Aufgabe 1 - Teilaufgabe 2 · Abitur NRW Kunst LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2021

Thema: Formanalyse mit analysierender Skizze · Aus der Prüfung LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg (2021)

Aufgabenstellung

Materialgrundlage

Bildmaterial:

Abbildung 1: Francisco de Goya: „Selbstporträt in der Werkstatt“, 1790 – 1795, Öl auf Leinwand, 42 x 28 cm, Real Academia de Bellas Artes de San Fernando, Madrid

Abbildung 2: Edvard Munch: „Selbstbildnis mit Pinseln“, 1904, Öl auf Leinwand, 197 x 91 cm, Munch-Museum, Oslo

Textmaterial:

Zusatzinformationen zu Abbildung 1:

zur Kleidung:

Im 18. Jh. wird – im Gegensatz zu der in Spanien sonst üblichen Pariser Mode – die Mode der Majas und Majos, also die der Frauen und Männer der „einfachen Bevölkerung“, als eine Art Nationalkostüm von den oberen Gesellschaftskreisen imitiert.

Goya stellt sich hier mit traditioneller Jacke im Stile der Majos dar.

Der Hut besaß eine Konstruktion aus Metall, um Kerzen an ihm befestigen zu können, denn – so Goyas Sohn Javier – „… den letzten Schliff gab er (Goya) einem Bild erst nachts, bei künstlichem Licht, um so den besten Effekt zu erzielen“.

zur Biografie:

Goya wird 1786 zum Königlichen Maler, drei Jahre später zum Hofmaler ernannt.

1795 wird er Direktor der Königlichen Akademie.

(Autorinnentexte auf Grundlage nachfolgend genannter Quellen:

Schuster, Peter-Klaus; Seipel, Wilfried (Hrsg.): Katalog der Ausst. „Goya – Prophet der Moderne“, Alte Nationalgalerie, Staatl. Museen zu Berlin und Kunsthistorisches Museum Wien, Berlin und Wien 2005/2006, Köln: DuMont 2005, S. 146

Hagen, Rose-Marie und Rainer: Francisco de Goya. 1746 – 1828. Am Aufbruch der Moderne. Köln: Taschen 2016, S. 10 ff.)

Zusatzinformationen zu Abbildung 2:

Nach 1900 fand Munch mit seinen Bildern Anerkennung bei Privatpersonen und Kunstsammlern.

Das vorliegende Werk entstand während eines Aufenthaltes in Lübeck, wo Munch einen seiner Mäzene, den deutschen Augenarzt und Kunstsammler Max Linde, besuchte.

Im selben Jahr stellte ihm die Kunstakademie ein Atelier zur Verfügung. Munch stellte seine Werke u. a. in Wien, Paris, Kopenhagen und Lübeck aus.

Aufgabenstellung

2. Analysieren und vergleichen Sie die Werke hinsichtlich ihrer formalen Gestaltung. Gehen Sie dabei vor allem auf folgende Aspekte ein:

Bildfläche,

Bildraum (unter Einbezug des Betrachterstandpunkts),

Farbe (einschließlich Lichtführung) und Form,

malerisch-gestalterische Ausführung von Figur und Umraum in Bezug auf deren Abbildhaftigkeit.

Erstellen Sie zuerst analysierende Skizzen zum Aspekt „Bildfläche“. Beziehen Sie die daraus gewonnenen Erkenntnisse erläuternd in Ihre Analyse ein. [44 Punkte]

a)

b)

Aufgabenstellung: Aufgabe 1 - Teilaufgabe 2 · Abitur NRW Kunst LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2021

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

Erstellen Sie zuerst analysierende Skizzen zum Aspekt „Bildfläche“.

Lösung: Schlüssige und aussagekräftige Skizzen zu beiden Werken als Analyseinstrument zur Bildfläche: - Goya: Erfassung von Bildausschnitt, Mittelsenkrechte/Waagerechte, Dreiecks- bzw. Diagonalbeziehungen zwischen Kopf, Palette und Staffelei; Ausgewogenheit zwischen Statik (senkrechtes Fenster/Staffelei) und Dynamik (Haltung Goyas, Pinselhaltung). - Munch: Erfassung des extremen Hochformats, Betonung der Vertikalen durch die stehende Ganzfigur entlang der Mittelachse, Horizontale im Boden-/Hintergrundbereich, Fokussierung auf Hände, Pinsel und Kopf.

Analysieren und vergleichen Sie die Werke hinsichtlich ihrer formalen Gestaltung. Gehen Sie dabei vor allem auf Bildfläche, Bildraum, Farbe und Form sowie die malerisch-gestalterische Ausführung ein.

Lösung: Differenzierte formale Analyse und vergleichende Synthese: 1. Bildfläche (8 P.): Goya nutzt eine ausgewogene Verteilung von Figur, Fenster und Staffelei im gemäßigten Hochformat mit Richtungsbezügen zwischen Kopf, Palette und Bildgrund. Munch betont durch das extreme Hochformat die überlängte Vertikale der Ganzfigur mit starker Zentrierung auf Pinsel und Hände. 2. Bildraum und Betrachterstandpunkt (7 P.): Goya erzeugt Raumtiefe durch Überschneidungen, Lichtfall aus dem Fenster im Hintergrund und Staffelung von Möbeln und Staffelei; Nähe und gleichzeitige Distanz zum Betrachter. Munch belässt den Hintergrund weitgehend flächig/skizzenhaft; die Figur tritt frontal und konfrontativ nah an die Bildgrenze heran. 3. Farbe, Licht und Form (8 P.): Goya arbeitet mit feiner Helldunkel-Modellierung, Gegenlichtwirkung und gedämpfter Farbigkeit mit gezielten Akzenten. Munch setzt auf expressive Farbkontraste, vereinfachte Formen, sichtbaren Pinselduktus und Hell-Dunkel-Spannungen. 4. Malerische Ausführung und Abbildhaftigkeit (7 P.): Goya kombiniert plastische Körperlichkeit mit offener, skizzenhafter Pinselführung im Gegenlicht. Munch bricht die naturgetreue Stofflichkeit zugunsten autonomer Farbspuren und expressiver Reduktion auf. 5. Vergleich (6 P.): Gemeinsamkeiten in der Konzentration auf das Künstlerselbst und partieller Formreduktion; Unterschiede in Formatdynamik, Raumtiefe und malerischer Faktur (narrativ-räumlich vs. existenziell-konfrontativ). (Weitere aufgabenbezogene Leistungen: bis zu 8 P.)

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