Aufgabe Vorschlag C - 3 · Abitur Hessen Erdkunde GK 2021
Thema: Globale Disparitäten, Entwicklungsstand und Nachhaltigkeitsziele · Aus der Prüfung GK (2021)
Aufgabenstellung
Material 1
Klimadiagramme
Daten nach: Deutscher Wetterdienst, 2019, URL: https://www.dwd.de/DWD/klima/beratung/ak/ak_442920_di.pdf, URL: https://www.dwd.de/DWD/klima/beratung/ak/ak_443730_di.pdf (abgerufen am 20.06.2020).
Material 2
Minen und mineralische Vorkommen in der Mongolei (2017)
A. Gantumur et al. (2017): Environmental and social consequences of gold mining in Mongolia, Monitoring Środowiska Przyrodniczego (Heft 19) S. 11–15, URL: https://www.researchgate.net/figure/Major-Operating-Mines-and-Mineral-Deposits-in-Mongolia-Source-Mongolia-A-Review-of_fig1_322128697 (abgerufen am 20.06.2020).
Material 3
Strukturdaten Mongolei 2019
Landesfläche in km² · 1.564.116
Gesamtbevölkerung · 3.300.000
Lebenserwartung bei Geburt in Jahren · 70,5
Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze in % der Gesamtbevölkerung (2018) · 28,4
HDI Wert/Rang (2018) · 0,735/92
BIP in Mrd. US-Dollar · 13,6
BIP/Kopf in US-Dollar · 4.133
Wertschöpfung in % des BIP (2017)
Landwirtschaft
Bergbau
Industrie/Produktion
Dienstleistungen
10,6
22,6
16,8
50,0
Anteil der Beschäftigten in % (2017)
Landwirtschaft
Bergbau
Industrie/Produktion
Dienstleistungen
30,0
4,4
14,0
51,6
Anteil der Beschäftigten im produzierenden Sektor in % · 19,4
Anteil der Beschäftigten im Dienstleistungssektor in % · 53,2
Export in Mrd. US-Dollar
Hauptexportprodukte (2018): Kohle, Metallurgische Erze, Gold, Erdöl/Erdölerzeugnisse, Spinnstoffe
Hauptexportländer (2018): China (89%), Schweiz (5%), Großbritannien (1,3%) · 7,1
Import in Mrd. US-Dollar
Hauptimportprodukte (2018): Erdöl/Erdölerzeugnisse, Straßenfahrzeuge, Maschinen, Metallwaren
Hauptimportländer (2018): China (33,5%), Russland (29,1%), Japan (9,5%), Südkorea (4,5%), USA (3,6%) · 6,3
Stadtbevölkerung in % · 68,5
Korruptionswahrnehmungsindex, Rang (von 180)
Je höher der Rang, umso mehr Korruption ist wahrnehmbar. · 106
Material 4
Jörg Janzen: Die Mongolei im Zeichen von Marktwirtschaft und Globalisierung (2012)
Auf der Grundlage der physischen Rahmenbedingungen und natürlichen Ressourcen haben sich
unterschiedliche Landnutzungsformen entwickelt. Über Jahrtausende bildete im heutigen Gebiet der
Mongolei der Nomadismus die Lebensgrundlage für den Menschen. Obwohl die mobile Tierhaltung
seit Anfang des 20. Jhs. starken Veränderungen unterliegt, stellt sie bis heute in weiten Teilen des
5 ländlichen Raumes die wichtigste Quelle der Existenzsicherung dar [...].
Ackerbauliche Aktivitäten größeren Umfangs gehen erst auf die sowjetische Einflussnahme in der
zweiten Hälfte des 20. Jhs. zurück [...]. Sie haben in den vergangenen Jahren eine deutliche Zunahme
erfahren. Außer den weitläufigen Naturweiden der mongolischen Steppen liegt ein weiterer Reichtum
des Landes in seiner großen Vielfalt an mineralischen und fossilen Bodenschätzen, wie Kohle, Erdöl,
10 Erdgas, Kupfer, Gold, Eisen, Uran, Flussspat und Seltene Erden. Im primären Sektor ist auch die
Forst- und Sammelwirtschaft [...] von Bedeutung. Die überwiegend aus Lärchen bestehenden
Waldgebiete könnten bei nachhaltiger Bewirtschaftung einen Großteil des Holzbedarfs des Landes
decken. [...]
