Sujet 1 - Partie 1 : Synthèse du dossier · Bac Allemand Métropole 2025
Thème : Construction et organisation des liens sociaux · Tiré du sujet Métropole France (2025)
Énoncé
SUJET 1
Thématique: Formes et fondements des liens sociaux dans l'espace germanophone
Axe d'étude: Construction et organisation des liens sociaux
Partie 1: Synthèse du dossier (16 points)
Fassen Sie den Inhalt des vorliegenden Dossiers zusammen, indem Sie insbesondere auf folgende Punkte eingehen (ca. 500 Wörter):
Geben Sie den thematischen und zeitlichen Hintergrund dieses Dossiers wieder.
Analysieren Sie die Situation und die Gefühle der Lesenden in den drei Arbeitsvorlagen.
Diskutieren Sie, inwieweit Lesen heute noch das Leben bereichern kann. Argumentieren Sie mit Hilfe des Dossiers und Ihrer Kenntnisse und Erfahrungen.

Corrigé
Corrigé proposé par AprenAI (non officiel)
Fassen Sie den Inhalt des vorliegenden Dossiers zusammen, indem Sie insbesondere auf folgende Punkte eingehen (ca. 500 Wörter): thematischer und zeitlicher Hintergrund, Situation und Gefühle der Lesenden, Diskussion über die Bereicherung durch das Lesen heute.
Réponse : Musterlösung (ca. 480 Wörter): Das vorliegende Dossier thematisiert unter der Achse „Aufbau und Organisation sozialer Bindungen“ die emanzipatorische, emotionale und gesellschaftliche Tragweite des Lesens im deutschsprachigen Raum. Der zeitliche Rahmen spannt sich von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis in das 21. Jahrhundert. Dokument A, ein autobiografischer Text von Erika Pluhar aus dem Jahr 2021 (*Über das Lesen von Büchern*), blickt auf das Jahr 1946 in Wien zurück. Nach den Gräueln des Zweiten Weltkriegs empfindet die junge Ich-Erzählerin das Erlernen des Lesens und Schreibens als rettendes Wunder. Lesen schenkt ihr Geborgenheit, Zuflucht vor der Armut und eröffnet Welten fernab des traumatischen Kriegsalltags. Dieser Prozess beflügelt ihre Fantasie und führt sie schließlich zum Schauspielberuf. In Dokument B, einem Auszug aus Bernhard Schlinks Roman *Der Vorleser* (1995), steht die Alphabetisierung der inhaftierten Hanna Schmitz im Mittelpunkt. Hanna lernt erst im hohen Alter im Gefängnis mühsam schreiben und lesen, angeregt durch Kassettenaufnahmen ihres früheren Geliebten. Michael empfindet tiefen Stolz über diesen Akt: Für ihn bedeutet Hannas Schritt einen Ausbruch aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit im kantischen Sinne. Zugleich schwingt Melancholie mit, da diese Befreiung für Hanna womöglich zu spät kommt, um ihr verfehltes Leben grundlegend zu verändern. Dokument C stellt als Kontrast eine APA/IMAS-Grafik dar (*Immer mehr Lesemuffel in Österreich*, 2016). Zwischen 1973 und 2016 sank der Anteil derer, die gerne lesen, von 64 % auf 46 %, während der Anteil der erklärten Nicht-Leser („Lesemuffel“) von 11 % auf 26 % anstieg. Die Lesefreude ist in den letzten Jahrzehnten somit merklich zurückgegangen. Der Vergleich verdeutlicht die existenzielle Notwendigkeit des Lesens in Krisensituationen: Für Pluhar war es Flucht vor der Zerstörung, für Hanna ein schmerzhafter Weg zu Autonomie und Würde. Beide Figuren empfinden tiefe Dankbarkeit und Transformation. In der Gegenwart jedoch, wie Dokument C zeigt, wird das Lesen in einer konsum- und digitalgeprägten Gesellschaft zunehmend als anstrengend oder entbehrlich empfunden. Dennoch behält das Lesen heute eine unersetzliche Funktion. Einerseits dient die Literatur nach wie vor als Schule der Empathie: Das Hineinversetzen in fremde Lebensentwürfe fördert soziale Sensibilität und kritisches Denken in einer polarisierten Medienlandschaft. Andererseits erfordert die Teilhabe an einer Informationsgesellschaft nach wie vor fundierte Lese- und Schreibkompetenzen, um Mündigkeit zu gewährleisten. Auch wenn audiovisuelle Medien dominieren, bietet das gedruckte Wort eine Form der Entschleunigung und inneren Reflexion, die das menschliche Leben nachhaltig bereichert. Zusammenfassend belegt das Dossier, dass Lesen weit mehr ist als eine Kulturtechnik: Es bildet das Fundament für Emanzipation, Identitätsfindung und zwischenmenschliche Verständigung.
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