Aufgabe Vorschlag B - 2 - Welle-Nabe-Verbindungen · Abitur Hessen Maschinenbautechnik LK 2022

Thema: Welle-Nabe-Verbindungen · Aus der Prüfung LK (2022)

Aufgabenstellung

Thema und Aufgabenstellung – Vorschlag B: Rotorwelle

Windkraftanlagen sind Energiewandler, welche die Bewegungsenergie des Windes in elektrische Energie umwandeln, um diese in ein Stromnetz einspeisen zu können.

In der dargestellten Kleinwindanlage (Nennleistung: 12 kW12\text{ kW}) wird die Bewegungsenergie des Windes zunächst von drei Rotorblättern aufgenommen. Die Rotorblätter sind mit einer Rotorwelle verbunden, die durch diese in eine Drehbewegung versetzt wird, um einen Generator anzutreiben. Um einen guten Wirkungsgrad zu erreichen und sich an die Netzfrequenz (50 Hz50\text{ Hz}) anpassen zu können, muss die Generatordrehzahl deutlich höher sein als die Drehzahl der Rotorwelle. Hierzu wird zwischen Rotorwelle und Generator ein Getriebe geschaltet, welches die geringe Drehzahl der Rotorwelle in eine hohe Drehzahl für den Generator übersetzt.

Allgemeine Vorgaben zur Belastung der Rotorwelle

Für die nachfolgenden Aufgaben wird angenommen, dass die Rotorwelle durch den Wind ein konstantes Antriebsmoment TT erfährt. Zusätzlich zu der daraus resultierenden Torsionsbeanspruchung wirken in der Rotorwelle Biegespannungen, die durch die Gewichtskraft des Rotors FG,Rotor=500 NF_{\text{G,Rotor}} = 500\text{ N} hervorgerufen werden. Die Axialkraft in der Rotorwelle, die durch die Schubkraft des Windes entsteht, beträgt Fx=1 kNF_x = 1\text{ kN}.

Hinweis: Die Gewichtskraft der Rotorwelle und die Zentrifugalkräfte, die durch die Drehung der Rotorblätter entstehen, sind zu vernachlässigen.

Material 1: Schematischer Aufbau der Kleinwindanlage

Material 2: Prinzipskizze der Lagerung der Rotorwelle (nicht maßstabsgetreu)

Material 3: Ersatzskizze der Rotorwelle

Material 4: Vergrößerter Ausschnitt der kritischen Stelle (Wellennut für den Sicherungsring)

Material 5: Festigkeitskennwerte

Tabelle 5.8 Festigkeitswerte für Stähle (alle Werte in N/mm2\text{N/mm}^2) Werkstoff · RmR_{\text{m}} · Re,Rp0,2R_{\text{e}}, R_{\text{p0,2}} · σzd Sch\sigma_{\text{zd Sch}} · σzd W\sigma_{\text{zd W}} · σb Sch5)\sigma_{\text{b Sch}}^{5)} · σb W\sigma_{\text{b W}} · τt Sch6)\tau_{\text{t Sch}}^{6)} · τt W\tau_{\text{t W}} · Elastizitätsmodul EE · Schubmodul GG

