Sujet 2 - Partie 1 · Bac Allemand Métropole remplacement 2022

Thème : La nature, source de mythes · Tiré du sujet Métropole France remplacement (2022)

Énoncé

Sujet 2 — Thématique: « L’espace germanophone et ses mythologies » — Axe: « La nature source de mythes »

Partie 1: Synthèse du dossier (16 points)

Document A

Die Eichbäume

Aus den Gärten komm’ ich zu euch, ihr Söhne des Berges!

Aus den Gärten, da lebt die Natur geduldig und häuslich,

Pflegend und wieder gepflegt mit dem fleißigen Menschen zusammen.

Aber ihr, Ihr Herrlichen! steht, wie ein Volk von Titanen

5 In der zahmeren Welt und gehört nur euch und dem Himmel,

Der euch nährt’ und erzog und der Erde, die euch geboren.

Keiner von euch ist noch in die Schule der Menschen gegangen,

Und ihr drängt euch fröhlich und frei, aus der kräftigen Wurzel 9,

Unter einander herauf und ergreift, wie der Adler die Beute 10,

10 Mit gewaltigem Arme den Raum, und gegen die Wolken

Ist euch heiter und groß die sonnige Krone gerichtet.

Eine Welt ist jeder von euch, wie die Sterne des Himmels

Lebt ihr, jeder ein Gott, in freiem Bunde zusammen.

Könnt’ ich die Knechtschaft 11 nur erdulden, ich neidete nimmer

15 Diesen Wald und schmiegte mich gern ans gesellige Leben.

Fesselte nur nicht mehr ans gesellige Leben das Herz mich,

Das von Liebe nicht läßt, wie gern würd’ ich unter euch wohnen!

Friedrich Hölderlin (1797)

9 die Wurzel (-n): la racine

10 die Beute: la proie

11 die Knechtschaft = Unfreiheit, Leben in Unterdrückung

Document B

Document C

Förster und Autor Peter Wohlleben: „Der Wald will genau das Gleiche wie wir“

Herr Wohlleben, wie klingt ein gesunder Wald?

Ein gesunder Wald klingt wie raschelndes Laub in großer Höhe, bei uns wäre das

nämlich Laubwald 12. Das Rascheln muss von oben kommen, denn die Bäume müssen

groß, dick und alt sein. Wenn der Wind in den Baumkronen rauscht, die Zweige bewegt

5 und man den blauen Himmel sieht. Das ist für mich perfekt.

Dass Wälder Kohlenstoffdioxid aufnehmen, ist bekannt. Aber welche Klimafunktion hat der Wald?

Erst einmal hat ein Wald keine Funktion, das ist ein großes Missverständnis. Wir teilen

Natur immer in Funktionen ein und versuchen, eine Maschine daraus zu bauen. Dabei

10 machen wir dauernd Fehler, weil das einfach nicht geht.

Glücklicherweise macht Wald dasselbe für sich, was wir uns auch wünschen: Er

speichert nicht nur in großen Mengen CO2 – ein natürlicher Wald mindestens das

Vierfache wie unsere bewirtschafteten Wälder 13 –, sondern er kühlt sich auch massiv

herunter. Wenn wir in Berlin 40 Grad hätten, haben wir in einem intakten Wald

15 außerhalb nur 25 Grad.

Wie macht der Wald das?

Bäume können nicht weglaufen, sondern müssen auch mit natürlichen

Klimaschwankungen klarkommen. Sie schließen sich dafür zu großen

Gemeinschaften, riesigen Urwäldern, zusammen. Über solchen Wäldern regnet es

20 auch mehr. Der Wald sorgt mit Verdunstung 14 für seine eigene Feuchtigkeit 15. Das ist

exakt das, was wir auch wollen: Wir möchten keine Hitze, keine Dürre 16 und kein

Hochwasser haben.

Sie haben die Flutkatastrophe in Ihrem Heimatort, der Eifel, aus nächster Nähe erlebt. Was können gesunde Wälder für den Hochwasserschutz leisten?

