Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 1.5 · Abitur Hessen Umweltökonomie GK 2022

Thema: Klimaschutz, Energiewende und nachhaltige Mobilität · Aus der Prüfung GK (2022)

Aufgabenstellung

Material 1

Angaben zum Betrieb

Der Landwirt Meurer hat sich auf die Mast von Schweinen spezialisiert und hält durch betriebswirtschaftliche Optimierung in seinen Ställen durchschnittlich 3000 Schweine. Er hält die Vorschriften der EU für konventionelle Verfahren ein und erhält jährliche Direktzahlungen von der EU. Die Direktzahlungen werden unabhängig von der Produktionsmenge oder der Produktionsweise an die Betriebe gezahlt, sie beziehen sich vor allem auf die Größe des landwirtschaftlichen Betriebes. Dadurch erhalten landwirtschaftliche Großbetriebe deutlich mehr Direktzahlungen, als bäuerliche Kleinbetriebe.

Der Landwirt Meurer ist von der Fridays-for-future-Bewegung inspiriert und möchte seinen Beitrag zur Energiewende leisten. Er hat erfahren, dass Biomasse derzeit ein wichtiger regenerativer Energieträger ist. Biomasse hat den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu Sonnen- und Windkraft kontinuierlich und in gut berechenbaren Größen vorhanden ist. Darüber hinaus ist die Energie-gewinnung weitgehend CO2\text{CO}_2-neutral.

Aus diesem Grund beschließt Landwirt Meurer beschließt deshalb, eine Biogasanlage für seinen Hof anzuschaffen, um die Abfälle aus der Schweinemast energetisch zu verwerten und erneuerbaren Strom und Wärme zu erzeugen.

Die Gülle wird so vorbehandelt, dass Bakterien die Stickstoffverbindungen, die darin enthalten sind, herauslösen und sie in (gasförmiges) Ammoniak verwandeln. Daraus lässt sich wieder fester Stickstoffdünger herstellen.

Weiterhin plant Landwirt Meurer, seinen konventionellen Hof auf biologische Landwirtschaft umzustellen. Hintergrund dieser Maßnahme ist die Vermeidung hoher Nitratwerte im Grundwasser.

Material 2

Angaben zur Biogasanlage

Die Anschaffungskosten betragen für eine 80kW-Anlage 7.500,00 Euro je kW. Landwirt Meurer rechnet damit, dass pro Jahr 8000t Gülle anfallen. An Verarbeitungskosten fallen 0,98 Euro pro Tonne Gülle an. Die sonstigen Fixkosten betragen 50.500,00 Euro pro Jahr. Die kalkulatorischen Abschreibungen betragen 40.000 € pro Jahr, die kalkulatorischen Zinsen 12.000 € pro Jahr. Der Landwirt rechnet mit 70 kWh elektrischer Energie pro Tonne Gülle und erhält vom Energieversorger für jede in das öffentliche Stromsystem eingespeiste Kilowattstunde Strom 0,23 Euro.

Immer wieder stellen Menschen die Forderung, die Produktion von Fleisch zu verbieten. Diskutieren Sie aus drei verschiedenen Perspektiven die Sinnhaftigkeit dieser Forderung. (9 BE)

Aufgabenstellung: Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 1.5 · Abitur Hessen Umweltökonomie GK 2022

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

Immer wieder stellen Menschen die Forderung, die Produktion von Fleisch zu verbieten. Diskutieren Sie aus drei verschiedenen Perspektiven die Sinnhaftigkeit dieser Forderung.

Lösung: Mögliche Lösungsansätze aus drei verschiedenen Perspektiven (z. B. Konsumenten, Tier-/Umweltschützer, Wirtschaft/Landwirtschaft, Recht, Ökologie): - Konsumentensicht: Fleisch ist Genussmittel und fester Bestandteil der Kultur vieler Gesellschaften. Ein Totalverbot wäre eine sehr radikale Maßnahme, politisch schwer durchsetzbar und würde zu erheblichem Widerstand führen. - Tier- und Umweltschutz: Ein Produktionsverbot erscheint aus ethischen Gründen sinnvoll, da Massentierhaltung selten artgerecht ist. Zudem werden durch Veredelungsverluste bei der Fütterung von Nutzpflanzen Ressourcen verschwendet und Hunger künstlich verstärkt. Massentierhaltung trägt maßgeblich zur Erderwärmung bei. - Wirtschaftliche Perspektive: Viehzucht und nachgelagerte Verarbeitungsstufen sichern weltweit und in Deutschland viele Arbeitsplätze. Ein sofortiges Verbot würde enorme Transformationsverluste bei Landwirten und Betrieben der Fleischverarbeitung nach sich ziehen. - Rechtliche Perspektive: Ein gesetzliches Verbot könnte gegen das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit (allgemeine Handlungsfreiheit nach dem Grundgesetz) verstoßen. Zudem wäre die flächendeckende staatliche Kontrolle und Sanktionierung kaum leistbar. - Ökologische Perspektive: Reduktion von Treibhausgasen, Stopp der Abholzung von Regenwäldern für Futtermittel, Verringerung von Bodenerosion und Erhalt der Artenvielfalt. Ein Großteil dieser Ziele ließe sich jedoch auch durch eine deutliche Reduktion des Fleischkonsums und artgerechte Haltung erreichen. Fazit: Ein vollständiges Produktionsverbot ist praktisch kaum umsetzbar, die Diskussion sensibilisiert jedoch für nachhaltigeren Konsum und regionale Erzeugung.

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