Auch nach der politischen Wende und dem Ende von UdSSR¹ und DDR ist die Mongolei aufgrund
15 ihrer Binnenlage zwischen der Russischen Föderation und der Volksrepublik China politisch wie
wirtschaftlich verletzlich und erpressbar geblieben. Insbesondere eine Einrichtung, die von der UdSSR
gebaute Transmongolische Eisenbahn, die nach wie vor die wichtigste Verkehrsverbindung des
Landes darstellt, kann bei Zwistigkeiten mit China und Russland als Druckmittel gegen die Mongolei
eingesetzt werden. Der bis heute als russisch-mongolisches Joint-Venture betriebenen
20 Eisenbahngesellschaft kann durch Transportbehinderungen aller Art und unangemessene Erhöhungen
der Transitgebühren volkswirtschaftlicher Schaden zugefügt werden. Darüber hinaus gehören bei
politischen Querelen die Abschaltung von Stromlieferungen und die willkürliche Verknappung von
Kraftstoffexporten aus Sibirien zur gängigen Praxis. Da China nach der Wende Russland als
wichtigsten Handelspartner abgelöst hat, ist auch die Abhängigkeit der Mongolei von China extrem
25 angewachsen. Als wichtigster Investor beeinflusst China in erheblichem Maße die Preisgestaltung der
mongolischen Rohstoffe. Das gilt vor allem für Kaschmir-Wolle, das wichtigste Verkaufsgut der
mongolischen Tierhalter. Um die große Abhängigkeit von seinen mächtigen Nachbarn zu verringern,
unterhält die Mongolei im Rahmen einer ausgewogenen Außenpolitik gute politische und
wirtschaftliche Beziehungen insbesondere zu den USA, aber auch zu Japan, der Türkei, Indien und zur
30 Europäischen Union, hierbei vor allem zu Deutschland. Seit dem Ende des Sozialismus ist die
Mongolei zusätzlich zu den Altschulden bei der Russischen Föderation in eine starke finanzielle
Abhängigkeit von internationalen Organisationen wie Internationalem Währungsfond, Weltbank,
Asiatischer Entwicklungsbank, Europäischer Union und anderen nationalen Geldgebern geraten. [...]
Nach der politischen Wende von 1989/90 und dem ökonomischen Zusammenbruch eines Großteils der
35 Staatsbetriebe und Kollektivwirtschaften erfolgte in den 1990er Jahren die Auflösung und
Privatisierung dieser Unternehmen. Das war eine wichtige Voraussetzung für einen wirtschaftlichen
Neuanfang in der Mongolei. Insbesondere die Aufteilung der kollektiv gehaltenen Tierbestände unter
allen Mitgliedern der viehwirtschaftlichen Vereinigungen bereits Anfang der 1990er Jahre sicherte die
Ernährung der Land- und auch großer Teile der Stadtbevölkerung. Die wirtschaftliche Erholung
40 verlief in den 1990er Jahren jedoch schleppend, da in den neu gegründeten Privatfirmen
marktwirtschaftliches Knowhow, Zugang zum Weltmarkt und ausreichendes Kapital fehlten. Ein
großes Problem stellten das Wegbrechen des sowjetischen Marktes und das Fehlen von
Alternativmärkten dar. Daraus resultierte, dass zahlreiche Betriebe schon nach kurzer Zeit bankrott
gingen. Erschwert wurde die wirtschaftliche Erholung auch dadurch, dass kaum inländische und noch
45 weniger ausländische Investoren vorhanden waren, die das Risiko eingehen wollten, vor allem in den
produktiven Wirtschaftssektoren zu investieren. Das hatte zur Folge, dass die Mongolei immer
weniger Fertigprodukte herstellte und zu einem Lieferanten von tierischen und mineralischen
Rohstoffen abstieg. Dadurch war die junge Demokratie den damals starken Preisschwankungen
insbesondere bei Kaschmirwolle und Metallen ausgesetzt. [...] Seit der Jahrtausendwende hat sich die
50 wirtschaftliche Situation insgesamt deutlich verbessert, was in erster Linie auf die Investitionen im
boomenden Bergbausektor und den Höhenflug der Rohstoffpreise an den internationalen Märkten
zurückzuführen ist [...]. Weitere wichtige Motoren für die positive Wirtschaftsentwicklung waren der
Infrastrukturausbau, Wohnungsbau sowie der stark gestiegene staatliche und private Konsum. Das
reale Wirtschaftswachstum lag vor dem Krisenjahr 2009 bereits bei fast 10% und erreichte 2011 sogar
55 17,3%. Das BIP konnte seit 2009 deutlich gesteigert und die Inflationsrate seit 2008 erheblich gesenkt
werden [...].
Mit fortschreitender Einbindung der Mongolei in den globalen Markt entstehen mit den großen
Tagebauen zwar punktuell neue prosperierende Standorte, der größte Teil der ländlichen Peripherie
verharrt jedoch in Unterentwicklung. Ein weiteres Schlüsselproblem der Mongolei stellt die
60 zunehmende Zerstörung der natürlichen Umwelt dar. Zu hohe Viehzahlen bei gleichzeitiger
räumlicher Konzentration und fehlendem Weidemanagement, illegaler Raubbau an den Wäldern,
rücksichtslose Ausplünderung der bergbaulichen Ressourcen sowie unkontrolliertes Wachstum von
randstädtischen Jurtensiedlungen ohne umweltschonende Infrastruktur sind die Hauptursachen für das
Entstehen meist irreparabler Umweltschäden wie Landschaftszerstörung, Degradation der Vegetation,
65 Bodenerosion und Kontaminierung von Wasser, Boden und Luft. Obwohl eine umfangreiche
Umweltgesetzgebung vorliegt, ist das Hauptproblem deren Nichtbeachtung sowie die fehlende
Ahndung von Verstößen.
