Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 2 · Abitur Hessen Wirtschaftslehre LK 2022

Thema: Konjunkturschwankungen und Wirtschaftspolitik · Aus der Prüfung LK (2022)

Aufgabenstellung

Aufgabe 2

Im Zuge Ihres Studiums der Wirtschaftswissenschaften absolvieren Sie ein Praktikum bei einem führenden deutschen Wirtschaftsinstitut. Ihr erstes Projekt, an dem Sie mitarbeiten dürfen, ist es, ein Dossier über die wirtschaftliche Lage eines Nachbarlandes zu erstellen.

2.1.1

Nennen Sie die Konjunkturphasen, zeichnen Sie einen idealtypischen Konjunkturzyklus und beschreiben Sie die Konjunkturphasen anhand von je drei charakterisierenden Indikatoren. Ordnen Sie den ausgewählten Indikatoren die Eigenschaft Früh-, Präsenz- und Spätindikator zu. [10 BE]

2.1.2

Nachdem Sie die Volkswirtschaft untersucht haben, kommen Sie anhand Ihres Daten- und Analysematerials zu dem Ergebnis, dass sich die analysierte Volkswirtschaft in einer Rezession befindet. Begründen Sie anhand welcher Indikatoren dies besonders gut zu erkennen ist. [5 BE]

2.1.3

Entwerfen Sie für fünf Indikatoren aus Aufgabe 2.1.2 entsprechende Zahlenreihen mit grafischer Darstellung für die letzten 4 Jahre, die auf das Vorliegen einer Rezession verweisen, und erläutern Sie Ihr erstelltes Datenmaterial. [11 BE]

2.2

Beschreiben Sie zwei positive und zwei negative Auswirkungen einer rezessiven Wirtschaftslage auf Ökologie und Gesellschaft. [8 BE]

2.3

Zur Behebung der Rezession möchte der Staat nun ein umfassendes Investitionsprogramm auflegen. Durch dieses sollen 8 Mrd. Euro in staatliche Bau- und Renovierungsprojekte fließen und weitere 8 Mrd. Euro in zusätzliche Sozialleistungen.

Zeigen Sie die unterschiedlichen Wirkungsweisen der beiden Maßnahmen. [6 BE]

2.4

Flankiert wird das Investitionsprogramm aus Aufgabe 2.3 durch geldpolitische Maßnahmen der Zentralbank. Beschreiben Sie zwei mögliche Maßnahmen der Zentralbank zur Rezessionsbekämpfung und zeigen Sie die beabsichtigten Wirkungsketten der Maßnahmen auf die rezessive Wirtschaftslage. [6 BE]

2.5

Diskutieren Sie die These, dass auch die Nachbarstaaten des in der Rezession befindlichen Landes, ein Interesse daran haben, dass sich die wirtschaftliche Lage im analysierten Land bessert. [6 BE]

Aufgabenstellung: Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 2 · Abitur Hessen Wirtschaftslehre LK 2022

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

Zeichnungen: 2.1.1 Idealtypischer Konjunkturzyklus und 2.1.3 Grafische Darstellung der Zahlenreihen

Lösung: 2.1.1. Konjunkturzyklus: Der Graph stellt den wellenförmigen Verlauf des Bruttoinlandsprodukts (BIP) über die Zeit dar mit den Phasen: Aufschwung (Expansion), Boom (Hochkonjunktur), Rezession (Abschwung) und Depression (Tiefkonjunktur). 2.1.3. Grafische Darstellung: Grafische Darstellung der 5 gewählten Indikatoren über 4 Jahre mit passender Skalierung, Achsen- und Grafenbeschriftung, die den Übergang bzw. das Verharren in einer Rezession verdeutlicht.

2.1.1 Nennen Sie die Konjunkturphasen, zeichnen Sie einen idealtypischen Konjunkturzyklus und beschreiben Sie die Konjunkturphasen anhand von je drei charakterisierenden Indikatoren. Ordnen Sie den ausgewählten Indikatoren die Eigenschaft Früh-, Präsenz- und Spätindikator zu.

Lösung: Konjunkturphasen: - Aufschwung (Expansion) - Boom (Hochkonjunktur) - Rezession (Abschwung) - Depression (Tiefkonjunktur) Indikatoren und Phasenbeschreibung: - Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen (Präsenzindikator): In der Aufschwungphase wächst die Nachfrage deutlich. Im Boom erreicht sie ihr Maximum, schwächt sich aber bereits ab. In der Rezession nimmt sie spürbar ab und erreicht ihren Tiefpunkt in der Depression. - Arbeitslosigkeit (Spätindikator): Zu Beginn des Aufschwungs noch hoch, sinkt über Expansion und Boom bis zur Vollbeschäftigung. Mit Beginn der Rezession steigt sie wieder an und bleibt über die Depression bis in den beginnenden Aufschwung hinein ein Problem. - Zukunftsaussichten (Frühindikator): In der Expansion durchweg positiv mit günstigem Investitionsklima. Bis in den Boom stabil, mehren sich dort negative Aussichten. Vom Ende des Booms über Rezession bis in die Depression negativ, woraus sich allmählich wieder optimistische Erwartungen bilden.

