Aufgabe Vorschlag A1 · Abitur Hessen Physik GK 2021

Thema: Interferenz von Licht und Mikrowellen · Aus der Prüfung GK (2021)

Aufgabenstellung

Schmetterlingsfarben

Die Farben mancher Schmetterlingsflügel lassen sich wellenoptisch durch Interferenz des Sonnenlichts an den Strukturen auf den Flügeloberflächen erklären. Um zu dieser Erklärung zu führen, beschäftigen sich die folgenden Aufgaben thematisch mit der Ausbreitung und Interferenz von Wellen.

In Material 1 ist eine Momentaufnahme von zwei Schwingungserregern Q1 und Q2 dargestellt, die mit gleicher Frequenz und Phase in einer Wellenwanne Wasserwellen in Form von konzentrischen Kreisen erzeugen.

Material 1: Momentaufnahme von zwei Schwingungserregern mit Wasserwellen

2. Doppelspalt und optisches Gitter

Ein Laser erzeugt monochromatisches Licht, das so gebündelt ist, dass es einen Punkt in der Mitte eines Schirms erzeugt. Die Wellenlänge λ\lambda des Lichts soll mithilfe eines Doppelspalts bestimmt werden, der in den Strahlengang gebracht wird (Material 2).

Der Spaltabstand dd des Doppelspalts beträgt d=1,2 mmd = 1{,}2\text{ mm} und der Abstand ee des Schirms vom Doppelspalt beträgt e=5,5 me = 5{,}5\text{ m}.

Material 2: Versuchsaufbau zur Bestimmung der Wellenlänge λ\lambda

2.1

Zeichnen Sie die Größen dd und ee in Material 2 ein. Beschreiben Sie qualitativ das Interferenzmuster auf dem Schirm. Erläutern Sie die Entstehung des Interferenzmusters mithilfe des Huygens’schen Prinzips. [7 BE]

2.2

Die Messung des Abstands der Maxima zweiter Ordnung voneinander ergibt 2⋅a2=10 mm2\cdot a_2 = 10\text{ mm}.

Leiten Sie die Formel an=n⋅e⋅λda_n = n\cdot \frac{e\cdot \lambda}{d} für den Abstand des Maximums nn-ter Ordnung von der Schirmmitte (Symmetrieachse) mithilfe geeigneter Skizzen unter Verwendung der Kleinwinkelnäherung her. Berechnen Sie die Wellenlänge λ\lambda des Lichts in der Einheit Nanometer. Geben Sie mithilfe von Material 3 die Farbe des Laserlichts an. [9 BE]

2.3

Statt des Doppelspalts mit dem Spaltabstand dd wird nun ein optisches Gitter mit einer sehr viel kleineren Gitterkonstanten gg verwendet (g≪dg \ll d).

Beschreiben Sie, wie sich das Schirmbild bei Verwendung des optischen Gitters von dem Schirmbild mit Doppelspalt qualitativ unterscheidet. Erläutern Sie einen messtechnischen Vorteil, den das optische Gitter gegenüber dem Doppelspalt bei der Bestimmung der Wellenlänge hat. [4 BE]

3. Spektren des Lichts einer Glühlampe am optischen Gitter

Jetzt wird das Licht einer Glühlampe untersucht, das unter anderem alle sichtbaren Wellenlängen von 390 nm390\text{ nm} bis 770 nm770\text{ nm} enthält. Der Versuchsaufbau unterscheidet sich vom Aufbau in Aufgabe 2 dadurch, dass jetzt das Licht mit einem geeigneten optischen Aufbau gebündelt wird und statt des Doppelspalts ein optisches Gitter mit der Gitterkonstanten g=10⋅10−6 mg = 10\cdot 10^{-6}\text{ m} verwendet wird. Der Abstand zwischen Gitter und Schirm beträgt jetzt e=0,9 me = 0{,}9\text{ m}.

3.1

Berechnen Sie unter Verwendung der Näherungsformel an=n⋅e⋅λga_n = n\cdot \frac{e\cdot \lambda}{g} (n=0,1,2,…n = 0, 1, 2, \dots) die Breite eines sichtbaren (kontinuierlichen) Spektrums 2. Ordnung.

Geben Sie die Reihenfolge der Farben in diesem Spektrum an, beginnend mit der Farbe, die der Schirmmitte am nächsten liegt. [5 BE]

3.2

Prüfen Sie unter Verwendung der Näherungsformel, ob sich die Spektren 2. und 3. Ordnung überlappen. Untersuchen Sie die Abhängigkeit des Ergebnisses von der Gitterkonstanten gg. [6 BE]

3.3

Die Verwendung der Näherungsformel soll als zulässig gelten, solange die Ergebnisse nicht mehr als 2 %2\,\% von den Ergebnissen der genauen Rechnung abweichen. Beurteilen Sie, ob zur Berechnung der Lösungen der Aufgabe 3.1 die Näherungsformel zulässig ist. [4 BE]

