Aufgabe 1 · Abitur NRW Englisch LK · Dahmer: "Ein Mensch ist erst verges 2026

Thema: Sprachmittlung Deutsch → Englisch (Mediation) · Aus der Prüfung LK · Dahmer: "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen wird" (2026)

Aufgabenstellung

1 Aufgabe

Aufgabenstellung

While doing research on ways to commemorate victims of crimes against humanity, your American friend came across the photo of a sidewalk in Germany, which you can see below. Your friend would like to know more about the story behind it.

Based on the interview, write an email to your friend outlining the information on Gunter Demnig's project and responses to criticism of the project.

(Foto: privat)

Material

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen wird"

Von Laura Dahmer

1 Herr Demnig, Sie sind der Erfinder der Stolpersteine, die in Deutschland fast jeder kennt. Ihren Namen dagegen kennt man kaum. Halten Sie sich bewusst im Hintergrund?

Ich habe mich andersrum nie bewusst in den Vordergrund gedrängt und nie eigenständig Werbung für die Stolpersteine gemacht. Es geht nicht um mich. Es geht um die Menschen 5 auf den Steinen. Die Familien, die dahinterstehen. Und diejenigen, die ihre Geschichte recherchieren und die Steine in Auftrag geben. Ich setze sie dann bloß ein.

Den ersten Stein verlegten Sie im Januar 1995 in Köln. Er sollte an Sinti und Roma erinnern, die von den Nazis verfolgt wurden. Berlin ist heute mit mehr als 10.000 die 10 Stadt mit den meisten Stolpersteinen, in ganz Europa sind es 105.000 – das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Und Sie fahren bis heute täglich durch die Republik, um neue zu verlegen.

Ja, heute waren es neun, in Villingen-Schwenningen. Manche werfen mir vor, dass ich das nur 15 noch als Routine sehe, was ich da mache. Das ist nicht so, im Gegenteil: Oft reisen Angehörige zu den Verlegungen an. [...]

Am 9. November jähren sich die Novemberpogrome. Was würden Sie sagen: Wie steht es in Deutschland um das Erinnern?

Wir haben in Deutschland viele zentrale Denkstätten, das ist auch gut so. Da werden an Tagen 20 wie diesem Kränze abgelegt. Die Stolpersteine dagegen erinnern konstant, sie sind mitten in unserem Alltag. Eine riesengroße, historische Karte. Denn die Ermordungen und Deportationen sind nicht irgendwo geschehen. Es waren Menschen aus unserer Nachbarschaft.

Hat das auch so viele Jahrzehnte später noch Wirkung?

25 Wir arbeiten bei der Verlegung und Pflege immer wieder mit Schulklassen zusammen. Anfangs hatten mich mehrere Lehrer gewarnt: Den Schülern stehe das Thema bis zum Hals. Ich habe meistens das Gegenteil erfahren. Viele junge Menschen wollen verstehen, wie das 30 alles passieren konnte. Und verhindern, dass es wieder passiert. Immer wieder sind es auch sie, die für Stolpersteine recherchieren und Spenden organisieren. In Berlin-Charlottenburg zum Beispiel haben Schulen Putzpatenschaften übernommen. Das ist gelebter Geschichtsunterricht.

Allerdings sind längst nicht alle Fans der Stolpersteine: In der Vergangenheit haben 35 sich Stadträte und Hausverwaltungen immer wieder gegen ihre Verlegung gewehrt.

Ja, hier in Villingen-Schwenningen zum Beispiel sind die Immobilienmakler gegen die Steine. Aus Angst, dass dann Neonazis angreifen, Scheiben einwerfen. Dass die Häuserpreise leiden. 40 Einmal hat ein Rechtsanwalt in Köln geklagt, dass sein Haus nun 100.000 Euro weniger wert sei. Er hat verloren. Das Gericht entschied: Die Steine wurden aus Bürgerspenden finanziert, die Straße gehört der Stadt.

Auch von jüdischen Stimmen gibt es Kritik. Ihre berühmteste Gegnerin ist Charlotte 45 Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und mehrere Jahre Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland. Sie nannte das Projekt „unerträglich".

