Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 3.1–3.2 · Abitur Hessen Gesundheitslehre LK 2021
Thema: Fehlreaktionen: Allergien, Autoimmunerkrankungen und Immundefekte · Aus der Prüfung LK (2021)
Aufgabenstellung
Die Prä-Eklampsie ist ein komplexer pathophysiologischer Vorgang, für den verschiedene Faktoren verantwortlich gemacht werden. Heute geht man davon aus, dass 20–40% aller Erkrankungen durch Autoantikörper bedingt sind.
3.1
Normalerweise kann das menschliche Immunsystem zwischen „körpereigen“ und „körperfremd“ unterscheiden.
Erläutern Sie diese Tatsache in Bezug auf die Prägung der T-Lymphozyten.
Erklären Sie mithilfe von Material 7 die Bildung von Autoantikörpern unter Einbeziehung der Buchstaben A–D. (10 BE)
3.2
Die Autoantikörper bei Prä-Eklampsie sind sogenannte GPCR-Antikörper, die gegen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren gerichtet sind und diese aktivieren.
Beschreiben Sie die in Material 8, Abbildung 8.1 dargestellte Arbeits- und Wirkungsweise eines G-Protein-gekoppelten Rezeptors.
Analysieren Sie anhand von Material 8, Abbildung 8.2 die Verstärkung der Konstriktion von Nierengefäßen durch Autoantikörper. (10 BE)

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
Erläutern Sie diese Tatsache in Bezug auf die Prägung der T-Lymphozyten.
Lösung: Im Thymus reifen Lymphozyten zu T-Lymphozyten heran. Sie erkennen freie Antigene nicht direkt, sondern nur, wenn diese an körpereigenen MHC-Proteinen präsentiert werden. Zunächst sind sie gegen verschiedenste Moleküle gerichtet. Lymphozyten, die körpereigene MHC-Moleküle erkennen (mittels CD4- oder CD8-Co-Rezeptor), überleben und vermehren sich (positive Selektion); die übrigen gehen in den programmierten Zelltod. Im zweiten Schritt werden T-Lymphozyten, die körpereigene Antigene auf MHC-Proteinen binden und somit körpereigene Zellen angreifen würden, durch programmierten Zelltod eliminiert (negative Selektion). Dadurch erlangen sie Selbsttoleranz gegenüber körpereigenem Gewebe.
Erklären Sie mithilfe von Material 7 die Bildung von Autoantikörpern unter Einbeziehung der Buchstaben A–D.
Lösung: Autoantigene werden vom B-Lymphozyten (A) an dessen IgD-Antikörper gebunden, endozytiert und auf MHC-II-Proteinen präsentiert (Teilaktivierung). Parallel phagozytiert ein Makrophage (B) dasselbe Autoantigen, spaltet es und präsentiert Fragmente auf MHC-Proteinen. Durch Interleukin 1 (IL 1) werden T-Helferzellen angelockt. Die T-Helferzelle (C) mit passendem Rezeptor bindet an den Makrophagen-MHC-Komplex und schüttet IL 2 zur Selbststimulation und Makrophagenaktivierung aus. Der teilaktivierte B-Lymphozyt lockt ebenfalls über IL 1 die aktivierte T-Helferzelle an. Diese schüttet IL 2 sowie IL 4–6 aus und stimuliert die Vermehrung und Differenzierung des B-Lymphozyten zu Plasmazellen (D). Die Plasmazellen produzieren Autoantikörper gegen körpereigene Zellmembranstrukturen.
Beschreiben Sie die in Material 8, Abbildung 8.1 dargestellte Arbeits- und Wirkungsweise eines G-Protein-gekoppelten Rezeptors.
Lösung: Bindet ein Agonist (First Messenger) an den G-Protein-gekoppelten Rezeptor, lagert sich das heterotrimere G-Protein an den Rezeptor an. An der α-Untereinheit wird GDP gegen GTP ausgetauscht. Durch diese Aktivierung löst sich die α-Untereinheit von der βγ-Untereinheit und diffundiert lateral in der Membran zu einem Effektorprotein (z. B. Adenylatzyklase), dessen Funktion verändert/aktiviert wird. Anschließend hydrolysiert die α-Untereinheit GTP zu GDP und Phosphat und assoziiert wieder mit dem βγ-Komplex zum inaktiven G-Protein.
Analysieren Sie anhand von Material 8, Abbildung 8.2 die Verstärkung der Konstriktion von Nierengefäßen durch Autoantikörper.
Lösung: Autoantikörper binden als First Messenger an den G-Protein-gekoppelten Rezeptor einer glatten Gefäßmuskelzelle. Das aktivierte G-Protein stimuliert die Phospholipase C, welche membranständiges PIP₂ in DAG und IP₃ spaltet. IP₃ diffundiert als Second Messenger durch das Zytosol zu ligandenaktivierten Kalziumkanälen am endoplasmatischen Retikulum (ER) und bindet nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip. Dadurch öffnen sich die Kanäle, und Ca²⁺ strömt aus dem ER ins Zytosol. Der Anstieg der zytosolischen Ca²⁺-Konzentration führt zur elektromechanischen Kopplung (Interaktion von Aktin und Myosin), wodurch die glatten Muskelzellen kontrahieren und die Gefäßkonstriktion der Nierengefäße verstärkt wird.
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