4. Schmetterlingsfarben durch Interferenz

Bei manchen Schmetterlingsarten wird die Farbe der Flügel durch Interferenzeffekte erzeugt. Wird die Oberfläche eines Flügels mit einem Lichtmikroskop vergrößert, so zeigt sich eine Rillenstruktur (Material 4a). Untersucht man mit stärkerer Vergrößerung eine einzelne dieser Rillen unter dem Raster-Elektronenmikroskop, so wird eine Struktur sichtbar, die Tannenbaumstruktur genannt wird. Lichtstrahlen, die senkrecht auf die Stufen dieser Tannenbaumstruktur treffen, werden reflektiert und interferieren mit den reflektierten Lichtstrahlen der jeweils benachbarten Stufen. Der Gangunterschied Δs\Delta s dieser Lichtstrahlen beträgt Δs=2⋅h\Delta s = 2\cdot h (Material 4b). Ein Flügel wird wie in Material 4b abgebildet von Sonnenlicht beschienen. Die Stufenhöhe hh beträgt h=220 nmh = 220\text{ nm}.

Material 4a: Rillen- und Tannenbaumstruktur auf dem Flügel

Material 4b: Einfallendes und reflektiertes Sonnenlicht

Untersuchen Sie, für welche Wellenlängen das reflektierte Licht konstruktiv interferiert und in welcher Farbe dieser Flügel deshalb einem Betrachter erscheint, der den Flügel aus der in Material 4b eingezeichneten Einfalls- bzw. Reflexionsrichtung des Sonnenlichts betrachtet. [5 BE]

Aufgabenstellung: Aufgabe Vorschlag A1 · Abitur Hessen Physik GK 2021

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

2.1 Beschreiben Sie qualitativ das Interferenzmuster auf dem Schirm. Erläutern Sie die Entstehung des Interferenzmusters mithilfe des Huygens’schen Prinzips.

Lösung: Beschreiben: In der Mitte des Schirms ist ein heller Punkt zu sehen. Auf beiden Seiten schließen sich in jeweils gleichen Abständen helle Punkte an, deren Helligkeit nach außen hin abnimmt. Erläutern: Jeder Spalt ist Ausgangspunkt einer Elementarwelle. Wenn der Gangunterschied der Elementarwellen ein ganzzahliges Vielfaches der Wellenlänge beträgt, so entstehen Maxima durch konstruktive Interferenz. Die Bereiche des Schirms, die diese Bedingung erfüllen, leuchten hell. Beträgt der Gangunterschied dagegen ungeradzahlige Vielfache der halben Wellenlänge, so interferieren die Wellen destruktiv. An diesen Stellen liegen Minima vor, d. h. der Schirm ist hier dunkel.

2.2 Leiten Sie die Formel an = n·(e·λ/d) für den Abstand des Maximums n-ter Ordnung von der Schirmmitte mithilfe geeigneter Skizzen unter Verwendung der Kleinwinkelnäherung her.

Lösung: Für den Gangunterschied Δs\Delta s gilt: Δsd=sin⁡α\frac{\Delta s}{d} = \sin \alpha Für den Abstand ana_n des Maximums der Ordnung nn von der Symmetrieachse gilt: ane=tan⁡α\frac{a_n}{e} = \tan \alpha Für kleine Winkel gilt die Näherung: sin⁡α=tan⁡α\sin \alpha = \tan \alpha. Damit folgt: Δsd=ane  ⟺  an=edΔs\frac{\Delta s}{d} = \frac{a_n}{e} \iff a_n = \frac{e}{d} \Delta s Konstruktive Interferenz liegt vor, wenn der Gangunterschied Δs\Delta s die Bedingung Δs=n⋅λ\Delta s = n\cdot \lambda (mit n=0,1,2,3,…n = 0, 1, 2, 3, \dots) erfüllt. Damit ergibt sich die gesuchte Formel: an=n⋅e⋅λda_n = n\cdot \frac{e\cdot \lambda}{d}

2.2 Berechnen Sie die Wellenlänge λ des Lichts in der Einheit Nanometer.

Lösung: 545 nm / 5.45e-7 m

2.2 Geben Sie mithilfe von Material 3 die Farbe des Laserlichts an.

Lösung: Grün

2.3 Beschreiben Sie, wie sich das Schirmbild bei Verwendung des optischen Gitters von dem Schirmbild mit Doppelspalt qualitativ unterscheidet. Erläutern Sie einen messtechnischen Vorteil, den das optische Gitter gegenüber dem Doppelspalt bei der Bestimmung der Wellenlänge hat.

Lösung: Beschreiben: Beim optischen Gitter vergrößern sich die Abstände der Maxima. Außerdem werden die Maxima heller und schärfer begrenzt. Erläutern: Da die Maxima schärfer ausgeprägt sind und einen größeren Abstand voneinander haben, lässt sich der Abstand zweier Maxima genauer ausmessen.

3.1 Berechnen Sie unter Verwendung der Näherungsformel die Breite eines sichtbaren (kontinuierlichen) Spektrums 2. Ordnung.

