Aufgabe 3 - Teilaufgabe 2: Umweltfaktoren und öko… · Abitur NRW Biologie GK · Nachtermin 2023

Thema: Umweltfaktoren und ökologische Nische · Aus der Prüfung GK · Nachtermin (2023)

Aufgabenstellung

Material A: Zebramuscheln im Bodensee

Die Zebramuschel ( Dreissena polymorpha) war ursprünglich heimisch in Südosteuropa. Sie wurde erstmalig in der Mitte der 1960er Jahre im Bodensee entdeckt. Vermutlich ist sie über den Schiffsverkehr des Rheins in den Bodensee gelangt.

Zebramuscheln werden etwa zwei bis drei Zentimeter groß. Ihre Lebensdauer beträgt etwa drei bis fünf Jahre. Häufig wird schon im ersten Jahr die Fortpflanzungsfähigkeit erreicht. Weibchen können bei geeigneten Temperaturverhältnissen zwei- bis fünfmal pro Jahr bis zu einer Million Eier freisetzen, die dann im Wasser befruchtet werden. Dabei muss das Wasser mindestens 15 °C warm sein. Im Bodensee werden diese Wassertemperaturen im Sommer oberhalb von etwa 25 Metern Wassertiefe erreicht. Im Unterschied zu heimischen Muschelarten durchläuft die Zebramuschel im Laufe ihrer Entwicklung ein freischwimmendes Larvenstadium. Die adulten Muscheln leben festsitzend auf harten Oberflächen in Wassertiefen bis zu etwa 40 Metern und filtrieren, wie alle Muscheln, sowohl Algen als auch Algen fressende Kleinkrebse aus dem Wasser. Die Zahl der Algen verringerte sich deutlich nach Verbreitung der Zebramuscheln im Bodensee.

Harte Oberflächen im Wasser wie zum Beispiel Felsen werden komplett innerhalb weniger Monate von Zebramuscheln überdeckt. Auch heimische Muscheln werden überwuchert und damit von der Nahrungsaufnahme ausgeschlossen. Zebramuscheln können durch ihr Wachstum zudem Rohrleitungen von Fabriken, Kraftwerken und Trinkwassergewinnungsanlagen verstopfen.

Zebramuscheln werden hauptsächlich von tauchenden Wasservögeln wie Reiher- und Tafelenten, die am Bodensee überwintern, gefressen. Diese Enten tauchen bis zu drei Meter tief und erbeuten die auf den Felsen wachsenden Zebramuscheln. Nach anfänglich starkem Anstieg der Populationsgröße der Zebramuschel erfolgte ab 1974 ein Bestandsrückgang, während die Populationsgrößen der Wasservögel anstiegen.

Material B: Dreissena -Muscheln im Bodensee

Im Bodensee wird seit 2016 die vermehrte Ausbreitung der Quagga-Muschel ( Dreissena bugensis) beobachtet. Sie kann eine Größe von bis zu vier Zentimetern erreichen und wird etwa drei bis fünf Jahre alt. Im Unterschied zur Zebramuschel ist eine Reproduktion bereits bei einer Wassertemperatur von 5 °C möglich. Quagga-Muscheln leben festsitzend auf harten Oberflächen in Tiefen von bis zu 80 Metern. Das Nahrungsspektrum der Quagga-Muschel besteht aus Algen und Kleinkrebsen, die filtriert werden. Auch diese Muscheln werden von tauchenden Enten erbeutet.

Beide Dreissena -Arten durchlaufen in ihrer Entwicklung ein gleich aussehendes Larvenstadium. In Langzeitstudien untersuchte man die Häufigkeit von Larven der Dreissena -Muscheln im Jahresverlauf (Abbildung 1). Zusätzlich wurde die Verteilung der Larven der Dreissena -Muscheln in der Seetiefe im Sommer vor und nach der Besiedlung des Bodensees durch die Quagga-Muschel, die 2016 erstmals dort nachgewiesen wurde, ermittelt (Abbildung 2).

Material C: Das Multiplex-PCR-Verfahren für Artnachweise

Zebramuschel und Quagga-Muschel lassen sich im adulten Stadium morphologisch meistens gut unterscheiden. Häufig ist die Schale der Zebramuscheln geradliniger und kantiger. Allerdings finden sich immer auch Muscheln, die sich aufgrund ihrer Schalenmorphologie nicht eindeutig einer der beiden Dreissena -Arten zuordnen lassen.

Zum Artnachweis kann eine Multiplex-PCR als molekulares Verfahren durchgeführt werden. Bei der Multiplex-PCR werden zwei oder auch mehr unterschiedliche, artspezifische Primerpaare gleichzeitig in einem PCR-Ansatz verwendet. Die Primerpaare sind so gewählt, dass die jeweiligen PCR-Produkte aufgrund ihrer unterschiedlichen Größe nach gelelektrophoretischer Auftrennung gut unterscheidbar sind.