Sie sagt, die Steine würden dazu einladen, die Opfer mit Füßen zu treten – so, wie es die Nazis gemacht haben. Und weil sie dagegen ist, haben sich mehrere Städte grundsätzlich gegen die Verlegung von Stolpersteinen ausgesprochen. [...]

Was entgegnen Sie dieser Kritik?

Ich kann sie nicht wirklich verstehen. Die Nazis haben ihre Opfer nicht einfach nur mit Füßen getreten, sie hatten ein ausgefeiltes Vernichtungsprogramm. Es ist außerdem kein Zufall, dass die Oberfläche der Stolpersteine aus Messing besteht. Dieses Material wird durch Benutzung blankpoliert. Heißt: Wer auf Stolpersteinen herumtrampelt, bringt sie dadurch zum Glänzen. Charlotte Knobloch wollte lieber eine Erinnerung auf Augenhöhe. Das Gute an den Steinen ist aber: Wenn man vor ihnen steht und etwas über die Opfer lesen will, muss man sich vor ihnen verbeugen. [...]

Sie sind 76 Jahre alt, noch heute verlegen Sie die meisten Steine selbst. Warum?

[...] Ich möchte die Menschen und ihre Namen dorthin zurückbringen, wo sie ihr Zuhause hatten. Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen wird. In meinem eigenen Leben habe ich lange Schweigen erlebt: In der Schule wurden die Verbrechen der Nazis nicht behandelt, mein Vater, der im Krieg war, sprach nie darüber. Für mich ist das Erinnern ein Lebenswerk geworden.

638 Wörter

Dahmer, L. (2023, 9. November). „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen wird". Tagesspiegel.

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Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

Write your email here:

Lösung: Dear [Friend's Name], Thanks for reaching out! The photo you found shows one of the "Stolpersteine" ("stumbling stones"), created by German artist Gunter Demnig. Started in 1995 to honor Sinti and Roma victims, it has become the world's largest decentralized memorial, with over 105,000 brass stones installed in sidewalks across Europe right in front of the victims' former homes. Unlike traditional monuments where people lay wreaths on specific memorial days, these stones make remembrance a part of everyday life. Schools frequently get involved by researching biographies, raising donations, and cleaning the stones. Demnig himself still travels continuously to lay the stones, emphasizing that a person is only forgotten when their name is forgotten. There has been criticism, however. Some real estate owners and city councils opposed them, fearing lower property values or attacks by neo-Nazis (though German courts ruled in favor of the stones). Prominent Jewish voices, notably Charlotte Knobloch, also criticized the concept, arguing that walking on the stones is disrespectful and akin to trampling on the victims. Demnig responded that Nazi atrocities were an organized extermination program, not merely "trampling." Furthermore, walking over brass actually polishes it and makes it shine, and reading the inscriptions requires bending down, which serves as a symbolic bow of respect to the victims. I hope this gives you good insight into the project! Best, [Your Name]

Write an email to your friend outlining the information on Gunter Demnig's project and responses to criticism of the project.

Lösung: Demnig's project – "stumbling stones"/"Stolpersteine": small brass cubes inscribed with names of victims of Nazism, laid into pavement in front of their former homes, commemorating those who were deported and murdered; purpose: honor the memory of the victims in their former neighborhoods and raise awareness of historical responsibility; first "stumbling stone" laid in Cologne in 1995 to commemorate persecuted Sinti and Roma; world's largest decentralized memorial with over 100,000 stones all over Europe; communities and schools involved in researching victims' stories, organization of funding, laying of stones, and their maintenance. Responses to criticism of the project – Demnig insists that laying the stones is not just a routine, but his life's work; some cities do not allow stones as stepping on them is considered disrespectful to victims; Demnig states that walking across stones has a polishing effect and reading inscriptions makes people bow, which can be seen as a sign of respect; a lawsuit about allegedly falling property values due to fear of neo-Nazi vandalism was lost, as the stones are privately funded and laid on public property.

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