Aufgabe 1 - Teilaufgabe 2: Nahrungsbeziehungen un… · Abitur NRW Biologie GK · Nachtermin 2023
Thema: Nahrungsbeziehungen und Populationen · Aus der Prüfung GK · Nachtermin (2023)
Aufgabenstellung
Material A: Ökologie der Venusfliegenfalle
Bei der Venusfliegenfalle ( Dionaea muscipula) handelt es sich um eine carnivore Pflanze, die hauptsächlich Insekten und Spinnentiere erbeutet. Die Pflanzenart kommt in einer begrenzten Region der USA auf dauerfeuchten, sehr mineralstoffarmen Böden an sonnigen Standorten vor. Ihre Laubblätter sind zu Klappfallen umgewandelt, mit denen sie ihre Beutetiere fängt.
Die Klappfallen produzieren ein Duftgemisch, das aus über 60 verschiedenen Duftstoffen besteht. Diese Duftstoffe kommen auch im Duft verschiedener reifer Früchte vor, die die Nahrung vieler Insekten darstellen. Die Innenseiten der Klappfallen sind dicht mit Drüsen besetzt, die ein Sekret mit Verdauungsenzymen absondern. Die Enzyme werden unter hohem Energieaufwand hergestellt. Die bei der Verdauung der Beutetiere gewonnenen Mineralstoffe wie Nitrat und Phosphat werden aufgenommen und für den Stoffwechsel verwendet.
Die Fotosyntheserate der Klappfallen ist deutlich geringer als die der Laubblätter anderer Pflanzen. Die Venusfliegenfalle wächst daher sehr langsam und wird schnell von anderen Pflanzen verdrängt. Im Sommer kommt es im Verbreitungsgebiet regelmäßig zu Buschfeuern, die einen großen Teil der gesamten Vegetation oberirdisch zerstören. Die Venusfliegenfalle besitzt einen unterirdischen Wurzelstock, aus dem sie schnell wieder austreiben kann. Kurz nach einem Feuer wachsen dabei besonders viele neue Klappfallen und Blüten.
Die Blätter der Venusfliegenfalle bilden eine bodennahe Rosette. Im Mai und Juni wächst ein bis zu 35 Zentimeter hoher Stängel, der mehrere weiße Blüten trägt (Abbildung 1). Während der Blütezeit wachsen keine neuen Klappfallen, die bestehenden bleiben erhalten.
Material B: Der Bestäuber-Beute-Konflikt
Die Venusfliegenfalle wird von Insekten wie Hautflüglern und Käfern bestäubt. Für die Venusfliegenfalle besteht somit das Risiko, dass potenzielle Bestäuber in den Fallen gefangen werden. Dies wird als Bestäuber-Beute-Konflikt bezeichnet. Es werden drei Mechanismen diskutiert, die bei carnivoren Pflanzen diesen Konflikt minimieren könnten: Erstens könnten Blüten und Fallen zeitlich getrennt auftreten, zweitens könnten Blüten und Fallen räumlich getrennt vorkommen und drittens könnten sie unterschiedliche Lockmechanismen ausbilden.
Bei einer Untersuchung im Freiland, die zur Blütezeit der Venusfliegenfalle stattfand, wurden die Tiere an den Blüten und in den Klappfallen der Pflanzen gesammelt und die Tierarten bestimmt.
Dann wurden die Tiere in unterschiedlichen Gruppen gezählt, je nachdem, ob sich alle Tiere der betreffenden Tierart ausschließlich an Blüten, ausschließlich in Klappfallen oder an beiden Fundstellen befanden.
Für die Darstellung in Abbildung 2 wurden die Ergebnisse innerhalb der Ordnungen der Tierarten zusammengefasst, wie etwa der Ordnung der Zweiflügler, zu denen Fliegen gehören, oder der Ordnung der Hautflügler, die unter anderem Bienen und Ameisen umfasst.
Die Untersuchung ergab, dass flugfähige Insekten 87 Prozent der Blütenbesucher und 20 Prozent der Beute ausmachten. Außerdem wurden sieben Prozent der Tiere, die Pollen der Venusfliegenfalle trugen, an Blüten und in Fallen entdeckt.
