Aufgabe Vorschlag B - Säure-Base-Reaktionen und pH-Wert · Abitur Hessen Chemie LK 2021

Thema: Säure-Base-Reaktionen und pH-Wert · Aus der Prüfung LK (2021)

Aufgabenstellung

Abgase von Dieselmotoren

Dieselkraftstoff besteht aus einem Gemisch verschiedener flüssiger Kohlenwasserstoff-Verbindungen und bildet den Treibstoff der Kraftfahrzeuge mit Dieselmotoren.

Um die Entzündlichkeit von verschiedenen Dieselkraftstoffen beurteilen zu können, wurde die Cetanzahl eingeführt. Dabei wird ein Dieselkraftstoff mit verschiedenen Gemischen aus leicht entzündlichem Cetan (n-Hexadecan) und zündträgem 1-Methylnaphthalin verglichen.

Bei der Verbrennung von Dieselkraftstoff bilden sich ungewollt auch Stickstoffoxide. Aufgrund ihrer schädlichen Wirkung auf die Atmungsorgane sind diese Stoffe, die man oft unter dem Kürzel NOx\text{NO}_x zusammenfasst, immer wieder in der umweltpolitischen Diskussion. Um ihren Ausstoß zu reduzieren, setzt man in Dieselfahrzeugen seit einigen Jahren die sogenannte SCR-Technologie ein. Dabei wird Harnstoff in den heißen Abgas-Strom eingespritzt.

Aufgrund seines Molekülbaus kann man Harnstoff zur Stoffgruppe der sogenannten Carbonsäureamide zählen. Ein weiterer Vertreter dieser Gruppe ist Ethansäureamid.

Material 1

Mögliche Konstitutionsisomere von n-Hexadecan

Von der Verbindung Hexadecan existieren 10359 Konstitutionsisomere (Strukturisomere).

Konstitutionsisomer A ist ein Konstitutionsisomer der Verbindung, das drei verschiedene Alkyl-Substituenten sowie mindestens ein asymmetrisches C-Atom enthält.

Konstitutionsisomer B ist ein Konstitutionsisomer der Verbindung, das kein asymmetrisches C-Atom enthält.

Material 2

Abgasbehandlung im SCR-Katalysator

Die im Dieselmotor während des Verbrennungsprozesses entstehenden Stickstoffoxide (z. B. Stickstoffmonooxid und Stickstoffdioxid) werden im Rahmen der SCR-Technologie (Selective Catalytic Reduction oder Selektive katalytische Reduktion) zunächst über einen Sensor analysiert. Je nach Konzentration werden dann unterschiedliche Mengen an sogenanntem AdBlue®, einer wässrigen Harnstoff-Lösung, in den Abgastrakt des Fahrzeugs eingespritzt.

Der eingespritzte Harnstoff wird nun durch Hitze zu Isocyansäure (HNCO) und Ammoniak (NH3\text{NH}_3) zersetzt (Thermolyse-Reaktion). Die gebildete Isocyansäure reagiert anschließend mit Wasser zu weiterem Ammoniak und Kohlenstoffdioxid (Hydrolyse-Reaktion).

Der gebildete Ammoniak ist Ausgangsstoff für die eigentliche Reaktion im SCR-Katalysator und reagiert in Redox-Reaktionen mit den Stickstoffoxiden zu den ungiftigen Stoffen Stickstoff und Wasserdampf.

Zu den Reaktionen im SCR-Katalysator existieren je nach Abgas-Temperatur unterschiedliche Varianten, so z. B. die Standard-SCR und die Schnelle SCR:

Bei der Standard-SCR-Reaktion reagieren 4 mol4\text{ mol} Ammoniak mit 4 mol4\text{ mol} Stickstoffmonooxid und 1 mol1\text{ mol} Sauerstoff zu 4 mol4\text{ mol} Stickstoff und 6 mol6\text{ mol} Wasserdampf.

Bei der Schnellen SCR-Reaktion reagiert Ammoniak mit Stickstoffmonooxid und Stickstoffdioxid zu Stickstoff und Wasserdampf.

