Aufgabe 2 - Teilaufgabe 3: Evolutionsfaktoren und… · Abitur NRW Biologie LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2022
Thema: Evolutionsfaktoren und Artbildung · Aus der Prüfung LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg (Kolleg) (2022)
Aufgabenstellung
Material A: Das Gift des Wasserschierlings
Der Wasserschierling ( Cicuta virosa) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Doldenblütler ( Apiaceae), die weltweit verbreitet ist. Wasserschierlinge enthalten neben anderen Giftstoffen Cicutoxin und das nahezu strukturgleiche Virol A. Beide wirken auf GABA-gesteuerte Synapsen (Abbildung 1). Bei einer Vergiftung kommt es zu einer Serie sich wiederholender Krämpfe der Körpermuskulatur.
In einer Versuchsreihe wurde die Wirkung von Virol A auf den Chlorid()-Ionenfluss von GABA-gesteuerten Ionenkanälen an isolierten Neuronen von Ratten untersucht (Abbildung 2). Dabei wurde dauerhaft GABA hinzugegeben und es wurden unterschiedliche Konzentrationen von Virol A eingesetzt.
Material B: Weitere Messungen mit GABA und Virol A
Im Rahmen weiterer Untersuchungen wurde der GABA-gesteuerte Chloridionen-Strom über die Membran in einer dreiteiligen Versuchsreihe gemessen:
Im ersten Versuchsschritt ließ man GABA auf die Membran einwirken und maß den Chloridionen-Einstrom (Abbildung 3A).
Im zweiten Versuchsschritt wurde GABA von der Membran gewaschen und so vollständig entfernt. Anschließend wurde nur Virol A hinzugegeben und der Chloridionen-Einstrom gemessen (Abbildung 3B).
Im dritten Versuchsschritt wurde Virol A durch Waschen der Membran vollständig entfernt. Dann wurde erneut GABA hinzugegeben und der Chloridionen-Einstrom gemessen (Abbildung 3C).
Material C: Verteilung von Giften im Wasserschierling
Der Wasserschierling wächst auf feuchten Wiesen und in Uferzonen stehender Gewässer. Er wird grundsätzlich von Pflanzenfressern gemieden. Sollte es dennoch zum Verzehr größerer Mengen kommen, können die Tiere daran sterben.
Der Wasserschierling besitzt eine Knolle als Wurzelverdickung, die ganzjährig Nährstoffe speichert und mit der er im Winter im Boden überdauert. Aus den Knollen treiben im folgenden Frühjahr durch ungeschlechtliche Fortpflanzung neue Pflanzen aus. Im Sommer reifen die Samen heran, die Schwimmgewebe besitzen und sich über Wasser verbreiten.
Für den Wasserschierling wurde die Giftverteilung in verschiedenen Pflanzenteilen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien im Jahresverlauf untersucht (Abbildung 4).
Material D: Verwandtschaftsbeziehungen der Wasserschierlinge zu anderen Gattungen der Doldenblütler
Die artenreiche Familie der Doldenblütler enthält viele Heil- und Giftpflanzen. Als toxisch bezeichnen Botaniker bei den Doldenblütlern die Gattungen Wasserschierlinge, Hundspetersilie, Schierlinge und Wasserfenchel, deren Gift schon in geringer Konzentration zum Tode bei Menschen und Tieren führt.
Die von den vier Gattungen gebildeten Toxine lassen sich in verschiedenen Stoffgruppen einteilen, wie z. B. Polyacetylene und Alkaloide, die auf sehr unterschiedlichen Synthesewegen in spezialisierten Zellen produziert werden. Die Verwandtschaftsverhältnisse der Doldenblütler wurden anhand von molekularen Daten untersucht (Abbildung 5).
3. Geben Sie an, wie der Begriff reproduktive Fitness definiert wird, und erläutern Sie, welche Bedeutung die unterschiedliche Verteilung des Gifts auf die Pflanzenteile des Wasserschierlings für dessen reproduktive Fitness hat (Abbildung 4, Material C). Entwickeln Sie anhand von Material C eine evolutionsbiologisch begründete Hypothese dazu, wie die Giftigkeit des Wasserschierlings entstanden sein könnte.