Material C: Die Venusfliegenfalle und ihre Verwandten
Es gibt etwa 810 carnivore Pflanzenarten unter den rund 250 000 Arten von Blütenpflanzen. Bei den carnivoren Pflanzenarten kommen verschiedene, von Blättern gebildete Fallentypen vor: Klebfallen haben ein klebriges Sekret, an dem die Beute haftet. Klappfallen, wie die der Venusfliegenfalle, schnappen bei Berührung schnell zu und halten das Beutetier gefangen. Kannenfallen fangen Beutetiere in einem von Blättern gebildeten Hohlraum.
Die Venusfliegenfalle gehört zur Ordnung der Nelkenartigen (Caryophyllales). Die Verwandtschaftsbeziehungen innerhalb der Nelkenartigen wurden mithilfe von DNA-Sequenzanalysen ermittelt. Ein Stammbaum ausgewählter Gattungen ist in Abbildung 3 dargestellt. Zusätzlich wurde der jeweilige Fallentyp gekennzeichnet.
2. Fassen Sie die Ergebnisse der Untersuchung zusammen (Abbildung 2, Material B). Werten Sie diese hinsichtlich eines möglichen Bestäuber-Beute-Konflikts bei der Venusfliegenfalle aus (Material B). Prüfen Sie, inwiefern die drei in Material B dargestellten Mechanismen, die diesen Konflikt bei der Venusfliegenfalle verringern, tatsächlich vorliegen (Materialien A und B). [21 Punkte]
a)
b)
c)

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
Fassen Sie die Ergebnisse der Untersuchung zusammen (Abbildung 2, Material B).
Lösung: Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse: - In den Klappfallen wurden vor allem Webspinnen gefunden, gefolgt von Hautflüglern, Heuschrecken und Käfern; nur 20 % der Beute waren flugfähige Insekten. - An den Blüten befanden sich überwiegend Hautflügler und Käfer, wenige Zweiflügler; 87 % dieser Blütenbesucher waren flugfähig. - Nur wenige Tiere wurden sowohl in den Fallen als auch an den Blüten gefunden (hauptsächlich Hautflügler). - Nur sieben Prozent der pollen-tragenden Tiere wurden an beiden Fundstellen entdeckt.
Werten Sie diese hinsichtlich eines möglichen Bestäuber-Beute-Konflikts bei der Venusfliegenfalle aus (Material B).
Lösung: Auswertung zum Vorliegen eines Bestäuber-Beute-Konflikts: - Da die Pflanze gleichzeitig Blüten und Klappfallen besitzt und manche Tierarten an beiden Orten vorkommen, besteht potenziell das Risiko, dass Bestäuber gefangen werden (Bestätigung des Bestäuber-Beute-Konflikts). - Da jedoch nur relativ wenige Tiere an beiden Strukturen nachgewiesen wurden und nur etwa 7 % der Beutetiere Pollen der Venusfliegenfalle trugen, ist der Konflikt in der Natur stark minimiert bzw. reduziert.
Prüfen Sie, inwiefern die drei in Material B dargestellten Mechanismen, die diesen Konflikt bei der Venusfliegenfalle verringern, tatsächlich vorliegen (Materialien A und B).
Lösung: Prüfung der drei Vermeidungsmechanismen: 1. Zeitliche Trennung: Nicht verwirklicht. Zwar wachsen während der Blütezeit keine neuen Fallen, alte Fallen bleiben aber aktiv und fangen Beute parallel zur Blütezeit. 2. Räumliche Trennung: Verwirklicht und wirksam. Blüten sitzen an einem bis zu 35 cm hohen Blütenstängel weit über der bodennahen Rosette mit den Fallen. Blüten werden daher fast ausschließlich von flugfähigen Insekten besucht, während Fallen überwiegend kriechende/nicht-flugfähige Tiere fangen. 3. Unterschiedliche Lockmechanismen: Sehr wahrscheinlich verwirklicht. Fallen produzieren einen fruchtartigen Duft für Beutetiere; da Bestäuber kaum in Fallen geraten, spricht dies für differenzierte Lockreize an Blüten und Fallen.
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