Aufgabe 1 (Teilaufgaben 1 und 2) - Konjunktur · Abitur NRW Volkswirtschaftslehre GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2021
Thema: Konjunktur, Wachstum und gesamtwirtschaftliche Ziele · Aus der Prüfung GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg (2021)
Aufgabenstellung
Thema: Konjunkturelle Entwicklung in Deutschland – welche Maßnahmen sollte die Bundesregierung ergreifen?
M 1: Ausgewählte Wirtschaftsdaten Deutschlands (allgemein)
· Quartal 4
2018 · Quartal 1
2019 · Quartal 2
2019 · Quartal 3
2019
Bruttoinlandsprodukt
(real; % zum Vorquartal) · + 0,2 · + 0,5 · – 0,2 · + 0,1
Privater Konsum
(real; % zum Vorquartal) · + 0,4 · + 0,8 · + 0,2 · + 0,5
Außenbeitrag
(% zum Vorquartal) · – 0,2 · + 0,4 · – 0,6 · + 0,5
Kapazitätsauslastung
(% zum Vorquartal) · – 0,8 · – 0,9 · – 1,2 · – 1,6
M 2: Ausgewählte Wirtschaftsdaten (sektoral)
· August
2019 · September
2019 · Oktober
2019 · November
2019
Produktion verarbeitendes Gewerbe
(% zum Vormonat) · + 0,8 · – 1,2 · – 1,5 · Keine Angabe
Produktion Baugewerbe
(% zum Vormonat) · – 0,6 · + 2,5 · – 2,8 · Keine Angabe
Einzelhandelsumsatz
(% zum Vormonat) · + 0,2 · 0,0 · – 1,6 · Keine Angabe
M 3: Entwicklung der Preise
· August
2019 · September
2019 · Oktober
2019 · November
2019
Verbraucherpreise
(% zum Vorjahr) · + 1,4 · + 1,2 · + 1,1 · + 1,1
M 4: Arbeitsmarktdaten
· August
2019 · September
2019 · Oktober
2019 · November
2019
Arbeitslosenquote
(saisonbereinigt in %) · 5,0 · 5,0 · 5,0 · 5,0
Arbeitslose
(nicht saisonbereinigt in Tausend) · 2.319 · 2.234 · 2.204 · 2.180
Offene Stellen
(in Tausend) · 795 · 787 · 764 · 736
1.
Stellen Sie die vier Phasen des idealtypischen Konjunkturzyklus dar, indem Sie sich auf das Bruttoinlandsprodukt sowie zwei weitere gesamtwirtschaftliche Indikatoren beziehen. (24 Punkte)
2.
Analysieren Sie unter Anwendung des Konjunkturzyklusmodells die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands im dargestellten Zeitraum (M 1, M 2, M 3, M 4). (32 Punkte)

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
1. Stellen Sie die vier Phasen des idealtypischen Konjunkturzyklus dar, indem Sie sich auf das Bruttoinlandsprodukt sowie zwei weitere gesamtwirtschaftliche Indikatoren beziehen. (24 Punkte)
Lösung: Darstellung der vier idealtypischen Konjunkturphasen: 1. Aufschwung (Expansion): Zunahme der Gesamtnachfrage und der Produktion; das reale BIP wächst. Die Beschäftigung nimmt durch Ausschöpfung des Produktionspotenzials leicht zu (Arbeitslosenquote sinkt). Nach Anpassung und steigendem Lohnniveau kommt es zu einem leichten Anstieg des Preisniveaus (moderate Inflationsrate). 2. Boom / Hochkonjunktur: Hohe Zuwachsraten des realen BIP, die jedoch an Kapazitätsgrenzen stoßen (sektorale Engpässe). Annäherung an Vollbeschäftigung; Arbeitslosenquote äußerst niedrig. Da Nachfragesteigerungen wegen Vollauslastung kaum mehr Mengenausdehnung erlauben, steigen die Preise (starker Anstieg der Inflationsrate). 3. Abschwung / Rezession: Rückgang oder Stagnation des BIP (nach gängiger Definition: zwei aufeinanderfolgende Quartale mit negativem Wachstum im Vergleich zum Vorquartal) infolge sinkender Gesamtnachfrage. Geringerer Arbeitskräftebedarf führt zum Anstieg der Arbeitslosenquote. Preise stagnieren oder sinken, Inflationsrate fällt oder verharrt auf niedrigem Niveau. 4. Konjunkturtief (Depression): Das BIP stagniert über längere Zeit oder weist negative Wachstumsraten auf; Produktion ist stark gesunken. Arbeitslosigkeit nimmt weiter zu (hohe Arbeitslosenquote). Verstärkter Preisverfall, Gefahr von Deflation (negative Inflationsrate).