Bei diesem Experiment ist ein Primerpaar spezifisch für die Zebramuschel und ein weiteres Primerpaar spezifisch für die Quagga-Muschel. Es wurden DNA-Proben unterschiedlicher Muschel-Individuen mithilfe der Multiplex-PCR analysiert. Die ersten beiden Proben stammen von morphologisch eindeutig identifizierten Individuen von Zebramuschel oder Quagga-Muschel. Die Proben A bis D stammen von jeweils einem Individuum unbekannter Art. Die PCR-Produkte wurden anschließend gelelektrophoretisch aufgetrennt (Abbildung 3).

2. Vergleichen Sie bei Zebramuscheln und Quagga-Muscheln die Temperaturtoleranz miteinander (Materialien A und B). Fassen Sie die Ergebnisse der Freilanduntersuchungen, die in den Abbildungen 1 und 2 gezeigt werden, zusammen (Material B). Werten Sie diese Ergebnisse im Hinblick auf die ökologischen Angepasstheiten beider Muschelarten aus (Materialien A und B).

(20 Punkte)

a)

b)

c)

Aufgabenstellung: Aufgabe 3 - Teilaufgabe 2: Umweltfaktoren und öko… · Abitur NRW Biologie GK · Nachtermin 2023

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

Vergleichen Sie bei Zebramuscheln und Quagga-Muscheln die Temperaturtoleranz miteinander (Materialien A und B).

Lösung: Zebramuscheln kommen im Bodensee in Wassertiefen bis zu 40 Metern vor. Bei ihrer Reproduktion sind sie auf Wassertemperaturen über 15 °C angewiesen. Diese treten in den Sommermonaten im Bodensee nur oberhalb von etwa 25 Metern auf. Die Quagga-Muschel lebt auch in größeren Wassertiefen bis zu 80 Metern und ist ab 5 °C fortpflanzungsfähig. Sie hat demnach eine breitere Temperaturtoleranz als die Zebramuschel.

Fassen Sie zusammen, welche Ergebnisse die Freilanduntersuchungen in den Abbildungen 1 und 2 zeigen (Material B).

Lösung: Abbildung 1 zeigt die Entwicklung der Häufigkeit der *Dreissena*-Larven zwischen 2010 und 2018. Bis 2015 war in den Sommermonaten ein Maximum der Häufigkeit der *Dreissena*-Larven zu erkennen. In den anderen Monaten waren fast keine *Dreissena*-Larven vorhanden. Ab 2016 waren ganzjährig *Dreissena*-Larven zu finden, deren Häufigkeit Schwankungen aufwies. Abbildung 2 zeigt die Tiefenverteilung von *Dreissena*-Larven im Bodensee vor und nach der Besiedlung durch Quagga-Muscheln. 1971 fanden sich *Dreissena*-Larven nur bis zu einer Tiefe von zwanzig Metern, besonders viele Larven kamen zwischen null und zehn Metern Tiefe vor. 2018 gab es nur wenige *Dreissena*-Larven im Bereich von null bis fünf Metern Wassertiefe, die größten Anzahlen traten zwischen fünf und 20 Metern Wassertiefe auf. Auch in größeren Tiefen ließen sich noch einige *Dreissena*-Larven finden.

Werten Sie diese Ergebnisse im Hinblick auf die ökologischen Angepasstheiten beider Muschelarten, der Zebramuscheln und der Quagga-Muscheln, aus (Materialien A und B).

Lösung: Vor dem Auftreten der Quagga-Muscheln im Jahr 2016 gab es nur Zebramuschel-Larven im Bodensee. Die Larven der Zebramuscheln waren nur im Sommer vorwiegend bis zehn Meter Tiefe anzutreffen. Die Zebramuschel benötigt zur Fortpflanzung eine Mindesttemperatur des Wassers von 15 °C, welche in größeren Seetiefen nicht erreicht wird. Die geringe Zahl der *Dreissena*-Larven in einer Seetiefe von bis zu fünf Metern resultierte im Jahr 2018 aus dem Anstieg der Populationsgröße der Wasservögel, die Zebramuscheln und auch Quagga-Muscheln hier von den Felsen abfressen können. Daher kamen durch die Dezimierung dieser Muschelbestände ab 1974 in Tiefen bis zu fünf Metern auch weniger Muscheln vor. Folglich konnten sich hier nur weniger Muscheln fortpflanzen und damit war auch die Zahl von *Dreissena*-Larven in diesen Tiefen geringer als 1971. Aufgrund der breiteren Temperaturtoleranz der Quagga-Muschel kann sie sich fast ganzjährig vermehren und dabei auch größere Seetiefen nutzen. Im Bereich von fünf bis zehn Metern kamen 2018 vermutlich Larven beider Muschelarten vor. Im Bereich von zehn bis 20 Metern waren 2018 vorwiegend Larven der Quagga-Muschel anzutreffen. In Tiefen über 20 Meter kamen wahrscheinlich fast ausschließlich Larven der Quagga-Muscheln vor, da die größeren Wassertiefen aufgrund der Wassertemperatur für eine Fortpflanzung der Zebramuschel meist ungeeignet sind.

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