2.1.2 Begründen Sie anhand welcher Indikatoren dies besonders gut zu erkennen ist.

Lösung: Beispielhafte Indikatoren zur Begründung: - Inflationsrate: Gibt das Preissteigerungsniveau an; im Zusammenspiel mit weiteren Kennzahlen ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Gesamtlage. - Auftragslage: Gibt Einblick in die zukünftige Wirtschaftsentwicklung (Frühindikator; sinkende Auftragseingänge weisen auf Rezession hin). - Exportzahlen: Geben Aufschluss über momentane und zukünftige wirtschaftliche Gesamtsituation. - Aktienkurse: Spiegeln die Zukunftserwartungen von Unternehmen, Haushalten und Investoren wider (sinkende Kurse signalisieren Abschwung). - Arbeitslosenquote: Zeigt die Beschäftigungssituation und lässt Rückschlüsse auf Einkommens- und Vermögenssituation der Haushalte zu (steigende Quote als Spätindikator einer Rezession).

2.1.3 Erläutern Sie Ihr erstelltes Datenmaterial.

Lösung: Erläuterung der erstellten Zahlenreihen und grafischen Darstellungen dahingehend, inwiefern die gewählten Verläufe (z. B. sinkende Auftragseingänge, rückläufige Exporte, sinkende Kapazitätsauslastung, steigende Arbeitslosigkeit, sinkende/stagnierende Preisniveaus über die letzten 4 Jahre) eindeutig die Diagnose einer Rezession stützen.

2.2 Beschreiben Sie zwei positive und zwei negative Auswirkungen einer rezessiven Wirtschaftslage auf Ökologie und Gesellschaft.

Lösung: Positive Aspekte: - Geringerer Ressourcenverbrauch: Negative Zukunftsaussichten führen zu sinkender Nachfrage, gedrosselter Produktion und zurückgestellten Investitionen. - Entlastung der Umwelt: Durch verminderte Wirtschaftsleistung entstehen deutlich weniger industrie-, handels- und transportbedingte Emissionen (Luftschadstoffe), weniger Gewässerverschmutzung und geringeres Müllaufkommen. Negative Aspekte: - Sinkende/stagnierende Absätze führen zu geringerer Produktion und Beschäftigung. Die Folgen sind Einkommenseinbußen, Kurzarbeit und/oder Entlassungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. - Pessimistische Zukunftserwartungen von Unternehmen und privaten Haushalten hemmen Investitionen und Konsumnachfrage, was die wirtschaftliche und soziale Unsicherheit verstärkt.

2.3 Zeigen Sie die unterschiedlichen Wirkungsweisen der beiden Maßnahmen.

Lösung: Bei den 8 Mrd. Euro Bau- und Renovierungsinvestitionen des Staates handelt es sich um direkte Staatsausgaben (Transformationsausgaben), die unmittelbar die Nachfrage in der Volkswirtschaft erhöhen. Die Erhöhung der Staatsnachfrage führt zu einer Erhöhung der volkswirtschaftlichen Gesamtnachfrage und damit direkt zu einer Belebung der Wirtschaftsleistung. Bei den 8 Mrd. Euro Erhöhung der Sozialleistungen handelt es sich um Transferausgaben. Hier kann der Staat nur auf eine indirekte Belebung der Binnennachfrage hoffen: Zwar verfügen die Empfänger über mehr finanzielle Mittel, jedoch schwächt die Sparneigung der Bevölkerung den positiven Nachfrageeffekt ab. Der expansive Effekt auf die Volkswirtschaft fällt bei direkten Bauinvestitionen (Transformationsausgaben) aufgrund des höheren Staatsausgabenmultiplikators stärker aus als bei Transferausgaben.

2.4 Beschreiben Sie zwei mögliche Maßnahmen der Zentralbank zur Rezessionsbekämpfung und zeigen Sie die beabsichtigten Wirkungsketten der Maßnahmen auf die rezessive Wirtschaftslage.

Lösung: Mögliche Maßnahmen und Wirkungsketten: 1. Anpassung der Ständigen Fazilitäten: Senkung der Spitzenrefinanzierungsfazilität und der Einlagenfazilität. Durch die verminderten Fazilitäten verbilligt sich die Refinanzierung der Geschäftsbanken, Kreditaufnahmen für Unternehmen und Haushalte werden gefördert und Einlagen verlieren an Attraktivität. Dies belebt Investitions- und Konsumnachfrage. 2. Senkung des Mindestreservesatzes: Eine Senkung erweitert den Kreditspielraum der Geschäftsbanken und vergrößert die Menge liquider Mittel für die Kreditvergabe. Das verbesserte Kreditangebot senkt Zinsen und erleichtert kreditfinanzierte Investitionen zur Überwindung der Rezession.

2.5 Diskutieren Sie die These, dass auch die Nachbarstaaten des in der Rezession befindlichen Landes, ein Interesse daran haben, dass sich die wirtschaftliche Lage im analysierten Land bessert.

Lösung: Volkswirtschaften agieren nicht isoliert, sondern sind über den Außenhandel (Export und Import von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Arbeitskräften) eng miteinander verflochten. Eine anhaltende Rezession im Nachbarland reduziert dessen Importnachfrage, wodurch die Exportwirtschaft der Nachbarstaaten empfindliche Absatzeinbußen erleidet. Über den internationalen Transmissionsmechanismus besteht die Gefahr, dass die Rezession auf die Partnerländer übergreift (Ansteckungseffekt). Daher haben auch Nachbarstaaten ein erhebliches Eigeninteresse an einer schnellen wirtschaftlichen Erholung des Landes zur Stabilisierung der gegenseitigen Handelsbeziehungen und Gesamtnachfrage.

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