2. Analysieren Sie unter Anwendung des Konjunkturzyklusmodells die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands im dargestellten Zeitraum (M 1, M 2, M 3, M 4). (32 Punkte)
Lösung: Analyse der wirtschaftlichen Entwicklung anhand von M 1 bis M 4: 1. Charakterisierung des Datenmaterials (6 Punkte): Die Daten stammen aus dem F.A.Z.-Konjunkturbericht (07.01.2020) und stützen sich auf amtliche/institutionelle Quellen (Bundesbank, Destatis, Bundesagentur für Arbeit, EZB etc.). M 1 zeigt vierteljährliche Raten (Q4 2018 bis Q3 2019), M 2 und M 3 monatliche Veränderungsraten (August bis November 2019) und M 4 Arbeitsmarktdaten (Quote, absolute Arbeitslose, offene Stellen). 2. Aussagekraft und Grenzen (6 Punkte): M 1 bis M 4 decken Ziele des Magischen Vierecks ab (Wachstum, Außenbeitrag, Preisstabilität, Vollbeschäftigung). Grenzen liegen in der kurzen Zeitspanne, fehlender Aktualität, unvollständigen Angaben zu Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen (z. B. Wechselkurs, Ölpreise) und der Aufbereitung durch Dritte. 3. Auswertung der wirtschaftlichen Indikatoren (10 Punkte): - BIP und Kapazitäten: Schwaches Wachstum in drei Quartalen (+0,2 %, +0,5 %, +0,1 %), ein negatives Quartal (Q2 2019: −0,2 %). Stetiger Rückgang der Kapazitätsauslastung (−0,8 % bis −1,6 %). - Binnennachfrage & Außenwirtschaft: Moderater Anstieg des privaten Konsums (+0,2 % bis +0,8 %). Außenbeitrag schwankend (−0,2 %, +0,4 %, −0,6 %, +0,5 %). - Sektoren (M 2): Deutliche Rückgänge im Oktober 2019 in allen Bereichen (Verarbeitendes Gewerbe −1,5 %, Baugewerbe −2,8 %, Einzelhandel −1,6 %). - Preise (M 3): Inflationsrate verharrt knapp über 1 % (+1,4 % bis +1,1 %), deutlich unter dem EZB-Ziel von nahe 2 %. - Arbeitsmarkt (M 4): Saisonbereinigte Quote konstant bei 5,0 %; Rückgang offener Stellen (von 795 Tsd. auf 736 Tsd.). 4. Konjunkturtheoretische Einordnung (10 Punkte): Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer Abschwungphase (bzw. beginnenden Rezession): - Geringe bzw. temporär negative BIP-Wachstumsraten sowie sinkende Kapazitätsauslastung belegen den Wachstumsverlust. - Die Industrieproduktion und der Einzelhandel schwächeln. - Die niedrige Inflationsrate korrespondiert mit nachlassender Gesamtnachfrage. - Der Arbeitsmarkt reagiert typischerweise als Spätindikator zeitverzögert (Quote noch stabil, aber offene Stellen rückläufig).
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