Abitur NRW Englisch 2025 · GK · Hellmann: Die fehlende Diversität im deutschen Frauenfußball

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Themen der Prüfung: Sprachmittlung Deutsch → Englisch (Mediation)

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1 Aufgabe

Aufgabenstellung

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Material

Die fehlende Diversität im deutschen Frauenfußball

Von Frank Hellmann

Mehr als jeder vierte Mensch in Deutschland hat einen Migrationshintergrund. In vielen Großstädten liegt der Anteil noch höher. Doch im EM-Kader des DFB¹ finden sich nur drei Spielerinnen mit Migrationshintergrund: Die in Krefeld geborene Nicole Anyomi, deren Vater aus Togo und deren Mutter aus Ghana stammt. Die in Köln aufgewachsene Sara Doorsoun,

5 die Tochter eines iranischen Vaters und einer türkischen Mutter. Und Kathrin Hendrich, die eine belgische Mutter hat, in Eupen geboren wurde und beide Staatsbürgerschaften besitzt. Hätte sich die in Budapest geborene und schon im Kindesalter nach Saarbrücken gekommene Dzsenifer Marozsán nicht das Kreuzband gerissen, sie wäre die vierte Spielerin gewesen. Doch selbst dann wäre das immer noch ein verdammt kleiner Anteil. Vier von 28, das sind

10 keine 15 Prozent.

Für den deutschen Frauenfußball ist das ein Nachteil. Wenn es nicht gelingt, genügend Spielerinnen mit Migrationshintergrund zu gewinnen, könnte ihn das in Zukunft vor gravierende Probleme stellen. Denn Fußballspielerinnen gibt es in Deutschland eh schon nicht viele. Der DFB weist 2,21 Millionen in Vereinen organisierte Spieler und Spielerinnen aus. Doch den gut

15 2 Millionen aktiven Jungen und Männern stehen nur noch knapp 187.000 Spielerinnen gegenüber. Zwar stieg die Zahl der aktiven Mädchen unter 16 zuletzt wieder ein wenig, doch betrachtet man die vergangenen zehn Jahre, hat sich deren Anzahl halbiert. […]

Würde es den deutschen Vereinen gelingen, mehr Mädchen und Frauen mit einer Einwanderungsgeschichte für den Fußball zu gewinnen, wäre auch der Rückgang bei den

20 Aktiven weniger dramatisch. Anderen Ländern gelingt das längst besser, Frankreich beispielsweise. Erst kürzlich gab der neue DFB-Präsident Bernd Neuendorf zu: „Wir müssen diverser werden, das zeigt die Statistik deutlich – ob bei den Mitgliedern, den Aktiven, den Trainerinnen und Trainern oder im Schiedsrichterwesen. Hier hat der Fußball großes Potenzial.“

25 Doch wie soll das gelingen? Darüber findet sich auch im neuesten DFB-Strategiepapier Frauen im Fußball FF 27 wenig. Klar, bis 2027 sollen die Nationalmannschaft und die Bundesligavereine internationale Titel gewinnen. Die Zahl der aktiven Spielerinnen, Trainerinnen und Schiedsrichterinnen soll um 25 Prozent steigen, der Frauenanteil in Gremien mindestens 30 Prozent betragen und die mediale Reichweite verdoppelt werden. All diese

30 Ziele sind im Papier festgehalten. Eine Strategie aber ist das noch nicht.

Wie wollen der DFB, seine Landesverbände und letztlich die Vereine zum Beispiel in tradierte Familienstrukturen eindringen, in denen eine Sportart wie Fußball für Töchter verpönt ist?

Der Hebel dafür liege in der Infrastruktur, findet die neue DFB-Vizepräsidentin für Gleichstellung und Diversität, Célia Šašić. „Mädchen brauchen einen einfachen Zugang zum

35 Fußball“, sagt sie. […]

Šašić, die Europameisterin von 2013, verschweigt nicht, „dass es immer noch Vorbehalte gibt gegenüber Frauen und Mädchen, die Fußball spielen“. Also müssten die Eltern aus Familien, in denen das der Fall ist, das Gefühl bekommen, dass ihre Tochter im Verein gut aufgehoben ist. Doch an dieser Stelle sind viele der rund 24.000 Vereine, die um jeden Ehrenamtlichen

40 kämpfen, zwangsläufig überfordert. Oft fühlen sie sich für ihre Integrationsarbeit nicht genügend wertgeschätzt und ausreichend unterstützt. Viele würden sich deshalb vom DFB eine Art Masterplan wünschen, der am besten schon in der Schule ansetzt.

Wie man weiblichen Nachwuchs mit ausländischen Wurzeln gewinnt, macht Tuğba Tekkal vor. Die ehemalige Bundesligaspielerin des 1. FC Köln will ermöglichen, dass jedes Mädchen

45 zwischen 8 und 16 Jahren unabhängig von ihrer Nationalität, Religion oder sozialen Herkunft Fußball spielen kann.

Tekkal wuchs als eines von elf Kindern in einer türkischen Familie auf, die der jesidischen Glaubensgemeinschaft angehört. Das Fußballspielen musste sie sich erkämpfen. Ihren älteren Brüdern hatte sie es zu verdanken, dass sie gegen den Willen ihrer Eltern nachmittags

50 auf den Bolzplatz gehen konnte. 2015 gründete sie mit vier ihrer Schwestern eine Menschenrechtsorganisation, in der das Projekt Scoring Girls angesiedelt ist.

¹ DFB – Deutscher Fußball-Bund

Hellmann, F. (2022, 14. Juli). Die fehlende Diversität im deutschen Frauenfußball. Zeit Online.

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