Aufgabe HT 2 - Aufgabe 3 · Abitur NRW Sport LK · Haupttermin 2023

Thema: Gesundheit im Sport · Aus der Prüfung LK · Haupttermin (2023)

Aufgabenstellung

M 1: Sommerbiathlon

Den vom Wintersport bekannten Biathlon kann man mit schlichten Hilfsmitteln auf den Sportplatz bringen. Beim (Winter-)Biathlon legen die Athleten auf Skiern eine Langlaufstrecke zurück und schießen an mehreren Stationen mit Gewehren auf Zielscheiben. Er verbindet somit eine Ausdauer- mit einer Präzisionssportart. Wer beim Schießen ein Ziel verfehlt, muss für jedes verfehlte Ziel eine Strafrunde laufen.

Material: Hütchen, Gymnastikreifen, Reissäckchen/Jonglier-Bälle, Stoppuhren

Durchführung:

Bauen Sie auf einem Sportplatz mit einer 400-Meter-Bahn die Biathlonanlage entsprechend der Abbildung 1 auf. Errichten Sie dafür neben der Laufstrecke Wurfstationen sowie eine Strafrunde. Positionieren Sie an jedem Hütchen jeweils sechs Reissäckchen/Jonglier-Bälle.

Bilden Sie Gruppen von sechs Personen mit drei Läufern, einem Protokollanten und zwei Zählern/Helfern.

Beginnen Sie als Läufer den Biathlonlauf wie in Abbildung 1 dargestellt an der Start- und Ziellinie. Die drei Läufer laufen immer zusammen.

An der Wurfstation werfen die drei Läufer eines Teams mit den Reissäckchen/Jonglier-Bällen in den Gymnastikreifen. Jeder Läufer wirft zwei Reissäckchen/Jonglier-Bälle. Das Ziel gilt nur als erreicht, wenn das Wurfgerät innerhalb des Gymnastikreifens liegen bleibt. Laufen Sie für jedes verfehlte Ziel als Team eine Strafrunde.

Der Helfer stoppt die Laufzeit und bringt nach jedem Werfen die Reissäckchen/Jonglier-Bälle für den folgenden Durchgang wieder zurück.

Der Protokollant notiert die Zeit pro Runde, die Gesamtzeit, die Ergebnisse des Werfens und die Anzahl der Strafrunden.

Nach jeder Durchführung (mit je 6 Runden + ggf. Strafrunden für die Läufer) werden die Funktionen in den Kleingruppen getauscht.

Quelle: Armin Kibele, Hans-Peter Konopka (Hrsg.): Gelbe Reihe – Trainingslehre. Braunschweig: Westermann 2015, S. 82 (geändert)

M 2: Wer Sport treibt, wird nicht zwangsläufig fitter

Bei jeder fünften Person, die trainiert, verbessert sich die Fitness nicht. Forschende untersuchen, was dahintersteckt und wie individuelles Training auch bei diesen Menschen zum Erfolg führt.

Sport erhöht die Fitness und verbessert die Gesundheit, aber nicht bei allen Menschen gleichermaßen. Tatsächlich mühen sich 20 Prozent der Trainierenden in Bewegungsprogrammen scheinbar umsonst ab. Deshalb beschäftigen sich Forschende seit längerem mit „Non-Respondern“ – so werden Menschen bezeichnet, deren Körper nicht auf regelmäßige Bewegung anspricht. [...]

„Wer regelmäßig trainiert und trotzdem nicht das Gefühl hat, fitter zu werden, verliert verständlicherweise die Lust am Training“, sagt Claude Bouchard vom Pennington-Forschungszentrum im US-Staat Louisiana. Er ist einer der meistzitierten Wissenschaftler auf dem Gebiet der Trainingswissenschaften.

Umsonst abgestrampelt

Der Forscher aus Louisiana war federführend in der „Heritage“-Studie, die in der Mitte der 1990er Jahre durchgeführt wurde. Knapp 750 Menschen aus 200 Familien absolvierten fünf Monate lang ein Training auf einem Fahrradergometer. Dreimal pro Woche strampelten sie 50 Minuten lang mit moderater Anstrengung. Diese wurde individuell anhand der maximalen Sauerstoffaufnahme bestimmt.

Über alle Teilnehmenden hinweg stieg die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) und damit die Herz-Kreislauf-Fitness deutlich an, im Mittel um 400 Milliliter Sauerstoff pro Minute. Die Bandbreite zwischen den Menschen war jedoch groß. Bei manchen stieg der Wert über 1000 Milliliter an, bei anderen veränderte er sich überhaupt nicht.

Die „Non-Responder“ traten in manchen Familien gehäuft auf. „Aus diesen und aus weiteren Trainingsstudien, darunter Zwillingsstudien, schließen wir, dass rund 40 bis 50 Prozent der trainierbaren Fitness erblich bedingt sind“, sagt Bouchard. Der Forscher vermutet, dass die Eigenschaft Trainierbarkeit auf einer komplexen genetischen Architektur beruht. [...]

Cora Weigert von der Universität Tübingen untersucht, wie sich der Körper molekular an sportliches Training anpasst. Ihrem Team fiel auf, dass sich der Zuckerhaushalt bei rund jedem fünften an Bewegungsprogrammen Teilnehmenden nicht wie erhofft verbesserte. [...]