Lösung: 6,84 cm / 0,0684 m

3.1 Geben Sie die Reihenfolge der Farben in diesem Spektrum an, beginnend mit der Farbe, die der Schirmmitte am nächsten liegt.

Lösung: Violett, Blau, Grün, Gelb, Orange, Rot

3.2 Prüfen Sie unter Verwendung der Näherungsformel, ob sich die Spektren 2. und 3. Ordnung überlappen. Untersuchen Sie die Abhängigkeit des Ergebnisses von der Gitterkonstanten g.

Lösung: Prüfen: Das Maximum von λ1=390 nm\lambda_1 = 390\text{ nm} im Spektrum 3. Ordnung liegt bei: a31=3⋅e⋅λ1g=3⋅0,9 m⋅390⋅10−9 m10⋅10−6 m=0,1053 m=10,53 cma_{31} = 3\cdot \frac{e\cdot \lambda_1}{g} = 3\cdot \frac{0{,}9\text{ m}\cdot 390\cdot 10^{-9}\text{ m}}{10\cdot 10^{-6}\text{ m}} = 0{,}1053\text{ m} = 10{,}53\text{ cm} Im Spektrum 2. Ordnung liegt das Maximum von λ2\lambda_2 bei a22=13,86 cma_{22} = 13{,}86\text{ cm}. Da a31<a22a_{31} < a_{22}, überlappen sich die Spektren der 2. und 3. Ordnung. Untersuchen: a22−a31=2⋅e⋅λ2g−3⋅e⋅λ1g=(2⋅λ2−3⋅λ1)⋅eg=(2⋅770 nm−3⋅390 nm)⋅eg>0a_{22} - a_{31} = 2\cdot \frac{e\cdot \lambda_2}{g} - 3\cdot \frac{e\cdot \lambda_1}{g} = (2\cdot \lambda_2 - 3\cdot \lambda_1)\cdot \frac{e}{g} = (2\cdot 770\text{ nm} - 3\cdot 390\text{ nm})\cdot \frac{e}{g} > 0 Die Differenz ist unabhängig von gg immer positiv, daher überlappen sich beide Spektren für alle Gitterkonstanten gg.

3.3 Beurteilen Sie, ob zur Berechnung der Lösungen der Aufgabe 3.1 die Näherungsformel zulässig ist.

Lösung: Für die genaue Berechnung gilt: sin⁡α=n⋅λgundtan⁡α=ae\sin \alpha = \frac{n\cdot \lambda}{g} \quad \text{und} \quad \tan \alpha = \frac{a}{e} Da die Abweichung für größere Winkel am größten ist, genügt die Prüfung für a22a_{22}: a22=e⋅tan⁡(arcsin⁡(2⋅λ2g))=0,9 m⋅tan⁡(arcsin⁡(2⋅770⋅10−910⋅10−6))=0,1403 m=14,03 cma_{22} = e\cdot \tan\left(\arcsin\left(\frac{2\cdot \lambda_2}{g}\right)\right) = 0{,}9\text{ m}\cdot \tan\left(\arcsin\left(\frac{2\cdot 770\cdot 10^{-9}}{10\cdot 10^{-6}}\right)\right) = 0{,}1403\text{ m} = 14{,}03\text{ cm} Prozentuale Abweichung: 13,86 cm14,03 cm=0,988  ⟹  1,2 % Abweichung\frac{13{,}86\text{ cm}}{14{,}03\text{ cm}} = 0{,}988 \implies 1{,}2\,\%\text{ Abweichung} Da 1,2 %≤2 %1{,}2\,\% \le 2\,\%, ist die Näherungsformel für Aufgabe 3.1 zulässig.

4. Untersuchen Sie, für welche Wellenlängen das reflektierte Licht konstruktiv interferiert.

Lösung: 440 nm / 4.4e-7 m

4. In welcher Farbe dieser Flügel deshalb einem Betrachter erscheint:

Lösung: Blau

Begründung / Untersuchung:

Lösung: Konstruktive Interferenz tritt auf für Δs=k⋅λ\Delta s = k\cdot \lambda mit k∈Nk\in\mathbb{N}. Mit Δs=2h=440 nm\Delta s = 2h = 440\text{ nm} folgt für k=1k = 1: λ=440 nm\lambda = 440\text{ nm} (blaues Licht im sichtbaren Bereich von 390 nm390\text{ nm} bis 770 nm770\text{ nm}). Für k≥2k \ge 2 ergibt sich λ≤220 nm\lambda \le 220\text{ nm} (im UV-Bereich, nicht sichtbar). Daher erscheint der Flügel blau.

2.1 Zeichnen Sie die Größen d und e in Material 2 ein. / 2.2 Herleitungsskizze

Lösung: 2.1 Zeichnung in Material 2: Der Spaltabstand dd zwischen den beiden Spalten und der Abstand ee zwischen Doppelspalt und Schirm werden eingetragen. 2.2 Skizze zur Herleitung:

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