Aufgabe Vorschlag A1 - Aufgabe 1 · Abitur Hessen Physik LK 2021

Thema: Elektrisches Feld, Coulomb-Kraft und Kondensator · Aus der Prüfung LK (2021)

Aufgabenstellung

Elektrische und magnetische Felder in Mikrofonen

Aufgaben

Mikrofone wandeln Schallwellen in elektrische Signale um. Zwei verbreitete Bauformen sind das Kondensatormikrofon, das in Aufgabe 1 betrachtet wird, und das Tauchspulenmikrofon, das in Aufgabe 2 betrachtet wird.

1

Ein Kondensatormikrofon besteht aus einer Membran, die durch Schallwellen ausgelenkt wird, und einer Gegenelektrode. Diese Bauteile bilden zusammen einen luftgefüllten Plattenkondensator (Dielektrizitätszahl εr,Luft=1\varepsilon_{\text{r,Luft}} = 1) mit kreisförmigen Platten (Radius r=1,50 cmr = 1{,}50\text{ cm}), dessen elektrisches Feld als homogen angenommen werden soll (Material 1). Der Plattenabstand beträgt in der Ruhelage (ohne auftreffende Schallwellen) d0=40,0 μmd_0 = 40{,}0\,\mu\text{m}. Treffen Schallwellen auf die Membran, so ändert sich die am Kondensator anliegende Spannung UCU_\text{C}. Daraus erzeugt eine elektrische Schaltung ein Signal, das weiterverarbeitet werden kann.

1.1

Der Kondensator wird in der Ruhelage aufgeladen, sodass die Spannung U0=48,0 VU_0 = 48{,}0\text{ V} anliegt.

Berechnen Sie die Kapazität C0C_0 und die Ladung Q0Q_0 des Kondensators sowie die in seinem Feld gespeicherte Energie Eel,0E_{\text{el},0}.

[zur Kontrolle: C0=156,5 pFC_0 = 156{,}5\text{ pF}; Q0=7,51 nCQ_0 = 7{,}51\text{ nC}]

(6 BE)

1.2

Für eine verzerrungsfreie Umwandlung von Schallwellen in elektrische Signale muss die Spannung UCU_C am Kondensator unter der Annahme konstanter Kondensatorladung proportional zum Plattenabstand dd sein.

Zeigen Sie allgemein, dass dieser Zusammenhang für Plattenkondensatoren gilt.

Erläutern Sie mithilfe von Material 1 eine Ursache, die bei einem Kondensatormikrofon zu einer Verzerrung des Signals führen kann.

(5 BE)

1.3

Ausgehend von der Ruhelage wird die Spannung UCU_C am Kondensator nacheinander bei vier verschiedenen Plattenabständen dd gemessen. Die Ergebnisse finden Sie in Material 2.

Untersuchen Sie, ob der Kondensator die Ladung von der Ruhelage bis zur ersten Messung und dann während der Messungen verlustfrei speichert. Die berechneten Werte für die Ladungen können in die letzte Tabellenzeile eingetragen werden.

(5 BE)

Messung Nr.

Ruhelage

1

2

3

4

dd in μm\mu\text{m}

40,0

40,6

41,2

41,8

42,4

UCU_C in V\text{V}

48,00

48,68

49,41

50,05

50,95

QQ in nC\text{nC}

7,51

1.4

Tatsächlich kann vom Kondensator auch über die elektrische Schaltung Ladung abfließen. Dies soll anhand der Entladung eines Kondensators über einen Widerstand modelliert werden (Material 3). Zum Zeitpunkt t=0 st = 0\text{ s} wird der vollständig aufgeladene Kondensator von der Spannung U0=48 VU_0 = 48\text{ V} getrennt.

1.4.1

Leiten Sie die Differenzialgleichung 1R⋅C⋅Q(t)+Q˙(t)=0\frac{1}{R \cdot C} \cdot Q(t) + \dot{Q}(t) = 0 her, die die zeitliche Änderung der Ladung Q(t)Q(t) im Kondensator beschreibt. Erläutern Sie die Herleitungsschritte.

Zeigen Sie, dass der Ansatz Q(t)=C⋅U0⋅e−1τ⋅tQ(t) = C \cdot U_0 \cdot e^{-\frac{1}{\tau} \cdot t} die Differenzialgleichung löst und bestimmen Sie dabei einen Ausdruck für die Zeitkonstante τ\tau.

(8 BE)

1.4.2

Untersuchen Sie, wie groß der Widerstand RR bei einer Kapazität von C0=156,5 pFC_0 = 156{,}5\text{ pF} mindestens sein muss, damit sich eine Ladung Q0Q_0 des Kondensators in der Ruhelage in der Zeitspanne einer Periodendauer eines Tones mit der Frequenz f=400 Hzf = 400\text{ Hz} durch Entladung um höchstens 3 %3\,\% verringert.