Jörg Janzen: Die Mongolei im Zeichen von Marktwirtschaft und Globalisierung (2012), in: Geographische Rundschau (Heft 12), S. 4–10.
Hinweis
Jurten sind die traditionellen Zelte der Nomaden in West- und Zentralasien.
¹ UdSSR – Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
Material 5
Daniel Schmücking et al.: Die Bedeutung der Rohstoffe für die Mongolei (2016)
Die Mongolei zählt zu den zehn rohstoffreichsten Ländern der Welt. Das Land verfügt über 6.000
nachgewiesene Rohstofflagerstätten mit über 80 verschiedenen Rohstoffen, darunter Gold, Kupfer,
Kohle, Silber und Uran. Trotz dieses Rohstoffreichtums befindet sich die mongolische Wirtschaft
derzeit in einer schlechten Lage. [...]
5 Seit 2012 [ging] das Wirtschaftswachstum stark zurück. In den letzten Jahrzehnten wurde der Bergbau
stetig bedeutender und ist mittlerweile der Grundpfeiler der mongolischen Wirtschaft. Dies zeigt sich
daran, dass 85% aller Exporte Rohstoffe sind. Der Bergbau machte der Weltbank zufolge ca. 20
Prozent des gesamten mongolischen Bruttoinlandsprodukts aus und mehr als 150.000 Mongolen sind
im Bergbausektor beschäftigt. Obwohl die mongolische Wirtschaft stark vom Bergbau abhängt, ist die
10 Rohstoffpolitik der Regierung nicht von Stabilität und Kontinuität geprägt. Unter anderem führte in
den letzten Jahrzehnten der ständige Wechsel von investitionsfreundlicher und investitionsfeindlicher
Gesetzgebung zu einer nachhaltigen Verunsicherung vieler Anleger. 1997 markierte die
Verabschiedung eines investitionsfreundlichen Bergbaugesetzes zunächst den Beginn reger
Explorationstätigkeiten in der Mongolei. Die Einführung einer Sondergewinnsteuer im Jahr 2006
15 sorgte hingegen für Unmut unter ausländischen Anlegern. Die Annullierung dieses Steuergesetzes
2011 führte wieder zu einem deutlich verbesserten Investitionsklima, das mit dem Gesetz zur
Begrenzung ausländischer Investitionen in strategischen Bereichen 2012 jedoch beinahe umgehend
wieder getrübt wurde. Für den Ausbau des Bergbausektors in der Mongolei sind aus finanziellen
Gründen ausländische Investoren unabdingbar. Sie benötigen jedoch stabile Rahmenbedingungen, die
20 durch die häufigen Änderungen der Gesetzgebung in der mongolischen Rohstoffpolitik aber nicht
gegeben sind.
Daniel Schmücking et al.: Die Rohstoffpolitik der Mongolei am Beispiel der Kohlemine Tawan Tolgoi, Länderbericht Mongolei, Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. (2016), URL: https://www.kas.de/de/laenderberichte/detail/-/content/die-rohstoffpolitik-der-mongolei1 (abgerufen am 20.06.2020).
3
Arbeiten Sie die wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungshemmnisse in der Mongolei heraus. (Material 1–5, Atlas)
[25 BE]

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
3 Arbeiten Sie die wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungshemmnisse in der Mongolei heraus. (Material 1–5, Atlas)
Lösung: Wirtschaftliche Entwicklungshemmnisse: - starke Abhängigkeit von China und Russland aufgrund der Binnenlage (Energielieferungen, Absatzmärkte) - starke Konzentration auf Export von Rohstoffen (sowohl Metalle als auch Kaschmirwolle) und damit verbundene Risiken wie z.B. schwankende Weltmarktpreise - kein Aufbau eines produzierenden Gewerbes - fehlende Investitionen aufgrund inkonsequenter Wirtschaftspolitik des Staates, z.B. durch sich ändernde gesetzliche Rahmenbedingungen - fehlendes marktwirtschaftliches Wissen - starke finanzielle Abhängigkeit von internationalen Kreditgebern - zunehmende ökologische Probleme Soziale Entwicklungshemmnisse: - nur punktuelle Entwicklung, starke Stadt-Land-Disparitäten - sehr geringe Bevölkerungszahl - unverändert hohe Bedeutung von traditionellen Wirtschaftsformen (Nomadismus) für große Teile der Bevölkerung - instabile politische Bedingungen - Korruption
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