Aufgabe 4.1–4.3 und 4.5 - Kunststoffe · Abitur Hessen Chemie GK 2021
Thema: Kunststoffe · Aus der Prüfung GK (2021)
Aufgabenstellung
Bodenbeläge aus PVC und Kork
PVC (Polyvinylchlorid, Material 2) ist ein vielseitiger und preiswerter Kunststoff, der häufig als Fußbodenbelag eingesetzt wird. Es gibt Hart-PVC sowie das biegsamere Weich-PVC, das aus sogenannten Copolymeren bestehen kann. Polyvinylchlorid ist allerdings in die Kritik gekommen, da beispielsweise bei der Verbrennung zahlreiche giftige Stoffe freigesetzt werden. Ein mögliches Verbrennungsprodukt ist das Gas Phosgen (Material 4). Atmet man Phosgen ein, reagiert es mit der Feuchtigkeit in den Lungen zu Kohlenstoffdioxid und Chlorwasserstoff.
Als Alternative zu PVC kommen verschiedene andere Materialien als Bodenbeläge in Frage, unter anderem das Naturprodukt Kork. Dieser Naturstoff enthält zahlreiche verschiedene Substanzen wie zum Beispiel Cellulose und Polyester, die aus verschiedenen Hydroxydicarbonsäuren aufgebaut sind.
Material 1
Mehrstufige Synthese von PVC (Polyvinylchlorid)
Schritt 1: Ethen reagiert mit Chlor in einer elektrophilen Addition zu einem Zwischenprodukt.
Schritt 2: Das in Schritt 1 entstandene Zwischenprodukt wird unter bestimmten Bedingungen erhitzt, dabei bilden sich Chlorethen (Vinylchlorid) sowie ein gasförmiges anorganisches Produkt. Leitet man dieses Gas in wässrige Silbernitratlösung ein, entsteht ein weißer, milchiger Niederschlag.
Schritt 3: Das in Schritt 2 entstandene Chlorethen (Vinylchlorid) reagiert mithilfe eines Peroxids () als Radikalstarter zum Polyvinylchlorid (PVC, Material 2).
Material 2
Strukturformelausschnitt eines Hart-PVC-Makromoleküls
Material 3
Strukturformelausschnitt eines PVC-Copolymer-Makromoleküls
Material 4
Phosgen
Aufgabe 4.1
Die mehrstufige Synthese von PVC (Polyvinylchlorid) ist in Material 1 dargestellt.
a)
b)
c)
Aufgabe 4.2
a)
b)
Formulieren und erläutern Sie den vollständigen Reaktionsmechanismus (Kettenstart, Kettenwachstum unter Verknüpfung von drei Monomeren, Kettenabbruch):
Aufgabe 4.3
Das in Material 2 gezeigte PVC ist steifer, während das in Material 3 gezeigte sogenannte PVC-Copolymer weicher und biegsamer ist. Für die Herstellung dieses Copolymeren werden neben Chlorethen zwei weitere Monomere als Edukte verwendet.
a)
Ermitteln Sie die Strukturformeln der beiden weiteren Edukte, aus denen das in Material 3 dargestellte Copolymer hergestellt wird:
b)
c)
Aufgabe 4.5
Die im Kork chemisch gebundenen Hydroxydicarbonsäuren sind unterschiedlich aufgebaut.
a)
Zeichnen Sie die Strukturformel einer beliebigen Octandisäure mit drei Hydroxy-Gruppen als Substituenten:
b)

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
4.1 a) Geben Sie in Strukturformeln die Reaktionsgleichung der Reaktion von Schritt 1 an.
Lösung:
4.1 b) Formulieren Sie in Strukturformeln die Reaktionsgleichung für die Reaktion des Zwischenprodukts aus Schritt 1 der Synthese zu Chlorethen (Schritt 2).
Lösung:
4.1 c) Erläutern Sie die Nachweisreaktion in Schritt 2.
Lösung: Leitet man Chlorwasserstoff in Silbernitrat-Lösung ein, entstehen Chlorid-Ionen, die mit Silber-Ionen einen weißen, milchigen Niederschlag aus Silberchlorid bilden.
