Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 8 · Abitur Hessen Biologie GK 2021

Thema: Nervenzelle, Membranpotenziale und Sinneszellen · Aus der Prüfung GK (2021)

Aufgabenstellung

Material 6

„Pontischer Honig“

Im Jahre 401 v. Chr. befanden sich die Krieger des griechischen Feldherren Xenophon auf dem Rückzug von einer Schlacht um die Herrschaft des persischen Reiches an der Schwarzmeerküste und aßen Honig aus Waben. Alle, die davon gekostet hatten, klagten über Beschwerden, die von Betrunkenheit oder Erbrechen bis hin zu Ohnmacht reichten.

Noch heute warnt das Bundesinstitut für Risikoforschung vor dem Verzehr des auch als „pontischer Honig“ oder „Mad Honey“ bezeichneten Rhododendron-Honigs der türkischen Schwarzmeerküste, da es durch ihn zu akuten Vergiftungserscheinungen wie Schwindel, Blutdruckabfall, verlangsamtem Herzschlag, Missempfindungen, Kribbeln, Jucken, Übelkeit, Erbrechen und Durchfällen kommen kann. Normalerweise dämpft der Vagusnerv Herztätigkeit und Blutdruck und fördert die Darmtätigkeit.

Als auslösende Ursache wurden die Grayanotoxine (GTX) identifiziert. Diese werden von am Schwarzmeer beheimateten Rhododendren-Arten gebildet und gelangen mittels Pollen und Nektar in den Honig.

Material 7

Ionenkonzentrationen und Membranpermeabilitäten eines Neurons während des Ruhepotenzials am unerregten Riesenaxon eines Tintenfisches

Ion · Na + · K + · Cl − · organische Anionen

intrazelluläre Konzentration [mmol/l] · 50 · 400 · 108 · 460

extrazelluläre Konzentration [mmol/l] · 440 · 20 · 560 · 0

relativer Permeabilitätskoeffizient · 0,04 · 1 · 0,44 · 0

Erläuterung:

Relativer Permeabilitätskoeffizient: Maß für die Durchlässigkeit einer Membran für bestimmte Ionen. Dieser gibt das Verhältnis der Permeabilitäten für Na + und Cl − zur Permeabilität von K + an.

Material 8

Molekulare Ursache der Vergiftungserscheinungen durch Grayanotoxin

Um die molekularen Ursachen zu identifizieren, welche die beschriebenen Wirkungen im Nervensystem des Menschen auslösen, wurden Riesenaxone des Tintenfischs Loligo pealeii präpariert und Lösungen unterschiedlicher Zusammensetzung ausgesetzt.

In den Experimenten wurde sichergestellt, dass die Ausbildung von Aktionspotenzialen blockiert wird, ohne dass das Ruhepotenzial beeinflusst wird.

Das Axoninnere wurde konstant von einer Standard-Innenraumflüssigkeit durchströmt, während die Außenlösungen entsprechend den in der Grafik angegebenen Verhältnissen variiert wurden. Die erhaltenen Membranpotenzialänderungen wurden aufgezeichnet. Neben den in der Tabelle verwendeten Außenlösungen wurden zu unterschiedlichen Zeiten für bestimmte zeitliche Intervalle Tetrodotoxin (TTX) beziehungsweise Grayanotoxin (GTX) zugesetzt.

Tetrodotoxin ist ein Wirkstoff, der spannungsabhängige Natriumionenkanäle so blockiert, dass keine Natriumionen mehr hindurch diffundieren können.

Hinweis: Osmotische Vorgänge sind für die Lösung der Aufgabe nicht relevant.

Material 9

Ergänzende Untersuchungen

In weiteren Experimenten wurden GTX und TTX jeweils dem Axoninneren oder der Außenlösung zugefügt und ihre Wirkung untersucht. Es wurde beobachtet, dass Grayanotoxin sowohl stärker als auch schneller wirkt, wenn es dem Axoninneren zugeführt wird. Im Gegensatz dazu wirkte Tetrodotoxin nur bei Zugabe in die Außenlösung.

8

Entwickeln Sie eine Hypothese, die die in Material 9 beschriebenen Untersuchungsergebnisse erklären könnte. (Material 8 und 9) [4 BE]

Aufgabenstellung: Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 8 · Abitur Hessen Biologie GK 2021

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

Entwickeln Sie eine Hypothese, die die in Material 9 beschriebenen Untersuchungsergebnisse erklären könnte. (Material 8 und 9)

Lösung: Hypothese zu unterschiedlichen Bindungsstellen an den Natriumkanälen: - Grayanotoxin bindet bevorzugt (oder ausschließlich) an der Innenseite der Axonmembran an den spannungsgesteuerten Natriumkanal. Bei Zugabe von außen muss es erst durch die Membran diffundieren, weshalb die Wirkung von innen schneller und stärker eintritt. - Tetrodotoxin bindet ausschließlich an der Membraußenaußenseite des Natriumkanals und zeigt daher bei Zugabe ins Axoninnere keine Wirkung. - Beide Gifte binden somit an unterschiedliche Andockstellen des spannungsgesteuerten Natriumionenkanals.

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