Material 3

Thermodynamische Daten

Stoff · Molare Standardbildungsenthalpie

ΔfHm0  [kJmol]\Delta_\text{f}H_\text{m}^0\;\left[\frac{\text{kJ}}{\text{mol}}\right]

Ammoniak · −46-46

Sauerstoff · 00

Stickstoff · 00

Stickstoffmonooxid · +90+90

Wasser (gasförmig) · −242-242

Material 4

Cyanursäure und Isocyanursäure

Cyanursäure

Cyanursäure ist eine sogenannte heteroaromatische Verbindung. Eine solche heteroaromatische Verbindung leitet sich in ihrem Grundgerüst formal von Benzol ab, wobei hier drei Kohlenstoff-Atome durch Stickstoff-Atome ersetzt sind. Diese Stickstoff-Atome sind sp2\text{sp}^2-hybridisiert.

Unter bestimmten Bedingungen kann sich Cyanursäure in einer Gleichgewichtsreaktion zur sogenannten Isocyanursäure umlagern, indem es im Molekül zu einer dreifachen intramolekularen Protonenwanderung kommt. Isocyanursäure zeigt keine aromatischen Eigenschaften.

Material 5

Herstellung eines Carbonsäureamids

Im Labor kann man ein Carbonsäureamid wie zum Beispiel Ethansäureamid unter anderem nach folgenden Reaktionsschritten herstellen:

Schritt 1:

Schritt 2:

2.4 Ammoniak hat einen pKB\text{p}K_\text{B}-Wert von 4,76 und bildet beim Einleiten in Wasser eine alkalische Lösung. Auch Methylamin (Aminomethan) bildet beim Einleiten in Wasser eine alkalische Lösung.

Beschreiben Sie auch mit Hilfe einer Reaktionsgleichung sowie unter Verwendung des Donator-Akzeptor-Konzeptes die Bildung der alkalischen Lösung beim Einleiten von Ammoniak in Wasser.

Erläutern Sie allgemein die Aussage des pKB\text{p}K_\text{B}-Wertes und entscheiden Sie, ob Methylamin (Aminomethan) einen im Vergleich zu Ammoniak höheren oder niedrigeren pKB\text{p}K_\text{B}-Wert hat.

Aufgabenstellung: Aufgabe Vorschlag B - Säure-Base-Reaktionen und pH-Wert · Abitur Hessen Chemie LK 2021

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

Reaktionsgleichung für das Einleiten von Ammoniak in Wasser:

Lösung: NH3+H2O⇌NH4++OH−\text{NH}_3 + \text{H}_2\text{O} \rightleftharpoons \text{NH}_4^+ + \text{OH}^-

Beschreibung der Bildung der alkalischen Lösung mit Hilfe des Donator-Akzeptor-Konzepts:

Lösung: Beim Einleiten von Ammoniak in Wasser kommt es zu einer Protonenübertragung vom Wasser-Molekül auf das Ammoniak-Molekül. Das Wasser-Molekül fungiert als Protonendonator bzw. Säure und das Ammoniak-Molekül als Protonenakzeptor bzw. Base. Aufgrund der Bildung von Hydroxid-Ionen zeigt die Lösung eine alkalische Reaktion.

Erläuterung der Aussage des pKB-Wertes und Begründung des Basenstärke-Vergleichs mit Methylamin:

Lösung: Der pKB\text{p}K_\text{B}-Wert beschreibt die Stärke einer Base. Je niedriger der Wert ist, desto höher ist die Stärke der Base. Im Methylamin-Molekül ist im Vergleich zum Ammoniak-Molekül ein Wasserstoff-Atom gegen eine Methyl-Gruppe ausgetauscht. Diese übt einen +I-Effekt auf das Stickstoff-Atom aus und erhöht an diesem die Elektronendichte, wodurch die Aufnahme eines Protons durch das freie Elektronenpaar erleichtert ist. Daher ist Methylamin eine stärkere Base und hat einen niedrigeren pKB\text{p}K_\text{B}-Wert.

Entscheidung: Hat Methylamin im Vergleich zu Ammoniak einen höheren oder niedrigeren pKB-Wert?

Lösung: niedrigeren pKB-Wert

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