4.2 a) Benennen Sie für den dritten Schritt aus Material 1 den zugehörigen Reaktionsmechanismus.
Lösung: Radikalische Polymerisation
4.2 b) Erläutern Sie die beim Reaktionsmechanismus ablaufenden Teilschritte.
Lösung: Homolytische Spaltung des Peroxids in zwei Radikale (Kettenstart); Anlagerung eines Radikals an die Doppelbindung eines Chlorethen-Moleküls; Entstehung eines neuen Radikals und Einleitung der Wachstumsreaktion; Addition neuer Monomere über das Dimer und das Trimer zu einem Makroradikal; Kettenabbruch zum stabilen Makromolekül (z. B. durch Rekombination zweier Radikale oder Disproportionierung).
4.3 a) Ermitteln Sie die Namen der beiden weiteren Edukte, aus denen das in Material 3 dargestellte Copolymer hergestellt wird.
Lösung: Essigsäureethenylester (Vinylacetat) und Methylvinylether (Methoxyethen)
4.3 b) Erklären Sie mit Hilfe von Material 2 das Verhalten von Hart-PVC beim Erwärmen.
Lösung: Hart-PVC hat aufgrund der linearen, unverzweigten Makromolekül-Ketten thermoplastische Eigenschaften. Das bedeutet, dass der Kunststoff bei entsprechender Temperaturerhöhung langsam erweicht und dabei formbar wird. Durch die Erwärmung werden die intermolekularen Kräfte teilweise überwunden, sodass die Makromolekül-Ketten aneinander vorbeigleiten können. Bei weiterer Temperaturerhöhung schmilzt der Kunststoff.
4.3 c) Begründen Sie unter Bezug auf Material 2 und 3 die unterschiedlichen Eigenschaften des PVC-Copolymeren im Vergleich zu Hart-PVC.
Lösung: Bei Hart-PVC sind die Makromolekül-Ketten linear und unverzweigt. Das Makromolekül hat eine große, gleichförmige Oberfläche, an der die zwischenmolekularen Kräfte, Dipol-Dipol- und Van-der-Waals-Kräfte, gut wirken können. Diese sind vergleichsweise stark ausgebildet, hierdurch ist der Kunststoff hart und spröde. Bei dem Copolymeren hingegen werden die anderen beiden Edukte in die Makromolekülketten eingebaut, deshalb entstehen stärker verzweigte Strukturen, die die Ausbildung von zwischenmolekularen Kräften erschweren und damit die Biegsamkeit erhöhen.
4.5 a) Benennen Sie das von Ihnen gezeichnete Molekül (beliebige Octandisäure mit drei Hydroxy-Gruppen).
Lösung: 3,4,6-Trihydroxyoctandisäure / 2,3,4-Trihydroxyoctandisäure / 3,4,5-Trihydroxyoctandisäure (oder analoge Stellungsisomere)
4.5 b) Erklären Sie die Entstehung eines duroplastischen Polyesters aus dem von Ihnen gezeichneten Octandisäure-Abkömmling.
Lösung: Die im Molekül vorhandenen Hydroxy- und Carboxy-Gruppen können vielfältig miteinander zu Estergruppen reagieren. Dabei werden räumlich vernetzte Strukturen ausgebildet, ein duroplastischer Polyester entsteht.
Zeichnungen aus Aufgabe 4.2, 4.3 und 4.5
Lösung: 4.2 Reaktionsmechanismus: Homolytische Spaltung von . Anlagerung an liefert . Weitere Anlagerung von zwei Monomeren führt über das Dimer zum Trimer-Makroradikal . Abbruch durch Rekombination. 4.3 a) Strukturformeln der Monomere: Essigsäureethenylester (Vinylacetat) und Methylvinylether (Methoxyethen). 4.5 a) Strukturformel der Trihydroxyoctandisäure: Beispiel: 3,4,6-Trihydroxyoctandisäure mit Carboxygruppen an den Kettenenden und drei Hydroxygruppen an der Kette.
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