[16 Punkte]
a)
b)
c)

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
Geben Sie an, wie der Begriff reproduktive Fitness definiert wird
Lösung: Die reproduktive Fitness ist ein Maß für die relative Anzahl der Allele, die ein Individuum in den Genpool der folgenden Generation einbringt (bzw. der relative Fortpflanzungserfolg eines Individuums im Vergleich zu Artgenossen).
Erläutern Sie, welche Bedeutung die unterschiedliche Verteilung des Gifts auf die Pflanzenteile des Wasserschierlings für dessen reproduktive Fitness hat (Abbildung 4, Material C)
Lösung: Beim Wasserschierling beinhalten die Knollen ganzjährig die höchste Gift-Konzentration. Mit den in der Knolle gespeicherten Nährstoffen kann die Pflanze den Winter überdauern und ungeschlechtlich austreiben. Mit der Samenbildung reichert sich das Gift vermehrt in den Samen an, welche die Pflanzenembryos verbreiten. Die hohe Giftkonzentration in Knolle und Samen stellt eine Angepasstheit als Schutzmechanismus vor Fressfeinden dar, wodurch ein höherer Fortpflanzungserfolg und damit eine höhere reproduktive Fitness gewährleistet werden. Die geringe Giftkonzentration in Spross und Blättern könnte zwar zu Fitnessnachteilen durch Blattfraß führen, legt aber nahe, dass aufgrund des hohen Energieaufwandes für die Giftsynthese vor allem jene Organe geschützt werden, die für das Überleben und die Fortpflanzung essenziell sind.
Entwickeln Sie anhand von Material C eine evolutionsbiologisch begründete Hypothese dazu, wie die Giftigkeit des Wasserschierlings entstanden sein könnte
Lösung: 1. Durch Mutation und Rekombination traten in einer Ursprungspopulation von *Cicuta* phänotypische Variationen mit unterschiedlich hoher Giftigkeit auf (Individuen mit giftigeren Knollen und Samen). 2. Durch Fraßdruck (Prädatoren) erfuhren Pflanzen mit giftigen Pflanzenteilen einen Selektionsvorteil (sie wurden seltener gefressen und überlebten eher bis zur Fortpflanzung). 3. Diese Individuen wiesen eine höhere reproduktive Fitness auf, pflanzten sich erfolgreicher fort und vererbten die entsprechenden Allele an ihre Nachkommen weiter. 4. Im Laufe der Generationen kam es zu einer gerichteten Selektion und Anreicherung der Allele für Giftigkeit im Genpool, sodass sich die Giftigkeit als Artmerkmal etablierte.
Die ausführliche Erklärung Schritt für Schritt (mit KI) gibt es mit Premium. Premium
Löse sie direkt hier: automatische Korrektur, Hinweise und Lösung Schritt für Schritt.
‹ Aufgabe 3 - Teilaufgabe 1: Evolutionsfaktoren und… · LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2022 · Aufgabe 3 - Teilaufgaben 1 und 4: Evolutionsfakto… · LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2022 ›
Mehr Aufgaben zu Evolutionsfaktoren und Artbildung
- Aufgabe 2 (Teilaufgabe 4) - Evolution · LK · Haupttermin 2022
- Aufgabe 3 (Teilaufgabe 1) - Evolution · LK · Haupttermin 2022
- Aufgabe 1 - Teilaufgabe 4: Evolutionsfaktoren und… · LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2022
- Aufgabe 2 - Teilaufgabe 4: Evolutionsfaktoren und… · LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2022
- Aufgabe 3 - Teilaufgabe 1: Evolutionsfaktoren und… · LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2022
- Aufgabe 3 - Teilaufgaben 1 und 4: Evolutionsfakto… · LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2022
- Aufgabe 1 - Evolutionsfaktoren und Artbildung · LK · Nachtermin 2022
- Aufgabe 3 - Evolutionsfaktoren und Artbildung · LK · Nachtermin 2022
- Aufgabe 1 - Evolutionsfaktoren und Artbildung · LK · Nachtermin · Weiterbildungskolleg 2022
- Aufgabe 3 - Evolutionsfaktoren und Artbildung · LK · Nachtermin · Weiterbildungskolleg 2022