25 Wir sind im Epizentrum der Starkregenfälle in der Eifel gewesen. Auch das kann ein

intakter Wald: irre Mengen Wasser aufnehmen. […]

Waren Sie selbst von der Katastrophe betroffen?

Wir haben, Gott sei Dank, nur die Kollateralschäden wie beschädigte Trink- und

Abwasserleitungen, kein Strom und Internet mitbekommen. Das sind natürlich Peanuts

30 im Vergleich zu dem, was im Tal passiert ist. […]

Wie wird es weitergehen mit den Wäldern?

Ich vermute, dass innerhalb der nächsten zehn Jahre 50 Prozent unserer Waldfläche

zusammenbrechen und verschwinden wird. Das sind nämlich genau diese

Nadelwaldplantagen 17. Dort, wo so hart gewirtschaftet wird, ist der Zustand sehr, sehr

35 schlecht – unabhängig vom Klimawandel. Dort, wo Wald sich halbwegs selbst

organisieren darf, sieht es dagegen noch relativ gut aus.

Was lässt sich gegen das Problem des Plantagensterbens tun?

Nichts. Wälder organisieren sich seit 300 Millionen Jahren selbst. Unsere geregelte

Forstwirtschaft haben wir seit 300 Jahren. Wir haben also noch nicht mal ein

40 Baumleben lang angefangen, gezielt zu manipulieren, und wir haben es schlicht drauf.

Forstwirtschaft scheitert doch gerade krachend.

Schon immer haben Försterinnen und Förster gesagt: „Wir wissen genau, was in 80

Jahren mit dem Wald los ist.“ So lange dauert es ja mindestens, bis ein Baum erntereif

ist. Jetzt stellt man erneut fest, dass es nicht geklappt hat, und fängt schon wieder

45 damit an. Überall in Deutschland, wo man sich raushält 18, kommt sofort und in einem

rasanten Tempo natürlicher Laubwald zurück.

Nach: Maximilian ARNHOLD, Förster Peter Wohlleben: „ Der Wald will genau das Gleiche wie wir “, Redaktionsnetzwerk Deutschland (19.10.2021)

12 der Laubwald: la forêt de feuillus

13 bewirtschaftete Wälder = Wälder, die von Menschen bearbeitet werden

14 die Verdunstung: l’évaporation

15 die Feuchtigkeit: ici: le taux d’humidité

16 die Dürre = große Trockenheit

17 der Nadelwald (¨-er): la forêt de résineux

18 sich heraushalten = im Hintergrund bleiben, nicht intervenieren

Fassen Sie das vorliegende Dossier zusammen (ca. 500 Wörter), indem Sie insbesondere auf folgende Punkte eingehen:

Stellen Sie das Dossier (Texte und Bild) vor und berücksichtigen Sie dabei den kulturellen und politischen Hintergrund.

Kennzeichnen Sie das Verhältnis des Menschen zur Natur in dem vorliegenden Dossier und beachten Sie dabei die stilistischen Mittel und den Ton in dem Gedicht von Hölderlin.

Analysieren Sie anhand des Dossiers und Ihrer persönlichen Kenntnisse die Bedeutung der Natur für die Deutschen in Beziehung zu der aktuellen ökologischen Krise.

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Corrigé

Corrigé proposé par AprenAI (non officiel)

Partie 1 : Synthèse du dossier (16 points) - Fassen Sie das vorliegende Dossier zusammen (ca. 500 Wörter)...

