Aufgabe 1 - Nahrungsbeziehungen und Populationen · Abitur NRW Biologie GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2021
Thema: Nahrungsbeziehungen und Populationen · Aus der Prüfung GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg (Kolleg) (2021)
Aufgabenstellung
Material A: Rotfeuerfische im Westatlantik
Rotfeuerfische stammen ursprünglich aus dem Indopazifik, der aus dem Indischen Ozean und dem zentralen Pazifik besteht. Die beiden Rotfeuerfisch-Arten Pterois miles und Pterois volitans wurden wahrscheinlich unabsichtlich durch den Menschen von dort in den Westatlantik eingeführt.
Rotfeuerfische leben in Korallenriffen. P. miles und P. volitans sehen nahezu identisch aus und sind durch ihre Form und Farbe den Korallen im Riff ähnlich. Dort lauern sie ihrer Beute wie kleinen Fischen und Krebstieren auf. Feinde haben sie im Atlantik nur wenige. Die Weibchen der Rotfeuerfische legen im Jahr bis zu zwei Millionen Eier. Die Rotfeuerfischjungen schlüpfen etwa 36 Stunden nach dem Ablaichen und leben frei schwebend in oberflächennahen Wasserschichten. Oftmals werden sie durch Strömungen weit von ihrem Laichort fortgetragen.
Die Populationsentwicklung der Rotfeuerfische wurde im Westatlantik zwischen 2004 und 2010 an mehreren ausgewählten Riffabschnitten im Rahmen von Tauchgängen untersucht (Abbildung 1). Aufgrund ihrer Ähnlichkeit konnte man nicht zwischen den beiden Rotfeuerfischarten unterscheiden.
Zusätzlich wurde die Veränderung der Biomasse von Fischarten, die entweder zum Beutespektrum der Rotfeuerfische oder zu den Nahrungskonkurrenten zählen, erfasst (Abbildung 2). Magenuntersuchungen der Rotfeuerfische ergaben, dass ihre Nahrung zu 90 % aus kleinen Rifffischen vieler verschiedener Arten besteht.
Material B: Genetischer Fingerabdruck der Rotfeuerfischarten
Lange Zeit war unklar, zu welchen Arten die gesichteten Rotfeuerfische im Westatlantik gehören, weil die morphologische Unterscheidung schwierig ist. Im Jahr 2017 wurde ein Verfahren entwickelt, mit dem man genetische Fingerabdrücke beider Arten erstellen kann. Dazu wird das 1160 bp lange mitochondriale cytb -Gen der Rotfeuerfische mittels PCR vervielfältigt. Ausschnitte aus der Sequenz des cytb -PCR-Produkts von P. volitans und P. miles sind in Tabelle 1 dargestellt. Das cytb -PCR-Produkt wird anschließend mit dem Restriktionsenzym EcoRV behandelt. EcoRV hat die Erkennungssequenz 5'-GATATC-3'. Nach der Behandlung mit dem Restriktionsenzym wurden die PCR-Produkte mittels Gelelektrophorese analysiert (Abbildung 3). Neben Vertretern von P. miles und P. volitans aus dem Westatlantik wurden auch Individuen von P. miles aus dem Indopazifik untersucht.
Material C: Ausbreitung der Rotfeuerfische
Es wird vermutet, dass die Ausbreitung von Pterois volitans und Pterois miles im Westatlantik auf eine einmalige Einführung von wenigen Tieren beider Arten durch den Menschen zurückzuführen ist. Zur Überprüfung dieser Hypothese wurde eine mitochondriale DNA-Sequenz mit einer Größe von 680 Basenpaaren von im Westatlantik gefangenen Rotfeuerfischen beider Arten mit denen von Rotfeuerfischen aus dem ursprünglichen Lebensraum der jeweiligen Art verglichen (Tabelle 2).
1. Fassen Sie die Ergebnisse der Untersuchungen aus den Abbildungen 1 und 2 zusammen (Material A). Erklären Sie, was dichteabhängige und dichteunabhängige Faktoren sind, und analysieren Sie anschließend die Entwicklung der Rotfeuerfisch-Populationen an westatlantischen Riffen, die Abbildung 1 zeigt (Material A). Begründen Sie, warum die Rotfeuerfischarten als invasive Arten gelten (Material A).
[21 Punkte]
a)
b)
c)
d)

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
Fassen Sie die Ergebnisse der Untersuchungen aus den Abbildungen 1 und 2 zusammen (Material A).
Lösung: Abbildung 1: - Die durchschnittliche Anzahl der Rotfeuerfische an den untersuchten Korallenriffen lag 2004 bei null und stieg von 2004 bis 2008 auf über 60 Tiere an. - Von 2008 bis 2010 sank die durchschnittliche Anzahl auf 20 Tiere. Abbildung 2: - Die Biomasse von kleinen Beutefischen sowie die von Nahrungskonkurrenten sank zwischen 2008 und 2010 deutlich (um ca. 60–65 % bzw. 45 %). - Die Biomasse von kleinen Fischen, die keine Beutefische sind, blieb nahezu unverändert.
Erklären Sie, was dichteabhängige und dichteunabhängige Faktoren sind.
Lösung: - Dichteabhängige Faktoren sind abhängig von der Größe bzw. Dichte der Population und beeinflussen diese rückkoppelnd (z. B. Menge der verfügbaren Nahrung, intraspezifische Konkurrenz, ansteckende Krankheiten, Fressfeinde). - Dichteunabhängige Faktoren beeinflussen die Populationsgröße, ohne selbst von deren Dichte abzuhängen. Hierzu zählen vor allem abiotische Umweltfaktoren (z. B. Wassertemperatur, Katastrophen, Salzgehalt, Strömungen).
Analysieren Sie die Entwicklung der Rotfeuerfisch-Populationen an westatlantischen Riffen, die Abbildung 1 zeigt (Material A).
Lösung: - Zunahme 2004–2008: Das rasante Wachstum beruht auf der vielfältigen Verfügbarkeit von Nahrungsressourcen (breites Nahrungsspektrum aus kleinen Rifffischen) sowie dem Mangel an natürlichen Feinden im Atlantik. - Abnahme 2008–2010: Die hohe Populationsdichte im Jahr 2008 führte zu einer starken Überweidung der Beutefische (Rückgang der Biomasse). Die verringerte Nahrungsverfügbarkeit wirkt als dichteabhängiger Faktor. - Zudem führten intraspezifische Nahrungskonkurrenz sowie interspezifische Konkurrenz zwischen *P. miles* und *P. volitans* (aufgrund gleicher ökologischer Nischen) zum Einbruch der Individuenzahlen.
Begründen Sie, warum die Rotfeuerfischarten als invasive Arten gelten (Material A).
Lösung: - Ursprüngliche Herkunft außerhalb des Zielgebiets (Indopazifik) und Einschleppung durch den Menschen in den Westatlantik. - Hohes Ausbreitungspotenzial: Hohe Reproduktionsrate (bis zu 2 Millionen Eier/Jahr), rasche Entwicklung der Jungfische im Oberflächenwasser und weite Verdriftung durch Strömungen. - Kaum natürliche Feinde im neuen Habitat. - Negative ökologische Auswirkungen auf heimische Ökosysteme: Starke Dezimierung heimischer Beutefische und Verdrängung/Schwächung von Nahrungskonkurrenten.
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