punkte]
4.1
4.2

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
Vergleichen Sie Wasserstoff, Methanol und Dimethylcarbonat im Hinblick auf den Umgang mit den Stoffen und ihre energetische Tauglichkeit als alternative Kraftstoffe.
Lösung: - Handhabung: Dimethylcarbonat ist deutlich sicherer zu handhaben als Methanol (hochgiftig) und Normalbenzin (umweltgefährlich). - Aggregatzustand: Wasserstoff ist gasförmig und erfordert Druck-/Kryotanks; Methanol und Dimethylcarbonat sind flüssig und leicht lager- bzw. transportierbar. - Heizwerte: Wasserstoff hat bezogen auf das Volumen einen extrem geringen Heizwert (). Methanol () und Dimethylcarbonat () erreichen etwa die Hälfte des Heizwerts von Normalbenzin ().
Diskutieren Sie anhand von Methanol und Dimethylcarbonat die Erzeugung und den Einsatz synthetischer Kraftstoffe unter drei ökologischen Gesichtspunkten.
Lösung: 1. Energieeffizienz: Die mehrstufige Synthesekette führt zu einer geringen Gesamtenergieeffizienz im Vergleich zur direkten Stromnutzung in Akkumulatoren. 2. Toxizität und Gefahrenpotenzial bei der Herstellung: Für Dimethylcarbonat wird hochgiftiges Phosgen benötigt; Methanol selbst ist giftig und ökologisch bedenklich bei Leckagen. 3. Speicherung und CO2-Kreislauf: Nutzung von Überschussstrom zur Bindung von atmosphärischem CO2 ermöglicht prinzipiell klimaneutrale Kraftstoffe.
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