Réponse : Musterlösung für die Dossiersynthese (ca. 500 Wörter): Das vorliegende Dossier behandelt das Verhältnis des Menschen zur Natur, insbesondere zum Wald, der im deutschsprachigen Raum seit jeher ein Mythos ist. Es besteht aus drei Dokumenten aus unterschiedlichen Epochen. Dokument A ist das Gedicht *Die Eichbäume* von Friedrich Hölderlin (1797). Dokument B ist die Fotografie *Nest* (1978) des deutschen Land-Art-Künstlers Udo Nils. Dokument C ist ein Interview mit dem Förster und Autor Peter Wohlleben, das 2021 im Redaktionsnetzwerk Deutschland erschien. Hölderlins Gedicht entstand um 1800, an der Schwelle zur Romantik und kurz nach der Französischen Revolution. Freiheitsideale und Kritik an der Unterdrückung prägten diese Zeit. Das lyrische Ich kommt „aus den Gärten“ zu den Eichen. Dort lebt die Natur „geduldig und häuslich“, also gezähmt und dem Menschen dienend. Die Eichen dagegen werden in hymnischem, begeistertem Ton apostrophiert („ihr Söhne des Berges“, „Ihr Herrlichen!“). Sie werden personifiziert und mythologisiert: als „Volk von Titanen“, als „Gott“ und als Sterne, die „in freiem Bunde“ leben. Der Vergleich mit dem Adler und Hyperbeln betonen ihre Kraft und Freiheit. Diese steht im Gegensatz zur „Knechtschaft“ der menschlichen Gesellschaft. Am Ende schlägt der Ton in Sehnsucht und Wehmut um: Nur die Liebe fesselt das Ich ans „gesellige Leben“ und hindert es, unter den Bäumen zu wohnen. Die Natur erscheint so als Ideal der Freiheit, ja als politisches Gegenmodell. Die Fotografie von Udo Nils zeigt ein riesiges, aus Ästen und Birkenstämmen geflochtenes Nest mitten in einem Nadelwald. Sie entstand in den 1970er-Jahren, als in der Bundesrepublik die Umweltbewegung aufkam, aus der später die Grünen hervorgingen. Das Kunstwerk aus natürlichen Materialien fügt sich in die Landschaft ein und ist vergänglich. Der Mensch gestaltet hier mit der Natur statt gegen sie. Das Nest symbolisiert Geborgenheit, Ursprung und Schutz. Der Wald wird so zum Zufluchtsort, in dem der Mensch seinen Platz wiederfinden kann. Im Interview kritisiert Peter Wohlleben den funktionalen, utilitaristischen Blick auf den Wald. Der Wald habe „keine Funktion“ und sei keine „Maschine“. Dennoch leiste der natürliche Wald genau das, was der Mensch sich wünscht. Er speichert mindestens viermal so viel CO2 wie bewirtschaftete Wälder. Er kühlt sich ab (25 statt 40 Grad), sorgt durch Verdunstung für Regen und nimmt bei Starkregen große Wassermengen auf. Das zeigte sich bei der Flutkatastrophe in der Eifel 2021. Die Nadelwaldplantagen der Forstwirtschaft seien dagegen in sehr schlechtem Zustand, und zwar „unabhängig vom Klimawandel“. Die Hälfte der Waldfläche könnte in zehn Jahren verschwinden. Wohllebens Lösung besteht darin, sich „rauszuhalten“: Dann komme der natürliche Laubwald rasch zurück. Das Dossier zeigt, dass die Natur und besonders der Wald für die Deutschen weit mehr ist als ein Rohstoff. Er ist Teil der kulturellen Identität, etwa in den Märchen der Brüder Grimm, in der romantischen Malerei Caspar David Friedrichs und in der „Waldeinsamkeit“ der Dichter. In den 1980er-Jahren löste die Angst vor dem „Waldsterben“ eine starke Umweltbewegung aus. Heute bedrohen Dürren, Borkenkäfer und Extremwetter die Wälder. Der Erfolg von Wohllebens Büchern wie *Das geheime Leben der Bäume* belegt die emotionale Bindung der Deutschen an den Wald. Von Hölderlin bis Wohlleben zieht sich die Idee, dass der Mensch die Natur nicht beherrschen, sondern respektieren und ihr Freiheit lassen sollte. Angesichts der ökologischen Krise wird dieser alte Mythos zu einer konkreten Forderung: naturnahe Wälder als Verbündete im Kampf gegen den Klimawandel.

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