(5 BE)

Aufgabenstellung: Aufgabe Vorschlag A1 - Aufgabe 1 · Abitur Hessen Physik LK 2021

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

1.1 Berechnen Sie die Kapazität C0C_0 des Kondensators in der Ruhelage.

Lösung: 156,5 pF/1,565⋅10−10 F156{,}5\text{ pF} / 1{,}565\cdot 10^{-10}\text{ F}

1.1 Berechnen Sie die Ladung Q0Q_0 des Kondensators.

Lösung: 7,51 nC/7,51⋅10−9 C7{,}51\text{ nC} / 7{,}51\cdot 10^{-9}\text{ C}

1.1 Berechnen Sie die im Feld gespeicherte Energie Eel,0E_{\text{el},0}.

Lösung: 0,18 μJ/1,8⋅10−7 J0{,}18\ \mu\text{J} / 1{,}8\cdot 10^{-7}\text{ J}

1.2 Zeigen Sie allgemein, dass für Plattenkondensatoren UC∼dU_C \sim d bei konstanter Ladung gilt.

Lösung: U=QC=Qε0⋅Ad=Qε0⋅A⋅dU = \frac{Q}{C} = \frac{Q}{\varepsilon_0 \cdot \frac{A}{d}} = \frac{Q}{\varepsilon_0 \cdot A} \cdot d dd ist proportional zu UU, da der Quotient Qε0⋅A\frac{Q}{\varepsilon_0 \cdot A} laut Voraussetzung konstant ist.

1.2 Erläutern Sie mithilfe von Material 1 eine Ursache, die bei einem Kondensatormikrofon zu einer Verzerrung des Signals führen kann.

Lösung: Mögliche Erläuterungen: - Die Auslenkung der Membran ist nicht proportional zum Schalldruck (zur „Stärke“ des Schallsignals). - Die Membran wölbt sich, wenn sie ausgelenkt wird. Dadurch ist der Abstand zwischen Membran und Gegenelektrode an verschiedenen Stellen unterschiedlich groß.

1.3 Berechnen Sie die Ladung QQ bei Messung 1.

Lösung: 7,50 nC7{,}50\text{ nC}

1.3 Berechnen Sie die Ladung QQ bei Messung 2.

Lösung: 7,51 nC7{,}51\text{ nC}

1.3 Berechnen Sie die Ladung QQ bei Messung 3.

Lösung: 7,49 nC7{,}49\text{ nC}

1.3 Berechnen Sie die Ladung QQ bei Messung 4.

Lösung: 7,52 nC7{,}52\text{ nC}

1.3 Fazit zur verlustfreien Ladungsspeicherung

Lösung: Die Ladung bleibt (im Rahmen der Messgenauigkeit) konstant.

1.4.1 Leiten Sie die Differenzialgleichung 1R⋅C⋅Q(t)+Q˙(t)=0\frac{1}{R \cdot C} \cdot Q(t) + \dot{Q}(t) = 0 her und erläutern Sie die Herleitungsschritte.

Lösung: Die Summe der Spannungen im Entladestromkreis muss null sein: UC(t)+UR(t)=0U_C(t) + U_R(t) = 0. Durch Einsetzen von UC(t)=Q(t)CU_C(t) = \frac{Q(t)}{C} und UR(t)=R⋅I(t)U_R(t) = R \cdot I(t) erhält man: Q(t)C+R⋅I(t)=0\frac{Q(t)}{C} + R \cdot I(t) = 0 Division durch RR und Ersetzen von I(t)I(t) durch Q˙(t)\dot{Q}(t) ergibt die gesuchte Differenzialgleichung: 1R⋅C⋅Q(t)+Q˙(t)=0\frac{1}{R \cdot C} \cdot Q(t) + \dot{Q}(t) = 0

1.4.1 Zeigen Sie, dass der Ansatz Q(t)=C⋅U0⋅e−1τ⋅tQ(t) = C \cdot U_0 \cdot e^{-\frac{1}{\tau} \cdot t} die Differenzialgleichung löst und bestimmen Sie einen Ausdruck für die Zeitkonstante τ\tau.

Lösung: Durch Einsetzen des Ansatzes in die Differenzialgleichung erhält man: 1R⋅C⋅C⋅U0⋅e−1τ⋅t+ddt(C⋅U0⋅e−1τ⋅t)=0\frac{1}{R \cdot C} \cdot C \cdot U_0 \cdot e^{-\frac{1}{\tau} \cdot t} + \frac{\text{d}}{\text{d}t}\left(C \cdot U_0 \cdot e^{-\frac{1}{\tau} \cdot t}\right) = 0 ⇒U0R⋅e−1τ⋅t+C⋅U0⋅(−1τ)⋅e−1τ⋅t=0\Rightarrow \frac{U_0}{R} \cdot e^{-\frac{1}{\tau} \cdot t} + C \cdot U_0 \cdot \left(-\frac{1}{\tau}\right) \cdot e^{-\frac{1}{\tau} \cdot t} = 0 ⇒U0⋅e−1τ⋅t⋅(1R−Cτ)=0\Rightarrow U_0 \cdot e^{-\frac{1}{\tau} \cdot t} \cdot \left(\frac{1}{R} - \frac{C}{\tau}\right) = 0 ⇒1R−Cτ=0⇒τ=R⋅C\Rightarrow \frac{1}{R} - \frac{C}{\tau} = 0 \Rightarrow \tau = R \cdot C

1.4.2 Untersuchen Sie, wie groß der Widerstand RR mindestens sein muss.

Lösung: 524,5 MΩ/5,245⋅108 Ω524{,}5\text{ M}\Omega / 5{,}245\cdot 10^8\ \Omega

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