S235JR · 360 · 235 · 158 · 160 · 270 · 180 · 115 · 105 · 210000 · 80000

S275JO · 430 · 275 · 185 · 195 · 320 · 215 · 140 · 125 · 210000 · 80000

E295 · 490 · 295 · 205 · 220 · 370 · 245 · 160 · 145 · 210000 · 80000

S355JO · 510 · 355 · 215 · 230 · 380 · 255 · 165 · 150 · 210000 · 80000

E335 · 590 · 335 · 240 · 265 · 435 · 290 · 200 · 170 · 210000 · 80000

E360 · 690 · 360 · 270 · 310 · 500 · 340 · 220 · 200 · 210000 · 80000

50 CrMo4 2) · 1100 · 900 · 385 · 495 · 785 · 525 · 350 · 315 · 210000 · 80000

20 MnCr5 3) · 1200 · 850 · 365 · 480 · 765 · 510 · 335 · 305 · 210000 · 80000

34 CrAlNi7 4) · 900 · 680 · 335 · 405 · 650 · 435 · 300 · 260 · 210000 · 80000

1) Richtwerte für dB<16 mmd_{\text{B}} < 16\text{ mm}, 2) Vergütungsstahl, 3) Einsatzstahl, 4) Nitrierstahl, 5) berechnet mit 1,5⋅σb W1{,}5 \cdot \sigma_{\text{b W}}, 6) berechnet mit 1,1⋅τt W1{,}1 \cdot \tau_{\text{t W}}

Alfred Böge: Technische Mechanik, Braunschweig 2011, S. 384.

Material 6: Beiwerte zur Überprüfung der Dauerfestigkeit

Kerbwirkungszahl βk\beta_{\text{k}}

Oberflächenbeiwert b1b_1 und Größenbeiwert b2b_2 für Kreisquerschnitte

Material 7: Prinzipdarstellung des Lagerungskonzepts großer Windkraftanlagen

2 Die Rotorwelle ist im Getriebe über eine Passfederverbindung (Passfeder Form A gemäß DIN 6885) mit einem Zahnrad verbunden. Die Rotorwelle hat an dieser Verbindungsstelle einen Durchmesser von d=60 mmd = 60\,\text{mm}. Rotorwelle und Zahnrad bestehen aus dem Vergütungsstahl 50CrMo4 (Re=900 N/mm2R_e = 900\,\text{N/mm}^2), die Passfeder aus dem Vergütungsstahl C45 (Re=490 N/mm2R_e = 490\,\text{N/mm}^2).

2.1

Wählen Sie eine möglichst kleine Passfeder aus und weisen Sie nach, dass die Flächenpressung in Wellen- und Nabennut sowie die Scherspannung in der Passfeder die zulässigen Beanspruchungen nicht überschreiten.

Hinweis: Die zulässigen Werte für die Flächenpressung und die Scherspannung sind über die Streckgrenze ReR_e mit zweifacher Sicherheit zu ermitteln. [20 BE]

2.2

Beurteilen Sie, ob der Einsatz einer Passfederverbindung auch am Übergang zum Rotor an der Verbindungsstelle zwischen Rotor und Rotorwelle sinnvoll ist. [6 BE]

Aufgabenstellung: Aufgabe Vorschlag B - 2 - Welle-Nabe-Verbindungen · Abitur Hessen Maschinenbautechnik LK 2022

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

Wählen Sie eine möglichst kleine Passfeder aus

Lösung: Passfeder DIN 6885 – A – 18x11x50

Flächenpressung in der Wellennut pWellep_{\text{Welle}}

Lösung: 97,8 N/mm297{,}8\,\text{N/mm}^2

Flächenpressung in der Nabennut pNabep_{\text{Nabe}}

Lösung: 171,1 N/mm2171{,}1\,\text{N/mm}^2

Scherspannung in der Passfeder τPassfeder\tau_{\text{Passfeder}}

Lösung: 38 N/mm238\,\text{N/mm}^2

2.2 Beurteilen Sie, ob der Einsatz einer Passfederverbindung auch am Übergang zum Rotor an der Verbindungsstelle zwischen Rotor und Rotorwelle sinnvoll ist.

Lösung: Passfederverbindungen sind vor allem geeignet, um kleine bis mittlere Drehmomente zu übertragen. Für große wechselnde oder stoßartige Drehmomente sind sie nicht geeignet. An der Verbindungsstelle zwischen Rotor und Rotorwelle wirken verhältnismäßig große und schwellende Drehmomente (durch variierende Windkräfte), weshalb eine Passfederverbindung an dieser Stelle eher ungeeignet ist.

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Aufgabe Vorschlag A - 5.1 · LK 2021 ›

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