Aufgabe 3 - Humangenetik, Gendiagnostik und Gente… · Abitur NRW Biologie LK · Haupttermin 2023
Thema: Humangenetik, Gendiagnostik und Gentechnik · Aus der Prüfung LK · Haupttermin (2023)
Aufgabenstellung
Thema: Das angeborene Usher-Syndrom (USH1)
Material A: Symptome und Vererbung des angeborenen Usher-Syndroms Typ 1 (USH1)
Das Usher-Syndrom ist gekennzeichnet durch früh einsetzende Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit. Je nach Zeitpunkt des Gehörverlustes unterscheidet man unterschiedliche Formen des Usher-Syndroms. Patienten mit einem angeborenen Usher-Syndrom Typ 1 (USH1) leiden unter dem schwersten Verlauf der Krankheit und sind von Geburt an taub. Abbildung 1 zeigt den Stammbaum einer vom USH1 betroffenen Familie.
Material B: Aufbau und Funktion der Haarzellen im Innenohr
Der Hörprozess beginnt damit, dass die Schallwellen eines akustischen Reizes aus der Luft aufgefangen werden. Im weiteren Verlauf wird über verschiedene Zwischenschritte die Lymphflüssigkeit im Innenohr zum Schwingen gebracht. Im Innenohr befinden sich Hörsinneszellen, die aufgrund ihrer haarähnlichen Stereozilien als Haarzellen bezeichnet werden (Abbildung 2). Es handelt sich um Mechanorezeptorzellen, deren Stereozilien durch die Bewegungen der Flüssigkeit ausgelenkt werden können. Die Endolymphe in der Hörschnecke hat eine höhere Kaliumionen-Konzentration als das Innere der Haarzelle. Die Stereozilien sind der Größe nach aufsteigend angeordnet und durch elastische Proteinfäden – die Tip-Links – miteinander verbunden. An der Spitze der Stereozilien befinden sich mechanisch gesteuerte Kaliumionen-Kanäle, an denen die Tip-Links verankert sind. Die Signaltransduktion an Haarzellen ist in Abbildung 2 vereinfacht dargestellt. Der Hörnerv leitet die ausgebildeten Aktionspotentiale ans Gehirn.
Material C: Neurophysiologische Experimente
In verschiedenen Experimenten wurde der Ionenfluss durch die mechanisch gesteuerten Kaliumionen-Kanäle der Stereozilien bei unterschiedlich starker, künstlicher Auslenkung gemessen (Abbildung 3).
Material D: Genetische Ursachen des USH1
Bei der genetischen Analyse verschiedener, an USH1 erkrankter Personen konnte das in Tabelle 1 gezeigte mutierte Allel des Sans -Gens ermittelt werden. Das Sans -Gen codiert das aus 461 Aminosäuren bestehende Sans-Protein. Dieses Protein ist unter anderem an der Verankerung der Tip-Links an den mechanisch gesteuerten Kaliumionen-Kanälen der Stereozilien beteiligt.
Material E: Codesonne und Tabelle zum genetischen Code
Kürzel · Aminosäure
Ala · Alanin
Arg · Arginin
Asn · Asparagin
Asp · Asparaginsäure
Cys · Cystein
Gln · Glutamin
Glu · Glutaminsäure
Gly · Glycin
His · Histidin
Ile · Isoleucin
Leu · Leucin
Lys · Lysin
Met · Methionin
Phe · Phenylalanin
Pro · Prolin
Ser · Serin
Thr · Threonin
Trp · Tryptophan
Tyr · Tyrosin
Val · Valin
1. Ermitteln Sie anhand von Material A den Erbgang des angeborenen Usher-Syndroms (USH1) und schließen Sie dabei andere Erbgänge mit Begründung aus. Geben Sie für die Personen 8, 9, 12 und 17 jeweils den Genotyp an (Material A). Ermitteln Sie die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Kind der Person 12 und einer heterozygoten Partnerin von USH1 betroffen sein wird (Material A). [12 Punkte]
a)
b)
Genotypen der Personen 8, 9, 12 und 17 (Nutzen Sie z. B. für das dominante Normalallel und für das rezessive mutierte Allel):
c)

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
Ermitteln Sie den Erbgang des angeborenen Usher-Syndroms (USH1)
Lösung: B) autosomal-rezessiv
Begründung des Erbgangs und Ausschluss anderer Erbgänge
Lösung: Ausschluss dominant: Gesunde Eltern haben erkrankte Kinder. Ausschluss X-chromosomal-rezessiv: Väter erkrankter Töchter sind gesund. Ausschluss Y-chromosomal: Frauen sind betroffen.
Geben Sie für Person 8 den Genotyp an
Lösung: Aa
Geben Sie für Person 9 den Genotyp an
Lösung: Aa
Geben Sie für Person 12 den Genotyp an
Lösung: aa
Geben Sie für Person 17 den Genotyp an
Lösung: aa
Ermitteln Sie die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Kind der Person 12 und einer heterozygoten Partnerin von USH1 betroffen sein wird
Lösung: 50% / 0,5 / 1/2
Begründung / Kreuzungsquadrat zur Wahrscheinlichkeitsberechnung
Lösung: Kreuzung aa x Aa ergibt 50% Aa (gesund) und 50% aa (erkrankt).
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