Ein System springt immer an

Kritische Stimmen werfen ein, dass die Studien in der Regel nur wenige Wochen dauerten sowie Kontrollgruppen ohne Training fehlten. Doch auch eine im letzten Jahr veröffentlichte zwölfmonatige Untersuchung mit einer Kontrollgruppe weist auf die Existenz von „Non-Respondern“ hin. Von zwanzig Teilnehmenden, die dreimal pro Woche ein Ausdauertraining absolvierten, reagierten nur neun durchgehend mit einer Verbesserung der Sauerstoffaufnahmefähigkeit. Eine Einteilung in „Responder“ und „Non-Responder“ sei jedoch grundsätzlich problematisch, sagt die leitende Forscherin Anne Hecksteden. Sie warnt vor Schubladendenken. Die Grenze zwischen den beiden Gruppen sei fließend und die Gefahr zu groß, einem Messfehler aufzusitzen. Daher sei es so wichtig, die Schwankungen in der Reaktion auf ein Trainingsprogramm langfristig zu beobachten.

Auch sie betont, dass sich das Nichtansprechen nur auf ein spezifisches Trainingsprogramm beziehe. „Wir wissen nicht, was passiert wäre, wenn diese Person intensiver oder länger trainiert oder wenn sie ein Krafttraining absolviert hätte“, erklärt die Sportmedizinerin, die an der Universität des Saarlandes forscht. Gut möglich, dass ein Wechsel der Trainingsart Erfolg verspricht. Das deutet zumindest eine Studie aus Finnland an. Menschen, bei denen das Ausdauertraining nicht anschlug, konnten ihre Fitness durch ein Krafttraining steigern. [...]

„Eines der vielen Systeme, welche die positiven Effekte der Bewegung vermitteln, springt immer an“, sagt Bouchard. Wer auf ein bestimmtes System Einfluss nehmen will, etwa um das Diabetesrisiko oder das Gewicht zu senken, ist gut beraten, bei Nichtansprechen die Trainingsdosis oder die Trainingsart zu variieren. Auch ein Wechsel von Ausdauer- zu Krafttraining oder eine Kombination aus beidem kann hilfreich sein. Am wichtigsten ist jedoch, länger als nur ein paar Wochen dranzubleiben. [...]

Quelle: Fabienne Hübener (22.08.2020): Wer Sport treibt, wird nicht zwangsläufig fitter. https://www.nzz.ch/wissenschaft/wer-sport-treibt-wird-nicht-zwangslaeufig-fitter-ld.1565095 (Auszug, geändert; Zugriff: 06.08.2022)

Laufspiele, die die Ausdauerleistungsfähigkeit verbessern sollen, kommen unter anderem auch in der Gesundheitsförderung zum Einsatz. Ihre Effekte unterscheiden sich dabei von Person zu Person teils erheblich.

3. Beurteilen Sie unter Rückgriff auf das Risikofaktoren-Modell und das Modell der Salutogenese, inwiefern sich mit Laufspielen wie z. B. Sommerbiathlon Gesundheitsförderung verwirklichen lässt. Erörtern Sie auf dieser Grundlage die Problematik der „Non-Responder“ (M 2). (30 Punkte)

Aufgabenstellung: Aufgabe HT 2 - Aufgabe 3 · Abitur NRW Sport LK · Haupttermin 2023

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

3. Beurteilen Sie unter Rückgriff auf das Risikofaktoren-Modell und das Modell der Salutogenese, inwiefern sich mit Laufspielen wie z. B. Sommerbiathlon Gesundheitsförderung verwirklichen lässt. Erörtern Sie auf dieser Grundlage die Problematik der „Non-Responder“ (M 2).

Lösung: Ausführliche Erörterung und Beurteilung nach den Kriterien des amtlichen Erwartungshorizonts: 1. Kennzeichen des Risikofaktoren-Modells (eng gefasstes Verständnis, Abwesenheit von Krankheit, dichotome Einteilung, Vermeidung von Risikofaktoren wie Bewegungsmangel). 2. Kennzeichen des Salutogenese-Modells nach Antonovsky (weites Verständnis, Kontinuum von Gesundheit/Krankheit, Kohärenzsinn mit Verstehbarkeit, Bewältigbarkeit/Handhabbarkeit, Sinnhaftigkeit sowie psycho-soziale Schutzfaktoren/Ressourcen). 3. Argumente für und gegen Laufspiele aus Sicht des Risikofaktoren-Modells (Reduzierung von Bewegungsmangel vs. fehlende individuelle aerobe Steuerbarkeit, Überlastungsgefahr). 4. Argumente für und gegen Laufspiele aus Sicht der Salutogenese (Stärkung physischer/psychischer Ressourcen, Stärkung des Kohärenzgefühls im Team vs. Schwächung durch Fehlleistung und Häme). 5. Darstellung der Non-Responder-Problematik anhand M 2 (ca. 20 % ohne nennenswerte aerobe Anpassung, Demotivation, genetische Disposition, aber Kritik am Schubladendenken und Nutzen alternativer Trainingsreize). 6. Erörterung der Non-Responder bezüglich eines engen Gesundheitsverständnisses (Nutzen fraglich bzw. unklar, ob Risikofaktoren sinken). 7. Erörterung bezüglich eines weiten Gesundheitsverständnisses (psycho-soziale Ressourcen und Kohärenzgefühl können dennoch gestärkt werden). 8. Begründete eigene Positionierung und Synthese.

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